Saddam-Hinrichtung: „Alle Berufsbetroffenen – Klappe halten!“

saddam_executed.jpgDa bin ich doch mal ganz Gutmensch und finde, man muss eben auch die fremde Kultur respektieren. Die Iraker, die der großartigen Religion des Friedens anhängen, empfinden nun mal die Tötung eines Feindes als etwas ganz normales. Alles andere wäre auf Unverständnis gestoßen. Man sollte das mal als kulturelle Bereicherung sehen, zumal auch bei uns die Todesstrafe mit der Einführung der Sharia wiederkommen wird. Da finde ich Claudia Roth jetzt ein stückweit arrogant, dass sie den Muslimen unsere Rechtsvorstellungen aufdrängen will.

Außerdem haben wir doch gelernt, alles mit Parallelen aus der eigenen Geschichte zu entschuldigen. Da brauchen wir diesmal noch nicht einmal bis zu Kreuzzügen zurück. Auch in der von Friedrich Ebert ausgerufenen Republik gab es ganz selbstverständlich noch die Todesstrafe. Und war der etwa kein vorbildlicher Menschenrechtler und Demokrat? Sogar Sozialdemokrat! Und was feiern die Franzosen am 14. Juli anders als eine Massenexekution, zu deren Zweck eigens eine nützliche Maschine erfunden wurde? Und der vatikan ist jetzt auch gegen die Todesstrafe? Seit wann? Seit Franco tot ist? Wurde oder wird irgendwo auf der Welt ein Katholik hingerichtet, ohne dass ein katholischer Priester im Auftrag seiner Kirche neben dem Galgen steht?

Mich persönlich berührt es mehr, wenn im Iran 16-jährige Mädchen an Baukränen aufgehängt werden, weil sie Opfer von Vergewaltigung werden. Alle Berufsbetroffenen, die dazu schweigen, sollten auch jetzt die Klappe halten.

(Kommentar von Outcut zum PI-Beitrag „Gutmenschen aller Couleur verurteilen Husseins Hinrichtung“)




Steinmeier will in Somalia den Dialog auch mit den Islamisten

Unser Außenminister scheint zunehmend von allen guten Geistern verlassen. Nun ruft er zum Dialog „aller Beteiligten“ in Somalia auf und wertet damit die islamischen Terroristen als gleichwertige Verhandlungspartner auf. Die Konfliktparteien sollten zu einem Dialog „zurückfinden“. Da fragt man sich unwillkürlich, wann sie je einen geführt hätten.

Die Bundesregierung will in Somalia vermitteln und hat die Konfliktparteien zum Dialog aufgerufen. „Die Zeichen hierfür könnten günstig stehen, wenn alle Beteiligten sich ihrer Verantwortung bewusst sind“, zeigte sich ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin zuversichtlich.

Sicher sind die islamischen Terrorhorden sich ihrer „Verantwortung“ bewusst. Dafür sind sie bekannt, und Dialoge sind prima, um Zeit für die Reorganisation und Wiederbewaffnung zu finden

Zugleich geht es laut Auswärtigem Amt „auf politischer Ebene darum, dass wir zu einem Dialog der Konfliktparteien zurückfinden“. Dazu stehe Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Kontakt mit wichtigen Gesprächspartnern, darunter die Generalsekretäre der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga sowie der EU-Außenbeauftragte Javier Solana. Zudem solle die Afrikabeauftragte des Auswärtigen Amtes, Dorothee Janetzke-Wenzel, am Samstag in die Region reisen und Gespräche in Nairobi, Addis Abeba und Kairo führen.

Nun wird es sowohl den Islamisten als auch der legitimen Regierung Somalias ziemlich egal sein, mit wem Wichtigtuer Steinmeier über ihre Köpfe hinweg Dialoge führt. Aber diese Anmaßung, der somalischen Regierung Gespräche mit den Islamisten aufnötigen zu wollen, ist schon ungeheuerlich und man fragt sich unwillkürlich, was treibt diesen Mann an, sich so für die Islamisten einzusetzen? Die Sorge um die humanitäre Situation der Menschen kann es nicht sein, denn die war ihm auch egal, als die Bevölkerung unter die Scharia gezwungen wurde.

Was für Leute es sind, die Steinmeier der somalischen Regierung als Gesprächspartner ans Herz legt, beschreibt Rolf Tophoven in der Welt unter dem Titel „Somalia wird zur neuen Basis für al-Qaida„. Da kann man nur gute Unterhaltung wünschen!

(Spürnase: Cay)




Gutmenschen aller Couleur verurteilen Husseins Hinrichtung

Die Verurteilung der Hinrichtung von Massenmörder Saddam Hussein hat begonnen. Die empörten Reaktionen der hyperventilierenden Gutmenschen überschlagen sich geradezu. Jeder will dabei gewesen sein, sich von der Hinrichtung zu distanzieren und seiner Abscheu darüber Ausdruck zu geben. Nicht nur das bekannte personifizierte moralische Gewissen der Nation in Gestalt von Claudia Roth – nein, Politiker aller Parteien sind wahlweise „empört“, „betroffen“ oder „enttäuscht“, nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa, und auch der Vatikan findet Husseins Tod „tragisch“.

Die in der großen Koalition vereinten Volksparteien SPD und CDU verurteilten einhellig die Hinrichtung.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, sprach am Samstag von einer verpassten Chance für den Irak, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Der SPD-Europapolitiker Martin Schulz nannte die Hinrichtung Saddams einen „staatlich sanktionierten Mord“.

Polenz sagte dem Deutschlandfunk: „Ich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe und auch gegen die Todesstrafe im Fall von Saddam Hussein.“ Mit der Vollstreckung des Urteils sei zudem die strafrechtliche Aufarbeitung der unter Saddam begangenen Verbrechen gestoppt worden, sagte der CDU-Politiker. Bevor sich ein Land versöhnen könne, müsse es sein Verhältnis zur Vergangenheit klären.

Für die Grünen durfte sich wie erwartet Nervensäge Claudia Roth empören:

„Die Hinrichtung des ehemaligen irakischen Diktators ist weder gerechtfertigt, noch ein „Meilenstein“, wie von US-Präsident Bush behauptet.

Saddam Hussein stand zu Recht vor Gericht und mußte für seine menschenverachtenden Taten verurteilt werden. Die Todesstrafe aber ist jedoch durch nichts zu rechtfertigen, denn sie ist die finalste Menschenrechtsverletzung und nicht Ausdruck eines starken Staates. Es bleibt zu befürchten, dass ihr Vollzug nun nur noch mehr Haß, Chaos und Tod im Irak erzeugen werden.“

Hier wird die besondere Empörung durch ein „final“ im Superlativ zum Ausdruck gebracht. Na, wenn das nicht was Besonderes ist! Eine Todesstrafe ist somit eine noch viel finalere Menschenrechtsverletzung als die Verbrechen, für die sie verhängt wurde. Dieselbe Roth hätte mit diesen Argumenten natürlich auch die Hinrichtung der Nazi-Größen beweint. Denn die Todesstrafe ist ja durch nichts, nichtser, am nichtsesten zu befürworten! Martin Schulz, Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, entblödete sich nicht, gar von einem „staatlich sanktionierten Mord“ zu sprechen.

Zugleich kritisierte er die Reaktion von US-Präsident George W. Bush, der die Hinrichtung als einen Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak bezeichnet hatte. Diese Äußerung sei völlig inakzeptabel, sagte Schulz.

Alles klar? Hussein verteidigen, Bush verurteilen – da weiß man gleich, was Sache ist. In der übrigen Welt gab es durchaus gemischte Reaktionen. Bush, Blair und die australische Regierung begrüßten die Hinrichtung, während Frankreich und die Schweiz Kritik übten. Immerhin hat Frankreich betont, dass es sich um eine vom irakischen Volk gewollte Entscheidung handelte.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete dagegen die Hinrichtung als einen bedeutsamen Schritt weg von den Menschenrechten.

Sehr aufschlussreich, die Hinrichtung eines der schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Gegenwart ist ein „bedeutender Schritt weg von den Menschenrechten.“ Und aus dem Vatikan hört man folgende Stellungnahme

Sprecher Frederico Lombardi bezeichnete es als tragisch, dass der frühere irakische Präsident gehängt worden sei.

Wir fanden eher die Leiden und das Sterben von Husseins Opfern tragisch. Wer vergessen haben sollte, um wen hier so laut geweint wird, der sollte den wirklich guten Artikel auf SpOn von Alexander Schwabe lesen, der schon mit der Überschrift deutlich macht, um wen es hier geht, um den Barbaren von Bagdad Er beginnt so:

Saddam Hussein war eine Ausgeburt des Bösen. Das Unheil begann bereits vor jenem 28. April 1937, als Saddam Hussein in dem Dorf al-Audscha nahe Tikrit rund 150 Kilometer nördlich von Bagdad geboren wurde.

Sagt uns dann, was diese „“Ausgeburt des Bösen“ über die Menschheit brachte:

Saddam war unendlich grausam: 1980, nur ein Jahr nachdem er die alleinige Macht übernommen hatte, zog er in den verlustreichen, achtjährigen Krieg gegen Iran (schätzungsweise 350.000 Tote und 650.000 Verwundete auf beiden Seiten). Danach lief die sogenannte Anfal-Kampagne an: 4000 kurdische Dörfer wurden entvölkert und zerstört. 1988 griff die Armee des Terror-Regimes das irakische Kurdendorf Halabdscha mit Nervengas an. Binnen weniger Stunden starben 5000 Menschen einen grausamen Tod. Insgesamt kamen durch Saddams Völkermordpolitik rund 180.000 Kurden um. 1991 griff der Diktator Kuweit an.

Und endet so:

Als das Urteil gesprochen war, „Tod durch den Strang“, gab Saddam umgehend den Märtyrer: Wie ein Apostel schrieb er in seinen letzten Tagen einen Brief „an das irakische Volk“. „Ich opfere mich. Wenn es Gottes Wille ist, dann wird er mich in eine Reihe mit den wahren Männern und Märtyrern stellen.“ In Wahrheit stellte er sich selbst in diese Reihe – wie ihn sein Onkel in die Gefolgschaft Nebukadnezars und Saladins gestellt hatte. Saddam kam über die kindlichen Allmachtsphantasien nie hinaus. Das Unglück besteht darin, dass es nicht der kindliche Seelenzustand eines naiven Trottels war, sondern der eines Massenmörders.

Und diesen wichtigen Punkt blenden all die Empörten einfach aus, ja, er scheint überhaupt nicht wichtig zu sein. Und wir möchten nicht wissen, wieviele der heute so stark Entrüsteten an Stelle von Hussein lieber Bush am Galgen gesehen hätten. Die Trauer wäre sicher kleiner gewesen … man muss Verständnis haben.




Video: Die letzten Sekunden im Leben von Saddam Hussein…

Video-URL: http://www.youtube.com/watch?v=qr8ZM10ONm0

(Quelle: Arabija/n-tv)




Irak: Jubel und große Freude über Tod von Saddam Hussein

saddam_tod.jpgHeute morgen um 4 Uhr (MEZ) ist der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein in Bagdad gehängt worden. Die Nachricht über den Tod des grausamen Tyrannen löste bei Irakern weltweit großen Jubel und Freude aus. Irakische Exilanten in den USA haben die Hinrichtung des ehemaligen Diktators Saddam Hussein gefeiert. „Ich möchte mich bei Präsident Bush bedanken“, sagte der 35-jährige Haytham Almawla. „Er hat gesagt, er wird Saddam entfernen und er hat es getan.“ Der US-Präsident bezeichnete die Hinrichtung des irakischen Massenmörders als einen Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie im Irak.

Die österreichische Presse berichtet:

Dutzende aus dem Irak stammende Männer verbrachten die Nacht der Hinrichtung in Detroit im US-Bundesstaat Michigan gemeinsam und zählten die Stunden bis zur Vollstreckung des Todesurteils. Als die Nachricht kam, feierten sie in dem Stadtviertel Dearborn die Hinrichtung mit einem Straßenfest. In Dearborn lebt die größte arabische Gemeinde in den USA.

Die Menschen bedeckten ihre Autos mit irakischen Flaggen, bildeten einen Konvoi und fuhren laut hupend über die Hauptstraßen des Viertels. Männer tanzten auf der Straße zu arabischer Musik und verteilten Süßigkeiten und Bonbons, wie es bei fröhlichen Anlässen üblich ist.

Alle Teilnehmer des Festes erinnerten voller Wut und Trauer an Familienmitglieder, die von Saddams Schergen umgebracht worden waren. "Das ist der Tag, an dem ich zur Ruhe kommen kann. Das ist der Tag, an dem meine Mutter zur Ruhe kommen kann", sagte Ahmed Timimi, der erst vor wenigen Wochen nach einem eineinhalbjährigen Aufenthalt im Irak nach Detroit zurückgekehrt war. Der 42-Jährige sagte, sein älterer Bruder sei von Saddams Regierung getötet worden. "Wir kamen alle nach dem Aufstand 1991 hierher. Wir alle haben enge Familienangehörige verloren."

Der 43-jährige Jabar Alzayadi sagte: "Ich wollte Saddam hängen sehen, weil er meinen Bruder gehängt hat. Mein Bruder hat nichts verbrochen. Er war nicht politisch. Er hatte sechs Kinder." Der Bruder diente demnach in der irakischen Armee, als er 1989 hingerichtet wurde.

Trotz der aufgekratzten Stimmung waren einige Männer besorgt um Angehörige, die in Bagdad leben. "Ich habe gerade mit meinen Schwestern und meiner Mutter in Bagdad telefoniert", sagte der 22-jährige Farazdak Alsady, der sich eine irakische Flagge um den Kopf gebunden hatte. "Sie sagen, sie haben sich verbarrikadiert, weil sie sicher sind, dass etwas passieren wird."

» Weitere Jubelbilder aus dem Irak auf news.yahoo.com

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Böller statt Brot

Jedes Jahr vor Silvester schlägt die Stunde der Moralapostel. Es wird versucht, uns ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn wir uns an der angeblich sinnlosen Schönheit von Feuerwerk erfreuen. Gerade so, als gäbe es sonst übers Jahr keine „sinnlosen“ Geldausgaben, die man unbedingt in wohltätige Kanäle umleiten müsste. Nichts gegen eine Spende für einen guten Zweck, doch warum ausgerechnet auf die schönen Böller verzichten?

Böllern als praktizierter Antimaterialimus

Feuerwerk ist Ausdruck von Lebensfreude. Es ist der Genuß am flüchtigen Augenblick, in dem die Sinne durch die Ästhetik bunter Lichter und lauter Kracher in der ansonsten stillen, dunklen Nacht erfreut werden. Nichts bleibt einem davon als bestenfalls die Erinnerung samt dem Erlebnis, das man mit anderen teilt. Weihnachten ist das Fest der Familie. Silvester feiert man eher mit den Freunden. Das Feuerwerk stellt im dramaturgischen Ablauf des letzten Tages im Kalenderjahr einen Höhepunkt dar. Feuerwerk kommt ganz einer Hauptaussage in Erich Fromms Buch „Haben oder Sein“ entgegen. Man könnte fast theatralisch behaupten, Feuerwerk sei der lebendige Ausdruck des Antimaterialimus schlechthin.

eurf1000.jpgInsgeheim und sicher auch unbewußt schießen sich die Moralapostel der Spendenindustrie, sowie die gutmenschlichen Selbstdarsteller ein auf etwas, das man in einer auf Besitzanhäufung ausgerichteten Gesellschaft als „wertlos“ erachtet. Die Freude am Augenblick und rasch Vergänglichen.

Warum sonst ruft man nicht dazu auf, no-name-Produkte anstatt teurer Markenartikel, Fiat Panda anstatt Porsche Cayenne, Campingurlaub im Hundsrück dem Tauchurlaub in der Karibik vorzuziehen, und die Differenz zu spenden?

Noch besser wäre unter den möglichen Spenden abzuwägen, welche denn die größere Not lindert. Spenden gegen die Armut sind doch wohl wichtiger als Spenden an politische Parteien. Hier sind die Mitglieder der Linkspartei als SED-Nachfolger gleich doppelt angesprochen, denn Sozialismus läßt zwangsläufig Armut entstehen.

Wer böllert macht sich schuldig

Die Lebensfreude an Silvester und deren Ausdruck im feuerwerklichen Licht- und Krachspektakel wird über alle politischen Lager hinweg, und ebenso von den Medien als „sinnlos“ eingestuft. Wer könnte sich auch dem moralischen Druck gutmenschlicher Ideale schadlos entziehen ?

Brot für die Welt“ ruft dazu auf, zum Jahreswechsel die Aktion „Brot statt Böller“ zu unterstützen.

Jedes Jahr werden zu Silvester Knaller im Wert von knapp 45 Millionen Broten (rund 100 Millionen Euro) in die Luft gejagt. Einfach verknallt und verpulvert.

Als würden nicht auch jedes Jahr sinnlos Unsummen für modische Klamotten rausgeworfen, eventuell hergestellt unter frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen in Schwellenländern.

Vor über 20 Jahren nahm dies die evangelische Kirchengemeinde in Bargteheide (Schleswig-Holstein) zum Anlass, unter dem Slogan „Brot statt Böller“ zu Spenden für „Brot für die Welt“ aufzurufen. Damit wurde eine schöne Tradition begründet. Zum Beispiel, auf ein paar Raketen zu verzichten und mit der ersten oder letzten Überweisung eines Jahres neue Lebenschancen zu eröffnen.

Verknallen Sie nicht alles, sondern schenken Sie stattdessen ein paar „Brote“ – damit „Brot für die Welt“ sich auch weiterhin für ein Stück Gerechtigkeit einsetzen kann. Damit die Menschen ihre Felder wieder selbst bestellen und Ernte einbringen können, damit Kinder mit einer Schulausbildung ein wichtiges Fundament für ihre eigene Zukunft legen können. Bereits ein Bruchteil der Summe, die an Silvester innerhalb weniger Stunden „verballert“ wird, kann vielen dieser Not leidenden Menschen helfen.

Als wäre der Böllerverzicht der einzige Weg, fast schon Voraussetzung dafür, „Menschen zu ermöglichen ihre Felder zu bestellen“. Umgekehrt gefragt: Wie genau verhindert ein Böller im deutschen Nachthimmel, daß z.B. ein Bewohner in Bukina Fasso sein Feld bestellen kann?

So richtig in die moralische Zwickmühle geraten die Böllermuffel mit ihrer Aufforderung zur Böllerabstinenz, wenn man sich klarmacht:

Böller schaffen Arbeitsplätze

So hat die Spendeneuphorie nach dem Tsunami bei der Böllerindustrie ordentlich reingebombt.

Der Aufruf ‚Spenden statt Böller‘ hat offensichtlich Wirkung gezeigt. Viele Geschäfte haben einen deutlichen Rückgang des Böllerverkaufs verzeichnet. Die Hilfsorganisationen dagegen haben in kürzester Zeit zweistellige Millionenbeträge erhalten.
Klaus Gotzen findet den Aufruf nicht in Ordnung. Man hätte nicht nur einen Aufruf zum Nicht-Böller-Kauf erheben sollen. ‚Man hätte auch prinzipiell zum Verzicht auf Luxusgüter aufrufen können‘, so der Geschäftsführer des Branchenverbandes.

Kein Wunder. Wer hält dem moralischen Dauerbeschuß schon stand. Zumal der eine oder andere mit der Spendenquittung auch sein gutes Herz quittiert bekommt.

Zu viel des Guten

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Hilfsbereitschaft ist eine äußerst positive Haltung. Doch es gibt auch Mißbrauch dieser Hilfsbereitschaft. Einmal, indem sie zur moralischen Verpflichtung erhoben wird mit Slogans wie „Brot statt Böller“, und sich willkürlich und selektiv gegen eine bestimmte Form von Lebensart und Lebensfreude richtet.

Und leider stellt sich so manche gute Tat als zuviel des Guten heraus. Die Financial Times vor einem Jahr mit einer ernüchtenden Bilanz der Tsunami-Spenden:

Hilfsgelder versickern in Bürokratien
von Shawn Donnan, Jakarta
Ein Jahr nach dem Tsunami verschwinden Spendengelder nach wie vor in einem bürokratischen Dickicht. Konkurrierende Verwaltungsapparate und Bilanzierungsmethoden bei den Vereinten Nationen und in vielen Fällen eine regelrechte Furcht vor Offenlegung sorgen dafür, dass die Öffentlichkeit den Geldfluss weiterhin nicht nachvollziehen kann.

(….) Aktuell gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen darüber, wie viel Geld aus dem Hilfsaufruf beispielsweise für teure Berater oder Verwaltungskosten ausgegeben wurde. Nach Aussage von Uno-Vertretern lassen sich Einzelheiten zu den Finanzen nur dadurch erhalten, dass man sich an jede einzelne der 39 in dem Hilfsaufruf aufgeführten Organisationen wendet. Deren teilweise 100 Mio. $ schweren Projekte tragen Namen wie „Nothilfe für Grundausbildung“.

Die FT wandte sich an viele der Organisationen. Einige verweigerten die Auskunft oder ignorierten Anfragen. Andere lieferten unvollständige oder nach eigenem Bekunden „vorläufige, unbestätigte und inoffizielle“ Informationen zu ihren Ausgaben. Organisationen wie Care und Save The Children sagten, sie seien versehentlich in dem Aufruf aufgeführt worden.

(…) Die Unicef lieferte erst zwei Monate nach der Anfrage Einzelheiten zu den 169,5 Mio. $, die sie bis zum 1. November ausgegeben hatte. Fast 20 Prozent des Geldes deckten Personal- und Verwaltungskosten. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat bis zum 8. Dezember nach eigenen Angaben 82,5 Mio. der erhaltenen 120,2 Mio. $ ausgegeben. Knapp 7,5 Mio. $ fielen für Personal- und Verwaltungskosten an. Nicht enthalten in diesen Posten sind allerdings die Gehälter der hoch bezahlten Berater, die die Feldarbeit für UNDP leisten,…

Man hätte zum Jahreswechsel 2004/5 noch so manchen Böller zünden können, ohne daß den Tsunami-Opfern dadurch weniger Unterstützung zugekommen wäre.

Generell ist es grade auch für kleinere Hilfsorganisationen aus kalkulatorischen Gründen günstiger, die Spenden fließen regelmäßig über das Jahr verteilt.

Böllern für den Frieden

Böller-Fetischisten mit Gewissensbißen können kompensieren durch Verzicht auf Balkonpflanzen im Frühling, im Sommer durch Verzicht auf Sonnenbrandschutz, im Herbst durch Verzicht auf Volksfestbesuche, im Winter durch Verzicht auf warme Kleidung. Wer es ganz besonders gut meint, verzichtet ganzjährig auf die Entrichtung der GEZ-Gebühren zu Gunsten der Armen dieser Welt.

Lebensfreude und „Gutsein“ schließen sich nicht zwangsläufig aus – wie uns einige Moralapostel einreden. Diese Leute sind mit ihrer eigenen Waffe geschlagen, sobald die Böllerei als Ausdruck von Sehnsucht nach einer besseren Welt gilt. „Böller für den Frieden“, „Böller gegen den Klimawandel“, „Böller gegen Armut“, „Böller gegen Rechts“. Gutmenschliches Böllern ließe sich problemlos aufgrund tagespolitischer Ereignisse ganzjährig rechtfertigen. Jeder gezündete Böller ein krachender Beweis für unser Gutmenschentum. Unser Ansehen in der Welt ließe sich weit über die paar Lichterketten hinaus ins Unermeßliche steigern. Dafür laßt uns alle böllern.