Die westlichen Medien sind hingerissen von der „Friedensinitiative“ des iranischen Präsidenten Ahamdinedschad, der den saudischen König Abdullah in Riad besuchte (Foto), um sich für die Einheit der Moslems einzusetzen. Die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten im Irak, die man selbst kräftig anheizt, wolle Ahmadinedschad eindämmen, erzählt man uns.

Die Posse gelingt also mal wieder, weil der Westen an das Gute im iranischen Adolf glauben möchte, mit dem man Dialoge führen und den Weltfrieden retten kann. Bei SpOn und anderen westlichen Medien erfahren wir viel Gutes über die Bemühungen der beiden Staatschefs:

Iran und Saudi-Arabien wollen die Gewalt im Irak eindämmen. Bei seinem Besuch im streng wahabitisch-sunnitischen Riad beschwor Irans schiitischer Präsident Ahmadinedschad die Einheit der arabischen Welt. Die größte Gefahr für Muslime sei der Versuch, Streit zwischen den Glaubensrichtungen zu schüren. (…) „Die beiden wiesen darauf hin, dass die größte Bedrohung für die Muslime die Versuche sind, den Streit zwischen Sunniten und Schiiten zu schüren“ (…) „Wir haben versucht, einige Maßnahmen vorzubereiten, um unsere Feinde daran zu hindern, der muslimischen Welt zu schaden“, sagte Ahmadinedschad nach seiner Rückkehr in Teheran. Zusammen mit Abdullah habe er ausführlich über „die Palästinenser-Frage und den Irak“ gesprochen. Beide Länder hätten in diesen Fragen gleiche Ansichten.

Ahmadinedschad erklärte sich den Angaben der Agentur SPA zufolge zudem bereit, die Bemühungen Saudi-Arabiens zur Entspannung der Situation im Libanon zu unterstützen.

Wir sind beruhigt. Frieden im Irak, Frieden im Libanon, Frieden in Palästina … Was will man mehr? Bei der Jerusalem Post hat man sich im Gegensatz zu solchen schöngefärbten Artikeln den gesunden Menschenverstand bewahrt:

Es wäre auf jeden Fall ein sensibler Besuch gewesen – ein Treffen zwischen den bekanntesten Personen des heutigen Nahen Ostens, welche die schiitische und die sunnitische Welt vertreten – der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad und der saudische König Abdullah bin Abdel Aziz VI. Man wird auf jeden Fall davon ausgehen können, dass dieser Besuch sehr sorgfältig vorbereitet worden war. Ahmadinedschads persönlicher Vertreter Ali Larijani besuchte Riad. Larijani ist der Chefunterhändler der Iraner im Atomstreit, und das Thema des Besuches in Riad war offensichtlich. Larijani war zweimal in Riad, und der dritthöchste Vertreter der Saudis, Prinz Bandar bin Sultan, war in Teheran.

Bandars Vater, Prinz Sultan (der Verteidigungsminister des Landes) ist der Nachfolger auf dem saudischen Thron, da sein Halbbruder Abdullah schon über 85 Jahre alt ist. Bandar, der als Thronfolger gehandelt wird, unterhält gute Verbindungen mit den Muhabarat (eine Sondereinheit der Polizei) in Saudi Arabien, deren Hauptaufgabe es ist, dass Land vor dem (vorwiegend schiitischen) Terror zu beschützen. Die Saudis sind sehr besorgt über den Iran, besonders über das iranischen Atomwaffenpotential, welches das wichtigste Thema auf Tagesordnung ist. Offensichtlich war der Besuch vor allem wichtig für die Saudis.

Am Samstag Abend landete Ahmadinedschad in Riad und wurde wie ein König willkommen geheisen. Festmahle wurden vorbereitet und Abdullah wollte über alles mit ihm sprechen, zuallererst und im wesentlichen über den Atomstreit. Weil sie keine gemeinsame Sprache sprechen (Ahmadinejad spricht nur Farsi, welches Abdullah nicht spicht) wird die Unterhaltung über einen Dolmetscher stattgefunden haben. Abdullah hat offensichtlich sein Bestes versucht, er saß Ahmadinedschad sehr nahe, was er bei Gästen sehr selten tut, und versuchte, vor dem Treffen in die Kameras zu lächeln. Es gibt noch immer keine Einzelheiten über diese Unterhaltung, wahrscheinlich hat Abdullah Ahmadinedschad vor den Amerikanern, die ihre Präsenz im persischen Golf erhöhen, gewarnt. Man kann auch davon ausgehen,dass Abdullah seine Vermittlung zwischen den Iranern und Amerikanern angeboten hat, etwas, wozu er zweifellos gut in der Lage sein sollte. Nach der ersten Gesprächsrunde gingen sie zum Abendessen und nahmen später dann die Gespräche wieder auf.

Kurz vor Mitternacht wurde plötzlich bekannt, dass Ahmadinedschad nach Teheran zurückkehrt. Man kann davon ausgehen, dass die Gespräche mehr als erfolglos waren, angesichts der Tatsache, dass Ahmadinedschad nicht einmal einzige Nacht dort blieb, obwohl der Besuch so gründlich vorbereitet worden war. Ebenfalls ist festzuhalten, dass Ahmadinejad und die Saudis keinerlei Absicht auf Fortsetzung der Gespräche bekannt gemacht haben. Es wurde keine offizielle Stellungnahme zum Treffen veröffentlich, wie eigentlich üblich. Ahmadinedschad hat ein hitziges Temperament und ist schnell beleidigt. Vielleicht dachte er, dass sich die Saudis um etwas kümmern, was sie nichts angeht.

Bei seiner Rückkehr wurde Ahmadinejad auf dem Teheraner Flughafen von Reportern erwartet. Er sagte ihnen, dass er mit den Saudis über den Irak, die ethnische Frage und die Palästinenser gesprochen habe – er erwähnte das Atomprogramm mit keiner Silbe, was ein weiterer Hinweis ist, dass dieses Thema die Krise ausgelöst hat.

Im Grunde genommen hat der iranische Präsident die Hand der Saudis zurückgewiesen, die diese in der Hoffnung ausgestreckt hatten, eine massive Krise am Golf vermeiden zu können.

Aber unsere Medien interessiert das nicht. Sie glauben und verbreiten, was sie glauben und verbreiten möchten: Moslems sind friedliche Leute, die miteinander und mit uns reden können und wollen.

image_pdfimage_print
Anzeige: Wandere aus, solange es noch geht - Finca Bayano, Panama.

21 KOMMENTARE

  1. Das ist es Jens genau das ist es, jeder interpretiert was ihm so gerade gefällt.

    Mich ärgert aber die Unehrlichkeit der Amerikaner und Israelis genauso.

    Ständig werden die Angriffspläne dementiert.

    Wie sollte man jemals die Gewissheit haben, dass es nur Lügen seitens der Israelis und Amerikaner sind.

    Hoffentlich sind dies nur Lügen…

  2. Die Geschichte des Islam lässt hoffen, dass uns das Schlimmste erspart bleiben wird, was uns passieren könnte: die Aussöhnung von Sunniten und Schiiten. Denn dass es Ahmadinedschad auch darum ging, glaube ich schon. Nur sind die Motive vermutlich weniger philantroper, denn jihadistisch strategischer Natur…

    Mitleid muss nur mit den saudischen Scheichs haben, die es in bälde beim Spagath zwischen Wahabismus, Feudalismus und US-Protektion zerreissen dürfte… :-))

  3. Für Adolfinedschad ist Abdullah (warum eigentlich „VI.“?) der Kalif Yazid unserer Zeit. Die Saudis sind die Leute, die Ali und Hussein umgebracht haben, bede stehen bei den Schieten höher als Mohammed. Man sollte sich da nichts vormachen, auch andersherum herrscht wenig Sympathie: die Schieten sind für die Saudis Abtrünnige, die eigentlich getötet werden müssten. Daß sie es mit „ihren“ 10 Prozent Schieten nicht tun, hat dieselben Gründe wie die Abschaffung der Sklaverei vor 50 Jahren. Kosmetische.

  4. Da haben die Saudis sich aber etwas vorgenommen! Wie war das denn im Mittelalter im Christentum? Da hat man sich auch die Köpfe eingeschlagen. In diesem Abschnitt leben jetzt und heute die Moslime, diese werden von dem politischen Islam ausgenutzt.

  5. Welche Medien Jens hier als „unsere Medien“ bezeichnet, weiß ich nicht. Die „großen“ Printmedien können es nicht sein. Weder FAZ, Welt, Spiegel, Focus verbreiten, dass die Moslems „friedliche Leute“ sind, sondern berichten neutral, mit einer gehörigen Portion Skepsis. Dass dieses Treffen stattgefunden hat, d.h. auch, dass die beiden miteinander gesprochen haben, kann ja nicht bestritten werden.
    Im übrigen ist zu bemerken, dass Ahmadinedjad nicht einmal in Riad übernachtet hat. Das ist kein sehr positives Zeichen einer großen Verständigung, sondern eher das Gegenteil.

  6. An rational@

    Das schlimmste was ich einmal gelesen habe stand in unserem Tages Anzeiger.

    Diese Zeitung ist bekannt dafür dass im Grunde genommen alles halb so schlimm ist und alles gut wird.

    Den Vogel schossen sie mit einem Artikel ab wo sich ein Journalist entblödete in dem er schrieb, dass man doch weiterverhandeln sollte bis im Jahre 2009 neue Präsidentschaftswahlen stattfinden werden und dann laut ihm ein gemässigter iranischer Präsident an die Macht kommen wird der das Atomprogramm stoppen wird.

    Nur gibt es da zwei wichtige Sachen klarzustellen:

    1. Bis im Jahre 2009 wird der Iran schon über nukleartaugliches Material verfügen.

    2. Wieso sollte ein Reformer gegen die iranische Atombombe sein?

    3. Als nächstes wird der Journalist sagen, dass man mit einer iranischen Atombombe leben kann, da sie sie garantiert nie abfeuern werden.

  7. Die Saudis und andere haben im Sommer den Israelis im Krieg mit der Hisbollah hinter vorgehaltener Hand klar signalisiert: „Go on, finish the job!“
    Die arabische Liga konnte sich nicht mal zu einer Resolution hinreißen lassen. Alle sunnitischen Länder haben einen Horror vor einer Iranischen Machtsphäre bis zum Mittelmeer. Die neulich in der „Welt“ veröffentlichte „neue Strategie der USA gegen den Iran“ spricht Bände.

    http://www.welt.de/politik/article734634/Washingtons_neue_Strategie_gegen_den_Iran.html

  8. Der Iraner ist eben Realist. Der Georg W. B. kann sich noch so verbal stark gebärden, ausser Bomben und Raketen hat er nichts als Drohkulisse. Mit Bombardierungen tritt sofort der Wagenburgeffekt im Iran ein. Solange der Irakkrieg noch nicht vietnamisiert ist und sich die US-Landstreitkräfte reorganisiert haben wird da gar nicht passieren. Und ein Krieg gegen den Iran wird wohl nicht populärer als der im Irak zum derzeitigen Zeitpunkt sein. Der iranische Präsident mag blöd sein, sooo blöd ist er aber nicht.

  9. @#10 Frek Wentist

    Das haben wir ja auch bald, wo sich einige westliche Politiker(Piet Hein Donner )

    http://tinyurl.com/txwpa

    vorstellen können, die Scharia einzuführen, natürlich auf demokratischem Wege.

    Dann ist Schluss mit lustig, sich vergewaltigen lassen und denken, damit als Opfer davon zukommen.

  10. @#10 Frek Wentist

    Das haben wir ja auch bald, wo sich einige westliche Politiker(Piet Hein Donner )

    http://tinyurl.com/txwpa

    vorstellen können, die Scharia einzuführen, natürlich auf demokratischem Wege.

    Dann ist Schluss mit lustig, sich vergewaltigen lassen und denken, damit als Opfer davon zukommen.

  11. @ 7 Smakager: es gibt keine Dummheit, die nicht irgendwo in Medien auftaucht. Sie halten sich für wichtig, die Redakteure ebenso, die meisten geben vor die Welt retten zu wollen, die schnellsten und bestinformiertesten zu sein. Im Endeffekt dreht sich alles um den schnöden Mammon. Ansonsten sind die meisten käuflich.

  12. US-Kirchenvertreter sagen Ahmadinedschad würde den Holocaust nicht leugnen. Ich frage mich wie Blind sind diese Leute? Es gibt zahlreiche Aussagen von Ahmadinedschad wo er dies verleugnet. Kirchenvertreter sind also auch Arschbacken die nicht das Wohl der Menschen im Auge haben, sondern nur sich selbst.

  13. In einem Interview der Deutschen Welle bezichtigte Soltanieh die IAEO, unter Druck des Sicherheitsrats „bald zu einer Filiale der CIA oder einer anderen Spionageagentur“ zu werden. Die Atombehörde versuche immer mehr Detail-Informationen zu erlangen, die mit ihren eigentlichen Aufgaben nichts zu tun hätten. Gleichzeitig warnte Soltanieh: „Niemand sollte den dummen Fehler machen zu glauben, dass (…) die Angelegenheit beendet wird, wenn man nukleare Anlagen angreift. Denn die Technologie ist in den Köpfen der iranischen Wissenschaftler, und niemand kann sie da rausnehmen.“

    Das ist es darum drängt sich ein Krieg auf.

    Wenn sie einmal das Know-how haben ist es so oder so schon zu spät.

    Ich will es so sagen, in diesem Konflikt kann es nur schlechte Lösungen geben.

    Joschka Fischer hat kürzlich gemeint, dass man den Iran von der Atombombe abbringen könnte.

    Ich nehme ihn beim Wort immerhin war Achmadinedschad doch auch so etwas wie ein Sponti als er die Botschaft der U.S.A stürmte.

    Die beiden würden sich sofort mögen also soll er mit ihm verhandeln.

  14. Kann mir vielleicht mal jemand genau sagen, weshalb sich Sunniten und Schiiten immer so heftig in die Haare geraten? Dass die Sunniten die Sunna (Tradition) und die Schiiten die Schia (die Partei Alis, des Schwiegersohns von Mohammed) jeweils für wichtiger halten, dass die Schiiten darüberhinaus eine halbwegs stringente Hierarchie der „Geistlichen“ haben und dass es bei ihnen die „Kurzzeit-Ehe“ gibt, weiß ich.
    Aber ist das ein Grund, sich gegenseitig zu bekriegen bis aufs Blut, so wie es seit ca. 1400 Jahren passiert?
    Ist es eine Art Blutrache-Spirale wegen der Morde an Hasan und Hussein durch die Schergen Yazids, die sich ebenfalls seit Jahrhunderten dreht?
    Geht es schlicht und einfach um die Vorherrschaft im „dar-al Islam“?
    Oder ist es eher so, dass mit der idiotischen Macho- und Ehren-Zwangsstörung längst jeder jedem auf den Sack geht und jedes Ventil willkommen ist, um den Frust gewaltsam ausagieren zu können?

  15. US-Kirchenvertreter sagen Ahmadinedschad würde den Holocaust nicht leugnen.

    Wortwörtlich hat er’s tatsächlich nie getan (er hat nie gesagt: „den Holocaust hat es definitiv nicht gegeben“), aber diese Drecksäcke ignorieren dabei – vermutlich absichtlich – dass das so gut wie kein Holocaustleugner tut. Sie alle sagen, es müsse genauer und „frei von (jüdischer) Meinungsunterdrückung“ untersucht werden.

    Denn sie verfolgen mit der Leugnung vor allem das Ziel, eine jüdische Weltverschwörung zu „beweisen“, die angeblich den Holocaust erfunden hat, um finanzielle und Machtinteressen daraus zu erzielen. Holocaustleugnung richtet sich nur vordergründig gegen die damals ermordeten Juden (mit toten Juden haben solche Schweine kein Problem, die sind ihnen recht), sondern wie aller Antisemitismus gegen lebende Juden.

    Achmedinedschad verfolgt das Ziel der Delegitimiereung Israels, da er wie viele Antisemiten die Gründung des Staates Israel als „großzügiges Geschenk der Welt an die Juden“ sieht, das einzig und allein aus Schuldgefühlen wegen des Holocausts entstanden ist. Seine Argumentation möchte eine win-win-Situation schaffen, in der Israel auf jeden Fall keine Lebensberechtigung hat.

    – entweder es gab den Holocaust nicht, dann war das „Geschenk“ unberechtigt und muss zurückgegeben werden.

    – oder es gab ihn, dann muss Israel „auf Kosten“ der Täter und nicht der Heiligen Kühe Palis gegründet werden. Daher seine Verlegungsfantasien nach Deutschland. Wenn dieses Ansinnen von Europäern als Unfug bezeichnet wird (und er weiß, dass es das wird, weil’s Unfug ist), haben Leute, die wie er denken, die Möglichkeit, zu sagen: „Aha. Ihr wollt sie auch nicht haben. Aber die Palis sollen’s!“ Eine Argumentation, die auch die Nazis pflegten, weil so viele Länder sich weigerten, die flüchtenden Juden aufzunehmen. Dahinter steckt, dass es eine Zumutung sei, in der Nachbarschaft von Juden zu leben. Und wer das so sieht, ist eine antisemitische Drecksau per Definition.

    Die betreffenden Kirchenvertreter sind’s mit ihrer böswilligen Korintherkackerei („er hat’s nicht wörtlich gesagt“) GANZ GENAUSO wie der Teheraner Adolf.

  16. Für den Westen geht von den Saudis eine größere Gefahr aus als von den Iranern.
    Die saudischen Kleptokraten unterstützen den islamischen Terror und die Islamisierung Europas und Amerikas mit riesigen finanziellen Mitteln. Ihr Weltbild ist noch um einige Jahrhunderte rückständiger als das des Islam. Diese Leute zerstören die westlichen Staaten von innen heraus.
    Bush hätte gut daran getan, darüber nachzudenken, woher der Großteil der Attentäter vom 9/11 kam. Stattdessen hat er sich mit Saddam Hussein den politisch opportuneren Feind gesucht, vor allem einen, mit dem seine Kumpels und er keine Geschäftverbindungen unterhalten.

Comments are closed.