Gestern sagten die Saudis „Nein“ zu einer Drosselung der Öl-Förderkapazitäten. Prompt fällt der Ölpreis. Scheinbar schadet Saudi-Arabien mit dieser Politik seinen eigenen Interessen. Doch ein hoher Ölpreis steht saudischen und arabischen Investments im Westen entgegen. Zugleich verschaffen sich Saudi-Arabien und die Golfstaaten im Westen Wohlwollen aufgrund moderater Ölpreispolitik. Im Gegenzug fällt auf, daß Menschenrechte gegenüber diesen koran-fundamentalen Ländern nie ein Thema sind, und missionarischer Eifer im Westen geduldet wird.

Moderate Ölpreispolitik Saudi-Arabiens

HB NEW YORK/NEU DELHI. Rohöl der US-Marke WTI verbilligte sich in New York um 3,2 Prozent auf 51,31 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis fiel zeitweise mit 51,21 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Ende Mai 2005.

Der saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi sagte vor einer Konferenz in Neu Delhi, das OPEC-Kartell müsse zurzeit nicht über eine weitere Kürzung der Fördermenge sprechen. Dies hatten zuvor die Mitgliederstaaten Iran und Venezuela angesichts des jüngsten Preisverfalls gefordert.

Venezuela und der Iran haben im Westen keine Investitionen getätigt. Sie können nur gewinnen bei höheren Ölpreisen.

Ziel saudi-arabischer Politik: Globale korangetreue Islamisierung

Die Saudis hingegen verfolgen eine Strategie der korangetreuen, wahabitischen Missionierung und zugleich eines effizienten Lobbyismus im Westen. In Saudi-Arabien ist der Koran Verfassung. D.h. die Saudis nehmen den globalen Islamisierungsauftrag des Koran wörtlich.

Sure 8,39 formuliert den Weltherrschaftsanspruch des Islam:

Und kämpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann und (kämpft,) bis sämtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist. Stehen sie jedoch (vom Unglauben) ab, dann, wahrlich, sieht Allah sehr wohl, was sie tun.

Hierzu gehört den Islam im Sinne des Koran zu verbreiten. Global tritt Saudi-Arabien wie die Golfstaaten als Finanziers von Moscheen, Koranschulen und Imamen auf. Beispiel Afrika:

Seit 1975 hat Riad mehr als 70 Mrd. US-Dollar an so genannter Entwicklungshilfe ausgegeben, mehr als 50 Mrd. davon in Afrika. Das kommt nicht von ungefähr, denn die arabische Halbinsel liegt in unmittelbarer Nähe zu Ostafrika und dem Horn von Afrika, das als Brücke zwischen dem Orient und Afrika gilt. Die Entwicklungshilfe konzentriert sich aber nicht etwa auf den Bau von Straßen, sondern auf die Verbreitung des Wahabismus, meist indem die für Muslime vorgeschriebene Pilgerfahrt nach Mekka, die so genannte Hajj, finanziert wird oder durch den Bau von Moscheen und Koranschulen.

Rivalität von sunnitischem und schiitischem Islam

Nicht zu vergessen ist auch, daß der sunnitische Islam mit dem schiitischen im Wettstreit um Einfluß innerhalb der islamischen Welt liegt. Vor diesem Hintergrund wurden sunnitische Fatwas gegen Khomeini, die ihn als „gottlosen Abtrünnigen“ bezeichnen, erlassen, wohingegen Khomeini selbiges über die Sunniten äußert:

Die verbrecherische Gruppe [gemeint sind die Schiiten] bezwecken die Abschaffung der Sunna [der Lebensweise Muhammads] und die Abwendung vom Koran… . Die besten dieser Nation, die Weggefährten des Propheten, werden in al-Khomeinis Veröffentlichungen als Abtrünnige beschrieben…“.

Der schiitische Islam faszinierte die islamische Welt durch seinen totalitären Elan und seinen charismatischen Anführer Ruhollah (Geist Gottes) Khomeini. Die eher behäbig wirkenden Saudis nutzen hingegen ihre finanziellen Möglichkeiten und ihren Sonderstatus als Hüter der heiligsten islamischen Stätten.

„Menschenrechtsbonus“ für Saudi-Arabien

Saudi-Arabien gilt in wirtschaftlichen Belangen als wohlwollend gegenüber dem Westen. Im OPEC-Kartell sind die Saudis meist die Bremser. Und inoffiziell drücken sie schon mal den Ölpreis durch Verkäufe auf dem Schwarzmarkt. Im Gegenzug nimmt der Westen die katastrophale Menschenrechtslage in Saudi-Arabien nicht einmal zur Kenntnis.

Noch nie wurde Saudi-Arabien für die Anwendung des Scharia-Unrechts, der Diskriminierungen von Ungläubigen und Frauen vor einem internationalen Tribunal angeklagt. Auch unsere Medien schweigen eisern, selbst wenn gradezu bestialisches Unrecht gemäß islamischem Recht in Saudi-Arabien verkündet und vollstreckt wird.

Eine 39-jährige Frau, die sechs Jahre nach dem Ableben ihres Mannes ein Kind geboren hatte, wurde (wegen offensichtlich außerehelichen Geschlechtsverkehrs) zum Tode verurteilt, und zwar durch Steinigung.

Arabische Golfstaaten:
Wirtschaftliche Verflechtungen garantieren lobbyistischen Einfluß

In den Golfstaaten gilt ebenfalls die Scharia, wenn teilweise auch nicht ganz so konsequent angewendet wie in Saudi-Arabien. Das Ziel der globalen Islamisierung wird jedoch geteilt und mit ähnlichen Mittel betrieben wie von Saudi-Arabien. Auch die Ölpreispolitik der Golfstaaten liegt meist der saudischen nahe.

Die Beispiele fundamental-islamischer Beteiligungen an westlichen Konzernen sind beeindruckend.

Ob Luftfahrt, Telekommunikation, Immobilien, Banken oder englische Fußballclubs: Die arabischen Golfstaaten zeigen zunehmendes Interesse an Investments am europäischen Kontinent.

Jüngstes Beispiel ist die 1,2 Mrd. Euro schwere Übernahme des tschechischen Telekommunikations-Unternehmen Radiokomunikace durch ein Konsortium unter Beteiligung der Al Bateen Investment aus Abu Dhabi.

Auch in Österreich sind die Emiratis bereits seit 1994 vertreten: Als strategischer Partner ist die International Petroleum Investment Company IPIC mit 17,6 Prozent an der österreichischen OMV beteiligt.

Mit dem Kaufpreis von 1,2 Mrd. Euro war die Ende November 2006 bekannt gegebene Transaktion der tschechischen Radiokomunikace der bisher größte Kauf eines privaten Unternehmens in Tschechien und in Zentral- und Osteuropa überhaupt. Als Konsortiumsführer fungierte Lehman Brothers. Radiokomunikace hält 39,23 Prozent der Anteile an T-Mobile Tschechien.

Auch die Wachsfiguren von Madame Tussaud sind bereits zu Gunsten der arabischen Investoren über den Ladentisch gewandert. So übernahm Dubai International Capital (DIC) im Vorjahr für 800 Mio. Pfund die Tussaud Gruppe. Für umgerechnet 700 Mio. Pfund hat das Unternehmen im Mai dieses Jahres den britischen Engineering Gruppe Doncaster eingekauft. Unter anderem hält DIC bereits ein Aktienpaket an DaimlerCrysler im Wert von rund einer Mrd.
US-Dollar.

Auch andere Emiratis sind umtriebig in Europa: Anfang Dezember 2006 gab Istithmar Hotels den Erwerb eines wesentlichen Anteils an der International Hotel Investments Malta in Form einer Kapitalerhöhung bekannt. Istithmar Hotels ist eine Tochtergesellschaft der dem Herrscherhaus von Dubai gehörigen Investmentgesellschaft Istithmar. Im Immobilienbereich erwarb Istithmar im November 2006 den Londoner Bürokomplex „The Adelphi“. Das als Grand Hotel erbaute Bürohaus Grand Buildings befindet sich ebenfalls im Besitz des Investors aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Istithmar erwarb im Jahr 2006 um 750 Mio. Euro auch eine 2,7 Prozent Beteiligung an der englischen Bank Standard Chartered. Das Unternehmen will Berichten zufolge seine Beteiligung auf bis zu 20 Prozent erhöhen.

Auch in Wien haben die arabischen Investoren zugegriffen: So erwarb Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber mit dem Grand Hotel in Wien sein weltweit 75. Luxushotel für seine Hotelkette JJW Hotels & Resorts. Im September 2006 fand die Grundsteinlegung für ein weiteres Wiener Luxushotel statt, das im Eigentum von Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber steht. „The Ring“ soll im Herbst 2007 eröffnet werden. Scheich Mohammed Al Jaber hat in diesem Jahr auch „The Scotsman Hotels Group“ mit drei Luxushäusern in Edinburgh, Leeds und Paris erworben.

Mubadala Drvelopment Company im Eigentum des Emirats Abu Dhabi besitzt seit April 2006 ein etwa 30 Mio. Euro schweres Aktienpaket bzw. 35 Prozent des Kapitals von Piaggio Aero Industries aus Genua. Im November folgte dann der nächste Coup von Mubadala. Der Investor übernahm gemeinsam mit Dubai Aerospace und Istithmar die Schweizer Firma SR Technics, ein führender Anbieter von technischen Dienstleistungen in der zivilen Luftfahrt.

Mit dieser Akquisitionen habe man in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Grundstein für den Aufbau einer eigenen Luftfahrtindustrie gelegt, heißt es. In dieses ehrgeizige Projekt wolle DAE dem Vernehmen nach in den nächsten Jahren 15 Mrd. Dollar investieren.

Fundamentalistische, korantreue Investoren sind nicht zu vergleichen mit Investoren denen es nur um Profite geht. Hier geht es auch um gesellschaftspolitischen Einfluß. Um Kontakte zu höchsten Ebenen von Politik und Wirtschaft, und der Schaffung von gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Hieraus resultiert für den Westen eine Schwächung seiner Widerstandskraft, bzw. des Widerstandswillens gegenüber der Islamexpansion. Je ausgeprägter die wirtschaftlichen Verflechtungen, umso höher wäre der Preis sich islamischer Expansion zu widersetzen.

Zugleich entsteht eine pro-islamische Lobby in den westlichen Eliten, die bereitwillig auch islamische Interessen vertritt, wenn sie Eigeninteressen dienen wie Optimierung der Geschäftsabläufe und Gewinnmaximierung. Dem Wunsch nach einem „angenehmen Geschäftsklima“ mit den islamischen Investoren stünde hier Islamskepsis der einheimischen Bevölkerung störend gegenüber. Von politischen wie wirtschaftlichen Eliten ist daher keine Unterstützung der europäischen Bevölkerung bei der Bewahrung ihrer Kultur und Rechte zu erwarten.

Ölpreispolitik: Einflußmaximierung vor Gewinnmaximierung

Saudi-Arabien und die Golfstaaten sehen den Ölreichtum als Geschenk Allahs und Werkzeug des Djihad. Bei einem zu hohen Ölpreis ginge dieses Werkzeug verloren, da der Westen sich sowohl seiner gefährlichen Abhängigkeit bewußt würde, als auch innovativ Alternativen zum Energielieferanten Erdöl entwickeln könnte. Starke finanzielle Macht ist für die globale Islamisierung gemäß korantreuem, wahabitischem Muster unverzichtbar. Relativ moderate Ölpreispolitik sichert die Abhängigkeit des Westens und zugleich die Finanzierbarkeit des missionierenden Djihad.

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