flemming_rose_hmb.jpgVor ca. einem Jahr hatte Flemming Rose (Foto), Feuilletonchef der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, den Mut, die Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. Henryk M. Broder führte jetzt für den Spiegel ein Interview mit ihm, in dem Rose die weltweite Aufregung aufgrund der Cartoons noch einmal Revue passieren lässt. Er beschreibt darin unter anderem die erschreckenden Ergebnisse einer Umfrage unter den rund 200.000 Muslimen in Dänemark, derzufolge über 50 Prozent der Befragten fanden, der Schutz religiöser Gefühle sollte Vorrang vor dem Recht auf Meinungsfreiheit haben.

Im Gegensatz dazu finden weniger als zehn Prozent der nicht-muslimischen Dänen religiöse Gefühle schützenswerter als das Recht auf freie Rede.

Rose dazu im Spiegel-Interview:

Und das widerspricht einfach der Entwicklung der europäischen Geschichte der letzten 200 Jahre, es widerspricht allem, wofür gekämpft wurde, um liberale, weltliche Demokratien zu etablieren.

Hat die dänische Gesellschaft, ebenso wie die deutsche, solche Diskrepanzen zu lange nicht wahrhaben wollen?

Es gab Anzeichen, die wir lieber ignoriert haben. Vor allem die kulturellen Eliten wollten sich damit nicht beschäftigen. Und wer es doch machte, galt schnell als Rassist. Es war politisch nicht korrekt, es war ein Tabu, über kulturelle Differenzen zu reden. Dieser Mangel an Bereitschaft, sich mit der Situation auseinanderzusetzen, hat den rechten Parteien den Weg geebnet. Nicht nur bei uns, auch in Österreich, Holland und Belgien. Die Multikulturalisten und die Linken müssten sich jetzt die Haare raufen, sie sind für die Entwicklung mitverantwortlich. Sie haben alle die Werte verraten, für die sie selbst gekämpft haben: gleiche Rechte für Männer und Frauen, das Recht, seinen Lebenspartner selbst wählen zu können, das Recht auf Erziehung. Das waren alles einmal linke Ziele. Als es aber um die Muslime ging, wollten sie davon nichts mehr wissen. Da wurde alles mit kulturellen Unterschieden erklärt, die man respektieren müsse.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ja, für die Linke waren die Muslime das neue Proletariat in Europa. Und der Koran war das neue "Kapital". Es war die völlige Verkennung der Wirklichkeit, der reine Romantizismus. Das hat auch zu tun mit dem ewigen Wunsch der Intellektuellen, eine vollkommene Welt kreieren zu wollen. Das kann man in der Kunst und in der Literatur machen, aber man kann diese Idee nicht ins wirkliche Leben übertragen. Das machen nur totalitäre Regimes. Sie wollen den perfekten Staat, die perfekte Gesellschaft, den perfekten Menschen erschaffen. Wenn es nicht anders geht, dann mit Gewalt. In einer Demokratie muss diskutiert, es muss gestritten werden.

Waren Sie über den Mangel an Solidarität der Europäer mit Ihrer Zeitung und mit Dänemark überrascht?

Erst im Rückblick wurde mir klar, dass es Verrat an den Werten war, die unsere Kultur ausmachen. Nehmen sie nur Javier Solana, den "Außenminister" der EU, der Europa und seine Werte repräsentieren sollte. Er ist in den Nahen Osten gereist und hat sich beinahe entschuldigt: "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit sich so etwas nicht wiederholt." Während meine Kollegen und ich Todesdrohungen am laufenden Band erhielten.

Flemming Rose ist einer der wenigen Journalisten in Europa mit Mut und ohne die berühmt-berüchtigte "Schere im Kopf". Er hätte Worte des Dankes und der Unterstützung verdient: flemming.rose@jp.dk

(Spürnase: Dean Reed)

» Spiegel: „Lachen ist gesund“

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9 KOMMENTARE

  1. „Sie haben alle die Werte verraten, für die sie selbst gekämpft haben: gleiche Rechte für Männer und Frauen, das Recht, seinen Lebenspartner selbst wählen zu können, das Recht auf Erziehung.“

    Stimmt punktgenau.

  2. Das, was dieser Herr Rose sagt, ist vernünftig und logisch.
    Es wäre schon ein riesiger Fortschritt, wenn die Mehrheit der Journalisten solche Banalitäten wenigsten aussprechen und publizieren.
    Davon sind wir jedoch Meilenweit entfert.
    Es ist nicht deren Stärke, sondern „unsere“ Schwäche die mir eindeutig mehr Kopfzerbrechen machen.

  3. Das, was dieser Herr Rose sagt, ist vernünftig und logisch.
    Es wäre schon ein riesiger Fortschritt, wenn die Mehrheit der Journalisten solche Banalitäten wenigsten aussprechen und publizieren.

    Yup, Rose ist ein klar denkender Schreiber ohne Scheu und Scheuklappen…

  4. @ Chaim

    Eine Marktlücke! Solltest Du evt. eine Bezugsquelle kennen, wäre ich über einen Hinweis dankbar.

    Kognitiv
    _____________________
    Remember Lepanto 1571

  5. Die wollten die Karikaturen doch nach einiger Zeit nochmal veröffentlichen, wenn sich die Lage beruhigt hat. Wurde daraus nichts?
    Wir müssen die Muslime gegen europäische Kritik und Häme abstumpfen und klar machen, dass sie mit Krawall und Terror nichts erreichen und wir unser Freiheit niemals aufgeben werden. Wenn man eh schon bedroht wird, ist es ausserdem egal: Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sichs völlig ungeniert.

  6. Diese „religiösen Gefühle“ sind genauso schutzwürdig wie meine Gefühle nach der allmorgendlichen Defäkierung….

  7. Eure Kommentare sind noch köstlicher als das Interview selbst. So eine grüne Fußmatte mit einer Karikatur wäre eine tolle Sache. Aber leider nur Öl ins Feuer. Ich plädiere für eine grüne Fußmatte mit den Worten „Islam=Frieden“.

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