Zum Jahresende hat Michael Miersch in der Weltwoche einen wunderbaren Beitrag über Vorhersagen und Prognosen geschrieben. Egal, ob die Zukunft auf Grundlage von Fakten weisgesagt wird, oder einfach Kaffeesatzleserei betrieben wird, gemein ist allen Prognosen: Sie wollen einfach nicht eintreten. Voll im Trend sind derzeit Weltuntergangsszenarien.

Hier ein kleiner Auszug:

Der Club of Rome und seine Anhänger läuteten der Erde von nun an die Totenglocken. «Mehr als dreieinhalb Milliarden Menschen bevölkern bereits unseren sterbenden Planeten – und etwa die Hälfte von ihnen wird verhungern», prophezeite Ehrlich, und die Weltöffentlichkeit nahm es für bare Münze. «Es wird dann in den zuerst betroffenen Regionen wie etwa Indien zu Milliarden Toten kommen», behauptete Meadows. Myers prognostizierte, dass bis zur Jahrtausendwende viele tausend Tierarten aussterben würden. Das besagte auch die Studie «Global 2000», die im Auftrag des US-Präsidenten Jimmy Carter erstellt wurde. Darin war die Rede vom «Verlust von annähernd einem Fünftel aller biologischen Arten unseres Planeten (das sind grob geschätzt mindestens 500000 Pflanzen- und Tierarten)». Stattdessen verschwanden einige Dutzend der bekannten Spezies. Und um die Frage, wie hoch der Verlust an unbekannten Kleinlebewesen anzusetzen sei – also solche, die verschwinden, bevor man sie entdeckt –, streiten sich bis heute die Experten.

Die Öko-Apokalyptik lieferte den Treibstoff für einen Alarm-Journalismus, der bis heute die Medien prägt. Nicht Tatsachen interessieren, sondern Prognosen und Szenarien. Wer die Welt am düstersten malt, erhält die meiste Aufmerksamkeit. Schicht um Schicht türmen sich die Untergangsprognosen. Dass sie zumeist von der Realität widerlegt werden, kümmert kaum – solange genügend Nachschub vorhanden ist. In den achtziger Jahren schwoll das mediale Donnergrollen gewaltig an. Nach und nach eroberte es den gesamten Kulturbetrieb und die Politik. In den deutschsprachigen Ländern wurde Waldsterben zum alles beherrschenden Thema. «Es ist nicht fünf vor zwölf», erklärte der SP-Nationalrat Moritz Leuenberger 1984, «sondern es ist längst zwölf Uhr gewesen. Die Sturzfahrt ist in den freien Fall übergegangen.» «Wir stehen am Rande eines Abgrunds, einer Katastrophe», sekundierte Verena Grendelmeier von der LdU/EVP, und der deutsche Naturschutzfunktionär Hubert Weinzierl behauptete: «Das Sterben der Wälder wird unsere Länder stärker verändern als der Zweite Weltkrieg.»

Es ist diese Unmässigkeit, dieser Verlust aller Massstäbe, der bis heute die Öko-Prognosen auszeichnet. Immer steht der Weltuntergang bevor, es geht nie eine Nummer kleiner.

Lesebefehl!

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21 KOMMENTARE

  1. Den Tenor des Berichtes kann ich nur voll und ganz unterstützen.

    Allerdings befördert leider auch ein großer Teil der Berichte auf PI eben solche apokalyptische Visionen. Nur daß statt Atomkraft,Umweltverschmutzung.. die weltweite Islamisierung als spektakuläres Endzeitszenario herhalten muß.

    Auch hier sollte man sich öfers mal fragen: Gehts nicht auch ein bißchen kleiner?

  2. „Auch hier sollte man sich öfers mal fragen: Gehts nicht auch ein bißchen kleiner?“

    Das ist selten ein schlechter Ratschlag.

  3. @Alexander G.: Die weltweite Islamisierung ist unbestritten Sinn und Zweck des Islam. Jeder Moslem wünscht das. Die einen belassen’s beim Wunsch, andere arbeiten bienenfleißig daran – mit unterschiedlichen Methoden. Das ist keine Zukunftsprognose, das ist schlichtes Faktenwissen über die Vergangenheit und Gegenwart.

    Es gibt daneben Menschen, die die weltweite oder auch nur regionale Islamisierung für wenig wünschenswert halten.

    PI weist lediglich darauf hin, wie weit diese Entwicklung schon gediehen ist und dass man dieser Entwicklung nicht auch noch aktiv Vorschub leisten muss, was leider sehr viele tun.

    Zu den Katastophenszenarien: Ich glaube, es liegt etwas in der menschlichen Natur, dass wir gerne angesichts drohender Apokalypsen schaudern. Schießlich würde keine Sau einen Katastrophenfilm ansehen, wenn man nicht sicher wüsste, dass am Ende der Staudamm doch kracht, der Vulkan ausbricht, der weiße Hai Badegäste frisst – wie es die (sympathischen) Unheilspropheten vorausgesagt haben, die von (unsympathischen) nörgelnden Ach was, das wird schon nicht eintreten-Vertretern als Spinner abgetan wurden.

    Blöd wird’s nur, wenn man’snciht beim wohligen Schaudern belässt sondern wenn’s dazu führt, dass sehr viel Geld in die Vermeidung drohender Apokalypsen gesteckt wird, die gar nicht drohen.

  4. So ganz unrecht hatten sie aber nicht. Die Aussage stimmt schon ein wenig:
    «Das Sterben der Wälder wird unsere Länder stärker verändern als der Zweite Weltkrieg.»

    … nur wohl nicht so, wie der Autor sich das dachte. Das Beispiel hat sich gut entwickelt und viele, viele Kinder bekommen. Und da wir im digitalen Zeitalter sind, gibt es auch nur zwei Zustände: Nicht vorhanden oder totale Katastrophe.

  5. Melde, Frau Major: Lesebefehl ausgeführt!

    „Es ist diese Unmässigkeit, dieser Verlust aller Massstäbe, der bis heute die Öko-Prognosen auszeichnet. Immer steht der Weltuntergang bevor, es geht nie eine Nummer kleiner.“

    Wenn man z.B. 1990 die „Prognosen“ des Club of Rome las, mußte man ja schon lachen. Weltuntergang… – ein sehr gutes Geschäft, immer noch.

    Es ist ja im übrigen nur die Auswirkung des Jugendkultes und der allerorts verdrängten Endlichkeit – interessanterweise gerade bei Christen außerdordentlich stark ausgeprägt. Dabei leben die doch gerade für das Jenseits, oder? Aber das können wir ja zu Ostern diskutieren.

  6. Teilweise muß ich AlexanderG recht geben. Zum Beispiel, was den politisch korrekten Alarmismus beim Thema Irak und Afghanistan angeht. Nicht aber, was die Information über die Islamisierung betrifft – das ist nun mal eins der wichtigsten Themen überhaupt.

  7. @ ungläubiger:
    nazareth ist leben
    mekka ist sterben.

    d’himmi carter hatte schon immer ein faible fürs unverhälnismäßige – darum ist seine politik auch als peanuts bekannt geworden (nicht nur als anlehnung an seine erdnussfarmen), d’himmi carter war der wohl schwächste us präsident und versucht nun als us-grüner und d’himmi für seine angehörigen noch ein paar rosinen aus dem kuchen zu pflücken.

  8. „Die weltweite Islamisierung ist unbestritten Sinn und Zweck des Islam. Jeder Moslem wünscht das. Die einen belassen’s beim Wunsch, andere arbeiten bienenfleißig daran – mit unterschiedlichen Methoden. Das ist keine Zukunftsprognose, das ist schlichtes Faktenwissen über die Vergangenheit und Gegenwart.“

    Verzeihung, aber das so zu schreiben, ist quark.

    Schon mal alle(!) Moslems gefragt, ob sie die islamisierung(ala Iran oder Afghanistan) wollen?

    War nicht sogar Atatuerck am Anfang seines Lebens Moslem?

    Man sieht also das die obige Aussage quark ist. Man koennte hoechstens sagen, dass alle Moslems, die ihren Glauben verstanden haben, die Islamisierung wollen.

    Meiner Ansicht nach kann man an gesicherten Fakten eigentlich nur sagen, dass die widerspruchsfreien Auslegungen des Islams, die Koran als unmittelbares goettliches Wort und die Hadithen als wahrheitsgemaesse Beschreibung des vorbildlichen Leben Mohammeds sieht, zwangslaeufig ein System aehnlich wie im Iran oder Afghanistan bis 2001 fordern und Gewalt zur Herstellung dieses Systems erlauben. Desweiteren, dass ein nicht unerheblicher Anteil oder gar die Mehrheit der Moslems(5%-95%) immer waehrend der letzten 1356 Jahre dafuer war diesem Folge zu leisten, auch wenn ihnen klar, wie das System aussehen wird.

    Deswegen ist nicht auszuschliessen, dass auch in Zukunft immer ein erheblicher Anteil oder gar die Mehrheit der Moslems unabhaegig von ihren Lebenssituation oder einer eventuellen gutmenschlichen Aufklaerung ueber die Menschenfeindlichkeit des islamischen Systems, die Einfuehrung dieses Systems befuerworten und viele auch bereit sind Gewalt dafuer einzusetzen.

    Somit wird die Praesenz des Islams in einem Land wahrscheinlich immer ein Sicherheitsrisiko darstellen.

    Diese Fakten schliessen natuerlich nicht aus, dass der Islam ein gehirnwaschender menschenverachtender Todeskult ist, dessen Gefaehrlichkeit und Grausamkeit lediglich mit den Nazis, den radikalen Kommunisten(die die gut finden, dass Stalin ein Massenmoerder war) oder den Azteken vergleichbar ist und dessen komplette Vernichtung (moeglichst unblutig) die einzige moralische Option ist.

    Auf jeden Fall legen die Fakten nahe, dass man dem Islam und dem Anwachsen der Islamischen Bevoelkerung in Europa wachsam gegenueber stehen muss.

  9. >> Man koennte hoechstens sagen, dass alle Moslems, die ihren Glauben verstanden haben, die Islamisierung wollen.

    Fast. Richtiger wäre es so:

    Man koennte hoechstens sagen, dass alle Moslems, die ihren Glauben verstanden haben – und sich trotzdem oder gerade deshalb daran streng daran halten -, die Islamisierung wollen.

  10. > Allerdings befördert leider auch ein großer Teil der Berichte auf PI eben solche apokalyptische Visionen. Nur daß statt Atomkraft,Umweltverschmutzung.. die weltweite Islamisierung als spektakuläres Endzeitszenario herhalten muß.

    Stimmt nicht. Hier gibt es auch Artikel die darauf hinweisen das viele Muslime zum Christentum konvertieren, es gibt ausserdem realistische Lösungsvorschläge. Ein riesen Unterschied ist ja auch, dass wir den Islam nicht besiegen und beseitigen müssen.
    Das wirst du bei Ökologisten vermissen, die wollen immer gleich globale und vollkommen moralische und endgültige Lösungen, und viele wollen eigentlich gar keine Lösung sondern Macht.

    Allein der globale Ansatz macht schon den Unterschied aus, uns geht es ja vor allem um unsere Staaten.
    Menschen hingegen die eine totalitäre Ideologie haben wollen, suchen nach unlösbaren globalen Problemen. Sie wollen Angst verbreiten, moralisieren, andere Meinungen unterdrücken und dadurch moralisch legitimiert herrschen.

  11. Schon mal alle(!) Moslems gefragt, ob sie die islamisierung(ala Iran oder Afghanistan) wollen?

    Du definierst Islamisierung anders als ich, carn. Ich meine damit keineswegs nur Iran und Taliban. Das wollen sicher viele nicht. Ich will aber auch nicht Tunesien oder Malaysia. Auch nicht Libanon oder Kosovo oder Berlin-Kreuzberg.

    Ich definiere es als Anwesenheit einer großen Minderheit oder Mehrheit von Moslems. Wie viele davon moderat oder radikal sind, spielt dabei keine Rolle, da die Moderaten stets vor den Radikalen kuschen und ihnen im Ernstfall auch meist näher stehen als Ungläubigen.

  12. „Allerdings befördert leider auch ein großer Teil der Berichte auf PI eben solche apokalyptische Visionen. Nur daß statt Atomkraft,Umweltverschmutzung.. die weltweite Islamisierung als spektakuläres Endzeitszenario herhalten muß.“

    Ich habe einen alten „Spiegel“ von 1970. Darin wird ein Horrorszenario an die Wand gemalt bezüglich der Verbreitung der türk.-islam. Kultur in Deutschland.

    Fast 40 Jahre später lässt sich sagen:
    Alles furchtbare was in diesem Artikel (war das Titelthema) vorhergesagt wurde ist so gekommen, nur noch viel schlimmer.

    Prognose ist eben nicht gleich Prognose. Hätten die Menschen den Bericht dieser eigentlich linkskommunistisch-gutmenschlichen Zeitschrift ernst genommen wäre die Situation heute nicht so dramatisch.

    Pi ist sicherlich oft polemisch und manchmal sogar lächerlich, aber meist wird doch nur beschrieben wie es ausschauen wird wenn es Deutschland flächendeckend zum Kreuzberg wird.

  13. Das ist erstaunlich hochinteressant, Ruud. Kannst Du Teile von dem Spiegel-Artikel einscannen und zur Verfügung stellen??? Ich bin maßlos neugierig, was da drin steht.

  14. Es gibt Leute, die beim Lesen meiner Artikel Ferndiagnosen über mich und meine Arbeit anstellen: inkompetent, leidet unter Verfolgungswahn, die Frau. Selbstverständlich wird keine einzige Tatsache, die in meinem Artikel vorkommt, überhaupt zur Kenntnis genommen. Wahrscheinlich bildet sich der Blogger ein, ich hätte sie mir ausgedacht, denn sonst könnte er nicht so schnoddrig daran vorbeigehen.

  15. @ Gudrun

    Darauf wirst du doch nichts geben? Durch deinen Link werden wahrscheinlich mehr Leute dessen Seite anklicken als sonst im ganzen Jahr.

  16. @eisvogel

    Ich hoffe ich habe den noch. Habe leider aus Platzgründen die meisten alten Spiegen „entsorgt“ Ich werde mal nachschauen.
    Alte Spiegel bekommt man sehr gut bei Ebay. Ich recherchierte damals eigentlich über ein ganz anderes Thema und stiess dabei auf den Türken-Artikel.

  17. @ mir

    „und sich trotzdem oder gerade deshalb daran streng daran halten“

    Wenn der richtige Islam die menschenverachtende Ideologie ist, fuer den wir ihn halten, dann bleiben einem Moslem der das erkennt eigentlich nur 4 Moeglichkeiten:
    -begeistert mitmachen
    -austreten
    -kuschen
    -reformieren

    In den Faellen 2-4 ist er aber kein Anhaenger des richtigen Islams mehr, denn die duerfen das alles nicht, folglich sind Anhaenger des richtigen Islam auch immer fuer die Islamisierung.

  18. @Eisvogel und Ruud:
    Kann man auch für 2 Euro im SPIEGEL-Archiv kaufen.
    Mir war es das nicht wert, ehrlich gesagt.

    Auch jede Unibibliothek hat diesen Schmonzes gespeichert. Aber Ihr wißt ja schon längst, was da drin steht.

  19. „Ich habe einen alten „Spiegel“ von 1970. Darin wird ein Horrorszenario an die Wand gemalt bezüglich der Verbreitung der türk.-islam. Kultur in Deutschland.

    Fast 40 Jahre später lässt sich sagen:
    Alles furchtbare was in diesem Artikel (war das Titelthema) vorhergesagt wurde ist so gekommen, nur noch viel schlimmer.“

    @ruud, an diesem Artikel wäre ich auch brennend interessiert…lässt sich der irgendwie noch auftreiben?

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