Kurt Becks erhobener Zeigefinger: Waschen und rasieren

beck_erhobenerzeigefinger.jpgEs rauscht gewaltig im deutschen Blätterwald. Nach dem Rohrkrepierer der Geschichte mit den Schädelspielchen deutscher Bundeswehrsoldaten versuchen die Medien erneut aus nichts eine Story zu machen. Der Chef der traditionellen Arbeiterpartei SPD hat angeblich einen Arbeitslosen beleidigt – empörend, schließlich versteht die SPD sich selbst als ausgewiesener Schutzpatron der Arbeitslosen.

Für SpOn ist es momentan die wichtigste Nachricht überhaupt. Nichts kann der „unglaublichen Entgleisung“ den Rang ablaufen, dass der SPD-Chef einem äußerst ungepflegt aussehenden 37-jährigen Mann den Rat gab, sich zu waschen und zu rasieren, dann würde es auch mit dem Job klappen:

Kurt Beck hatte gerade auf dem Wiesbadener Sternschnuppenmarkt für ein Foto mit Andrea Ypsilanti und drei Nikoläusen posiert, da begann ein Mann in der Menge lautstark zu schimpfen. In einem zwanzigsekündigen Monolog machte er den SPD-Vorsitzenden für sein Schicksal verantwortlich und bedankte sich ironisch für „Hartz IV“. „Pöbelig“ und „leicht angetrunken“ sei er gewesen, berichten Augenzeugen. Das ist Alltag für einen erfahrenen Marktplatz-Händeschüttler wie Beck. Normalerweise bleibt er freundlich und unverbindlich. Doch diesmal reagierte der SPD-Chef ungeduldig. Er sehe nicht so aus, als ob er in seinem Leben schon viel gearbeitet habe, blaffte er den Mann an und gab ihm noch einen guten Rat: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job“. (…) Nach Becks Entgegnung war F. zunächst still. Der SPD-Chef fuhr mit dem Händeschütteln fort. Hundert Meter weiter, an der Marktkirche, tauchte F. wieder auf und versprach: „Ich wasche und rasiere mich und komme dann bei Ihnen in der Staatskanzlei vorbei.“ Beck antwortete: „Okay, machen Sie das.“

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Kriegt von der SPD als Wiedergutmachung einen Job: Henrico F.

Meine Güte, was hat den SPD-Chef denn da bloß geritten, fragt sich erschüttert SpOn. Er wusste doch, dass ihn Kameras umgeben und seine empörende Äußerung über die Nachrichtenagenturen tickern würde…

…der Rat, dass es reiche, sein Äußeres zu verändern, um einen Job zu bekommen, auf manche wie blanker Hohn wirken. Die SPD stellt sich denn auch schon auf hässliche Boulevard-Schlagzeilen ein. Im Bemühen, ein PR-Desaster zu verhindern, versucht man es im Willy-Brandt-Haus jetzt mit der Vorwärtsverteidigung. „Wenn der Betroffene sich meldet, dann wird Kurt Beck ihm helfen, einen Job zu finden“, sagt Parteisprecher Lars Kühn.

Peinlich ist die ganze Sache für die SPD, würde sie doch mit Vergnügen Politiker anderer Parteien für eine solche Bemerkung fertigmachen. Nun aber, wo das „Schwarze Schaf“ der eigene Vorsitzende ist, ist gegenüber den Medien Schadensbegrenzung angesagt. Und was würde da besser helfen als ein Job für Henrico F.?

(Spürnase: Reinhard P.)