Es gibt sie auch: schwule Kampfblogger

SchwulendemoAufgefallen ist uns dieser eher kleinere Blog Gay West durch einen von dort auf uns geschalteten Link. Natürlich wollten wir sehen, was über uns auf einem schwulen Blog geschrieben wird, nachdem wir uns in den letzten Monaten speziell für die Rechte und den Schutz von Minderheiten engagiert haben. Und dann waren wir zumindest erstaunt.

Update: am Ende des Artikels

Der Blogger mit dem Namen Damien beginnt seinen Artikel mit der Überschrift: „Wird PI jetzt schwul?“, um dann gleich zum ersten Schlag auszuholen:

… des am äußersten rechten Rand operierenden Blogs Politically Incorrect …

Patsch, das hat gesessen. Dann folgt ein wenig Unzusammenhängendes von der Art:

Aber mal der Reihe nach: Politische Korrektheit finden wir meistens doof. Politically Incorrect, das Blog des Freizeit-Cowboys Stefan Herre, allerdings auch.

Nichts wahnsinnig intellektuelles und manches Grundschulkind findet seinen Tischnachbarn auch doof … das ist halt nun mal so. Dann aber holt Damien zum großen Schlag aus:

Wer es ab und zu liest, wird wissen, warum. Selten wird so dumpf und primitiv gegen Schwule gehetzt wie dort. Ich erinnere nur an die auf PI zelebrierte Freude, als der von uns keineswegs geschätzte Volker Beck beim Moskauer CSD 2006 blutig geschlagen wurde. Auch dieses Jahr geifert das gesunde Volksempfinden wieder auf PI, bis ihm der Schaum vom Mund tropft.

Fakten, Einwände, Begründungen – zählen alle nicht. Es kann doch nicht sein, dass ein, „am äußersten rechten Rand operierender Blog“ sich für schwule Rechte einsetzt. Deshalb muss gleich noch etwas weiter polemisiert werden, denn selbst wenn dies so wäre, müssten die von PI einfach nur „Heuchler“ sein. Und dann, oh Wunder, geht man doch auf unseren Beitrag zum diesjährigen CSD ein …

Insoweit ist das Feiern homosexueller Lebensformen im bürgerlichen Charlottenburg vermutlich ungestörter zu praktizieren als im alternativen Kreuzberg oder im proletarischen Neukölln, wo nicht wenige Lesben und Schwule, aber auch nicht der islamischen Kleiderordnung entsprechend angezogene Frauen, die eine oder andere unangenehme Erfahrung mit der fehlenden Akzeptanz seitens ihrer Mitbürger mit Migrationshintergrund gemacht haben.

Zugegeben, ein Kastensatz, den man mehrmals lesen sollte – gemeint ist, dass es für alle, die nicht ins moslemische Weltbild passen, doch gefährlich werden könnte in Kreuzberg oder Neukölln. Also eigentlich die Einsicht, dass PI doch nicht so ganz falsch liegt? Weiter falsch. Weil jetzt erwartet man von uns, dass wir für die Rechte der Schwulen in Kreuzberg demonstrieren, während die Schwulen selbst in Charlottenburg feiern. Und selbst das wäre noch nicht genug:

Selbstverständlich kann man auch die Ansicht vertreten, dass der CSD historisch ein Kampftag ist und es daher Sinn macht, dorthin zu gehen, wo Schwule und Lesben eben nicht selbstverständlich leben gelassen werden. Dann würde ich allerdings von Stefan Herre und seinen Kameraden erwarten, dass sie in vorderster Front bei einer solchen Demonstration mitlaufen. Wobei ich sie auch dann noch für Heuchler vor dem Herrn halten würde, solange sie nicht ebenso solidarisch für das Recht der russischen Lesben und Schwulen auf die Strasse gehen würden.

Im weiteren Text muss man sich jetzt doch etwas von den ganz linken Blogs absetzen und bringt eine Story über Amerika- und Israel-fahnenschwenkende CSD-Teilnehmer. Beendet wird der Beitrag mit einem Versuch, nochmal die schwulenfeindliche Karte gegen PI zu ziehen:

Insoweit wäre ich tatsächlich gespannt, wie ein homopolitischer Einsatz von Herre & Co. in Kreuzberg und Neukölln aufgenommen würde. Sie könnten dort quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Gegen die Schwulenfeindlichkeit der multikulturellen Mehrheit demonstrieren und ihre eigene praktisch widerlegen.

Aufgefallen ist uns, dass Damien (oder wie auch immer er heißen mag – denn im Gegensatz zu uns verschanzen sich die Autoren von Gaywest im Anonymen) doch einsichtig zu sein scheint – zumindest akzeptiert er die von PI mehrfach beschriebene „Schwulenfeindlichkeit der multikulturellen Mehrheit“. OK, er drückt es etwas geschwollen aus, aber unsere Leser wissen, was er meint, oder? Abschliessend: wir von PI sind nicht schwulenfeindlich. Man wird keinen einzigen schwulenfeindlichen Artikel von uns finden. Im Kommentarbereich sieht dies etwas anderes aus, zugegeben. Allerdings gilt auch dort das Recht der freien Meinung und wenn die Kommentare nicht beleidigend sind, werden sie stehen bleiben. Denn genau dafür stehen wir von PI: das demokratische Recht der freien Meinung. Unsere Leser setzen sich aus einem großen Spektrum zusammen, von konservativen Christen über SPDler und Gewerkschaftler, die durch negative Berichte über PI auf linken Blogs zu uns gefunden haben (und dann bei uns blieben) bis hin zu vielen Schwulen, die Politik nicht nur über ihre Sexualität interpretieren. Ein kleines Kampfblögchen hat es da einfacher.

Update: Die Macher von Gaywest haben ihre ideologischen Scheuklappen leider nicht ablegen können – wir bezweifeln, dass sie auch nur einen unserer Beiträge richtig gelesen und wenn doch, dann zumindest nicht verstanden haben.

Wir wollen uns nicht in ein Artikelgefecht mit anonymen Hassbloggern begeben. Zumal sie inzwischen schon das nächste Thema entdeckt haben: Winke-Winke, Teletubbies?

Abschliessend: uns ist es grundsätzlich egal, welche sexuelle Orientierung ein Leser/Kommentator hat – eine politische Überzeugung sollte sich über das Gehirn und sonst nichts begründen. Kommentare werden veröffentlicht, solange sie sich im Rahmen unserer Policy befinden.