shaban.jpgWer in der arabischen Welt ein Taxi nimmt, einen Schnellimbiss oder einen der zahlreichen kleinen Musikläden betritt, dem schallt früher oder später unweigerlich ein Shaabi-Song entgegen. Im Gegensatz zum Pop, der auf harmlose Schnulzen setzt, ist Shaabi frech, respektlos – und vor allem politisch. In der Art und Weise, wie Shaabi-Sänger die Welt sehen, setzte der Ägypter Shaaban Abd al-Rahim (Foto) im Jahre 2000 neue Maßstäbe. Sein Lied „Ana bakrah Isra’il – Ich hasse Israel“ katapultierte ihn an die Spitze der Charts. Der ehemalige Bügler wurde über Nacht so populär, dass er sogar für McDonald’s werben durfte, bis Israel mit einem Boykott des amerikanischen Fastfood-Konzerns drohte.

Das hinderte Shaaban nicht, seit dieser Zeit zahlreiche weitere Songs aufzunehmen, die zwar musikalisch so anspruchsvoll sind wie eine Atari-Melodie, textlich aber eine volle Breitseite auf eine böse Welt abfeuern, in der es von tatenlosen arabischen Herrschern wimmelt, die nur des Geldes wegen mit Amerika und Israel zusammenarbeiten.

Hier zwei Beispiele aus dem Werk Shaaban Abd al-Rahims. Zunächst der Text eines Hits aus dem Jahre 2006, das inzwischen verboten ist:

„Wir haben die Schnauze voll
Aber es gibt keine Lösungen,
Nun werden schon die Religion (der Islam) und der Prophet gedemütigt
Der Gesandte Gottes, Muhammad, der Imam der Propheten
Sie wollen sein Bild verunstalten, diese jämmerlichen Idioten,
Keine Religion kann für denjenigen verantwortlicht gemacht werden, der den Propheten beleidigte,
Es sind Verrückte, und ihr Anführer ist ein Idiot
Dänemark? Nichts als Heiden
Wer sind die, die über den Propheten sprechen?
Unser Islam ist unschuldig, und was sie sagen, sind Lügen
Unser Islam ist die Religion der Liebe, nicht die Religion von Ungerechtigkeit und Terrorismus,
Wenn ihr in die Hölle kommt, werden euch die Flammen euer Gesicht verbrennen
Ich werde sprechen und nicht schweigen, und andere werden mit mir einfallen:
Wir wollen einen totalen Boykott, und selbst das ist nicht genug!“

Und hier ein Video, das Shaaban auf der Höhe seines Schaffenskraft zeigt (auf Memri mit engl. Untertitel):

Wer behauptet denn, in der arabischen Welt gäbe es keine Meinungsfreiheit?

(Gastbeitrag von Martin G. R. Rudiger)

image_pdfimage_print

 

22 KOMMENTARE

  1. Na, ich hoffe mal, dass unsere Musiklandschaft nicht durch diese Musik bereichert wird. Da sind mir sogar Küblböck und Alexander lieber.

  2. „.. in der es von tatenlosen arabischen Herrschern wimmelt, die nur des Geldes wegen mit Amerika und Israel zusammenarbeiten.“

    Aber selbst für McDoof werben. Muhahahaaa.

  3. OT:

    Herr Stoiber hat gerade in seiner Aschermittwochrede den amerikanischen Präsidenten Breshnew geheissen. 🙂

    Zu seiner Entschuldigung muss ich sagen, einige Sätze zuvor hat er das Zusammentreffen F.J. Strauss und Breshnews geschildert. Da war das Thema wohl noch nicht mental bewältigt.

    „die Türkei ist für uns nicht Europa“

    Gute Rede.

  4. OT:

    „Genau so ist es mit der Tschechei(!) und Zypern, wir dürfen es uns nicht gefallen lassen, dass die Türkei in die EU will und ein anderes Mitglied nicht anerkennt.“

  5. Tag – traf soeben im Ort Bekannten, der kam grad geschäftlich (weltbekannte IT-Firma!)aus Marokko zurück.

    Mann oh Mann, sagte er mir, diese Verrückten dort – da kommt noch was auf uns zu…

    IC

  6. „Na, ich hoffe mal, dass unsere Musiklandschaft nicht durch diese Musik bereichert wird.“

    och, die arabische kommunity in D wird es sicherlich „bereichern“.
    FDoG haben übrigens ein „schönes“ Beispiel für nazi-arabo-rap verlinkt.
    http://www.youtube.com/watch?v=wK1VKa2aQQ8

    wie ich sehe, wurde der clip „due to terms of use violation.“ entfernt.

  7. Das Video ist ja der reinste Hohn.

    Und der Text des Liedes-wie oben dargestellt- sagt doch sehr schön, was die Ziele der Religion des Friedens sind.

    Hurra, wir kapitulieren! Liebe für alle-Hass für keinen. Ich freu mich ja so 🙂

  8. Ich weiss nicht, wem es noch aufgefallen ist, aber der Sänger sieht irgendwie wie der Jude neben Goerge Bush aus… Hmmm… was möchte uns der Autor damit sagen?

  9. Da stellt sich die Frage, ob diese „Musik“ in Deutschland den Tatbestand der Volksverhetzung – oder den der „multikulturellen Bereicherung“ erfüllt.

    Vermutlich würden Beck und Roth sie in einem arabischen Kaffeehaus in Berlin fraglos als „multikulturellen Bereicherung“ empfinden. Volksverhetzung hat doch immer was mit Nazis zu tun.

  10. @ 6 incorrectus: komme auch gerade aus Marokko zurück, nicht für eine „weltbekannte“ IT-Firma, sondern für einen normalen Rohstoffkonzern: na, wo hat denn Dein Bekannter die Verrückten getroffen? Eine „weltbekannte“ IT-Firma wird in Marokko in den Großstädten arbeiten, wahrscheinlich Casablanca oder Rabat. In welchen „derb chaabi“ = „quartier populaire“ ist denn Dein Bekannter gewesen, um ggfls. Verrückte zu treffen? Spricht der übrigens (marokkanisches) arabisch, berberisch? „Maitrisiert“ der Französisch? Liest er arabisch, berberisch? An Deiner Stelle würde ich den Bekannten mal genauer befragen. So klingt das wie die Wiedergabe eines Bargesprächs im Hilton bei Whisky on the rocks.
    PS: ich habe 5 Jahre in Marokko gearbeitet, spreche sehr gut das dortige arabisch und berberisch und kann es auch lesen. Natürlich gibt es Verrückte dort, nur, für Europäer kaum erreichbar. Dafür sorgt schon die recht gut arbeitende DNS und DST.

  11. “ Unser Islam ist die Religion der Liebe, nicht die Religion von Ungerechtigkeit und Terrorismus, Wenn ihr in die Hölle kommt, werden euch die Flammen euer Gesicht verbrennen“

    Der Typ ist sowas von dämlich, oder ist er ein heimlicher Widerstandskämpfer?

  12. @ B. Kant: so dämlich wird der Typ nicht sein, er wird mit seinen songs ordentlich Kohle machen, bis die ägyptische „muchabarat“ ihn abholt und nicht mehr zurückbringt, also letzlich doch dämlich.

  13. @ rational:

    Shaaban Abd al-Rahim gehört seit 2000 zu den populärsten Musikers Ägyptens. Der verkauft seine Tonträger in der gesamten arabischen Welt. Dazu kommt, daß die Musik oft in Taxis oder Musikläden läuft, so daß viele Leute die Texte hören. Woher Abd al-Rahim über das Geheimwissen verfügt, daß die Israelis hinter 9/11 stecken, wurde bisher nicht geklärt. In Ägypten sagt man: Das weiß doch jeder!

  14. @ rational:

    Shaaban Abd al-Rahim gehört seit 2000 zu den populärsten Musikers Ägyptens. Der verkauft seine Tonträger in der gesamten arabischen Welt. Dazu kommt, daß die Musik oft in Taxis oder Musikläden läuft, so daß viele Leute die Texte hören. Woher Abd al-Rahim über das Geheimwissen verfügt, daß die Israelis hinter 9/11 stecken, wurde bisher nicht geklärt. In Ägypten sagt man: Das weiß doch jeder!

  15. @ 18 PrinceCosmopol: die Mär, dass die Israelis hinter 9/11 stecken, kursiert in der gesamten arabischen Welt (alle Juden wurden vor dem crash evakuiert). Die Quelle dieser Mär war einfach zu lokalisieren: der Hezbollahsender „Almanar“ im Libanon, den Tsahal wg. Schlamperei nicht zerstört hat. In Tunesien und Marokko kekommst Du offiziell seit 2006 keine Tonträger mehr von dem Typen: in einer groß angelegten Aktion haben diese Staaten sämtliche musicshops, Videoläden/verleihe, Moscheen etcpp durchsucht. War da auch nur eine Kassette (Musik wie diese, die beliebten „Köpfvideos“, Predigtkassetten von Qutb, Kichk et al., wurde alles beschlagnahmt und vernichtet. Natürlich, wenn jemand will, kann er runterladen, aber es ist schon schwieriger. Im gleichen Atemzug wurden Millionen von unsäglichen Schulbüchern kassiert und durch neue, schon wesentlich bessere ersetzt. Du siehst, manche Staaten tun schon was.

  16. @rational
    Meine Wertung „dämlich“ bezog sich nicht auf seine Fähigkeit zum „Geld machen“, sondern auf den Widerspruch in dem Liedtext („Islam ist die Religion der Liebe“ und im gleichen Atemzuge sagt er „Wenn ihr in die Hölle kommt, werden euch die Flammen euer Gesicht verbrennen“).

  17. @ 21 B. Kant: uff, Du denkst zuviel nach. Das würde ich weder dem Autor noch den Hörern zumuten.

Comments are closed.