Bundeswehr: Totenschädel-Skandal wird zum Hohlschädel-Skandal

totenschaedel_bw.jpgWas für eine Blamage für unsere Politiker und Medien. Obwohl – denen ist so gut wie nichts zu peinlich und zu blöde. Vor allem sie sich selbst nicht. Ein Megaskandal hätte es werden sollen, mit tödlichen Folgen: Die Schädelspäßchen einiger Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Selten gab es einen solchen Rohrkrepierer der Berufsempörten. Denn die Staatsanwaltschaft muß das Verfahren einstellen, weil schlicht die Rechtsgrundlage für eine Kriminalisierung dieses Unfugs fehlt.

Im Kontrast zu den Mohammed-Karikaturen hatten unsere Medien keinerlei Hemmungen, private Fotos von Bundeswehrsoldaten abzudrucken, die diese mit Gebeinen in Afghanistan zeigten. Click hier Und das, obwohl man genau wie im Fall abgedruckter Mohammed-Karikaturen mit islamischer „Vergeltung“ rechnete. Solches Vergeltungsrisiko nahmen unsere Medien diesmal sehr gern in Kauf, um die Bundeswehr als Horde übler Leichenschänder hinzustellen. Die deutsche Lust am Selbsthaß, der Skandalisierung des Banalen und der Geißelung von Sündenböcken brach sich wie ein kollektiver, sadomasochistischer Orgasmus seine Bahn. Nüchtern betrachtet stellt sich der Sachverhalt jedoch so dar:

Der Strafrechtler Reinhard Merkel hat die deutschen Gerichte wegen der Totenschädel-Bilder aus Afghanistan vor überzogenen Strafen gegen die beteiligten Soldaten gewarnt. Es handele sich um Bagatelldelikte „an der untersten Schwelle dessen, was überhaupt kriminelles Unrecht sein kann“.

„Juristisch gesprochen ist die Heftigkeit der Reaktionen sowohl in den Medien als auch von Seiten der Politik auf diese groben Geschmacklosigkeiten bei weitem überzogen“, sagte der Hamburger Jurist. Es sei aus seiner Sicht daher ein Ärgernis, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel „außerhalb ihrer Kompetenzen und Zuständigkeiten härteste Bestrafung fordert und in einem Ton redet, als ginge es um Kapitaldelikte“. Dies werde die Richter wohl nicht unbeeindruckt lassen. „Ich fürchte, dass die Amtsgerichte unter dem politischen Druck symbolisch überhöhte Strafen aussprechen werden.“

Aus Sicht von Strafrechtler Merkel handelt es sich bei dem Verhalten der jungen Soldaten, die sich in Afghanistan auf makabre Art mit Schädeln und anderen Skelettteilen hatten fotografieren lassen, um das alterstypische Verhalten Halbstarker, die sich zudem in keiner zivilen sozialen Situation befunden hätten. Nach Paragraf 168 des Strafgesetzbuches könne nur dann von einer Störung der Totenruhe ausgegangen werden, wenn Gräber geöffnet worden seien oder an Leichen beziehungsweise Leichenteilen „beschimpfender Unfug“ vollzogen wurde.

Nun räumt die Münchner Staatsanwaltschaft offiziell ein:

Der Anfangsverdacht auf eine Störung der Totenruhe habe sich nicht bestätigt, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Die Totenschädel hätten von einem Gelände gestammt, auf dem seit langem Lehm zum Hausbau gewonnen werde. Damit handle es sich nicht um eine Beisetzungsstätte. (…..)„In und auf dem Erdreich befanden und befinden sich noch zahllose menschliche Knochenteile, die vermutlich von sowjetischen Soldaten aus der früheren Besatzungszeit stammen“. Die afghanische Bevölkerung habe das Gelände auch schon 2003 zur Lehmgewinnung benutzt.

Nun gab es weder Flaggenverbrennungen noch Anschläge gegen Deutsche aufgrund der Fotos. Bzw. wegen deren Veröffentlichung, denn erst durch die Skrupellosigkeit der Medien entstand überhaupt ein theoretisches Racherisiko von islamischer Seite. Aber es handelt sich eben „nur“ um die Knochen ungläubiger Russen, deren letzte Ruhestätte die Afghanen selbst zur Lehmgewinnung nutzen.

Und was hat uns diese Skandalisierung gekostet?

Derzeit gibt es nach Angaben des Verteidigungsministeriums 17 Tatverdächtige. Ein Sprecher sagte am Mittwoch, sechs Soldaten dürften ihren Dienst nicht mehr ausüben, gegen 13 Soldaten liefen disziplinarrechtliche Vorermittlungen. Seit Bekanntwerden der Bilder seien 5500 Personen dazu befragt worden.

Schlappe 5500 Befragungen wurden durchgeführt. Wegen etwas, das noch nicht einmal eine Straftat darstellt, sondern einzig politisch korrekter Profilierungssucht diente. Rechenbeispiel: Wenn jeder Befrager 50 Personen verhört hat, kommen wir auf satte 110 Befrager, die eigens für diesen Unfug abgestellt wurden. Dennoch wird man einige Bundeswehrsoldaten intern belangen. Während jeder Vergewaltiger und Mörder nur auf seine schwierige Kindheit verweisen braucht, um mildernde Umstände für sich geltend zu machen, kennt man bei Soldaten, angesichts des täglichen Risikos ermordet zu werden keine Gnade. Gesteht man keineswegs makabere Formen der Stressbewältigung zu.

An dieser Doppelmoral erkennt man bereits, worum es bei diesem Skandal wirklich geht. Einmal sollen wir konditioniert werden, uns sogar vermuteter islamischer Intoleranz zu unterwerfen, denn diese neigt, wie man weiß, allzu gerne zu sinnlosen Gewaltexzessen. Diesmal nicht, doch die Botschaft kam trotzdem rüber. Bloß die Moslems nicht reizen.

Zugleich war es ein typisch deutsches Bedürfnis sich mal wieder schuldig und moralisch unzureichend hinzustellen. Indem man Einzelne in aller Öffentlichkeit bloßstellt und deren Ansehen mit aller medialer Gewalt ruiniert, können sich die inquisitorischen Anklägermentalitäten als umso bessere Hüter von Moral und Anstand aufspielen. Fast alle haben mitgemacht bei dieser Hatz. Skrupellos überschritten Politiker ihre Kompetenzen mit ihren Strafforderungen, als gäbe es keine Gewaltenteilung. Was eine Menge über das Verhältnis zum Rechtsstaat von Merkel, Münte & Co aussagt.

Nun stellt sich die Frage: Wer wird das nächste Opfer dieser Maschinerie politisch korrekter Volkserziehung?