In Bosnien haben bisher relativ gemäßigte Moslems das Sagen. Verschleierte Frauen sind eher selten in den Straßen zu sehen. Doch dieser Zustand ist gefährdet, denn wie überall gewinnen auch hier die radikalen Vertreter des Islam zunehmend an Einfluss – ein „Kampf der Kulturen unter Moslems“ und das mitten in Europa.

In Bosnien hat sich der Ton im Konflikt zwischen den Vertretern des traditionellen bosnischen Islam und den Islamisten verschärft. Auslöser: Eine Bemerkung des Islamistenführers Abu Hamza. Die bosnischen Muslime seien „Kommunisten und damit gar keine richtigen Muslime“, meinte Abu Hamza und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Wichtige Vertreter des bosnischen Islam forderten im Gegenzug, dem Treiben der von Saudiarabien finanzierten Radikalen in Bosnien ein Ende zu setzen. Mustafa Ceric, der Reis-al-Ulema und damit die höchste Instanz des bosnischen Islam, versuchte zwar, den Konflikt abzumildern, nachdem Abu Hamza sich entschuldigt hatte. Doch die Diskussion scheint nicht mehr zu stoppen. Zu viel Zündstoff hat sich angesammelt. Die Muslime oder Bosniaken, die größte Bevölkerungsgruppe Bosniens, verstehen sich als Europäer. Sie definieren den bosnischen Islam als europäischen Islam, der die Trennung von Staat und Religion anerkennt und für eine demokratische und multireligiöse Gesellschaft eintritt. Das wird nun durch die Aktivitäten der Islamisten gefährdet. (…) Der Wahhabismus – die extreme saudische Spielart des Islam – habe in Bosnien Fuß gefasst, warnt die kritische Zeitung.

Schon während des Krieges 1992 bis 1995 kamen einige hundert Islamisten nach Bosnien, um an der Seite der Muslime zu kämpfen. Nach dem Krieg finanzierte Saudiarabien über 100 Moscheen und Gemeindezentren im ganzen Land. Die Islamisten gehen geschickt vor. Sie helfen den Ärmsten, bieten Computerkurse an, vermitteln gerade für bedürftige Studenten Stipendien an arabische Universitäten und versuchen so, Jugendliche für ihre Ideologie zu rekrutieren. Diese Strategie trägt Früchte. Einige tausend junge Leute haben sich nach Schätzungen der radikalen Bewegung angeschlossen. Sie versuchen die Strukturen des traditionellen Islam zu unterwandern. Frauen sollen wieder Schleier tragen. In der Umgebung Sarajewos gingen im Sommer selbst ernannte „Religionspolizisten“ sogar gegen Liebespaare vor. …

Lange genug hat der Westen, allen voran die Amerikaner, geflissentlich weggesehen, wer sich da im Kampf gegen die „bösen“ Serben mit ihnen verbündet hat. Nun bekommen wir alle die Quittung …

(Spürnase: Florian Sch.)

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16 KOMMENTARE

  1. Ich war 1996 dienstlich in Bosnien. Da konnte man durch Sarajevo gehen und, wohin man schaute, war kein einziges Haus mehr heil. Von totaler Zerstörung bis „nur“ zu einigen Fensterscheiben war alles da. Dazwischen aber gab es einige Häuser, die waren vom feinsten restauriert und renoviert. Darin saßen die von Saudi-Arabien finanzierten Islamfunktionäre, die dabei waren, Bosnien zu re-islamisieren. Es waren auch schon einige wenige bekopftuchte Frauen zu sehen. Die Familienväter bekamen pro bekopftuchter Tochter $60/Monat, und das bei einem Druchschnittsgehalt von $100/Monat. Nicht schlecht, sich zu unterwerfen, es rechnet sich.

  2. Oh mann ;(
    Südosteuropa bröckelt wie eh und je.
    Wie wesentlich besser würde es dem gesamten Raum da gehen, wenn Byzanz noch existieren würde.
    Israel – die östlichste Feste der westlichen Welt – nimmt anders als Herzl es einst wollte leider nur die Aufgabe wahr, sich selbst zu schützen und nicht die gesamte Region da mal zumindestens ins 19. Jahrhundert zu befördern. Israel müsste nicht nur in M4s und Panzer investieren, sondern sich vor allem medial dort wesentlich erweitern.
    Sonst nimmt das echt kein gutes Ende.

  3. Der „Witz“ an der Bosnien-Geschichte ist doch, daß Serben UND Kroaten, vertreten durch Slobodan Miloševi? und Franjo Tu?man untereinander aufteilen wollten, das ganze war zwischen den beiden Quasi-Diktatoren abgesprochen worden. Tja, der bosnische Präsident Alija Izetbegovi? weigerte sich aber, das anzuerkennen, obwohl das Zusammenleben in einerm gemeinsamen Staat nicht funktionierte, und er holte sich dann eben unterstützung aus der islamischen Welt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Alija_Izetbegovi?
    Diese umfaßte übrigens mehrere Tausend und nicht mehrere hundert Kämpfer, wie man in diesem Artikel über Osama bin Laden nachlesen kann (ich hab gestern vergessen, das noch an PI zu mailen, als ich den Artikel gemeldet hab)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Osama_bin_Laden
    Ob das eine Patentlösung gewesen wäre, Bosnien aufzuteilen, weiß ich nicht, aber dann hätten sich dort keine Islamisten festsetzen können. Außerdem sind die sogenannten „Bosniaken“ oder bosnischen Moslems zum überwiegenden Teil in Wirklichkeit ethnisch Südslawen (Serbokroaten), die wärend der Osmanischen Herrschaft zum Islam übergetreten sind.

  4. Noch etwas: Die Aufteilung Bosniens wurde deshalb nicht durchgeführt, weil der Westen Tu?man zu einem Bündnis mit den Bosniaken drängte. Der Westen drohte, Kroatien ebenso wie Serbien zu isolieren, wenn es kein solches Bündnis gäbe, und versprach den Kroaten im Gegenzug dann Unterstützung beim Aufbau des kroatischen Militärs. Naja und das war dann doch relativ verlockend, da wollte Tu?man eben nicht „nein“ sagen. Der Grund für die Intervention des Westens war anscheinend AUCH eine gewisse Angst vor Konflikten mit der islamischen Welt! So zumindest kam es in einer Dokumentation auf Arte vor einiger Zeit rüber. Man begann also anscheinend schon in den 90ern mit dieser Kriecherei…

  5. @ Imperator: „Auch ein gewisse Angst vor Konflikten mit der islamischen Welt!“ – Pustekuchen, das war der Druck der Amis (die uns Europäer ja noch heute die Türkei bescheren wollen) und die Unwilligkeit Frankreichs, eine gemeinsame Balkanpolitik zu finden.

  6. „Pustekuchen, das war der Druck der Amis (die uns Europäer ja noch heute die Türkei bescheren wollen) und die Unwilligkeit Frankreichs, eine gemeinsame Balkanpolitik zu finden.“
    Das ist mir schon klar, daß das auf Druck der Amerikaner passierte, aber wie ich das verstanden habe, wollte die damalige US-Regierung eben auch einen eventuellen Konflikt mit der islamischen Welt vermeiden.

  7. @ Imperator: mir auch klar. Dies ist ein Beweis dafür, dass US- und europäische Interessen nicht immer identisch sind, auch in entscheidenden Fragen. Bin mal gespannt, wer jetzt aufjault.

  8. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als Yugoslawien das prowestlichste Land war unter den sozialistischen Staaten. Hat ihm aber nicht geholfen. Bin gespannt, wann sich Bayern abspaltet, mit Hilfe Frankreichs oder Österreichs oder Albaniens. Das wird dann gewiss keine Komplikationen geben, denn diese Bundesregierung unterstützt alle um ihre Freiheit kämpfenden Völker. 😉

  9. Gibt es auch christliche Missionierung in Bosnien und Albanien? Verutlich eine dumme Frage, denn die wird es auf jeden Fall geben und vermutlich nicht sehr öffentlich. Was ist z.B. mit Evangelikalen, die sind doch sonst überall aktiv?

  10. Interessante Links. Die Caritas ist offensichtlich ein geschäftlich sehr flexibler Laden. Im Ausland christliche Missionare, in Österreich hingegen betreiben sie massives Lobbying für verstärkten Zuzug von muslimischen Migranten. Könnte damit zu tun haben, dass sie für jeden betreuten Mohammedaner vom Staat einen sehr großzügigen Zuschuss ausbezahlt bekommen. So kassiert jeder, der Islamiker die Stütze, und die Caritas den Zuschuss. 😉

  11. Manchmal versuchen Leute auch, gleichzeitig auf zwei Pferden zu reiten.

    Das geht grundsätzlich schief. Immer.
    Es ist nur die Frage „wann“.

    Ich nehme an, daß die linke Hand hier nicht weiß, was die rechte tut. Und der oberste Dienstherr in Rom wird es doch schließlich wissen, was er tut, oder?

    (;-)

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