„Bombenalltag-Leben unter Raketenbeschuss“ – so lautete der Vortrag von Frau Dr. Ruthie Eitan, Dozentin am Sapir-College nahe Sderot, den sie am 11. Juli 2007 in Siegen hielt (wir wiesen darauf hin). Roger Bückert von der Siegener Pro-Israel-Initiative „Neveragain“ hat den Vortrag aufgenommen. Nachfolgend Teil 1, hier kann das komplette Video der Veranstaltung angeschaut werden.

Am 10. Juli hielt Ruthie Eitan auch einen Vortrag in Bremen. Auf dem Blog Verbrochenes fanden wir einen langen Bericht dazu.

Auszug:

Ruthie Eitan begann mit der Ankündigung, sie werde keinen akademischen Vortrag halten, sondern viel mehr ein Bild der Lage in Sderot zeichnen, um das Gefühl der Leute, die dort leben und arbeiten, rüberzubringen.

Wenn Kassam-Raketen abgeschossen werden, bleiben den Menschen am Sapir-College genau 15 Sekunden, bis die Rakete einschlägt. In der Zeit lässt sich wenig machen, also wartet man einfach ab, geht bestenfalls noch weg vom Fenster. Und so werden 15 Sekunden quälend lang, bis der Einschlag irgendwo auf dem Gelände zu hören ist und damit Entwarnung gegeben ist.
Eitan wohnt einen Kilometer von der Westbank (in der sie trotzdem noch nie war) entfernt und fährt zur Arbeit zum College mit dem Auto. Während sie im Auto über das College fährt, kann sie schlecht in die Luft gucken und auch keinen Alarm hören, was wiederum zu ständiger Ungewissheit führt. Steigt sie dann aus und geht zu einem Gebäude, kann sie immerhin wieder um sich gucken.

Die Einschläge der Kassams, ein paar tausend in den letzten Jahren, werden dabei trotzdem zur Selbstverständlichkeit. Als kürzlich eine neben ihrem Büro einschlug, plante sie eine Stunde später schon ihre Deutschlandreise weiter, was bleibt einem auch anderes übrig?

Kassam-Raketen werden in Eigenproduktion hergestellt. Man benutzt dafür teilweise Ampeln (die natürlich Israel in Gaza gebaut hat), füllt sie mit einer Mischung aus Waschmittel, Dünger und anderem, schweisst Flügel dran und schiesst sie ab.
Über die verursachten Zerstörungen hat sie wenig gesagt, es ging mehr um die psychologische Wirkung der ständigen Bedrohung. Allerdings werden die Raketen immer “besser”, legen an Reichweite und Größe zu.

Auch der Zeitpunkt der Abschüsse ist oft gut ausgewählt und zeugt von bester Informierung über das Internet. Macht man Veranstaltungen für potentielle neue Studenten oder baut eine Bühne für die Abschlussfeiern, kann man schon sicher davon ausgehen, dass es wieder Raketen an den entsprechenden Plätzen regnet.
Führt man sich die Herstellungsweise vor Augen wird auch klar, dass man auf militärischem Wege wenig gegen die Raketen tun kann. Angedacht ist ein ebenfalls wenig beschriebenes Abwehrsystem für 11 Millionen Dollar, das allerdings niemand finanzieren will. Damit kommt man auch zum Anliegen von Eitans Reise.

Weitere Termine der Vortragsreise von Ruthie Eitan:

» Wiesbaden: 15. Juli (heute!), 15.00 Uhr, Jüdische Gemeinde, Friedrichstrasse 31-33
» Saarbrücken: 16. Juli, 20.00 Uhr, VHS-Zentrum
» Augsburg: 18. Juli, 19.30 Uhr, Im Annahof 4

» Email an Dr. Ruthie Eitan: ruthe@sapir.ac.il

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