saddam_halswunde.jpgEin neues, 27 Sekunden langes Video von der Hinrichtung Saddam Husseins ist im Internet aufgetaucht. Zu sehen sind sein Kopf und Nacken und eine runde, klaffende blutige Wunde. Der Link zum Video war überschrieben mit "Ein neuer Film über den verstorbenen unsterblichen Märtyrer, Präsident Saddam Hussein" und wurde auf einer Website veröffentlicht, die die Baath-Partei unterstützt.

Hier ist es:

Im Video sind zwei Stimmen zu hören. Die eine ist die des Wächters, die andere die des Videofilmers namens Abu Ali. Wir haben den Dialog von einem Iraker übersetzen lassen:

– Wächter: "Ich zähle von eins bis vier – 1 … 2 … 3 … 4 !" (also er soll sich beeilen)

Abu Ali: "Ja, sofort"

– Wächter: "OK, jetzt komm!" (hat anscheinend große Angst, erwischt zu werden)

Abu Ali (genervt): "Ich komme ja sofort"

– Wächter (immer ungeduldiger): "Komm bitte, Abu Ali, komm jetzt sofort!"

Abu Ali: "Ich komme schon, einen kurzen Moment bitte noch"

– Wächter: "Du bringst mich in Teufels Küche…"

Abu Ali: "Ok, ich komme ja schon"


Die Beschreibung des Zustandes der Leiche in den offenbar heimlich gefilmten Aufnahmen ist überall identisch. „Der Kopf ist unnatürlich um 90 Grad nach rechts verrenkt, gezeigt wird ferner eine runde, klaffende blutige Wunde.“ Meistens wird dann darauf hingewiesen, dass im ersten Video Saddam Hussein von seinen Henkern verhöhnt wurde. Allerdings sind die geschilderten Verletzungen – wie einige arabischen Sender dies interpretierten – kein Anhaltspunkt für einen besonders qualvollen Tod, sondern das genaue Gegenteil.
Der Tod kann auf unterschiedliche Art herbeigeführt werden.

  • Abschnürung der Blutversorgung des Gehirns bzw.
  • Verletzung der (Hals-)Wirbelsäule bzw.
  • Versperren der Atemwege (Ersticken).
  • Zeitpunkt der Ohnmacht und des Todeseintritts hängen dabei vom verwendeten Knoten und der Falltiefe des Opfers ab.
  • Seit Ende des 19. Jahrhunderts bemühte man sich in Großbritannien, den Eintritt von Bewusstlosigkeit und Tod beim Erhängen zu beschleunigen. Dazu führte man den "langen Fall" (engl. long drop) ein: Der jeweilige Todeskandidat wurde gefesselt und mit der Schlinge um den Hals auf eine Falltür gestellt. Diese wurde geöffnet. Der Strick stoppte abrupt den anschließenden Sturz in die Tiefe, was eine tödliche Verletzung der Halswirbelsäule ("Genickbruch") herbeiführen sollte. Die notwendige Fallhöhe wurde zuvor in Abhängigkeit vom Gewicht des Opfers errechnet.
  • Eine unnatürliche Kopfhaltung durch den Genickbruch und Unterhautblutungen am Hals sind ’normale‘ Folgeerscheinungen und kein Beweis für einen besonders grausamen Tod – wie er durch langsames Ersticken ohne Genickbruch stattfinden würde.

    » PI: Video: Die ganze Hinrichtung des Massenmörders Saddam Hussein
    » PI: Video: Die letzten Sekunden im Leben von Saddam Hussein

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