koehler_200.jpgDas hatten sich Ayyub Köhler (Bild) und Bekir Alboga anders vorgestellt: Statt der auf deutschen Kirchenveranstaltungen üblichen Unterwerfungsgesten und erleichtertem Beifall für gern geglaubte Takiyalügen gab es bei der Auftaktveranstaltung des evangelischen Kirchentages Buhrufe und Pfiffe für die Vertreter der Religion des Friedens von mehr als 3.000 „lieben Geschwistern im Glauben“ (Köhler).

Das bedeutet noch nicht, dass eine Mehrheit der protestantischen Aktivisten bereit wäre, ihren Glauben aktiv gegen die zu verteidigen, für die sie Ungläubige sind und bleiben. Tatsächlich setzt die Leitung des Kirchentages weiter auf Dialüg. Aber die Auftaktveranstaltung zeigte: Wer, wie Bischof Huber, Mut zur Wahrheit wagt, findet auch die Unterstützung der Gläubigen.

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet schweren Herzens:

Köln – Auf dem Kirchentag in Köln haben sich der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und der Vertreter der Muslime Ayyub Köhler heftige Wortgefechte geliefert.

Dieser inhaltliche Auftakt beim Evangelischen Kirchentag brachte Herzen, Köpfe und Gemüter in Wallung. „Wie hältst du’s mit der Religionsfreiheit?“ Mehr als 3000 Menschen klatschten, stritten, buhten und ereiferten sich, als der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Köhler, und Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, „Ditib“, ihre Sicht der Dinge darlegten. Eines blieb nach zwei Stunden klar: Die „lieben Geschwister im Glauben“ – mit diesen Worten wandte sich Köhler an Christen, Muslime und Juden im allgemeinen und an das Publikum im speziellen – sind so harmonisch weiß Gott nicht verbunden. Im Gegenteil drängte sich der Eindruck auf, die Religionsgemeinschaften reagierten durchaus gereizt aufeinander.

Aktueller Hintergrund und Höhepunkt der Irritationen, die sich in den vergangenen Monaten aufgetürmt hatten, war ein Gespräch hinter verschlossenen Türen zwischen Muslimen und evangelischen Christen gewesen, zu dem der Koordinationsrat der Muslime in der vorigen Woche eingeladen hatte. Das Treffen wurde als „offen“ geschildert. Im Klartext heißt das, dass es heftige Kontroversen gab, vor allem über die so genannte EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“. Das im November veröffentlichte Papier zur Verständigung zwischen Christen und Muslimen betont den christlichen Missionsgedanken und war bei den Muslimen auf heftige Kritik gestoßen. Der Koordinationsrat sah darin ein Dokument der Abgrenzung und sprach von unzulässigen Verallgemeinerungen bei der Beschreibung des Islam.

Als nun am Donnerstag in Köln sowohl Köhler („So können wir die Handreichung nicht akzeptieren“) als auch Alboga („zunehmende Islamophobie“) das EKD-Papier noch einmal als wenig hilfreich im christlich-muslimischen Dialog abqualifizierten, wurde der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber heftig: Zu behaupten, die „Handreichung“ stelle Muslime unter Generalverdacht, sei schlicht falsch. „Mir soll einer mal nachweisen, Jürgen Schmude wisse nicht zu differenzieren“, rief ein sichtlich aufgewühlter Huber. Der frühere Bundesjustizminister Schmude (SPD), der auch im Plenum saß, gehört mit zu den Verfassern der „Handreichung“. Huber mahnte einen „fairen Streit um die Wahrheit“ an. Toleranz dürfe nicht in Beliebigkeit enden, sondern müsse auch die eigene Stärke betonen.

Trotz der deutlichen Differenzen – es wurde immer wieder von allen Diskutanten betont, wie streitlustig Kirchentage nun einmal seien – gab es durchaus versöhnliche Signale. Köhler verwies in einem Eingangsreferat darauf, dass der Zentralrat der Muslime die Religions- und die Gewissensfreiheit als Menschenrechte ansehe. „Muslime stehen in der ersten Reihe derjenigen, die diese Rechte entschieden verteidigen.“ Und für den Zentralrat der Muslime sei das Recht auf den Religionswechsel „nicht nur ein Lippenbekenntnis“. Der EKD bescheinigte er trotz aller Vorbehalte an der „Handreichung“, sie sei „im Lernprozess“.

Allerdings dürfte Bischof Huber spätestens nach diesem etwas gönnerhaften Zugeständnis von heiligem Zorn ergriffen gewesen sein. Sein Vortrag war jedenfalls durchaus bissig, wenig pastoral. „Ja“ zur Religionsfreiheit, meinte Huber – aber für alle und an allen Orten. Und unter tosendem Beifall präzisierte er „für Muslime in Deutschland und für Christen in der Türkei.“ Huber spielte damit auch auf drei vor kurzem in der Türkei ermordete Christen an. Im übrigen sei die Freiheit zur Religion genauso wichtig wie die Freiheit von Religion. Hingegen müssten sich in islamischen Staaten Muslime zunehmend fürchten, wenn sie ihre Religion wechseln wollten. „Das muss sich ändern“, sagte Huber und verzichtete vollends auf jede Höflichkeitsattitüde, als er sagte: „Appeasement an dieser Stelle wäre nur Verrat an der Religion.“

Weniger mutig zeigte sich die Generalsekretärin des Kirchentages Ellen Ueberschär, die sich beeilte, sich von Huber und dem Rat der EKD zu distanzieren. Die evangelische Laienbewegung werde weiterhin am Dialog festhalten. Damit fällt Frau Uberschär nicht nur ihrem Bischof Huber in den Rücken, sondern auch integrationswilligen muslimischen Migranten, die sich keineswegs durch die stockkonservativen Funktionäre vertreten fühlen. Auf die frechen Lügen von Köhler: „eines der obersten Anliegen der koranischen Botschaft ist die Gleichberechtigung“ und „Unser Prophet hat nie eine Frau geschlagen“ musste ausgerechnet ein alevitischer Moslem die Herren in die Schranken weisen:

Ihm entgegnete der Vertreter der Aleviten in Deutschland, Ali Ertan Toprak: „Ich würde mir wünschen, dass die Herren Köhler und Alboga sich auch in islamischen Ländern so für die Frauen einsetzen.“ Und auch Bischof Huber wollte denn zum Schluss noch Antwort auf eine Frage: „Erklären Sie die Sitzordnung in einer Moschee!“ Dort sitzen Männer und Frauen getrennt.

Hier zeigt der Stadtanzeiger wieder einmal seine typische Unkenntnis über die einfachsten Tatsachen des vehement verteidigten Islam. Denn die Muslime sitzen keineswegs getrennt in den DITIB Moscheen, wie es früher auch in christlichen Kirchen üblich war, sondern sie stehen getrennt: Die Männer im eigentlichen Gebetsraum beim Imam und die Frauen in einem Kellerraum, wohin der Ton der Predigten und Gebete per Lautsprecher übertragen wird.

Die Antwort auf die interessante Frage blieben die muslimischen lieben großen Brüder den evangelischen Christen schuldig. Aber manche Dinge erklären sich auch von selber.

UPDATE: Wenn man den Bericht des Berliner Tagesspiegels zum selben Ereignis liest, scheint es bei der Veranstaltung höher hergegangen zu sein, als der Kölner Stadtanzeiger berichten möchte. In dem tendenziell islamfreundlichen Bericht heißt es:

Bei einer Veranstaltung in den Messehallen zum Thema Religionsfreiheit entlud sie sich am Donnerstag in tausendfachen Buhrufen gegen muslimische Verbandsvertreter. Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, wurde hingegen mit frenetischem Applaus empfangen. Statt Dialog gab es zwei Stunden Konfrontation.

Nach Darstellung des Tagesspiegels spielte auch der geplante Bau der Großmoschee eine wesentliche Rolle für den sich entladenden Volkszorn in Köln.

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