In der Schweiz haben sich Wissenschaftler kritisch mit der gutmenschlichen 68er „Haben Sie heute schon Ihr Kind gelobt?“-Pädagogik auseinandergesetzt, die davon ausgeht, dass hinter jedem Straftäter ein gestörtes soziales Umfeld steht. Schuld am eigenen Versagen sind nach dieser Weltanschauung immer die anderen: Die Familie, die Schule, die Gesellschaft, der Staat … Folge: Je schlimmer die Taten, desto mehr müssen wir dem Täter sagen, dass wir ihn trotzdem lieb haben. Ein Irrweg!

Die Studie räumt gründlich auf mit dem Vorurteil, dass Kriminelle Opfer schwieriger Lebensumstände seien und eben einfach nur keine Chance hatten, weil ihre Eltern arm waren und die Gesellschaft sie ausgegrenzt hat. Diese Grundauffassung führte und führt auch weiter dazu, dass Täter nicht bestraft, sondern sogar noch belohnt werden. Wir haben sie ja lieb und wollen sie in unsere Gesellschaft integrieren. Resozialisierung heißt das Zauberwort, das dazu führt, jugendliche Gewalttäter mit Erlebniscamps und Freizeitgestaltung zu verwöhnen, während bei unauffälligen Jugendlichen immer mehr gespart wird. Werden sie dadurch bessere Menschen? Keine Spur sagen Zürcher Wissenschaftler um den Psychiater Frank Urbaniok:

Die Forscher kommen zum Schluss, dass Sexual- und Gewaltverbrecher ihre kriminelle Laufbahn nicht deshalb beginnen, weil sie gesellschaftlich ausgegrenzt sind. So sind Programme, die jugendliche Straftäter mit einer Ausbildung auf den richtigen Weg zurückführen wollen, zwar gut gemeint – aber wirkungslos. «Wenn man einen Psychopathen eine Schreinerlehre machen lässt, hat man nachher nicht einen Psychopathen weniger, sondern einen Psychopathen mit Schreinerlehre», sagt Jérôme Endrass, Leitender Psychologe der Forschungsabteilung im Psychiatrisch-Psychologischen Dienst des Justizvollzugs Zürich.

«Die Idee, dass die Täter resozialisiert werden müssen, ist grundlegend falsch. Sie sind ja schon sozialisiert. Was sie brauchen, ist eine massgeschneiderte Therapie, die nur eines zum Ziel hat: Rückfälligkeit verhindern.»

– Die Täter sind nicht schlechter gebildet als der Rest der Bevölkerung. Sowohl bei den Schweizern als auch bei den Ausländern ist das Ausbildungsniveau dem der Durchschnittsbevölkerung ähnlich.

– Drei Viertel der Täter stammten aus intakten Mutter-Vater-Kind-Familien. Nur jeder zehnte wuchs in einem Heim auf.

– Täter, die während ihres Gefängnisaufenthalts eine Ausbildung absolviert haben, werden nicht weniger häufig rückfällig als andere Häftlinge. (…)

– Von den Tätern, bei denen als Jugendliche bereits eine Erziehungsmassnahme angeordnet wor den war, wurden neun von zehn rückfällig. 38 Prozent sogar mit einem Gewalt- oder Sexualdelikt.

Die Wissenschaftler haben auch analysiert, wie hoch die Rückfallquote bei jugendlichen Straftätern war, die zwischen 1974 und 1986 in der Arbeitserziehungsanstalt Uitikon untergebracht waren. Insgesamt 71 Prozent der Jugendlichen wurden mittlerweile wieder straffällig, 33 Prozent mit einem Sexual- oder Gewaltverbrechen.

Die Wissenschaftler propagieren als Psychater den Weg der Therapie – nun ja… Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Kriminelle krank sind und durch die richtige Therapie geheilt werden können. Eine Ansicht, die auch in die Irre führen wird und hier nicht geteilt wird.

(Spürnase: BUVSB)

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20 KOMMENTARE

  1. Ohne Wissenschaftlichkeit , einfach aus eigener Erfahrung glaube durchaus, daß Kriminalität und soziale Verhältnisse in Zusammenhang stehen können, siehe z.B. die Kriminalität der “ Normalbevölkerung“ nach dem 2.Weltkrieg zwecks Überleben. Bei Sexualstraftätern glaube ich aber nur sehr bedingt daran in dem Sinne, daß gewalttätige Erziehungsmaßnahmen die Vermischung zwischen Sexulalphantasien und Gewaltphantasien fördern. Ich glaube z.B., daß der Rückgang der Sexualmorde durch Fremdtäter in den 90er Jahren zurückzuführen ist auf die Abschaffung der gewalttätigen Heimerziehung in den 70er Jahren. Nicht aber jeder Sexualstraftäter ist dazu “ erzogen“ worden, es gibt sicherlich genetisch bedingte Neigungen.
    An eine Therapie mit hinreichend sicherer Prognopse glaube ich sicherlich nicht, siehe meine Ausführungen in “ Wie Kriminelle ihre Therapeuten austricksen. Die Wahrheit über die forensische Psychiatrie“ unter http://www.tkurbjuhn.de

  2. Es wäre tatsächlich einmal interessant, herauszufinden, was die ganze Resozialisierungindustrie gebracht hat. Glaubt man den einschlägigen Medien, kamen solche Resozialisierungsprogramme anfang der 70er Jahre mit der Brandt-Regierung. Der ursprünglich Gedanke, Leuten wie dem Serienmörder Bartsch zu helfen, der ja tatsächlich psychisch krank war, ist ins Gegenteil gekippt. Jeder Straftäter versucht sich als psychsich gestört zu inszenieren, um Straferleichtrerungen zu kriegen. Täter werden erstmal als Opfer der Gesellschaft gesehen, die großzügig betreut werden, während die Opfer ohne hilfe allein darstehen.
    Das Zuchthaus aus den Sechziger Jahren war wahrscheinlich ziemlich hart, hatte aber den Vorteil, dass es
    a. preiswerter war als die Rundumbetreuung heutzutage und dass es
    b. wirklich als Strafe empfunden wurde und deswegen eine abschreckende Wirkung hatte.

    Dass Täter tatsächlich Opfer sind, dagegen spricht die Tatsache, dass die meisten kriminellen Delikte aktives, eigenständiges Verhalten erfordern, während Opfer doch eher passiv sind.

  3. Das Kind mit dem Bade ausschütten sollte man vielleicht nicht. Es sieht aber auch so aus, als ob das die Forscher gar nicht tun.

    Dass der Einfluss in der Kindheit – vor allem der frühen – auf das spätere Verhalten des Erwachsenen gleich null ist, ist nicht haltbar. Ich vermute auch, dass es stimmt, dass ein gewalttätiges und liebloses Elternhaus eher Kriminelle hervorbringt als ein liebevolles, förderndes. Das ist aber nur ein statistisches Wert und wenn man das zum Dogma erhebt, ist das eine grenzenlose und rücksichtslose Frechheit gegenüber Menschen, die aus einer schweren Situation in der Kindheit zu anständigen und großartigen Menschen wurden. Und derer gibt es viele.

    Ich tue mich immer noch schwer damit, zu glauben, dass es Babies gibt, bei denen von Anfang an Hopfen und Malz verloren ist – die schon als Verbrecher aus dem Uterus kriechen und zu solchen werden – egal wie man sie behandelt.

    Vielleicht gibt es einfach Menschen mit angeborenem starken guten Charakter, bei denen man auch durch die schlimmste Behandlung nichts versauen kann und andere, schwächere, bei denen es offen ist: ein liebevolles Elternhaus macht sie zu guten Menschen – ein liebloses, gewalttätiges zu Gewalttätern.

    Man kann ja nie wissen, was in dem Kind, das einem geschenkt wurde, steckt. Dass liebloses und gewalttätiges Verhalten an Kindern immer mehr geächtet wird, ist eine gute Entwicklung und sie kommt auss der gleichen Ecke wie die Verbrecherhätschelei, die eben nicht gut ist.

    Ich denke, JEDER Verbrecher ist ein Psychopath. Die Zwangsneurose, nur nicht-psychopathische Verbrecher bestrafen und die anderen heilen zu wollen, muss zwangsläufig dazu führen, dass am Ende überhaupt niemand mehr verantwortlich gemacht werden kann.

    Man sollte hier Diagnose (richtig und wichtig für die Vorbeugung bei neuen Kindern) und Therapie trennen. Letzteres ist wohl tatsächlich eine dumme Anmaßung.

  4. Lieber Eisvogel,

    Sie schreiben: „Ein liebevolles Elternhaus macht sie zu guten Menschen – ein liebloses, gewalttätiges zu Gewalttätern.“ Nach meiner Ansicht ist ein liebevolles Elternhaus ein Wert an sich; ob und was es in Zukunft bewirkt, ist eine ganz andere und kaum gültig zu beantwortende Frage, da wir die Entwicklungsgeschichte eines Menschen ja nicht einfach wieder rückgängig machen und dann überprüfen können, was aus ihm bei einem anderen Erziehungsstil geworden wäre. Würden Sie wirklich von sich selbst sagen wollen, Sie seinen durch irgendwelche Umstände in Ihrer Lebensgeschichte „gemacht“ worden? Bereits die Frage, ob und inwieweit wir durch sie beeinflusst werden, ist schwierig zu beantworten. Was mich angeht, so bin ich als Kind in sehr schwerer Weise von meiner Mutter misshandelt worden; nach dem frühen Tod meiner Eltern wurde ich in ein Heim gesteckt, in dem die seinerzeit noch allgemein übliche Prügelstrafe fast täglich angewandt wurde. Dennoch bin ich ebenso wenig zu einem Gewalttäter geworden, wie das bei meinen damaligen Schicksalsgenossen der Fall war (jedenfalls so weit ich noch Kontakt zu ihnen habe). Tatsächlich verabscheue ich physische und mehr noch seelische Gewaltanwendung gegenüber Schwächeren oder gar Wehrlosen mindestens ebenso sehr wie Sie.

    Sie sagen; „Ich denke, JEDER Verbrecher ist ein Psychopath.“ Der Begriff „Psychopath“ (zu Deutsch etwa „Seelisch Krank(haft)er“) ist in seiner Bedeutung alles andere als fest umrissen; vielleicht bezeichnet er u.a. Menschen, die phantasielos, humorlos, egozentrisch und uneinfühlsam sind. Mit solchen Eigenschaften kann man ebensogut zum Verbrecher wie zu einem effektiven (nicht guten) Vorgesetzten oder auch zu einem erfolgreichen Politiker werden.

  5. Ich stimme Ihnen in jedem Punkt zu, Friedel. Ich habe ja auch extra erwähnt, dass die Verallgemeinerung, die häufig betrieben wird, eine Unverschämtheit ist. Und es ist korrekt: wenn man meinen Text durchliest, könnte man denken, dass ich nicht berücksichtige, dass ein liebevolles Elternhaus ein Wert an sich ist – unabhängig davon, was hinterher aus dem Kind wird. Das war irreführend ausgedrückt, das denke ich nämlich ganz und gar nicht.

    Im Gegenteil: ich find’s sogar ziemlich blöd, wenn man bei der Kindererziehung permanent drandenkt, was das später mal bewirkt (da spielt eine Menge Kaffeesatzleserei und Anmaßung hinein). Viel wichtiger ist, was das im Moment bewirkt.

    Als mein Sohn etwa 5 war, wollte er als Cowboy zur Fastnacht. Ich hab‘ ihm ein Kunstlederwestchen genäht, einen Hut gekauft, aber keine Pistole. Ich war damals so blöd – Kriegsspielzeug=pfui Teufel und er wird dadurch zum Militaristen oder so. Ich hab‘ dem Kind einen Mist ans Ohr geschwafelt von wegen, ob man denn nicht Cowboy sein könne, ohne zu schießen. NEIN, meinte er, kann man nicht. Er hat sich durchgesetzt – er war im Moment glücklich, weil er ballern konnte, ist inzwischen erwachsen und hat bisher noch niemanden über den Haufen geschossen und es sieht auch so aus, als ob’s so bleibt 😉

    Es ging mir nur drum, dass das ganze Gerede über KIndheit und Kriminalität, das zum größten Teil Blödsinn ist, wenigstens bewirkt hat, dass sich im allgemeinen eine andere Einstellung zur Behandlung von Kindern durchgesetzt hat. Und das sehe ich positiv.

    Mit „Psychopath“ meinte ich, dass schon die Tatsache, dass jemand (gewalt)kriminell wird, ein Verhalten ist, das von der „Norm“ abweicht, also „abnormal“ ist – ganz egal, welche Ursache es hat. Das vergessen die Nach-Psychopathien-Sucher stets und daher finden sie natürlich immer was, wenn sie was suchen.

  6. Von spital8katz | 26.03.07 12:51

    „ABM für Psycho-, Sozio- und sonstige -Logen…“

    Das genau ist das Thema!!!
    (Vorsicht gleicht kütt lesonal und lackiert uns…)

  7. @5 Friedel
    Ich war selbst nicht im Heim, habe aber in der Forensik eigentlich fast ausschließlich Heimkinder kennengelernt. Insofern vermute ich, daß die meines Erachtens in den 50er und 60er Jahren besonders gewalttätige Heimerziehung einen wesentlichen Teil zur Kriminellenentwicklung gerade der Sexualstraftäter beigetragen hat. Wer von der Genetik her nur etwas prädisponiert war, hat hier die “ besten Chancen“ gehabt, sich entsprechend abartig zu entwickeln. Natürlich ist nicht jeder genetisch so veranlagt, so daß auch noch so schlechte Verhältnisse nicht zwingend einen Kriminelle hervorbringen.
    Mein Hauptbeleg für meine These ist der starke Rückgan von insbesondere Sexualmorden durch Fremdtäter. Nach immer wieder durch die Presse geisternden Zahlen gab es in den 70er Jahren ca.20 Kindermorde, heute ca. 5. Das ist schon so ein erheblicher Unterschied, daß es Gründe dafür geben muß.Das unbefriedigende an der Kriminellenbehandlung heute ist der 68er -Glaube an die Behandelbarkeit auch der sexuell eingefahrendsten Hangtäter. Wegen der vielen Rückfälle äußert sich die Therapeutenzunft hier zwar inzwischen verhaltener, propagiert aber nach wie vor die Sexualstraftätertherapie und die bei entsprechender “ Fortbildung“ angeblich vorhandene Möglichkeit einer sicheren Prognose. Insofern wundert es micht nicht, daß in der Presse nie erwähnt wurde, daß die Mederake-Gutachterin Cornelia Schaumburg so eine fortgebildete Gutachterin ist, die hat nämlich ein Lehrbuch über den Maßregelvollzug geschrieben.Ein solches Wissen würde den Glauben der Öffentlichkeit an sichere Prognosen doch erschüttern.

  8. „Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Kriminelle krank sind und durch die richtige Therapie geheilt werden können.“

    Die Schlussfolgerung halte ich für unzulässig. Ziel ist es nicht, Straftäter zu heilen (was immer PI auch darunter versteht), sondern Rückfälligkeit zu verhindern. Das ist ein gewaltiger Unterschied!!! Der Straftäter ist nicht unbedingt krank, aber auf jeden Fall straffällig. Das gilt es zu verändern, nichts anderes ist Auftrag des Strafvollzuges.

    Immerhin, PI betrachtet auch mal Fakten bei diesem Thema. Ein Fortschritt, wie ich finde. Straftäter ist nicht gleich Straftäter, die Entwicklung hin zu Delinquenz hat sehr unterschiedliche Ursachen. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, kann schnell feststellen, dass die hier so oft verteufelte Ansicht, dass Straftäter immer Opfer „der Gesellschaft“ seien, in Fachkreisen nirgendwo formuliert wird, zumindest nicht in den letzten 20 Jahren. Urbaniok hat herausgestellt, dass z.B. Bildungsmaßnmahmen keinen wesentlichen positiven Effekt auf die Rückfälligkeit von Straftätern haben. Mangelnde Bildung scheint also nicht primär ursächlich für Delinquenz bzw. Rückfälligkeit zu sein.

    In der Tat sind die in den Gefängnissen befindlichen (!!! das sind also nur diejenigen, die für delinquentes Verhalten verurteilt worden sind!!!) Straftäter häufig in desolaten Umfeldern aufgewachsen (die sog. broken home – Theorie), überdurchschnittlich häufig selbst in der Kindheit psychisch, körperlich und sexuell misshandelt worden (statistische Kennwerte bezogen auf die Straftäterpopulationen, keine deterministischen Einzelfallaussagen)und haben kaum eine kontinuierliche Erziehung erlebt.

    Das trifft für viele Straftäter zu, allerdings auch für viele Menschen, die nie Straftaten begehen. Erklärungen sind also nicht einfach zu finden, die kriminologische Forschung hat hier bestenfalls Ansätze zu bieten, keinesfalls gültige Erklärungsmodelle. Und: es gibt Straftäter, die keinesfalls irgendwelche Bbelastungen in der Biografie aufweisen, aber dennoch fortgesetzt schwere Straftaten begehen.

    Der Kanadier R.D. Hare hat für eine besondere kleine Gruppe von Straftätern den Begriff „psychpopathy“ geprägt, ich denke, dass Urbaniok sich mit seiner Aussage auf diese Straftätergruppe bezog. Diese Täter zeichnen sich durch erhebliche Empathielosigkeit, Gewissenlosigkeit, flachen Affekt, parasitären Lebensstil, Verantwortungslosigkeit, Promiskuität, Impulsivität, Reizhunger, Grandiosität, Lügen und Täuschen aus. Für diese kleine Gruppe von Straftätern, die im übrigen häufig sozial sehr kompetent sind, gibt es keinerlei Veränderungsmöglichkeiten, sie gelten auch nicht als krank oder therapiebedürftig. Im Gegenteil, hier ist Therapie sogar kontraindiziert, denn diese Täter lernen in Therapie lediglich, wie sie noch besser Menschen manipulieren und täuschen können. Wie mit derartigen Tätern rechtlich und gesellschaftlich umzugehen ist, ist eine spannende, aber noch unbeantwortete Frage. Wichtig ist aber zunächst, diese Täter von den anderen Kriminellen zu unterscheiden, in der Praxis also, sie zu identifizieren. Diese Tätergruppe ist m.E. prädestiniert für die Sicherungsverwahrung, da die Veränderungsaussichten nur minimal sind.
    Wer sich für das Thema interessiert sei an R.D. Hare verwiesen:
    „Gewissenlos. Die Psychopathen unter uns“. 2005. Berlin: Springer
    Foxtrott

  9. @tkurbjuhn

    Sie vergessen zu erwähnen, dass die forensischen Psychologen der JVA Bautzen bei Mederakes vorzeitiger Entlassung 2002 auf dessen enorme Gefährlichkeit hingewiesen haben. Tatsächlich wurde in der damaligen Stellungnahme zur vorzeitigen Entlassung auf die bestehende gestörte Persönlichkeit Mederakes und weitere Risikomerkmale ausdrücklich hingewiesen. Ein Rückfall im Bereich der Sexualdelinquenz wurde als wahrscheinlich bezeichnet. Die JVA Bautzen hatte sich aufgrund der psychologischen Einschätzung der dortigen Psychologen ausdrücklich GEGEN eine vorzeitige Entlassung Mederakes ausgeprochen, aber der juristische Sachverstand der zuständigen Strafvollstreckungskammer war der Meinung, dass die Ansicht einer externen Gutachterin, die Mederake bestenfalls 2 Tage gesehen hatte, gewichtiger sei, als die Aussagen der Fachkräfte, die Mederake mehrere Jahre erlebt hatten.

    Also: immer schön den Ball flachhalten, Herr Kurbjuhn. Die fachlichen Kompetenzen der forensischen Psychologen können Sie ganz sicher nicht sachgerecht beurteilen, auch wenn Sie, wie in ihrem Buch, diesen Eindruck aus irgendwelchen – vermutlich sehr persönlichen – Gründen gern erwecken möchten.
    Foxtrott

  10. @tkurbjuhn

    Sie vergessen zu erwähnen, dass die forensischen Psychologen der JVA Bautzen bei Mederakes vorzeitiger Entlassung 2002 auf dessen enorme Gefährlichkeit hingewiesen haben. Tatsächlich wurde in der damaligen Stellungnahme zur vorzeitigen Entlassung auf die bestehende gestörte Persönlichkeit Mederakes und weitere Risikomerkmale ausdrücklich hingewiesen. Ein Rückfall im Bereich der Sexualdelinquenz wurde als wahrscheinlich bezeichnet. Die JVA Bautzen hatte sich aufgrund der psychologischen Einschätzung der dortigen Psychologen ausdrücklich GEGEN eine vorzeitige Entlassung Mederakes ausgeprochen, aber der juristische Sachverstand der zuständigen Strafvollstreckungskammer war der Meinung, dass die Ansicht einer externen Gutachterin, die Mederake bestenfalls 2 Tage gesehen hatte, gewichtiger sei, als die Aussagen der Fachkräfte, die Mederake mehrere Jahre erlebt hatten.

    Also: immer schön den Ball flachhalten, Herr Kurbjuhn. Die fachlichen Kompetenzen der forensischen Psychologen können Sie ganz sicher nicht sachgerecht beurteilen, auch wenn Sie, wie in ihrem Buch, diesen Eindruck aus irgendwelchen – vermutlich sehr persönlichen – Gründen gern erwecken möchten.
    Foxtrott

  11. @15 Foxtrott Völlig unabhängig von meinen persönlichen Kompetenzen kann doch mit der “ Wissenschaft“ der forensischen Psychologie etwas nicht in Ordnung sein, wenn einmal eine Gefährlichkeit, zur selben Zeit aber eine Ungefährlichkeit diagnostiziert wird. Und die Frau Schaumburg ist ja formell sehr kompetent, schließlich ist sie Fachbuchautorin über den Maßregelvollzug. Eine zweitägige Untersuchungszeit entspricht dann scheinbar den Leitlinien der forensischen Psychologie.
    Ich finde es sehr wichtig, daß dies kritisiert wird, auch und gerade von Leuten wie mir, die keine formelle Kompetenz haben, dafür aber reichlich persönliche Erfahrung. Die formelle Kompetenz wird überhaupt überschätzt in Deutschland, die deutsche Autoritätssehnsucht hat nach Abschaffung der Diktatur hier sein Plätzchen zum Überwintern gefunden. In der angelsächsischen Wissenschaftswelt zählt eher das anschaulich vorgebrachte Argument denn die monstranz-und ordenartig vorgezeigte formelle Kompetenz.

  12. @16 tkurbjuhn

    Sicher ist das kriminalprognostische Begutachtungswesen kritikwürdig, es gibt eine Menge Inkompetenz und Schlamperei in diesem Bereich, ebenso wie ganz grundsätzliche Probleme.
    Wenn Sie aber behaupten, es seien keine sicheren Prognosen möglich, tragen Sie Eulen nach Athen, es gibt selbstverständlich keine „sicheren“ Prognosen. Weder in der Meteorologie, noch bei der Erdbebenvorhersage noch in der Ökonometrie – und schon gar nicht bei der Vorhersage von menschlichem Verhalten. Prognosen sind aus gegenstandsimmanenten Gründen immer nur Wahrscheinlichkeitsaussagen, deren Güte von den der Prognose zugrundeliegenden empirischen Daten abhängt und natürlich ebenso von der Güte der verwendeten prognostischen Methodik. Ein wesentliches Problem ist wohl eher, dass Richter kaum in der Lage sind, im Bereich forensischer Gutachten Scheiße von Mundwasser zu unterscheiden und Gutachtenaufträge weniger nach nachgewiesener Expertise als nach persönlichem Gutdünken vergeben. Ich habe mehr als einmal furchtbare Gutachten gesehen, deren mangelnde Qualität eigentlich jeden Laien anspringen müsste, aber dem zuständigen Richter gar nicht aufgefallen war. Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass Prognosen nicht sicher sind, aber wem erzählen Sie damit etwas Neues? Wenn schon die gesamte Rechentechnik der Welt kaum mehr als das Wetter für den nächten Tag mit einer Trefferquote um die 80% – 90% prognostizieren kann, wie „sicher“ können dann Verhaltensvorhersagen für menschliches Verhalten über lange Zeiträume (z.B. das restliche Leben)werden?
    Fakt ist aber, dass sich aktuell gefährliche Straftäter nach bisherigem forensischen Erkenntnisstand mit einer hohen Wahrscheinlichkeit identifizieren lassen. Über die Fälle, in denen das gelingt, lesen Sie natürlich nichts in der Presse. Sie lesen nur dann etwas, wenn – aus welchen Gründen dann auch immer- dies nicht gelungen ist und gefährliche Täter Lockerungen bekommen haben bzw. vorzeitig entlassen wurden und erneut Straftaten begehen.
    Natürlich kann man die forensische Prognostik und den damit verbundenen Anspruch auch ganz ablehnen, nur die damit verbundenen Konsequenzen wäre wohl erst recht kaum jemand bereit zu tragen.
    In diesem Sinne,
    Foxtrott

  13. Wenn ich ihre Ausführungen richtig verstehe, regen Sie an, daß die Bevölkerung den jeder Prognose innewohnenden Risikofaktor akzeptieren sollte. Dazu ist aber die Bevölkerung nicht bereit und der Gesetzgeber hat hierauf auch reagiert, indem es im § 67d Absatz 2 heißt:
    „(2) Ist keine Höchstfrist vorgesehen oder ist die Frist noch nicht abgelaufen, so setzt das Gericht die weitere Vollstreckung der Unterbringung zur Bewährung aus, wenn zu erwarten ist, daß der Untergebrachte außerhalb des Maßregelvollzugs keine rechtswidrigen Taten mehr begehen wird. Mit der Aussetzung tritt Führungsaufsicht ein. “
    Diese Formulierung wird juristischerseits so interpretiert, daß eine Entlassung aus dem Maßregelvollzug nur geschehen darf, wenn die Prognose fast 100% sicher ist. Da sie das nie sein kann, wie Sie richtig ausführen, wäre es Aufgabe der Psychotherapeuten, die Unmöglichkeit einer solchen Prognose zu formulieren und, was den Maßregelvollzug betrifft, keine Entlassungen mehr zu befürworten. Sie tun das nicht, verschaffen Öffentlichkeit und Juristen die Illusion , eine solch sichere Prognose sei möglich. Deshalb rege ich ja schon in meinem Buch an, nach einem Politikwechsel unter Zuhilfenahme der “ Radbruchschen Formel“ die Therapeuten, wegen derer Fehlprognosen es zu tödlichen Rückfällen gekommen ist,als Mittäter ihrer Probanden zu verurteilen. Da ich Befürworter der Todesstrafe bin und ich diese Therapeuten als Schreibtischmörder mit besonderer Schuldschwere sehe, würde diese Strafe dann für einige dieser Therapeuten in Frage kommen. Ein Chance zur Realisierung meiner juristischen Vorstellungen sehe ich nach einer politischen Wende zum Nationalen, die NPD ist z.B. für die Todesstrafe für Kindermörder und ich halte, wie skizziert, auch Todesurteile für Fehlgutachter nach dem obigen Denkmodell für juristisch sauber möglich. Die meisten Leser werden diese Überlegungen meinerseits belächeln, wer mich und meine Neigung, Ziele über Jahre und Jahrzehnte verfolgen zu können, nur ein wenig kennt, dem wird jetzt schon das Lachen vergehen. Ich habe einige Rückfallmordfälle aus Eickelborn aus den 80er und frühen 90er Jahren gut dokumentiert, kann als Zeuge hier entsprechende, verharmlosende Äußerungen damals junger Therapeuten, die heute zu den Stars der Forensikszene zählen, belegen. Die wird zwar auch nach meiner juristischen Auffassung nicht die Todesstrafe treffen, da sie damals nicht alleinverantwortlich handelten, aber auch eine mehrjährige Haftstrafe wegen täterschaftlicher Beteiligung durch Vernachlässigung der Schutzgarantenpflicht kann hart sein. Und die haben sich derart verharmlosend geäußert, daß auch unter Zugrundelegung der damaligen Gesetzesformulierung “ wenn verantwortet werden kann, zu erproben“ die Schutzgarantenpflicht der Bevölkerung in strafrechtlich relevanter Weise verletzt wurde.
    Im Fall des Mario Mederake sieht das anders aus, da der §57 geringere Anforderungen stellt. Die Bevölkerung, die ja mit Details der Juristerei nicht vertraut ist, weiß das natürlich nicht, deshalb trage ich mit meinen Schreibereien zur Aufklärung bei. Die Bevölkerung kann dann selbst entscheiden, ob sie das illusionäre Gutachtenwesen beibehalten will oder eine vom Grundsatz her andere Prognostik möchte. Diese, und das ist meine Antwort auf Ihren Schlußsatz, sollte so aussehen, daß bei Sexualstraftätern im Verfahren ein Gutachten erstellt wird, was unter Berücksichtigung des Täterprofils ein Gutachten erstellt. Wird dann eine Sicherungsverwahrung verhängt (oder eine Maßregel nach 63STGB), sollte diese unumkehrbar sein und zu einem wirklichen Lebenslänglich führen. Damit wäre das Prognoserisiko von der Bevölkerung dahin verlagert, wo es hingehört: auf den Täter.
    Die jetzige Verfassungsauslegung verbietet das, da aber die NPD nach §140 GG die Abschaffung des Grundgesetzes und den Ersatz durch eine Verfassung fordert, sehe ich hier für die Zukunft Perspektiven. Alles ist möglich, wenn das Volk es wirklich will.

  14. @tkurbjuhn
    Immerhin legen Sie Ihre Karten offen auf den Tisch, so dass jeder Leser sich sein eigenes Bild machen kann. Offenheit ist eine schätzenswerte Tugend.
    „Ich lehne alles ab, was Sie sagen, aber ich werde Ihr Recht, zu sagen, was Sie denken stets verteidigen.“ So ähnlich hat mal Voltaire ausgedrückt, wie ich mich zu ihrem Kommentar positionieren möchte. Das prognostische Risiko, wie Sie es nennen, trägt in jedem Fall die Bevölkerung, sei es in Form von erneuten Straftaten durch den Täter oder den aus einer lebenslangen Aufbewahrung entstehenden Kosten und damit verbundenen Risiken. Wenn Sie das ändern wollen, müssen Sie konsequent sein und die Todesstrafe für ALLE Straftäter fordern. In China war dies tatsächlich lange der Fall, bis ins 19. Jahrhundert hinein. Egal welches Delikt, die Strafe war immer dieselbe. Ihre Einschränkung der Todesstrafe auf Kindermörder ist für mich rein populistischer Natur und nicht sachlich nachvollziehbar. Konsequenterweise müssten Sie auch alle Totschläger, Trunkenheitsfahrer, Abtreibungswillige, Mörder, Körperverletzer mit Todesfolge, Drogendealer und eine Vielzahl anderer Straftäter eliminieren, um das Risiko von der Gesellschaft auf den Täter zu verlagern. Stellen Sie doch mal ein entsprechendes politisches Programm auf, wer weiß, vielleicht möchte Sie ja jemand wählen.
    Nichts für ungut.
    Foxtrott

  15. @ 19 Foxtrott
    Ihre Argumentation ist unsinnig. Das prognostische Risiko hinsichtlich eines Rückfalls trägt im Falle einer unumkehrbaren Sicherungsverwahrung ausschließlich der Verwahrte. Dafür muß die Bevölkerung einen Geldpreis bezahlen, und den bezahlt sie gern. Die Todesstrafe für alle Straftaten zu fordern liegt mir absolut fern, dies in die Diskussion zu bringen ist der alte Trick, dann, wenn man nicht mehr weiter weiß, dem Gegenüber abseitige Denkweisen zu unterstellen, die man dann angreift.Es geht doch bei der Strafzumessung nicht um Geld, sondern um Vorstellungen von einer lebenswerten Gesellschaft. Gewisse Risiken hinsichtlich eines Rückfalls ist man sicher gern bereit zu tragen, denn auch die Haftstrafe ist ja starkes Leid, was man einem Menschen zufügt.
    Die Todesstrafe- meines Erachtens nur für absolute Extremstraftäter angebracht, 1-2 Hinrichtungen im Jahr würden mir für Deutschland reichen- ist eine Symbolstrafe. Mit ihr stimuliert sich ein Volk zu einer Volksgemeinschaft im Sinne einer Schutz-und Trutzgemeinschaft, der Wert der Todesstrafe liegt darin, daß sie das Volk in seinem Kampf-und Überlebenswillen symbolisch unterstützt. Die Nationen mit Überlebenswillen haben sie,z.B. die USA, die ich als keine genetische, wohl aber als kulturelle Volksgemeinschaft empfinde.Islamische Länder und China habe sie auch- in meinen Augen praktizieren sie die TS im Übermaß-zeigen dadurch aber, welchen Überlebenswillen sie haben. Die Europäer haben sie nicht, für mich ist das ein Zeichen von vielen, daß diese Völker sich aufgegeben haben.

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