elton_john_david_furnish.jpgEr hat zweifellos tolle Songs geschrieben. Allerdings hat man in musikalischer Hinsicht von Elton John seit einiger Zeit nichts besonderes gehört. Vielleicht sind ihm die Ideen ausgegangen oder das Eheleben mit David Furnish (Foto) lässt zum Komponieren keine Zeit mehr – wir wissen es nicht. Aber um im Gespräch zu bleiben, gibt es ja auch andere Möglichkeiten als eine groß aufgezogene Hochzeit oder einen neuen Hit. Und so fordert Elton John ein allgemeines Religionsverbot, weil angeblich alle Religionen den Hass auf Homosexuelle schürten und gibt nebenbei noch Tipps zur Verhinderung eines Dritten Weltkrieges.

Was Elton John hier veranstaltet, ist frech und feige zugleich. Natürlich haben die großen Religionen alle Vorbehalte gegen Homosexuelle, aber nur im Islam ist es lebensgefährlich, schwul zu sein. Und nur dort wird Hass gegen Schwule geschürt. Das aber traut er sich nicht zu sagen und keilt deshalb politisch korrekt gegen alle Religionen gleichermaßen aus. So kann man ihm keine Islamfeindlichkeit unterstellen. Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet Schwule sich weigern, den schlimmsten Verfolger Homosexueller dieser Zeit – nämlich den Islam – klar und deutlich zu benennen. In punkto Islam vergisst man gerne die Solidarität mit Gleichgesinnten. Auf der gleichen Schiene bewegt sich bekanntermaßen auch der Grüne Volker Beck, der die Tatsache, dass Schwule in islamischen Ländern hingerichtet werden, gleichstellt mit der Weigerung der katholischen Kirche, bekennende Homosexuelle zu Priestern zu weihen.

Der britische Popstar Sir Elton John (59) hat mit der Forderung nach einem völligen Religionsverbot für Aufsehen gesorgt. Zur Begründung erklärte der Vorkämpfer für die Rechte von Homosexuellen, Religion schüre Hass auf Schwule. (…) Religion sei nicht wirklich mitfühlend und verwandle Menschen in «Hass erfüllte Lemminge», wetterte der Superstar in einem Gespräch mit dem Musikmagazin der Sonntagszeitung «The Observer».

In „Hass erfüllte Lemminge“ – wozu auch immer dieser idiotische Vergleich mit unschuldigen Tieren gut sein soll – verwandelt von allen uns bekannten Religionen ausschließlich der Islam seine Angehörigen. Man kann dies in jeder Kindersendung, in Kinderbüchern, in allen Freizeitveranstaltungen im arabischen Raum sehen – und auch in Wohnheimen, Islamkundeunterricht und Moscheen hier bei uns. Aber das traut sich Elton John natürlich nicht zu sagen, er geht lieber wieder auf alle Religionen gleichermaßen los und unterstellt gleichzeitig, dass nur gläubige Menschen hasserfüllt sein können. Eine wahrhaft unverschämte Behauptung, denkt man an Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot … alle offenbar „tief religiös“.

Andererseits kenne er «sehr viele Leute, die schwul sind und ihre Religion lieben». Die «organisierte Religion» sei jedoch gegenüber Homosexuellen feindlich. «Ich würde Religion vollständig verbieten.»

Eine dümmere Bemerkung hat man selten gehört – und was für eine überaus tolerante Denkweise daraus spricht: Religionen verbieten! Will Elton John, der für seinen Lebensstil und seine Ansichten Toleranz einfordert, anderen Menschen vorschreiben, was sie zu denken, zu glauben und zu fühlen haben?

«Für sie werde ich kämpfen, ob nun still hinter den Kulissen oder auch so lautstark, dass man mich einsperrt.» Auch mit bald 60 Jahren (Geburtstag am 25. März 2007) könne und wolle er sich nicht zurücklehnen und schwere Probleme einfach ignorieren. «Die Leute kommen damit zu mir, und ich bin für sie ein wenig wie die Queen Mother.»

Was soll uns diese Bemerkung mit dem Einsperren sagen? Dass in Großbritannien Menschen, die sich für Homosexuelle einsetzen, in den Knast kommen? Dass es gefährlich ist, sich in Großbritannien für Schwule einzusetzen und Elton John deshalb ein mutiger, geradezu heldenhafter Kämpfer ist? Hier wird eine Verfolgung Homosexueller in der christlichen Welt suggeriert, die es de facto gar nicht gibt. Elton John sollte nach Teheran reisen, wenn er auf der Suche nach verfolgten Homosexuellen ist. Dort kann er dann erfahren, dass es nicht ums Einsperren, sondern ums nackte Überleben geht.

Und um seine Gutmenschlichkeit zu vervollständigen, ruft Elton John gleich auch noch zu Protesten gegen den Irak-Krieg auf und gibt Tipps, wie man den Dritten Weltkrieg verhindert: Die Führer der großen Religionen sollen gemeinsam in Klausur gehen. Gerade wollte er die Religionen noch verbieten, jetzt sollen sie den Weltfrieden retten. Ja, was denn nun, Sir Elton John?

(Spürnase: Phygos)

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28 KOMMENTARE

  1. deswegen waren die realexistierenden sozialistischen Staaten auch so homophil??? Natürlich, wenn man den Begriff „Religion“ weiter fasst…. ggg

  2. vielleicht hat sir elton die falsche seiner zahlreichen brillen aufgesetzt. kann ja mal passieren, wenn man so viele (und noch dazu so -sagen wir es mal höflich- ausgefallene) exemplare hat. man sollte also nachsichtig sein, noch dazu, wenn diese worte aus dem mund eines künstlers kommen. die sehen sie welt sowieso mitunter aus einer perspektiven, die einem normalsterblichen absolut unbegreiflich sind.

  3. vielleicht sollten wir zu diesem thema noch weitere experten, wie z.b. robbie williams, befragen, dessen fundierte kommentare zu allen diese welt bewegenden themen immer wieder interessant sind. man könnte aber auch das nächste tierheim besuchen und einen der dort auf vermittlung wartenden strassenköter befragen. deren gekläffe ist sicher ebenso interessant …

  4. mit dem Ruf nmach Verbot aller Religionen fügt Elton John den Homos grossen Schaden zu. Sein Statement ist wunderbar geeignet, das Vorurteil zu unterstützen, dass Homos nur Toleranz für sich selber fordern, selbst dagegen ziemlich intolerant sind.

  5. Na da setzt wohl bei einigen die wahrnehmung aus. der § 175 wurde in deutschland von der kath kirche bis zu letzt verteidigt. ein schwuler verheirater arzt wird in einem katholischen krankenhaus gekündigt. das verstösst gegen deren weltanschauung. na lar ist das was anderes als rübe ab. aber homophob sind auch die christen.

  6. Süß, wirklich süß.

    Besonders die „haßerfüllten Lemminge“.

    Ist das die neue Promotion für Sir Elton’s langweiligen Töne?
    Oder ist er jetzt beim billigsten aller Brillen-Discounter unter Vertrag?

    Kaum zu glauben.
    Mal seh’s, wer von diesen „Künstlern“ als nächster solche TOLLEN Vorschläge zwecks Rettung der Welt macht…

    Aber zur „fünften Jahreszeit“ sind solche Ideen natürlich immer gern gesehen.

  7. Für mich sieht das ganz so aus, als ob Elton John endlich verstanden hätte, was gerade auf dem Spiel steht. Die politische Korrektheit (und die Furcht vor Umsatzeinbußen?) verbieten ihm eben, auszusprechen, daß seine Aussagen in Wahrheit vor allem auf den Islam gemünzt sind.

  8. aber homophob sind auch die christen.

    Ja, das ist richtig. Im ernst genommenen Christentum ( und Judentum )wird Homosexualität abgelehnt.

    Na und?

    ES gibt kein Menschenrecht darauf, gleichzeitig schwul zu sein und ein Anrecht darauf zu haben, nach katholischer Lehre in den Himmel zu kommen.

    Ich halte es darüber hinaus für absolut in Ordnung, dass jeder Arbeitgeber sich seine Mitarbeiter frei und ohne Rechenschaftspflicht für die Gründe aussuchen kann. Ein katholisches Krankenhaus ist nicht verpflichtet, schwule Ärzte einzustellen und eine von Homosexuellen betriebene Videothek ist nicht verpflichtet, Katholiken einzustellen.

    Es genügt vollkommen, wenn der säkulare Staat weder Homosexuelle noch Katholiken verfolgt und diskriminiert. Privatpersonen und -unternehmen sollten diskriminieren dürfen, wen immer sie wollen, solange sie sich nicht strafbar machen ( was erst bei persönlicher Beleidigung anfängt)

    Das ist aber Gedankengut, das leider zur Zeit verloren geht.

  9. @ eisvogel

    sehr gut!

    es gibt einen kleinen, aber feinen unterschied. islamisten folgen ihrem allah und seinen verkündern blind, in islamistischen staaten geht’s den homosexuellen im wahrsten sinne des wortes an den kragen.

    in der westlichen welt hält sich der staat raus und jeder kann -so lange es auf einer legalen basis erfolgt- sein eigenes verhältnis zum thema homosexualität haben und entsprechend mit homosexuellen menschen umgehen.

    sicher sitzen da im vatikan einige, die hierzu eine bestimmte meinung haben. nur wird diese von den „normalen“ christen zwar zur kenntnis genommen, aber keiner käme auf die idee, deshalb homosexuelle zu verfolgen und zu töten. in unserer westlichen welt haben nämlich die meisten gelernt, selbst zu denken und sich nicht an das zu klammern, was im vatikan erzählt wird. dass die organisationen des vatikan keine homosexuellen einstellen ist deren entscheidung (wobei eine nichteinstellung sicher ein klein wenig harmloser ist als z.b. eine enthauptung, d.h. alleine hier ist schon zu sehen, dass man im vatikan etwas humaner eingestellt ist) und der rest der bevölkerung entscheidet über diese frage selbst.

    sicher gibt es einige hardcore-christen, wobei ich der meinung bin, dass diese meist schon die folge-stufe der heiligkeit erreicht haben: die scheinheiligkeit. diese behandeln die homosexuellen jedoch noch lange nicht so, wie es die islamisten tun.

  10. @Eisvogel #10
    „…ich halte es darüber hinaus für absolut in Ordnung, dass jeder Arbeitgeber sich seine Mitarbeiter frei und ohne Rechenschaftspflicht für die Gründe aussuchen kann. Ein katholisches Krankenhaus ist nicht verpflichtet, schwule Ärzte einzustellen und eine von Homosexuellen betriebene Videothek ist nicht verpflichtet, Katholiken einzustellen.“

    Wohl wahr!

    Obwohl es ja zwischen den beiden Mengen „Schwule“ und „Katholiken“ dem Vernehmen nach durchaus eine bemerkenswerte Schnittmenge geben soll, wenn ich hier mal die Boole’sche Algebra bemühen darf.

    Ansonsten: d’accord.
    Tendenzbetriebe sind Tendenzbetriebe.
    Ich stelle auch keinen Mohammedaner ein.
    Übrigens auch keinen Raucher.

    🙂

  11. Schade. Er sollte dabei bleiben, sich nur in Liedtexten zu äußern, die sind wenigstens interpretationsfähig, wie zum Beispiel dieser hier. Was wollte uns der Künstler damit sagen? So, wie ich diesen Text immer verstanden hatte (nämlich positiv) müßte er seinen Standpunkt schon ziemlich geändert haben, um bei den obigen Platitüden anzukommen…

  12. Aufpassen, sonst wirft euch die Blogosphäre wieder Homo-Bashing vor. Nicht die heiligen Kühe der liberalen Blogospähre anrühren;)

  13. @ HabriFFM
    kann ich mir nicht vorstellen und es waere auch unbegruendet – PI hat doch ganz neutral von seiner Hochzeit geschrieben.

  14. Wie ich schon früher sagte, dazu wird es kommen, wenn es die finale Auseiandersetzung zwischen Islam und dem Rest der Welt gegeben haben wird.

    Aber und das sei auch jedem klar!

    Ein weltweites Verbot aller Religionen also sowohl der falschen, als auch der weniger falschen, als auch dem richtigen Glauben bedeutet nichts anderes als das Gott verboten werden soll, ich sage absichtlich verboten werden soll, denn Gott wird sich nicht verbieten lassen, jedenfalls nicht länger als die bereits erwähnten 1230 Tage in der Bibel – die der grossen Verfolgung, Drangsalierung. Unterdrückung usw. – Wenn also eines Tages die UNO (und das wäre ja dann das Tier, mit der globalen Macht, welches mit dem Weltreich der Religionen abrechnet, (Hure Babylons) dann werden zwar die Religionen verboten sein, aber Gott damit gleichzeitig mit verbieten zu wollen, führt direkt zu John 16:16. Und diejenigen die sich innerhalb dieses „Verbotszeitraums“ blenden lassen und meinen nun den ultimativen Frieden auf Erden gefunden zu haben, werden spätetens nach diesen 1230 Tagen Ihr blauestes Wunder erleben.

    GOTT LÄSST SICH NICHT VERBIETEN.

    Schönen Gruss

    CA
    PS: 16/15. Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und hält seine Kleider, daß er nicht bloß wandle und man nicht seine Schande sehe.

  15. mann kann natürlich religion nicht verbieten. weder den islam (leider) noch das christentum. man kann als schwuler nur verlangen im öffentlichen und staatlichen bereich von anderer leute privater weltanschauung nicht belästigt und diskriminiert zu werden. und so hat es elton john ja wohl auch hoffentlich gemeint.

    das ich als schwuler im iran u.u. öffentlich hingerichtet werde weiss ich schon. das ist mir aber eher egal, wenn ich morgen gekündigt werde, weil ich meinen freund geheiratet habe und das meinem katholischen arbeitgeber nicht passt.

  16. Das es in Londonistan unter der dedacto in vielen Ortsteilen schon herrschenden Sharia schon bald zu iranischen Zuständen kommen wird, ist nicht so abwegig. Da könnte es für Homosexuelle bald ein Tanz auf Messersschneide“ werden, sich dort im öffentlichen raum zu bewegen. Von einem reinen Popselbstdarsteller sollte man in diesem Zusammenhang keine allzu stringente Argumentationskette erwarten. Eher ist er als nützliches Testintsrument ( Dummy) zu bewerten. Mal sehen wie der Muselmob auf diese Aussage reagiert.

  17. Eine ähnliche Schmonzette verzapfte einst John Lennon: keine Religion und so, dann wird der Frieden schon kommen – erschossen wurde Lennon trotzdem. Wenigstens aber machte er bessere Musik als Elton John, dessen Huldigung an einen königlichen Nichtsnutz (inzwischen als Heilige verehrt) mir noch immer schlimmer in den Ohren schmerzt als der Unfug, den er mit seiner jetzigen Forderung verzapft hat.

  18. [i]“Der britische Popstar Sir Elton John (59) hat mit der Forderung nach einem völligen Religionsverbot für Aufsehen gesorgt.“[/i]

    Täuscht mich meine Erinnerung, oder ist Mao damit nicht schon ebenso kläglich gescheitert wie Stalin?

    Wer mich jetzt so verstehen möchte, daß ich allein das Ansinnen dieses Pop-Zombies bereits für stalinistisch (also für faschistoid) halte, den werde ich NICHT korrigieren…

  19. @Mir – da stimme ich Dir absolut zu. Der Mann ist eben vorsichtig geworden, schlechte Beispiele gibt’s ja genügend (S. Rushdie)…

  20. Man darf auch nicht vergessen, das 70 Jahre Barberei von totlitären Systemen mit Atheismus als Prinzip wesentlich mehr Opfer brachten als Jahrhunderte reigöser Wahn. Schon der Guilotinenwahn der atheistischen Jakobiner brachte ein Vielfaches der Opfer des spanischen Inquisition.

  21. @ Stalker
    „Jakobiner (…) Abgeleitet ist der Name von dem Ort ihrer Treffen, dem Dominikanerkloster Saint-Jacques in Paris.“

    Ja, klingt ueberzeugend „atheistisch“…

  22. Der letzte Beitrag zu dieser Diskussion ist zwar schon etwas älter, aber ich möchte dennoch meinen Senf dazu geben. Und zwar in dem ich Elton John, der hier ja so gut wie ausnahmslos Prügel einstecken musste, ein wenig in Schutz nehme.

    1.Ansatz: Wie wären hier wohl die Reaktionen ausgefallen, wenn die Forderung nach einem Religionsverbot nicht von Elton John gekommen wäre, sondern von einer anderen seriösen, anerkannt heterosexuellen Person des öffentlichen Lebens und wenn der Hinweis auf das Leid der Schwulen unterblieben wäre? Ich bin überzeugt, hier wäre größtenteils das Gegenteil dessen, was hier verbreitet wurde, zu lesen.
    2.Ansatz: Leider ist es heute so, dass man sich mit dem, was man zu sagen, kurz fassen muss, wenn es überhaupt zur Kenntnis genommen werden soll. Hätte Elton John seine Ansichten ausführlich und vielleicht sogar nach Religionsgemeinschaften differenziert in einer mehrere Dutzend Seiten umfassenden Erklärung dargelegt, wäre er doch niemals damit in die Presse gekommen oder das ganze wäre doch wieder auf einen Einzeiler verkürzt worden. Also hier mal der Versuch einer Interpretation: Elton John wendet sich nicht gegen den Glauben an einen Gott. Er wendet sich schon gar nicht gegen die Menschen, die an einen Gott glauben. Er wendet sich gegen die Institutionalisierung der Religionen und ihre Institutionalisierungen. Religion an sich wird von Elton John nicht abgelehnt. Eine Religion (zumindest die mir näher bekannten) ist aus sich heraus nicht böse oder gegen die Menschen gerichtet. Und ein gläubiger Mensch kommt von alleine kaum auf Gedanken, andere Menschen aus dem Land zu vertreiben, sie zu bedrohen, zu foltern, zu verbrennen, zu steinigen oder auf andere barbarische Art und Weise mit ihnen umzugehen. Es sind die von wem auch immer ernannten Religionsführer, die die Menschen aufhetzen, die Ihnen das vermeintlich Gute und vermeintlich Böse einbläuen, die Gehorsam erwarten und sich an Stelle Gottes zum Herr über Leben und Tod aufschwingen. Dagegen wendet sich Elton John. In diesem Sinne hat er Recht und ich froh, dass er sich zu Wort gemeldet hat, auch wenn sich nicht jedem gleich erschließt, was er gemeint hat.

  23. Der letzte Beitrag zu dieser Diskussion ist zwar schon etwas älter, aber ich möchte dennoch meinen Senf dazu geben. Und zwar in dem ich Elton John, der hier ja so gut wie ausnahmslos Prügel einstecken musste, ein wenig in Schutz nehme.

    1.Ansatz: Wie wären hier wohl die Reaktionen ausgefallen, wenn die Forderung nach einem Religionsverbot nicht von Elton John gekommen wäre, sondern von einer anderen seriösen, anerkannt heterosexuellen Person des öffentlichen Lebens und wenn der Hinweis auf das Leid der Schwulen unterblieben wäre? Ich bin überzeugt, hier wäre größtenteils das Gegenteil dessen, was hier verbreitet wurde, zu lesen.
    2.Ansatz: Leider ist es heute so, dass man sich mit dem, was man zu sagen, kurz fassen muss, wenn es überhaupt zur Kenntnis genommen werden soll. Hätte Elton John seine Ansichten ausführlich und vielleicht sogar nach Religionsgemeinschaften differenziert in einer mehrere Dutzend Seiten umfassenden Erklärung dargelegt, wäre er doch niemals damit in die Presse gekommen oder das ganze wäre doch wieder auf einen Einzeiler verkürzt worden. Also hier mal der Versuch einer Interpretation: Elton John wendet sich nicht gegen den Glauben an einen Gott. Er wendet sich schon gar nicht gegen die Menschen, die an einen Gott glauben. Er wendet sich gegen die Institutionalisierung der Religionen und ihre Institutionalisierungen. Religion an sich wird von Elton John nicht abgelehnt. Eine Religion (zumindest die mir näher bekannten) ist aus sich heraus nicht böse oder gegen die Menschen gerichtet. Und ein gläubiger Mensch kommt von alleine kaum auf Gedanken, andere Menschen aus dem Land zu vertreiben, sie zu bedrohen, zu foltern, zu verbrennen, zu steinigen oder auf andere barbarische Art und Weise mit ihnen umzugehen. Es sind die von wem auch immer ernannten Religionsführer, die die Menschen aufhetzen, die Ihnen das vermeintlich Gute und vermeintlich Böse einbläuen, die Gehorsam erwarten und sich an Stelle Gottes zum Herr über Leben und Tod aufschwingen. Dagegen wendet sich Elton John. In diesem Sinne hat er Recht und ich froh, dass er sich zu Wort gemeldet hat, auch wenn sich nicht jedem gleich erschließt, was er gemeint hat.

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