Prozess gegen zwei zum Christentum konvertierte TürkenMoslemvertreter behaupten ja gerne vom Islam, dass dieser selbstverständlich andere Religionen respektieren würde. Die praktische Umsetzung erleben wir gerade in der als sekulär und gemäßigtes islamisches Land geltenden Türkei.

Zwei zum Christentum konvertierte Türken stehen seit Donnerstag wegen Verunglimpfung des Türkentums und Anstiftung zum religiösen Hass gegen den Islam vor Gericht. Die Behörden werfen den beiden 37 und 46 Jahre alten Männern laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi in diesem Zusammenhang vor, sie hätten versucht, andere Türken zum Christentum zu bekehren. Grundlage der Anklage ist der umstrittene Paragraf 301, der die „Verunglimpfung des Türkentums“ unter Strafe stellt. Die Europäische Union fordert schon seit längerem eine Abschaffung dieses Tatbestandes. Hakan Tastan und Turan Topal wird vorgeworfen, den Islam als „primitive und erfundene“ Religion bezeichnet zu haben. Türken würden „Barbaren“ bleiben, solange sie Muslime blieben, sollen die beiden Männer gesagt haben. Tastan und Topal könnten zu bis zu neun Jahren Haft verurteilt werden. (…)

Wie man sieht, gibt es unterschiedliche Auffassungen des Begriffes „Religionsfreiheit“.

(Spürnase: André M.)

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13 KOMMENTARE

  1. Ja.. Religiöse Freiheit! Nur muss man wissen welche Feligion unter diese Freiheit hienkommen kann… Alle andere sind ausgeschloßen, und nicht als Religion (Glaibe an Allah)anerkannt, sondern als Satanische Machenschaft! Dass man diese nicht Freiheit gewären kann, dass müsste doch jedem klar sein… oder doch nicht?

    Tiqvah Bat Shalom

  2. Ach, diesmal nicht Beleidigung des Türkentums? Ach doch. Anstiftung zum religiösen Hass hat die für Europa bereite Türkei sicherlich dazu genommen, falls der Türken§ nicht zieht oder sich das Ausland(Frankreich)empört.

  3. Im Prinzip ist dieser Paragraph doch recht gut, oder?
    Den sollte man mal in D einfuehren und dazu eine Bestrafung aus Singapur: Koeperliche Zuechtigung mit dem Bambusknueppel.

    In kuerzester Zeit waeren solche Sprueche wie „deutsche Schlampe“ Vergangenheit…
    Ausserdem koennte man so die Gefaengnisse entlassten, wenn man anstatt jedes Kinkerlitzchen mit komfortablen Staatsaufenthalt und Soz.paed. Gesellschaft belohnt, mal das nachholt, was die Eltern bei Zeiten versaeumten.

    SB

  4. Angeblich ist die Türkei laizistisch. Aber wie kommt es dann, daß sich solche islamischen Relikte dort im Strafrecht halten?

    Anders gefragt: was hat eine religiöse Frage (hier also das angebliche Missionieren ) mit einer „Verunglimpfung“ des Türkentums zu tun?

    Solche Staaten braucht die EU wirklich nicht.

  5. Versteh ich nicht. Was meinst Du damit?
    Aramäer sind Christen, oder?

    Trotzdem ist die Türkei als Staat doch ANGEBLICH nicht vom Islam geprägt.

    Laizistisch seit Atatürk, oder irre ich mich?

  6. Was ich damit meine ist das die Aramäerin der Türkei unterdrückt werden und das nicht zu knapp.

    @D.S.
    Klar die Türkei ist selbstverständlich islamisch geprägt das was Atatürk mal propagiert hat ist doch längst Vergangenheit.Man sollte auch immer die Steinzeitislamisierung seit Khomenie im Hinterkopf behalten, die seit 1979 läuft, auch wenn die Türken grösstenteils Suniiten sind und erdogan ist einer der das weiter förtführt, liess Dir doch mal auf Wicki oder so seinen Werdegang durch.

    ca
    http://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdo%C4%9Fan

  7. Klugscheisser:““Verunglimpfung des Türkentums“

    ich lach mich jedes Mal wieder schlapp darueber“

    Ja, Du hast Recht Klugscheisser, der ist wirklich gut 🙂

  8. „Hakan Tastan und Turan Topal wird vorgeworfen, den Islam als „primitive und erfundene“ Religion bezeichnet zu haben. Türken würden „Barbaren“ bleiben, solange sie Muslime blieben, sollen die beiden Männer gesagt haben.“

    wenn die beiden das wirklich gesagt haben, liegen sie sehr dicht an der Wahrheit..und das ist offenbar gefährlich.

  9. Die Meinung der beiden steht doch im Einklang mit Atatürk. Ich frage mich wie man daraus eine Verunglimpfung dieses ominösen Türkentums, welches ja von Atatürk herrührt, ableiten kann.

  10. „Der türkische Staat ist laizistisch“. Der Satz ist schnell falsch verstanden, wenn man dabei einen Laizismus wie den in Frankreich vor Augen hat. Der Kemalismus hat vielmehr den Versuch unternommen, den Islam in der Türkei dem Staatswesen unterzuordnen. Es gibt die staatliche Religionsbehörde, die für die Ausbildung der Imame und die Überwachung der Moscheen verantwortlich ist. Ihr Arm reicht bis in die Moscheen in Deutschland, die der Ditib angehören. Diese staatliche Behörde ist ausschließlich für den Islam zuständig, die Existenz anderer Religionen in der Türkei wird ansonsten verleugnet. Insofern ist eigentlich der „gezähmte“ Islam die Staatsreligion der Türkei, während die übrigen Religionen vom Staat diskriminiert werden, statt wie sonst üblich von den Muslimen. So wird christlichen Gemeinden der Rechtsstatus der juristischen Person verweigert. Sie können keine Verträge schließen und nicht Eigentümer der Kirchen und ihrer Grundstücke werden. Deren Eigentümer ist der türkische Staat, der sie auch gern mal umnutzt – als Lagerhalle, Kaserne oder Pornokino.
    Die griechisch-orthodoxe Kirche ist besonders arg von der Diskriminierung betroffen. Da das Staatsgebiet der heutigen Türkei bis ins 14. Jahrhundert Siedlungsraum von Griechen war, galten ethnische Griechen bis zur fast vollständigen Vertreibung in der 1950er Jahren als Staatsfeinde und der orthodoxe Glaube als eine Feindesreligion. So wurde es Gesetz, dass die orthodoxen Priester türkische Staatsbürger sein müssen. Als aber 1973 die Priesterseminare den staatlichen Universitäten angegliedert werden sollten, wehrten sich die Orthodoxen gegen die staatliche Einflussnahme. Als Konsequenz wurden die Priesterseminare geschlossen. Die Folge ist, dass den orthodoxen Kirchen in der Türkei der Priesternachwuchs ausgeht und die verbleibenden immer älter werden – der Patriarch von Konstantinopel hat ein schweres Problem bei der Nachfolgeregelung, was auch Thema des Papstbesuches nächste Woche sein soll.

  11. Erst seit kurzem ist es christlichen Gemeinden in der Türkei möglich, über ein kompliziertes Stiftungsverfahren Eigentum an Grundstücken und Kirchen zu erwerben und sich um deren Instandhaltung selbst zu kümmern.
    Die Gefahr der Radikalisierung der staatlichen Religionsbehörde wurde bereits von Atatürk gesehen und ist bis heute eine Ursache von Besorgnis im Militär, dem Gralshüter des Kemalismus. Paradoxerweise hat das europäische Bestehen auf einer Beschränkung des militärischen Einflusses dazu geführt, dass über die staatliche Behörde ein zunehmend fundamentalistischer Islam verbreitet wird.
    Die aktuelle Regierung um Recep Tayyip Erdogan besteht aus verkappten Extremisten – Erdogan selbst und sein Vorgänger und politischer Ziehvater Necmettin Erbakan wurden bis zu deren Wahlsieg 1997 in Europa auch so bezeichnet. Heute dagegen heißen sie „geläuterte Islamisten“, oder man verschweigt ihre politische Ausrichtung gänzlich.

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