George BushWir kennen das ja mit der Schubladisierung von US-Präsidenten, wenn sie von republikanischer Seite kommen. Ronald Reagan war der „kleingeistige Hollywood-Schauspieler“, George W. Bush ein „ultrachristlicher Eiferer“. Das christliche Medienmagazin Pro, das wir unseren Lesern wärmstens empfehlen können (nicht nur wegen des kostenlosen Abos), räumt nun mit diesem Vorurteil auf.

Die Bonner Linguistin Lisanna Görtz untersuchte für ihre Magisterarbeit 50 Radioansprachen Bushs zum Irakkrieg. Erstaunliches Ergebnis: Begriffe wie Gott, Glaube oder Beten finden sich nur selten. Lediglich zu Ostern, Weihnachten oder dem Erntedankfest „Thanksgiving“ greift Bush häufiger zu religiösen Formulierungen. Diese „großen“ Reden sind es aber, die in Deutschland hauptsächlich wahrgenommen wurden.

Ganze achtmal benutzte Bush zwischen 2002 und 2004 in seinen Ansprachen zum Irakkrieg das Wort „God“ – davon siebenmal zu wichtigen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten, Thanksgiving oder dem Unabhängigkeitstag. Ähnlich sieht es aus mit „pray“ (elfmal gesamt/siebenmal zu hohen Festen) und „believe“ (achtmal gesamt, davon aber nur einmal, in der Woche vor Ostern 2003, in einem explizit religiösen Zusammenhang).

„Das Ergebnis hat mich völlig überrascht“, sagt die Bonner Linguistin Görtz. „Schließlich steht es im krassen Gegensatz zu dem Bild, das hierzulande von George W. Bush gemalt wird.“ Die wöchentlichen Radioansprachen des US-Präsidenten, die Görtz analysierte, ließen sich besonders gut vergleichen, so Görtz. Sie seien stets gleich lang, die rhetorische Situation sei immer dieselbe, so gebe es etwa keinen Interviewer, der den Gesprächsverlauf beeinflusse.

Werte sind für Amerikaner wichtig

Seit Kriegsbeginn rechtfertigte der Präsident den Einsatz amerikanischer Soldaten im Irak zunehmend mit der Verteidigung von Freiheit und Demokratie. „Dies ist aber kein Argumentationsmuster, das George W. Bush erfunden hätte“, betont die Linguistin. „Seit jeher verstehen sich die USA als Verteidiger wichtiger Werte.“ Als Einwanderungsland hätten sich die USA eine Art Zivilreligion gegeben mit dem Präsidenten als Hohepriester: „Was die Bürger trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen Hintergründe eint, ist der Glaube an gemeinsame Werte, der sich auch in omnipräsenten Symbolen wie dem Sternenbanner ausdrückt.“

In deutschen Ohren klinge es vielleicht befremdlich, wenn sich Bush voller Pathos auf die Verteidigung dieser Werte berufe. Für einen US-Politiker sei diese Rhetorik aber völlig normal. „Bush ist konservativ, Bush ist patriotisch, Bush ist religiös“, zieht Lisanna Görtz ein Fazit. „In seinen Radioansprachen äußert sich das aber nicht mehr als in den Reden anderer Politiker in Nordamerika auch.“

Schade findet Görtz, dass dieser unterschiedliche kulturelle Hintergrund so oft zu Missverständnissen führt: Man versteht vielleicht die Sprache, interpretiert das, was gesagt wird, aber falsch. Hinter der verzerrten Wahrnehmung Bushs stecken ihrer Meinung nach jedoch möglicherweise noch weitere Gründe: Schließlich ließen sich die religiösen Passagen in den Präsidentenreden auch hervorragend instrumentalisieren, um Stimmung gegen Bush und seine Kriegspläne zu schüren.

(Spürnase: Roger B.)

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