Klärungsbedarf: SWR-Chef Voß und der „authentische“ Islam

swr_islam.jpgIm Gegensatz zu MDR-Intendant Udo Reiter hat sich SWR-Intendant Peter Voß vor einer Woche ausdrücklich für eine islamische Religionssendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgesprochen. Wir schickten Herrn Voß daraufhin eine Email mit Bitte um eine Stellungnahme und erhielten heute per Post ein Antwortschreiben. Dem SWR gehe es vor allem darum, „gerade diejenigen muslimischen Kräfte zu unterstützen, die einer Integration gegenüber aufgeschlossen sind – und zugleich die Fundamentalisten und Fanatiker zu entmutigen.“

Hier der komplette SWR-Brief – ausgerückt unser jeweiliger Kommentar dazu:

Sehr geehrter Herr Herre,

im Auftrag von Herrn Prof. Voß danke ich Ihnen für Ihre Zuschrift. Sie beziehen sich darin auf das Vorhaben des SWR, künftig ein „Islamisches Wort“ anzubieten. Herr Voß hatte bereits im vergangenen Oktober eine Diskussion über islamische Religionssendungen in deutscher Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angestoßen. Außerdem hat er sich für eine angemessene Beteiligung der Muslime in den Aufsichtsratsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgesprochen.

Wir hoffen, dass der SWR hierbei auch an Ex-Muslime gedacht hat, und diese Personengruppe nicht ausgrenzt aufgrund ihrer Weltanschauung. Ex-Muslime haben den selben Anspruch auf Akzeptanz und Darstellung ihrer Weltanschauung wie Muslime. Wir hoffen ebenfalls, dass auch Hindus, Buddhisten, und vor allem Atheisten künftig eben solche Foren zur Informationsvermittlung und Integrationförderung gestellt bekommen. Eine einseitige Bevorzugung der islamischen Minderheit wäre ein klarer Verstoß gegen EU-Antidiskriminierungsgesetze.

Konkret geht es zunächst um ein Angebot im Rahmen unserer Internetpräsenz SWR.de. Der SWR befindet sich derzeit in Gesprächen mit mehreren islamischen Verbänden. Selbstverständlich wird der SWR bei diesem Projekt die Auswahl der Sprecherinnen und Sprecher selbst treffen und auch die redaktionelle Verantwortung für die Sendungen behalten.

Herr Voß hat dargelegt, dass es ihm um eine „authentische Informationsvermittlung über den Islam“ auch für Nicht-Moslems. Hier bitten wir um Klärung: Wie genau soll islamische Authentizität gewährleistet sein, wenn letztlich der SWR redaktionell eingreift? Was genau versteht Herr Voß unter einem „authentischen Islam“? Den Islam des Ayatollah Khomeini oder Saudi-Arabiens? Wenn nicht, wäre eine detaillierte Begründung notwendig, warum der Islam z.B. dieser beiden Länder nicht „authentisch“ sein soll, obwohl sich die dortige Gesellschaftsordnung strikt am Koran ausrichtet. An dieser Stelle muss sogar eine Stellungnahme über die Authentizität des Koran bezüglich des Islam von Herrn Voß erfolgen.

„Bei den Gesprächen mit Islam-Vertretern werden wir natürlich klarstellen, dass bei uns keine Hassprediger und Islamisten zu Wort kommen dürfen,…“ betonte Herr Voß. Der Koran stellt nach islamischer Konsens-Auffassung das authentische, unverfälschte Gotteswort dar. Darin werden Ungläubige durchweg äußerst negativ beschrieben, z.B. im Gotteswort Sure 8,55 „als die schlimmsten Tiere“ usw., und sogar zu deren Ermordung wird aufgerufen, wenn sie sich dem Herrschaftsanspruch des Islam widersetzen. Vom Propheten wurde exakt dieses Verhalten vorgelebt, was im Koran (Sure 33) und den Hadithen vielfach dargelegt ist.

Wie stellt sich der SWR nun zu diesen Sachverhalten, wenn einerseits ein „authentischer Islam“ vermittelt werden soll, und andererseits keine „Hasspredigten“ stattfinden dürfen?

Wie stellt sich der SWR eine „authentische Darstellung“ des Propheten Mohammed vor, der über 60 Angriffs- und Raubkriege angeordnet hatte, der in Medina ein Massaker an 600-900 jüdischen Männern befahl, um sich ihrer Habe zu bemächtigen, die Frauen als (Sex)Sklavinnen unter seinen Gefolgsleuten zu verteilen? Wie will der SWR den Sachverhalt darstellen lassen, dass der Islam heidnische Tempel seit den Tagen des Propheten nicht respektiert hat, sondern vernichten ließ, und das Ziel der globalen Islamisierung ausgerufen hat. Bzw. Allah selbst dieses Ziel ausgibt in Sure 8,39? Und zwar ausdrücklich mit Billigung von extremer Gewaltanwendung.

Herr Voß wünscht den Dialog mit integrationswilligen Moslems. Integration in unsere moderne westliche Kultur bedeutet, dass man unser Kulturgut der Religionskritik annimmt. Darf man das so verstehen, dass Herr Voß Islamkritiker als Dialogpartner wünscht? Dass er die Moslems in Deutschland quasi vom Wert des Kulturgutes „Religionskritik“ überzeugen will?

Der Zentralrat der Ex-Muslime wäre hier eine hervorragende Möglichkeit, die von Herrn Voß proklamierten Ziele auch umzusetzen. Gemäß Herrn Voß sollen doch grade integrationsbereite Moslems diese Sendungen gestalten. Ex-Moslems dürfen hier nicht in diskriminierender Weise ausgeschlossen bleiben.

Der Intendant versteht diese Vorschläge als Teil eines Dialogs mit den Muslimen in Deutschland, wie ihn ja auch die von Bundesinnenminister Schäuble initiierte Islamkonferenz verfolgt.

Wie Sie wissen, läuft in Deutschland seit einigen Monaten eine breite gesellschaftliche Diskussion zum Thema Integration. Dabei geht es zum einen um die Frage, was die Gesellschaft tun kann, um den Zuwanderern, die – zum Teil schon in der zweiten oder dritten Generation – bei uns leben, die Integration zu erleichtern, zum anderen aber auch darum, was ihnen abzuverlangen ist. Es geht also auch um den Beitrag, den die Zuwanderer selbst zu Integration, zu Ihrem Ankommen in dieser Gesellschaft leisten müssen. Vor diesem doppelten Hintergrund sind auch die Vorschläge von Herrn Voß zu sehen, der sich übrigens als Journalist immer für eine Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen hat. Doch hier geht es ja, wie gesagt, um die vielen Zuwanderer, die heute bei uns leben und integriert werden müssen, wenn wir nicht wollen, dass sich daraus sozialer Sprengstoff entwickelt.

Lieber Herr Voß. Es soll nicht belehrend klingen, aber nicht alle Zuwanderer zeigen die selbe Problematik bei der Integration. Viele, nein – so gut wie alle Zuwandererethnien zeigen keine oder fast keine Integrationsprobleme. Die einzige wirklich problematische Ethnie stellt die islamische Gruppe dar. Und auch hier muss man differenzieren. Säkulare Moslems und Ex-Moslems integrieren sich genauso problemlos wie alle anderen kulturellen Gruppierungen. Einzig die in islamischer Sozialisation und Religion verhaftete Personengruppe zeigt unzureichende Integrationsbereitschaft.

Bitte differenzieren sie hier künftig genau. Man darf nicht alle Migranten pauschal in einen Topf werfen. „Was den Migranten abzuverlangen ist“…..ist doch ganz eindeutig im Sinne der Antidiskriminierungsgesetze geregelt: Von allen das Gleiche. Respekt vor Menschenwürde und Menschenrechten. Somit zum Beispiel eine aktive Ablehnung geschlechtsspezifischer Diskriminierung. Die Ablehnung von Aussagen, die andere Menschen als minderwertig definieren, und sogar zu deren Ermordung aufrufen.

Von Migranten muss man das selbe verlangen können wie von der deutschen Bevölkerung. Z.B. eine aktive und selbstkritische Aufarbeitung der eigenen Kultur und Geschichte. Für Türken heißt das z.B. die Verurteilung des Armenier-Genozids und der Vernichtung von Konstantinopel. Für Moslems generell die Verurteilung und kritische Distanz zu den Verbrechen islamischer Geschichte einschließlich der Kriege, Massenmorde und Gräuel, die der Prophet und Begründer des Islam zu verantworten hat.

Auch in diesem Punkt muss Integration ein Messen an den selben Maßstäben bedeuten. Alles andere wäre ein Verstoß gegen Antidiskriminierungsgesetze. Im Sinne des von Herrn Voß propagierten „authentischen Islambildes“ dürfe es also diesbezüglich keine Probleme geben, den Islam so darzustellen, wie er sich selbst im Koran, der islamischen Geschichte und im Alltag zeigt.

Z.B. in Sure 4,25, die die Zwangsehe anordnet, und Sure 4,34, in der Frauen kein Selbstbestimmungsrecht eingeräumt wird, dafür dem Mann das Recht, Geschlechtsverkehr mit Gewalt zu erzwingen.

Da diese Verbrechen islamischen Alltag darstellen, kommt ihnen ein Höchstmaß an Authentizität zu. Also dem von Herrn Voß proklamierten Anspruch.

Integration ist zweifellos auch eine Aufgabe des Rundfunks, der Zuwanderern, und damit auch jenen aus islamisch geprägten Ländern, Angebote machen muss, um dem Entstehen von Parallelgesellschaften entgegen zu wirken. Dabei geht es darum, gerade diejenigen muslimischen Kräfte zu unterstützen, die einer Integration gegenüber aufgeschlossen sind – und zugleich die Fundamentalisten und Fanatiker zu entmutigen.

Ein sehr unterstützenswertes Anliegen des SWR. Es müsste nur präzise definiert werden, wer als „Fundamentalist“ gilt gemäß welcher Kriterien, und wer als gemäßigt. Zugleich muss geklärt sein, inwiefern der „gemäßigte“ Moslem noch den Islam selbst repräsentiert, wenn er gegen die Gebote und Weltanschauung des Koran verstößt. Hier darf es nicht zu willkürlichen Unschärfen in der Darstellung kommen – sonst leidet der Anspruch auf Authentizität. Wer also vertritt nun den „authentischen“ Islam? Der korangetreue „Fundamentalist“ oder ein Schwindler, der uns die Unwahrheit über den Koran erzählt, der jemand wie den Propheten als friedliebenden Menschen darstellt? Oder ein relativ ahnungsloser Moslem „von der Straße“, der sich ein individuelles Weltbild vom Islam gebastelt haben könnte, und nicht Bescheid weiß z.B. über das Judenmassaker von Medina durch den Propheten.
Oder ein indoktrinierter Moslem, der tatsächlich voller Unschuld glaubt, Mohammed hätte aus Notwehr Karawanen ausrauben und seine Gegner durchweg umbringen lassen, sofern sie nicht zum Islam konvertierten oder flohen?

Eine präzise Stellungnahmen wäre hier hilfreich um Missverständnissen vorzubeugen.

Wünschenswert im Sinne der Integration ist natürlich auch, Opfer islamischer Gewalt zu Wort kommen zu lassen. Also Menschen, die Opfer der Umsetzung z.B. der Suren 4,25 oder 4,34 wurden, oder 2,191, die zum Mord an Ungläubigen aufruft, oder 4,89, die zur Ermordung von Apostaten aufruft – sofern Letztere eventuelle Attentate überlebt haben. Oder von solchen bedroht sind.

Wir freuen uns also auf eine baldige Informationsvermittlung über einen „authentischen“ Islam, und vertrauen darauf, dass im Sinne und Geist des Grundgesetzes sowohl der Meinungsfreiheit als auch den in den Grundsatzartikeln verbrieften Menschenrechten Geltung verschafft wird.

Damit Sie sich von Herrn Voß‘ Vorschlägen ein genaues Bild machen können, erlaube ich mir, zwei SWR-Pressemeldungen vom 25. Oktober 2006 und vom 1. März 2007 zu dem Thema sowei ein Interview des „Focus“ mit Herrn Voß beizulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Schneider

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