ZDF setzt christlichen mit islamischem Fundamentalismus gleich

zdf_doku.jpgDas ZDF strahlt am Donnerstag, den 8. März, um 23 Uhr die Reportage „Der große Graben – Religiöse Fundamentalisten auf dem Vormarsch“ aus. Ziel der Dokumentation des ZDF-„Terrorexperten“ Elmar Theveßen ist die „Beweisführung“, dass christliche Fundamentalisten für die freiheitlichen Gesellschaften mindestens genau so gefährlich sind wie islamistische – vielleicht sogar noch gefährlicher. Schon die offizielle ZDF-Bildmontage zur Sendung (Foto l.) soll dem Zuschauer suggerieren, von wem die eigentliche Bedrohung für die Welt ausgeht – natürlich von den Christen!

Alle religiösen Fundamentalisten sind gleich schlimm, heißt die ZDF-Agenda: Der Islamist, der Flugzeuge in Hochhäuser lenkt und Tausende von Menschen tötet, der Christ, der „sich in religiöse Ekstase tanzt“, der Selbstmordattentäter, der sich auf einem vollen Marktplatz in die Luft sprengt und der Abtreibungsgegner, der für das Lebensrecht Ungeborener demonstriert. Sie alle gefährden in gleichem Maße unseren Way of Life, wobei die Christen noch suspekter sind als die Moslems. Wir ahnten es. Das christliche Medienmagazin Pro schreibt:

„Auf der einen Seite (stehen) Islamisten, die den Islam als dominierende Religion in der Welt etablieren wollen, und auf der anderen christliche Fundamentalisten, die die buchstabengetreue Erfüllung der biblischen Apokalypse und die Vorherrschaft eines Systems herbeisehnen, das zunehmend ebenfalls von religiös-fundamentalistischen Werten geprägt wird“, heißt es in der Bekanntgabe des ZDF. (…)

Die Autoren, der ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen und die freie Journalistin Souad Mekhennet, haben Vertreter des Islam, des Christentums und des Judentums in den USA, Großbritannien, Deutschland und Israel befragt. Laut ZDF untersuchten sie dabei, inwiefern sich „Fundamentalisten“ aus Islam und Christentum „im Kampf der Kulturen gegenseitig bedingen und mit vergleichbaren Strategien, Taktiken und Argumenten das weltpolitische Geschehen für ihre Zwecke beeinflussen, obwohl sie eine Minderheit in den beiden großen Religionen darstellen“.

Diese beiden Gruppen „polarisierten“ nach dem Ende des Kalten Krieges: „Sie verbreitern den Graben, der in den Zeiten des Umbruchs und der Globalisierung und des damit einhergehenden Orientierungs- und Werteverlustes immer weiter aufbricht“, so das ZDF.

Interessant und bisher unbekannt: Christliche Fundamentalisten und Islamisten haben sich gegenseitig den Krieg erklärt und führen jetzt einen Kampf der Kulturen. Nur – wo kämpfen eigentlich die Christen heute und wo kämpften sie bisher? Wieviele Opfer haben sie im Namen ihres Glaubens ermordet? Offenbar massenmorden sie so heimlich, dass niemand es bemerkt. Deshalb muss das ZDF dem auf die Spur gehen – und zwar besonders gründlich:

Die Nennung von islamischen Fundamentalisten und evangelikalen Christen in ein und demselben Kontext wird in der Sendungsankündigung konsequent fortgeführt: „Die Reise auf den Spuren des religiösen Fundamentalismus beginnt im Tal von Megiddo, dem biblischen Schauplatz der Schlacht von Armageddon, und führt die Autoren zu Islamisten im Londoner Hyde Park, die Terror gegen Israel als Widerstand rechtfertigen, zu 25.000 evangelikalen Christen im Berliner Olympiastadion, terrorverdächtigen Muslimen im Ruhrgebiet, bibeltreuen Rechtsstudenten im US-Bundesstaat Virginia und zu einem christlichen ‚Warfare-Camp‘ („Kriegslager“) in der hessischen Provinz.“

So werden in der Dokumentation etwa Bilder von der missionarischen Großveranstaltung „Calling all Nations“ in Berlin gezeigt. Dort, so die Autoren, „tanzten sich Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Temperaturen um 30 Grad Celsius“ angeblich „in religiöse Ekstase“. Des weiteren werden christliche Aktivisten gezeigt, die täglich vor dem Obersten Gerichtshof in Washington gegen die Abtreibungsgesetze in den USA demonstrieren. Auch dass die Vorlesung an der juristischen Fakultät der Regent University in Virginia Beach jedes Mal mit einem Gebet beginnt, berichten die Autoren.

Später werden Muslime in der Duisburger Mevlana-Moschee beim Freitagsgebet gezeigt. Diese Gemeinde gehört zur islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft wird.

Christen tanzen sich in religiöse Ekstase und Moslems gehen zum Freitagsgebet. Wie sieht es eigentlich mit der religiösen Dauer-Ekstase bei den Pilgerfahrten nach Mekka aus? Die sind für jeden Moslem Pflicht, nicht nur für Fundis – das hat das ZDF wohl vergessen. Dafür dürfen aber der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, vor „Allmachtsansprüchen“ warnen, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Frankfurt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, darf seiner Besorgnis über „die Endzeitphantasien fundamentalistischer Christen“ zum Ausddruck bringen und der jüdische Publizist Gershom Gorenberg erklären, dass christliche Fundamentalisten eine Bedrohung für das Judentums darstellen, weil ihre Endzeitphantasien einen unvorstellbaren Holocaust für die Juden vorsehen.

Um die große Bedrohung, die von Christen ausgeht, noch deutlicher zu machen, muss in den ZDF-Text zur Sendung natürlich auch noch irgend etwas mit „Rechts“ rein. Und so warnt Theveßen eben vor „bibeltreuen Rechtsstudenten im US-Bundesstaat Virginia“. Ob er damit normale amerikanische Jurastudenten oder gefährliche „Rechtsextreme“ meint, erfahren wir nicht.

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