anas_shakfeh.jpgDer Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Shakfeh (Foto), führte ein interessantes Interview mit der Wiener Zeitung und offenbarte mit einer ungeheuren Arroganz ganz nebenbei sein Verständnis von Demokratie und dem Umgang mit „Ungläubigen“. Wir bringen Auszüge aus dem Interview.

Wie können Sie alle Muslime Österreichs repräsentieren, wenn 99 Prozent ihre Vertretung nicht wählen dürfen?

Anas Shakfeh: Das ist eine Meinung von Personen, die mit der IGGiÖ fast überhaupt keinen Kontakt haben. Sie philosophieren von weitem.

Bei der letzten Wahl 2001 sollen höchstens 1000 Personen beteiligt gewesen sein.
Das ist lächerlich. Allein bei einer kleinen Religionsgemeinde in Graz haben 1000 Leute gewählt. Wie Sie vielleicht wissen, wurden in der katholischen Kirche bis vor kurzem Katholiken, die keinen Kirchenbeitrag zahlen, aus der Kirche ausgeschlossen. Wir tun so etwas nicht. Wer zahlt, hat etwas mehr Recht zu bestimmen, was mit seinem Geld geschieht.

Wie viele Leute zahlen?
Demnächst werden sehr viele Leute zahlen, denn wir werden eine Verfassungsreform durchführen, sobald sie vom Schurarat beschlossen ist, werden neue Wahlen durchgeführt, noch im laufenden Kalenderjahr 2007.

Es gibt 400.000 Muslime in Österreich. Wie viele haben gewählt?
Sie vertreten nicht die Muslime, ich vertrete die Muslime, das ist meine Angelegenheit. (…)

Sie wollen also nicht einmal annähernd sagen, wie viele Wahlberechtigte es gibt.
Ich will darüber überhaupt keine Aussage machen. Ich bin ja nur den Mitgliedern verpflichtet.
(…)
Die Führung der IGGiÖ hat keine demokratische Legitimation, wenn sie von weniger als ein Prozent gewählt wurde. Demnach ist eine Verfassungsreform rechtlich unmöglich.
Diese Behauptung habe ich entkräftet, aber wenn Sie sie nicht zur Kenntnis nehmen, bitte.

Sie könnten sie leicht durch das Zeigen der Zahlen aktiver Mitglieder wirklich entkräften.
Ich zeige Ihnen gar nichts. Ich sage Ihnen, was ich für richtig halte, denn Sie sind außen stehend. Sie sind kein Mitglied in unserer Gemeinde. Deswegen bin ich Ihnen gegenüber nicht verantwortlich.

Auch keine geschätzte Zahl?

Ich bin nicht dazu gezwungen. Aber ich weiß, wen ich vertrete, deshalb bin ich ganz kühl. Wir wissen wen wir vertreten, mit welchen Verbänden wir arbeiten. Jeder dieser Vereine zählt zig zehntausend Mitglieder. Ich bin nicht veranlasst, irgendetwas zu sagen. Mir ist das egal.
(…)
Wie können Personen, die weder akademische, noch pädagogische Qualifikation haben, angehende Religionslehrer an der Religionspädagogischen Akademie unterrichten?
Das ist eine waghalsige Behauptung. Jeder, der dort unterrichtet, bekommt vom Stadtschulrat Wien eine Einstufung auf Grundlage seiner Qualifikation. Solche Behauptungen verdienen nicht einmal eine Antwort.
(…)
Wird an der IRPA (Islamischen Religionspädagogischen Akademie) Arabisch gelehrt?
Teilweise.

Halten Sie Taxifahrer und Zeitungsverkäufer für geeignete Religionslehrer?
Wenn sie qualifiziert sind, warum nicht.

Was sagen Sie dazu, dass Religionslehrer, Dozenten und Imame geringe Deutschkenntnisse haben?
Es gibt Imame mit geringen Deutschkenntnissen. Na und?

Ist das im Sinne der Integration?
Die Integration wird nicht auf Knopfdruck geschehen. Sie braucht Zeit. Kompetente Personen werden auch nicht mit Knopfdruck geschaffen, sondern brauchen Zeit. Wir haben bis jetzt noch keine Ausbildungsstätte für Imame und Religionsdiener. Damit sind wir in Europa keine Ausnahme. Vielmehr sind wir einige Schritte voran.

In den Niederlanden wirken seit dem Tod von Van Gogh nur noch niederländische Imame.
Wir haben keine Toten in Österreich.

Es gibt Schätzungen, dass 300 der in Österreich wirkenden Imame aus Ostanatolien kommen. Sie können weder Deutsch, noch sind Sie mit der westlichen Kultur vertraut. Wäre es der Integration nicht förderlicher, Imame mit besserer Kenntnis der hiesigen Kultur zu holen?

Diese Imame werden von ihren Gemeinden gewünscht. Es gibt keine Instanz, die ihnen jemanden als Vorbeter aufzwingen kann, wenn seine Gemeinde ihn nicht haben möchte. Sie kommen nicht als Erzieher hier her. Die Menschen sind mündig und erwachsen genug. Die Imame kommen als Religionsdiener. Natürlich wäre es besser, wenn wir deutsch sprechende Imame hätten.

Was sagen Sie zu den Verbindungen zwischen der „Islamischen Föderation in Wien“ und in der Türkei regierenden Partei für „Gerechtigkeit und Entwicklung“ unter ihrem Vorsitzenden Recep Tayyip Erdogan? Spendengelder an die Föderation wurden für Wahlkampfzwecke in der Türkei verwendet.
Das weiß ich nicht, es ist möglich. Aber es ist im Gesetz nicht verboten, für etwas zu spenden.
(…)
Wie können Sie einen wahhabitischen Islam in Saudi-Arabien mit einem europäischen Islam verbinden?
Ich muss das gar nicht verbinden. Ich arbeite als Konsulent in einer Kulturabteilung, die mit religiösen Angelegenheiten nichts zu tun hat.

Sie wissen, dass sich Saudi-Arabiens Wahhabismus an der strengsten der sunnitischen Rechtsschulen, nämlich der hanbalitischen, anlehnt und dass es in Saudi-Arabien keine Religionsfreiheit gibt?
Das geht uns in Österreich nichts an. Es ist unzulässig, solche Dinge zu vermischen. Ich gehöre der Rechtsschule der Schafiiten an. Die Mehrheit der Muslime hier gehört der hanifitischen Rechtsschule an.

Scheich Adnan Ibrahim unterrichtet an der IRPA und ist somit für die Ausbildung künftiger Islamlehrer zuständig. Was sagen dazu, dass so jemand in zwei Fatwas die interreligiöse Eheschließung verteufelt und die Terroristen von Hamas als Helden bezeichnet?
Wir haben von den Fatwas nur über die Strafanzeige erfahren. Jetzt warten wir ab, ob er verurteilt wird. Solange jemand nicht verurteilt ist, ist er unschuldig.

Auch ein „Dialog“partner?

(Spürnase: S.R.)

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