Wer es im Journalismus zu etwas bringen will, darf allgemeine Glaubenssätze nicht und niemals in Frage stellen. Dazu gehören Weisheiten wie „Der Wald stirbt“, „Wir steuern auf eine menschgemachte Klimakatastrophe zu“ oder auch „Gentechnisch veränderte Nahrung ist gefährlich“. Wer diese Behauptungen in Frage stellt, wird schnell von den Mainstream-Medien mundtot gemacht. Der US-Journalist und Buchautor John Stossel (Foto) hat es gewagt und eckt damit bei rechts und links gleichermaßen an. Michael Miersch hat in der Literarischen Welt einen Beitrag dazu gemacht.

Auszug:

Es gibt bei vielen Themen einen Konsens von konservativ bis links, den kaum jemand zu bezweifeln wagt: „Immer mehr Menschen werden krank“, „Der Natur geht es immer schlechter“, „Armut nimmt unentwegt zu“, „Kriminalität steigt ständig an“. Solche Behauptungen ernten Kopfnicken allerorten. Dauernd bestätigen sich alle gegenseitig Prämissen dieser Art. Die Amerikaner nennen solchen allgemein verbreiteten und nahezu unumstößlichen Irrglauben conventional wisdom – konventionelle Weisheiten.

Wer im Journalismus etwas werden will, stellt solche Glaubenssätze lieber nicht in Frage, sondern macht sich besser daran, auf der Basis des conventional wisdom „Skandale“ aufzudecken: wahnsinnige Kühe, böse Kapitalisten und bedrohliche Gen-Tomaten. Das sorgt bei den Lesern und Zuschauern für wohlige Schauer und in der Branche für einen Ruf als tapferer Ermittler. Auf diese Weise läuft die Medienmaschine wie geschmiert und die große Mehrzahl der Redakteure findet das völlig in Ordnung.

Doch wenn alle sich allzu einig sind, bilden sich in pluralistischen Gesellschaften Gegenkräfte. Schwarze Schafe, die den Konsens nicht teilen mögen, treffen sich in publizistischen Nischen. Nur selten gelingt es einem, aus der Nische auszubrechen und auf die große, fette Weide der Mehrheit zu grasen. John Stossel ist dieses Kunststück gelungen. Er ist heute der prominenteste Libertäre in den großen TV-Networks der USA.

Libertär das ist die verschärfte Version von liberal. Libertäre sind bei den Linken (die sich in Amerika „Liberale“ nennen) unbeliebt, weil sie der ausufernden Bürokratie im Sozialbereich, im Umwelt- und Verbraucherschutz misstrauen. Und die Konservativen mögen sie nicht, weil sie bigotte Sexualmoral ablehnen und die Legalisierung von Drogen befürworten. (…)

Er war bereits bekannt, als er anfing, den conventional wisdom in Frage zu stellen. Im Brustton der Empörung entlarvte er geldgierige Kapitalisten, die mit ihren fragwürdigen Produkten die Gesundheit der Bevölkerung ruinieren. Und Gefahr lauerte überall: in Zahnfüllungen, Mobiltelefonen, Kartoffelchips, Teflonpfannen, Haarfärbemitteln, Reinigungsmitteln, in Kaffee und Kaugummi, Impfstoffen, Süßstoffen und sogar in Badeentchen. Amerikanischer Verbraucherjournalismus unterscheidet sich im Panikmachen kaum vom deutschem.

Doch über die Jahre nagten immer mehr Zweifel Stossels grünes Weltbild an. „Wo sind die Leichen? Die Menschen müssten eigentlich massenweise sterben“, schrieb er. „Aber das Gegenteil findet statt. Obwohl die Amerikaner radioaktiver Strahlung und all diesen üblen Chemikalien ausgesetzt sind, leben sie länger als je zuvor.“ Nach und nach begann Stossel, die Rolle der Verbraucherschutz- und Umweltschutzverbände und der staatlichen Regulierungsbehörden skeptischer zu sehen. Ein Freund der Industrie ist er bis heute nicht geworden, denn „die Wirtschaftleute sind auch nicht für freie Märkte. Sie benutzen gern die Regierung um ihre Interessen zu verfolgen und den Wettbewerb zu ersticken.“

Sein erstes „Prime Time Special“ hieß „Ängstigen wir uns zu Tode?“ Darin verglich er die realen Risiken des Lebens mit den Gefahren, die die meiste öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. In den neunziger Jahren war Asbest so ein Thema. Asbeststaub – das ist eine Tatsache – ist höchst gefährlich. Viele Minenarbeiter sind daran gestorben.

Doch unter Putz in Gebäudewänden können die lungenschädlichen Partikel nichts ausrichten. Dennoch kam es zu einer heftigen öffentlichen Erregung. Bürgerinitiativen erreichten, dass Schulen und andere öffentliche Gebäue abgerissen oder aufwendig saniert werden mussten. Dabei setzt erst die Offenlegung der Asbest-Schichten den gefährlichen Staub wieder frei. (…)

Je sicherer und wohlhabender die Menschen leben, desto mehr Angst haben sie. „Das ganze Ziel der Politik ist, die Bevölkerung ständig im Alarmzustand zu halten“, hatte der Schriftsteller Henry Louis Mencken einst geschrieben. Eine Diagnose, die Stossel mehr und mehr teilte. …

Den ganzen Beitrag gibt’s hier.

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