schwein_widmann.jpgDas Kopftuch verhüllt nicht nur das Haar der Frau, so manchem versperrt es auch die Sicht auf die Vernunft. Michael Widmann (wir mussten sein Foto leider entfernen, siehe update am Ende dieses Textes), engagierter Katholik, nimmt sich der Sisyphos-Arbeit für eine bessere Welt an. Der überzeugte Asket hat ein Buch für all jene geschrieben, die täglich, stündlich und im Minutentakt unter dem herrischen Wesen des american way of life zu leiden haben, den frommen Musliminnen nämlich, die ihr Haupt verhüllen, auf dass sie züchtig und rein vor Allah treten.

Der Muslim-Markt ergreift die Gelegenheit beim Schopf (Widmann selbst trägt ja kein Kopftuch) und schnappt sich den tapferen Autoren, der keine Angst hat, als „Islam-Sympathisant“ abgestempelt zu werden, für ein flottes Interview, das es in sich hat.

Widmanns Sicht der Lage ist, dass jene Menschen, die sich selbst liberal nennen, die Religionen mit einem System des „Totalitarismus“ (O-Ton) unterdrücken wollen. Als Beispiel nennt er christliche Geistliche, die in Skandinavien „wegen ihrer Einstellung zur Homosexualität“ juristisch belangt werden. Da können die Muslime sicher viel mit anfangen, denn Homosexualität ist in Saudi-Arabien, Ägypten und dem baldigen EU-Neuling Türkei nicht grade halal.

Aber Widmann hat auch eine Lösung parat und flötet:

„Ich hoffe sehr, dass auch in Deutschland Gläubige beider Religionen gemeinsam aktiv werden.“

Was meint er damit? Sind denn nicht international schon Muslime und Christen gemeinsam aktiv geworden? Z. B. in jenen Anschlägen auf Kirchen in Pakistan, in denen Muslime Täter und Christen Opfer waren? Oder in jener Farce 2006, als fromme Menschen sich wichtigeren Dingen als ihrer Arbeit zuwandten und gegen den ungezogenen Papst demonstrierten? Dass die Muslime in solchen Fällen Waffen zeigen, „Tod den Ungläubigen schreien“ und Papst- und Müntefering-Puppen verbrennen, ist nur eine Randerscheinung und müsste mal von einem Soziologen-Think-Tank untersucht werden.

Doch Widmann wäre nicht Widmann, wenn er nicht gegen Konsumterror, Werteverlust und fortschreitende Nacktheit wetterte. Dass Sexseiten im Internet am häufigsten in muslimischen Ländern frequentiert werden, sagt er nicht. Weiß er vielleicht auch nicht. Dafür entpuppt sich der Autor als Rebell:

„Dadurch [das öffentliche Zeigen der nackten Frau] entsteht ein Bild der Frau als verfügbares Sexualobjekt. Das entspricht nicht ihrer Würde als Gottes Ebenbild.“

Oho, sollte Gott etwa doch eine Frau sein? Hoffentlich hört das Alice Schwarzer und nicht die Organisatoren katholisch-muslimischer Aktivitäten.

Der Muslim-Markt-Reporter bescheinigt Widmann eine „enorme Portion Selbstkritik an der materiell orientierten Gesellschaft“. Jaja, der kapitalistische Westen. Und weil Muslime nicht mal wissen, was Geldgier ist, muß man in Kairo auch mit jedem Taxifahrer feilschen. Und wieso Selbstkritik? Was hat sich denn unser Vorzeige-Katholik an materiellen Sünden vorzuwerfen?

Nein, Geben ist seliger denn Nehmen, und deshalb zieht Ritter Widmann gleich noch gratis gegen die finstere Finanzwelt zu Felde. Obgleich er zugibt, auf diesem Gebiet ein „absoluter Laie“ zu sein, nimmt unser Held Wörter wie Zinsen, Devisenschwankungen und Kursentwicklungen in den Mund. Was seiner Meinung nach alles ganz furchtbar ist. – Frage: Weiß er überhaupt, wovon er redet? Kann er erklären, warum ein Aktienkurs schwankt oder welchen Sinn Aktien überhaupt machen? Die Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften der amerikanischen Ivy League würden sich um Widmann als Experten reißen, wenn sie nur Muslim-Markt.de lesen würden.

Aber dass Widmann es mit seinen Recherchen nicht so genau nimmt, gibt ja sogar der Muslim-Markt-Reporter zu:

„Abgesehen von wenige kleinen, sicherlich auf Missverständnissen beruhenden Fehlern, haben Sie das Verständnis der Muslimas für ihr Kopftuch sehr überzeugend herübergebracht.“

Genau, Inhalt ist nicht so wichtig. Hauptsache, die Überzeugung stimmt. Und da bekommt Michael „Das Kopftuch“ Widmann vom Muslim-Markt ein ganz dickes Lob.

Ach ja, auf muslim-markt.de wurde der Mordaufruf gegen den Orientalisten Prof. Hans-Peter Raddatz veröffentlicht. Das nur zu Ihrer Kenntnis, Herr Widmann, vor wessen Karren Sie sich da haben spannen lassen.

» an Michael Widmann

Update: Von Michael Widmann erhielten wir heute Morgen folgende Email:

Sehr geehrter Herr Herre,

herzlichen Dank für Ihre Rezension meines Buches auf Ihrer Seite www.polticallyincorrect.de. Ich muß Sie allerdings darauf hinweisen, daß das von Ihnen in Zusammenhang mit der Buchbesprechung verwendete Foto urheberrechtlich geschützt ist (§ 1 Nr. 5 UrhG bzw. § 72 UrhG). Deshalb muß ich darauf bestehen, dieses Foto binnen 48 Stunden von Ihrer Homepage zu entfernen. Außerdem möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß der urheberrechtliche Schutz für sämtliche im Internet veröffentlichten Fotos gilt.

Mit freundlichen Grüßen

SANKT ULRICH VERLAG GMBH

i. A. Michael Widmann
Lektor

______________________________________
MEDIENGRUPPE SANKT ULRICH VERLAG
Hafnerberg 2
86152 Augsburg
Telefon +49/821/ 50242-86
Telefax +49/821/ 50242-46

Ihr Wunsch sei uns Befehl, Herr Widmann.

(Gastbeitrag von Martin G. R. Rudiger)

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