„Falsche Ärzte“ bei KBV-Demo vor Berliner Reichstag

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Mietdemonstranten hängen vor dem Reichstag Kittel an den Nagel.

Schon lange kommt es bei Demonstrationen nicht mehr nur auf die Menge der Teilnehmer an, sondern vielmehr auf die Originalität der Darstellung. Greenpeace und linke Lobby-Gruppen waren jahrelang Vorreiter dieser Entwicklung, jetzt hat auch die kassenärztliche Vereinigung die Medienwirksamkeit solcher PR-Veranstaltungen für sich entdeckt. Mit dem kleinen Unterschied, dass die (feinen) Ärzte dafür nicht selber auf die Straße gehen, sondern "demonstrieren" lassen.

Dazu ein treffender Kommentar in der heutigen Welt am Sonntag:

Jeder hat das Recht auf eine Dummheit. Man sollte aber wenigstens so einsichtig sein, diese zu erkennen. Dieses Verständnis fehlt Andreas Köhler, dem Chef der Kassenärzte. Die Lobbyisten hatten für eine Kundgebung einen Hostessen-Service beauftragt. 170 von ihnen traten in weißen Kitteln auf und protestierten gegen die Gesundheitsreform. Im Nachhinein behauptet Köhler, die KBV habe nie davon gesprochen, dass es sich bei der Aktion, an der 200 Menschen teilnahmen, um eine Demonstration gehandelt habe. Eine absurde und wortklauberische Rechtfertigung, denn wenn Menschen im weißen Umhang protestieren, muss der Eindruck entstehen, dass Ärzte auf die Straße gehen. Die KBV nahm diesen Anschein billigend in Kauf. Folgerichtig meldete die Nachrichtenagentur epd, "die Ärzte haben ihren Protest fortgesetzt". Auch in der Pressemitteilung der KBV fehlte der Hinweis darauf, dass PR-Mitarbeiter vor den Reichstag ziehen. Mit dieser Aktion provoziert die KBV drei Erkenntnisse: Erstens haben die Lobbyisten nicht genug Unterstützung in den eigenen Reihen, um die Ärzte in Stellung zu bringen. Zweitens wendet die KBV windige Tricks an, um die Gesundheitsreform zu stoppen. Und drittens fragt man sich auf einmal ernsthaft, ob angesichts dieses falschen Spiels der Lobbyisten die Gesundheitsreform vielleicht besser als ihr Ruf ist.