hermannIm November 2006 erschütterte ein bestialischer Foltermord in der JVA Siegburg die Bevölkerung. Der drogenabhängige Dieb Hermann Heibach (Foto des aufgebahrten Leichnams) war mit mehreren Schwerstkriminellen in eine Zelle gesperrt worden, wo diese ihn über 20 Stunden zu Tode gequält hatten. Outcut TV brachte damals einen ausführlichen Bericht über die Zustände im rotgrünen (Alb)traumknast, in dem längst Unterweltbosse die Regie übernommen hatten. Der verantwortliche Direktor Neufeind wurde jetzt vor Gericht von aller Schuld freigesprochen.
Die Oberlehrerzeitung TAZ hatte den Versager noch kurz vor der Bluttat in einer grotesken Sozialschmonzette zum feingeistigen Helden sozialromantischer Resozialisierungspädagogik emporgelobt.

Der Kölner Express fasst noch einmal zusammen, was in der Zelle geschah:

Einen Tag später explodierte in Zelle A104 die kriminelle Energie. Nach dem Mittagessen kam Pascal I. (auf Warteliste für Anti-Gewalt-Training, 1999 in Kinderpsychatrie) auf die Idee, Hermann zu misshandeln

So, wie er es aus dem Film „Full Metal Jacket“ kannte. Er wickelte Seife in ein Handtuch, schlug auf H. ein. Danny K. (prügelte einen 65-Jährigen bewusstlos) und Ralf A. machten mit.

Hermann galt als schüchtern, ängstlich. Früher soll er für Mitinsassen gewaschen und geputzt haben. Als K. ihn nach der Seifenprügel aufforderte, ihm die Füße zu massieren, tat er es. Dann wurden die Misshandlungen brutaler, perverser. Dazu las das Foltertrio ihrem Opfer aus der Bibel vor, befragte es nach seiner Nah-Tod-Erfahrung.

Und weiter:

In Wahrheit quälten sie Heibach zu Tode. Er musste eine Tube Zahnpasta essen, aus dem Halter der Klobürste trinken. Sein Erbrochenes essen. Mit einem Handfeger verletzten sie ihn im After, den Handfeger musste er ablecken. In der Nasszelle erhängten sie Heibach, schnitten ihn zwischendurch herunter, damit er eine Zigarette rauchen konnte. Mit einem Strangulationswerkzeug aus Bettlaken henkten sie den Zellengenossen schließlich.

Heibach war wegen Bagatelldelikten zunächst zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, versäumte dann aber verschiedentlich die Teestunde mit seiner Sozialarbeiterin und wurde daraufhin in Haft genommen und zwecks Resozialisierung den Schwerstkriminellen in Siegburg ausgeliefert. Die skandalösen Zustände dort waren ein offenes Geheimnis. Während Direktor Neufeind, ein typischer Parteibuchhochkömmling der roten Filzregierungen in NRW, sich gerührten TAZ-Journalistinnen als feingeistiger Kunstverständiger präsentierte, herrschte außerhalb seines Elfenbeinturmes die nackte Gewalt. Kleinkriminelle wie Heibach hatten den Schwerstkriminellen wie Sklaven zu dienen und mussten Schutzgelder und Naturalien abliefern. Die von ihrem bornierten Chef Neufeind demotivierten Vollzugsbeamten hatten sich längst angewöhnt wegzuschauen, und Eingaben besorgter Angehöriger und ehemaliger Häftlinge versandeten im Filz der rotgrünen Bürokraten, die Neufeind als einen der Ihren deckten.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch das Gericht jetzt kein schuldhaftes Verhalten des selbstgefälligen Versagers Neufeind feststellen kann, der das seiner Obhut übergebene Opfer den sadistischen Mördern hilflos auslieferte. Im Gegenteil. Obwohl es dem Opfer sogar einmal gelang, den Alarmknopf zu betätigen, wundert sich Oberstaatsanwalt Apostel jetzt, dass er sich „nicht an die Beamten gewandt hätte“ und gibt so dem Ermordeten eine Mitschuld an dem Verbrechen:

Zwischendurch gelag es Hermann die Rufanlage (Sensor) zu betätigen. „Verdrückt“, entschuldigte sich einer der Täter. Was häufig vorkommt. Und wimmelte so die Beamten ab.

Gegen 23 Uhr baumelte Hermann H. dann an zusammengeknoteten Bettlaken – hingerichtet von seinen Zellengenossen. „Er hat sich an keinen Beamten gewandt“, so Oberstaatsanwalt Apostel. „Warum nicht – das ist uns nicht erklärbar.“

Auch die Beamten, die sich von den Mördern wegschicken liessen wurden freigesprochen. Ihr Anwalt darf sich freuen:

„Die Suche nach Bauernopfern war glücklicherweise erfolglos“, so Christoph Arnold, Anwalt zweier beschuldigter JVA-Beamter. Seine Mandanten waren für die Zusammenlegung von Täter und Opfer verantwortlich gewesen.

Weniger glücklich ist die Mutter des zu Tode gequälten Opfers, die keinerlei Hilfe des Rechtsstaates erhielt:

EXPRESS traf am Montag Marianne, die Mutter von Hermann. Den Tod ihres Jungen hat sie nicht überwunden, Geld hat sie auch nicht bekommen.

„Ich rede jeden Tag mit meinem toten Jungen. Wenn ich an seinem Grab in Leverkusen stehe, merke ich, dass er mich hört. Ich habe ihm versprochen, dass ich für Gerechtigkeit sorgen werde.

Für Gerechtigkeit zu sorgen dürfte schwer sein, solange in Deutschland Staat, Justiz und Medien Täterschutz vor Opferschutz stellen. Die Mörder von Hermann Heibach können auf eine milde Bestrafung nach dem Jugendstrafrecht hoffen, auch wenn sie schon 19 bzw 21 Jahre alt waren. Gerade mit ihrer Tat beweisen sie, wie gut sie die sozialromatische Bewährungsideologie ihrer amtlichen Helfer verstanden haben. Denn bei der Mordtat ging es keineswegs um das Ausleben sadistischer Gelüste. Mit zynischer Berechnung verfolgten die stundenlangen Folterungen den Zweck, das Opfer in den Selbstmord zu treiben, um dann selbst als „traumatisierte Zeugen“ eine vorzeitige Haftentlassung zu erreichen. Das erkennt sogar Staatsanwalt Robin Faßbender:

Staatsanwalt Robin Faßbender (47) sagt: Sie wollten alles als Selbstmord tarnen. Ihr Ziel: eine frühere Haftentlassung, wegen der psychischen Belastung.

Der Plan, das dümmliche Schafsnasensystem rotgrüner Täterversteher zum eigenen Vorteil zu nutzen, wäre fast aufgegangen, denn tatsächlich ging man zunächst von einem Suicid aus. Aber da die Tat an einem Wochenende stattfand, wurde ein externer Notarzt gerufen, der Verdacht schöpfte und die Spuren der Folterungen entdeckte. So wurde zunächst nichts aus der Haftentlassung und der nachfolgenden psychologischen Betreuung der traumatisierten Mörder auf Kosten der Steuerzahler. Ein Service, der der seelisch zerstörten Mutter des Ermordeten offenbar nicht zusteht.

image_pdfimage_print

 

11 KOMMENTARE

  1. „Opferschutz und Opferhilfe vor Täterverwöhnung“ – das ist (frei formuliert) das Motto des „Weißen Rings“ in dem ich seit Jahren Mitglied bin. Da ich regelmäßig die Mitgliederzeitschrift lese, kann mich obiger Beitrag fast nicht mehr erschüttern. In unserem „Rechtsstaat“ gehört es zur Tagesordnung, die Opfer links liegen zu lassen, die Täter hingegen zu hätscheln und zu knuddeln. In diesem Sinn bemüht sich der WR nicht nur um Einflussnahme auf die Gerichtspraxis und Gesetzgebung, sondern seine ehrenamtlichen Betreuer leisten aktive Opferhilfe, während der Verein Verbrechensopfer auch finanziell unterstützt.

    Ich glaube, der Weiße Ring ist es wert, offiziell auf PI verlinkt zu werden:
    http://www.weisser-ring.de

  2. Tja, für manche Leute sollte man das mittelalterliche Strafrepertoire mal wieder rausholen…

    Dieser Missstand ist mir schon seit langem bekannt, aber es ist schockierend immer wieder vor Augen geführt zu bekommen, wieviele Gebiete es gibt bei denen der Staat seine grundlegendsten Aufgaben nicht erfüllt.
    Das ermutigt mich als bald-Abiturient nicht gerade, dauerhaft hier zu bleiben und an der Volksverarsche durch das Zahlen von Steuern auch noch mitzuarbeiten.

  3. Eigentlich müßte man doch erwarten können, daß jemand im Gefängnis vor anderen Straftätern oder Gewaltverbrechern geschützt wird. Aber offenbar ist man dort in manchen Fällen diesen Tätern schutzlos ausgesetzt. Wer weiß, wieviel ähnliche Fälle es noch gibt, die nicht aufgedeckt werden, weil es kein Todesopfer, sondern nur Folterungen und Quälereien gibt?

    Kann nicht jemand dafür sorgen, daß die unglückliche Mutter dieses schrecklich mißhandelten und schließlich ermordeten jungen Mannes jetzt vom Weißen Ring betreut wird? Oder weiß jemand, ob das nicht ohnehin schon der Fall ist? Eine e-Mail oder eine Anfrage an den Weißen Ring würde vielleicht schon genügen.

    Ich selbst kann das nicht vermitteln …

  4. Das Leben im Knast ist eine eigene Welt. Jeder, der Einblicke hat, weiss, dass es äußerste Konsequenz erfordert, Gewaltverhältnisses zwischen Gefangenen zu unterbinden. Es muss aber auch ergänzt werden, dass es durchaus auch schlecht schlecht ausgebildete und unmotivierte Vollzugsbeamte sind, die „Geschäfte“ mit Gefangenen machen etc…. Hier müssten Staat und Gesellschaft deutlich sagen: Strafvollzug kostet Geld, viel Geld. Dann heisst es aber wieder aus dem Boulevard: „Luxusknast“.

    Glaubt mir: Es ist niemals „Luxusknast“, weggesperrt zu sein und nicht frei über sich entscheiden zu können.

    Es ist leider üblich, die Verantwortungsträger über Mißstände im Strafvollzug zu entlasten; kürzlich auch in Berlin zu beobachten, als der Leiter der JVA-Tegel Lange-Lehngut ausschied und so tat, als ob er „machtlos“ gewesen sei während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit. Lächerlich.

    Zuletzt: Ich bin ehrenamtlicher Vollzugshelfer. Ich tue dies nicht, weil ich die Taten der Klienten gutheiße und entschuldige. Aber dasmit sich diese Taten nicht wiederholen, damit es keine neuen Opfer gibt, muss mt den Gefangenen im Knast eben mehr passieren, als sie nur wegzuschließen oder sich selbst zu überlassen. Da ist für diese oftmals dissozialisierten Leute der Kontakt zu berufstätigen Menschen wie mich sehr wichtig.

    P.S.: Ich bin kein (!) Soziologe.

  5. # 6 Noch Nachtrag:

    Besonders schwer wiegt auch der Mißstand, dass die Gesellschaft/ Politik einerseits nach mehr Freiheitsstrafen ruft (was ich für richtig halte, gerade auch bei Jugendlichen, die sehr früh und deutlich einen „Denkzettel“ benötigen), andererseits es aber zuläßt, dass die Anstalten z. T. gnadenlos überbelegt sind. In eine Einzelzelle eines alten Anstaltsbaus zwei oder gar drei Gefangene zu packen, die schlimmstenfalls zueinander gar nicht passen (Alter, Herkunft, Bildung, Vorgeschichte), das fördert solche Schrecknisse wie den sadistischen Mord an diesem armen jungen Mann (s.o.).

  6. wenn ich das immer lese drogenabhänig
    mein bruder war nie drogenabhängig er war schwer krank und im gefängnis hat er seine medikamente nicht bekommen
    er hatte schwere gelenkschmerzen war schwer astmakrank und hatte dazu auch noch neurodermietis
    vielleicht sollten sich einige reporter vorher genauer schlau machen bevor sie sowas schreiben ich finde das echt zum k…
    nur weil manche leute nicht genug geld haben sind sie für leute die genug geld haben immer der letzte abschaum
    also für alle die es interessiert mein bruder war nicht drogenabhänig

  7. Ja, es ist das Beste, man kommt nicht ins Gefängnis. Denn dort ist man ausgeliefert.

    Es scheint die Hölle zu sein.

    Aber abschreckend wirken die Berichte offenbar doch nicht.

    IC

  8. Ja, es ist das Beste, man kommt nicht ins Gefängnis. Denn dort ist man ausgeliefert.

    Es scheint die Hölle zu sein.

    Aber abschreckend wirken die Berichte offenbar doch nicht.

    IC

Comments are closed.