The Stoning – eine Filmkritik

Endlich ist er da: „The Stoning“ – ein Film, der sich kritisch mit dem Thema Steinigung im islamischem „Rechtssystem“ Scharia auseinandersetzt. Nachdem der geplante Kinostart seit mehr als einem Jahr immer wieder verschoben werden musste (unter anderem wurde Regisseur Harald Holzenleiter mehrfach mit dem Tode bedroht), ist der Film nun endlich als Kauf-DVD erhältlich. Von einem Kinostart in Deutschland ist nichts bekannt.

Ein Gastbeitrag von Uli E.

Dass „The Stoning“ überhaupt noch auf den Markt gekommen ist, grenzt fast an ein Wunder, wenn man die Vorgeschichte betrachtet. Bereits Anfang 2006 war der Film fertig für den Kinostart und sollte auf der Berlinale vorgestellt werden. Aufgrund von Protesten und Drohungen aus islamischen Kreisen wurde er allerdings aus dem Programm genommen, obwohl der Regisseur unter diesem Druck bereits Entschärfungen vorgenommen hatte. Der Skandal blieb wohl auch deswegen aus, weil sich die Betroffenen aus Angst um ihr Leben nicht vor die Presse trauten. Der für den 8. November 2006 geplante Verkaufsstart der DVD wurde ebenfalls verschoben – nach offiziellen Angaben, um dem Weihnachtsgeschäft aus dem Weg zu gehen, das traditionell eher familienorientiert sei…

„The Stoning“ erzählt in Rückblenden die Geschichte der Amerikanerin Catherine, die im Iran mit ihrem iranischen Ehemann lebt. Nachdem sie von einem Nachbarn vergewaltigt wurde, rät ihr Rechtsanwalt dazu, die Sache auf sich beruhen zu lassen, da sie anderenfalls Gefahr laufe, wegen Ehebruchs verurteilt zu werden. Sie folgt dem Rat, muss aber, da sie durch die Vergewaltigung schwanger geworden ist, abtreiben. Deswegen wird sie zu 25 Peitschenhieben und einem Jahr Isolationshaft verurteilt. Während der Haft wird sie in Abwesenheit und ohne Möglichkeit, sich zu verteidigen wegen Ehebruchs schuldig gesprochen. Ihre Freunde beginnen einen aussichtslosen Kampf um ihr Leben.

Der Film zeigt in drastischen und bedrückenden Bildern die Unmenschlichkeit, Gnadenlosigkeit und Korrumpierbarkeit des islamischen „Rechtssystems“, obwohl unnötigerweise mehrfach darauf hingewiesen wird, dass nur die Form der Strafe, nicht aber das zugrundeliegende Rechtssystem kritisiert werden soll. So beginnt der Klappentext der DVD mit den Worten: „Bei allem gebotenen Respekt vor dem Iran und allen anderen islamischen Ländern, in denen heute noch Steinigungen stattfinden…“. An derselben Stelle wird dann auch George W. Bush mal wieder als Urheber des „Feindbildes Islam“ hervorgehoben – Gutmenschliche Zugeständnisse, die durch den folgenden Film ad absurdum geführt werden und die wohl dem mörderischen Druck der Mullahs geschuldet sind. Dass man Strafen nicht losgelöst vom Rechtssystem und das Rechtssystem nicht losgelöst von der Gesellschaft betrachten kann, wird im Film mehrfach ignoriert. Das suggeriert, dass nur die Strafe Gegenstand der Kritik sei, nicht aber ein vormittelalterliches Rechtsverständnis, das Opfer zu Tätern erklärt und Frauen als Menschen dritter Klasse behandelt. Ehrlicher und mutiger wäre es gewesen, klarzustellen, dass unmenschliche Strafen unmenschlichen Gesellschaften entspringen und dass die Scharia ein grausames Unrechtssystem darstellt, gegen das sich die zivilisierte Welt mit allen Mitteln zur Wehr setzen muss.

Leider leidet die DVD unter einigen Schwächen, die dem Film einen Teil seiner Intensität nehmen. So ist die Handlung dramaturgisch nicht immer logisch aufgebaut und an einigen Stellen gleitet sie in ihren Nebensträngen sogar ins Unglaubwürdige ab. So hätte man auf den terroristischen Befreiungsversuch durch Catherines Ehemann gut verzichten können – der vergebliche Kampf gegen ein fundamentalistisches Mullah-Regime wäre wesentlich authentischer gewesen. Auch die deutsche Synchronisation ist nicht immer gelungen. Die Stimmen wirken seltsam distanziert und passen sich der Situation nicht an. Einige wichtige, in arabisch gesprochene Passagen sind weder synchronisiert noch untertitelt, sodass der Zuschauer nur raten kann, um was es gerade geht.

Eher mau sind auch die Extras. Außer zwei kurzen Textbeiträgen, die sich Prolog und Epilog nennen, gibt es noch den Titelsong und den Trailer – zu wenig für einen Film mit einem so heißen Thema. Hier hätte das Filmteam die Gelegenheit gehabt, die Entstehungsgeschichte, die Anfeindungen, die Morddrohungen zu dokumentieren. So hätten auch unverbesserliche Gutmenschen erfahren, was der Islam unter Meinungsfreiheit versteht. Schade, dass diese Chance vertan wurde. Sehr gut ist dann wieder die Ausstattung der DVD. In einer hochwertigen Buchbox erhält man nicht nur die DVD mit dem Film, sondern als Zugabe auch noch zwei Audio-CDs mit dem Hörbuch „The Stoning“ nach Freidoune Sahebjam. Allein das Hörbuch, das inhaltlich keinen Bezug zum Film hat, kostet bei Amazon über 10,00 Euro.

Fazit: Ich habe die DVD-Box bei Karstadt in Berlin für 9,99 Euro gekauft. In Anbetracht des Lieferumfangs geradezu ein Schnäppchenpreis. Trotz der genannten Ungereimtheiten und Schwächen zeigt der Film ganz deutlich, was vom islamischen „Rechtssystem“ zu halten ist – nämlich nichts. Als Zuschauer bleibt man hilflos und betroffen zurück. Ideal für einen Videoabend mit gutmenschlichen Freunden, wenn diese mal wieder von „Islam heißt Frieden“ oder der „wunderbaren Religion“ faseln. Unbedingt kaufen!