Es ist mittlerweile früher Abend und Mario M. darf seine One-Man-Show immer noch fortführen. Warum eigentlich ist die Polizei nicht schon längst auf das Dach gestiegen und hat den Schwerstverbrecher versucht abzuführen? Aus lauter „Angst“, er könnte springen und sich womöglich verletzen???

Hier wie japanische Polizeibeamte mit einem Mann umgegangen sind, der einen Jungen als Geisel genommen hat und damit drohte, ihn umzubringen.

Wir sind uns durchaus im klaren, dass dieser Fall nicht direkt mit der gegenwärtigen Situation um Mario M. vergleichbar ist, wird doch von ihm im Moment kein unschuldiges Leben bedroht. Aber genau deshalb fragen wir uns: Worauf – verflixt noch einmal – nehmen unsere Vollzugsorgane eigentlich Rücksicht? Die in Geiselfällen übliche Begründung des größtmöglichen Schutzes Unschuldiger kommt hier nicht in Betracht. Also was genau hindert unsere Polizei am energischen Eingreifen?!?

(Spürnase: Gudrun Eussner)

» Tagesspiegel: Vater von Stephanie ist fassungslos
» BILD: Wann holen sie ihn da endlich runter?

Update:
Ein Ziel hat Mario M. jedenfalls dank unserer windelweichen Verbrecherversteher erreicht: Stefanie wird morgen nicht wie geplant vor Gericht aussagen. M. hatte ihr ja schon während ihrer Gefangenschaft erklärt, dass seine Macht auch reicht, sie zu töten, wenn er im Gefängnis sitzt. Nun sieht sie, sie haben ihn nicht mal im Knast im Griff!

Die 14-jährige Schülerin, die von dem Angeklagten entführt und mehrfach sexuell missbraucht wurde, war als Zeugin geladen. Sie wird nach dem Vorfall in der Justizvollzugsanstalt Dresden nicht wie ursprünglich geplant vor Gericht aussagen. Das sagte ihr Rechtsbeistand Thomas Kämmer im Fernsehsender N24. Der Vater von Stephanie sei „völlig außer sich“, sagte Kämmer.

Für das Mädchen sei der Vorfall ein „Rückschlag“. Es sei ihre „schlimmste Befürchtung“, dass Mario M. wieder „rauskommen könnte“. „Wer es nicht schafft, den Angeklagten im Gefängnis unter Kontrolle zu behalten, schafft dies auch nicht im Gerichtssaal“, sagte Kämmer. Der Angeklagte habe ein „Gewalt- und Täuschungspotenzial ohne Gleichen“. Der Anwalt forderte im Namen der Familie die sofortige Suspendierung des Gefängnisleiters Ulrich Schwarzer und einen „kontrollierten Vollzug“ des Angeklagten. Es müsse geklärt werden, warum M. überhaupt Freigang erhalten habe.

Vielleicht liegt das daran, dass Mario M. als nicht besonders fluchtgefährdet galt. Er hatte ja nur gerade erst am ersten Verhandlungstag versucht, aus dem Gerichtssaal wegzulaufen…

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