Die Welt: heute ganz mutig

rezando-con-iscola.jpgDie Welt entdeckt die Mohammed-Satire. Wir hoffen, dass dies jetzt nicht zu unkontrollierbaren Ausschreitungen vor dem Springer-Hochhaus und dem Bahnhofskiosk in Berlin Neukölln kommen wird. Lesenswert und deswegen haben wir die besten Absätze kopiert – nur für den Fall, dass die Herausgeber der Welt plötzlich Muffensausen ob ihres Mutes bekommen.

Pakistan. Ein Land, in dem es nicht viel mehr gibt als Koranschulen, Koranschulenschüler, mehrere Atombomben und eine gut organisierte Frauenunterdrückung, von der selbst die entlegensten Provinzen profitieren. Das klingt im ersten Moment ziemlich düster, umso erstaunlicher, dass Jansher aus Islamabad das Königreich Dänemark kennt. Ein Mann, der ansonsten wenig kennt, außer „das staatliche Fernsehen und meine Frau“. Wie kann das sein? Die Lösung lautet: „Mohammed!“

„Als ich letztes Jahr hörte, dass die da den Propheten gezeichnet haben, musste ich mich dagegen wehren!“, erzählt Jansher, während er in einem schicken IS-LAN-Café sitzt. „Zuerst kaufte ich mir etwas Primärliteratur über dieses Land. Wussten sie zum Beispiel, dass ein Drittel der Fläche Dänemarks auf 443 Inseln verteilt ist? Oder dass das Volk der Dänen im 6. Jahrhundert aus Südschweden nach Jütland eindrang und andere germanische Stämme verdrängte?“ Er trinkt etwas Latte arrabiata, ehe er zu einem Monolog darüber ausholt, warum es gut ist, dass in Dänemark die gesetzgebende Gewalt beim Einkammerparlament liegt. „Ja, und nachdem ich mir Grundkenntnisse angeeignet hatte, diskutierte ich mit Freunden darüber, wie wir unseren Protest artikulieren sollten. Ich schlug ein Essay darüber vor, warum die Beleidigung des Propheten ein Skandal ist und wollte mich dabei auf einige Werke der abendländischen Philosophie stützen, was aber abgelehnt wurde. Schließlich einigten wir uns auf den Kompromiss, die Botschaft eines westlichen Staates anzugreifen und ein paar Christen zu erschlagen.“ Jansher verbrannte damals auch eine dänische Fahne. Daran kann er sich gut erinnern, „weil es mal eine Abwechslung war, sonst ist es ja immer eher die der Amis oder der Israelis.“ (…)

Schon haben findige Hassprediger daraus ein Geschäft gemacht. „Wir bieten Abschlüsse im Steine werfen, Ereifern und Mit-den-Armen-fuchteln an“, bestätigt der Imam einer Moschee im Süden des Landes. „Dabei legen wir Wert darauf, dass nur Fachpersonal auf die Straße geht. Sehen Sie, Pakistan hat wenige Möglichkeiten, sich der Welt zu präsentieren. Wir tragen weder eine Fußball-WM aus, noch die Olympischen Spiele. Wenn überhaupt, interessieren sich die Medien für unseren Zorn, unsere Wut, die Emotionen. Und weil die authentisch wirken sollen, dürfen das nur die Besten.“ Nach Dänemark und dem Papst scheint nun also Schweden der Hit der Herbstsaison zu werden. Doch warum ist es eigentlich verboten, den Propheten zu zeichnen? Selbst in Pakistan, wo ganze Industrien komplett davon abhängig sind, dass Mohammed gezeichnet wird („Zwei Monate ohne, und die Strohpuppenfabriken müssen schließen!“), gibt es dazu keine endgültige Erklärung.

Viele meinen, dass Mohammed kein Gesicht hatte, sondern „etwas anderes“. Führende Theologen sind allerdings zu der Auffassung gelangt, der Prophet sei „halt nicht unbedingt der Schönste gewesen und habe da wohl einen kleinen Tick entwickelt.“

(Spürnase: Georg)