11. September 2001: Tagesschau


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Jeder weiß noch, was er heute vor sechs Jahren gemacht hat. Wo er die Nachricht hörte, vom „Angriff auf unsere Zivilisation“, wie Gerhard Schröder es – damals noch – nannte. Aber wie verlässlich ist unsere Erinnerung? Können wir uns heute tatsächlich noch in die Stimmung zurückversetzen, als für ein paar Stunden ganz Deutschland solidarisch hinter den USA stand? Die original Tagesschau vom 11. September 2001, 20 Uhr, fünf Stunden nach den Anschlägen, lässt Erinnerungen wach werden. Gleichzeitig wird uns schmerzlich bewusst, wie kurz das Gedächtnis der meisten sein sollte.

Der Schock des Ereignisses saß noch tief. Zu tief, um allzu viel zu filtern, auszusuchen oder ideologische Maßstäbe anzulegen. Nachrichten wurden so weitergegeben, wie sie hereinkamen. Manches erwies sich später als falsch, wie die Meldung von der Autobombe vor dem Außenministerium. Anderes hätte man später lieber nicht erwähnt. Der Nahostkorrespondent berichtet offen von den schamlosen Freudenfeiern der Palästinenser, als in New York die Verzweifelten von den Türmen in den Tod sprangen oder unter den Trümmern begraben wurden und das 75% der Palästinenser Terror gegen Israel begrüßen. Wir stellen betroffen fest, dass da etwas fehlt. Vor sechs Jahren war es noch nicht vorgeschrieben, bei solchen Meldungen zu betonen, dass all das nichts mit dem Islam zu tun habe, der nur von einer kleinen Minderheit der Muslime in kriegerischer Weise missverstanden würde. Die Sprache der Nachrichten hat sich verändert, seitdem.

Auch in Brüssel machte man sich an diesem Tag Sorgen und befürchtete weitere Anschläge. Zum Beispiel auf das dortige Nato-Hauptquartier. An diesem Tag wäre man für verrückt erklärt worden, hätte man behauptet, dass nur sechs Jahre später das Gedenken an die Ermordeten vom Brüsseler Bürgermeister zur kriminellen Handlung erklärt und verboten werden würde.

Auch in Deutschland wurde schnell klar, dass das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des gemeinsamen Einstehens für die bedrohten Werte unserer Zivilisation nicht im Interesse von Linken und ihrer Medien sein konnte. Kaum ein halbes Jahr später leitete der glücklose Kanzler Schroeder auf einem Marktplatz im Harz eine historische Intifada des Antiamerikanismus ein, als er die Teilnahme deutscher Soldaten an einem Kriegseinsatz ablehnte, um deren Teilnahme niemand gefragt hatte. Seine Justizministerin verglich den amerikanischen Präsidenten darauf mit Hitler. Auch daran sollte man sich erinnern. Am 11. September 2007 verhöhnt das ZDF die Opfer des Terrors mit antiamerikanischen Verschwörungstheorien, die zuerst von Rechtsextremisten in die Welt gesetzt und bald darauf von weiten Teilen der Linken dankbar aufgegriffen wurden.

Hoffen wir, dass der heutige Jahrestag der Terroranschläge uns im Gedächtnis bleibt, als ein Tag, an dem die ersten sich weigerten, zu vergessen.

Die Opfer des 11. September 2001