rechtsmedizin_200.jpgKeine Taliban, sondern nur eine lokale kriminelle Bande, lautete die offizielle Version der Entführung des deutschen Bauingenieurs Rudolf Blechschmid. Das war praktisch, denn so brauchte man sich nicht an vollmundige Erklärungen zu halten, nicht mit Terroristen zu verhandeln oder gar Terroranschläge, auch auf deutsche Soldaten, mit deutschen Steuergeldern zu finanzieren. Das Entführungsopfer widerspricht der verharmlosenden Darstellung und die Regierung hüllt sich in Schweigen.

Schon bei der Ermordung der zweiten Geisel zu Beginn des Entführungsfalles hatte sich Steinmeiers Team seltsame Verrenkungen erlaubt, um dem Geiselmord medizinische Ursachen anzudichten. Die Leiche des Getöteten wurde damals zunächst in die Kölner Gerichtsmedizin (Foto) gebracht, um die offizielle Interpretation möglichst zu untermauern. Ohne Erfolg.

Jetzt berichtet der Spiegel über Blechschmids Aussagen, die dieser zum Missfallen der Diplomaten schon unmittelbar nach seiner Befreiung in der deutschen Botschaft in Kabul machte. Dass Deutschland nicht erpressbar sei, wie Kanzlerin Merkel immer wieder betont, erscheint danach fraglich.

Eine gewöhnliche Geiselnahme mit der Übergabe eines Koffers zu beenden, in dem ein paar Hunderttausend Dollar sind, gilt als notwendiges Übel. Man spricht nicht darüber, nimmt es aber in Kauf. Massive Zugeständnisse an politische Kriminelle dagegen verboten sich bisher – zumal die Entführer mit dem Geld neue Aktionen und Attacken finanzieren könnten, auch gegen die Bundeswehr. Solche Deals mögen zur Freilassung von deutschen Staatsbürgern führen, doch sie würden jene rote Linie überschreiten, die sich infolge der Geiselnahmen der vergangenen Jahre herausgebildet hat.

Die Brisanz von Blechschmidts Schilderungen ist dem Krisenstab bewusst. Intern haben sie schon zu einer vorsichtigen Neubewertung des Falls geführt: „Wir haben uns bis zum Ende ein Bild gemacht, das zu positiv war – vielleicht sogar naiv“, sagt ein Beamter, der die Arbeit des Krisenstabs intensiv begleitet hat. Jetzt, fast drei Wochen nach dem glücklichen Ende der Entführung, kommt man zu einer ernüchternden Analyse: Man müsse sich damit abfinden, dass man sich in der Einschätzung geirrt habe.

„Freizeit-Taliban aus Kabul“

Blechschmidts Aussagen lassen weitreichende Schlüsse zu. Die Ex-Geisel berichtete im Detail, dass zur Entführer-Gruppe immer wieder neue Personen gestoßen sei. Bei seinen Bewachern habe es nur einen kleinen Kern gegeben. Unter den dubiosen Gästen im Berg-Camp seien auch zwei Pakistaner gewesen. Obwohl der Ingenieur keine Details über sie weiß, beunruhight diese Aussage die Behörden. Pakistan gilt als Zufluchtsort der politischen Taliban-Granden wie Mullah Omar und Sitz der mächtigen Quetta-Shura.

Geradezu bedrohlich wirkt Blechschmidts Beschreibung zweier junger Männer, die für einige Tage im Berg-Camp waren. Der Ingenieur meint ausgemacht zu haben, dass es sich bei ihnen um Selbstmordattentäter handelte. Sie hätten sich für einen Anschlag in Kabul vorbereitet. Falls die Geiselnehmer tatsächlich Terroristen beherbergten, wäre dies ein deutlicher Hinweis auf ihre politische Radikalität.

Blechschmidt berichtete außerdem von „Freizeit-Taliban aus Kabul“, die nur einige Tage blieben. Zu dieser Gruppe soll auch ein Medizinstudent gehört haben, der später bei der gescheiterten Geldübergabe in Kabul eingesetzt wurde. Dass die Entführer Personen einladen und in das Gebiet schleusen konnten, zeugt für Experten von einem hohen Organisationsgrad. Lokale Kriminelle wären dazu gar nicht in der Lage gewesen.

(Spürnase lars h.)

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28 KOMMENTARE

  1. Wer als Aussenminister zum Pathologen wird und per Ferndiagnose feststellt, ein von Kugeln Durchsiebter sei seiner Erschöpfung beim Wandern erlegen, ja was soll man von so einer Regierung noch halten, die die Mordopfer moderater Taliban verhöhnt?

  2. Warten wir noch ein paar Monate dann war das nur noch ein Ausdruck von lokaler Folklore den ein Westler in seiner begrenzten Sichtweise nicht richtig erfassen kann und so in seiner ungeschickten Art und Weise die freundlichen Einheimischen beleidigt und in ihrer Ehre gekränkt hat. Ja , so wird das gewesen sein !

  3. an sich könnte man doch das ganze primitivistan-problem ganz einfach lösen, und das ohne die bundeswehr in gefahr zu bringen.

    bundeswehr abziehen, und straßenkampferprobte rütli-borats aus BERLINISTAN da hinschicken.
    vorteile:
    – die herrenmenschen würden dort noch leichter an drogen kommen
    – sie würden bereits mit eigenen waffen anreisen
    – es wäre wieder sicher in deutschland

    aufruf wie folgt:
    „willsd du fedde bemw ? gehssu gongred nach kabul un machst da andere gang sterben tot weil du sage das dein mudda mit dein vadda schläft“

  4. Zu dieser Gruppe soll auch ein Medizinstudent gehört haben, der später bei der gescheiterten Geldübergabe in Kabul eingesetzt wurde.

    na den sollten wir aber dringend einladen sein Studium bei uns zu beenden und nebenbei noch ein paar Bomben zu basteln.

    Wäre bestimmt eine tolle kulturelle Bereicherung neben ald den Kurnassen und Al masris.

  5. Hier zeigt sich wieder wie das Volk von unseren
    Volksvertretern verarscht wird, und die Opfer
    verhöhnt werden. Es waren ja nur Deutsche, also
    Stimmenvieh.
    Es zeigt auch das unsere Jungs dort unten nichts
    zu suchen haben.

  6. unsere jungs können doch da sein. aber warum wird dieses ganze land nicht einfach mal eingeebnet, und ein schöner parkplatz draus gemacht ?

  7. Soweit konnten wohl auch alle denken,die den Artikel bei SPON gelesen haben, ganz ohne die hier abgelegte Kopie.

    Erkenntnisstand unverändert.

  8. Egal ob Taliban oder kriminelle Gangster, die Mission in Afghanistan als natuerlich auch im Irak sind beide counterproductiv, d.h. man erzeugt damit mehr Terroristen als ohne Intervention.

    Eine muslemische Tribelgeseellschaft laesst sich nicht in eine Demokratie verwandeln absolut unrealistisch dies zu erwarten, in Afghanistan regieren die Rauschgiftwarlords, Stammesaelteste, Imame, letztendlich der Koran/Scharia. Karzei nur eine Puppe ohne Macht, die sowieso nur anhaelt, solange die Alleierten Flugzeuge, Panzer und Verbaende im Land sind.

    Jede Stunde die Natoverbaende dort zubringen ist eine verlorene Stunde, die Milliardenkosten dafuer kann man besser in erfolgversprechendere Projekte stecken.

  9. Wie mordet der „moderate“ Taliban?: Den Abzug an der Mp nur gaaanz laaangsam drücken.

    Anschließend bewirft man sich mit rosa Wattebaüschchen – aber nicht so toll, tut doch weh, autsch-autsch!!

  10. #8 face-the-truth
    Geht leider nicht, da hat Fatima Roth und Konsorten etwas dagegen, außerdem würden
    dann unsere Gutmenschen alle Afghanen bei uns
    aufnehmen.
    Aber der Gedanke ist nicht schlecht, Parkplatz,
    Mc Donalds, Disneyland, das hat was!

  11. Natürlich lügt die Regierung. Deshalb ist sie die Regierung. Hat jemand etwas anderes erwartet?

  12. Also moderater Taliban gefällt mir genauso gut wie Emotionalisierung.

    ==> Moderate Taliban-Gruppe erliegt der stärker werdenden Emotionalisierung im jetzigen Entführungsfall.

  13. Da Thema hatten wir ja schon mal hier und leider waren unsere zynischen Beiträge gar nicht so zynisch.
    Die einzigen, die zynisch waren und sind, das sind die üblen Leute, die im Parlament sitzen.

    Herr Blechschmid hat die absolute Hölle durchgemacht, aber er ist halt keine Osthoff gewesen, deshalb sollte wohl klargestellt werden, dass sich die BRD nur erpressen lässt, wenn es irgendwie passt.

    Was mich wirklich anwidert, dass ist der Spruch, dass die andere deutsche Geisel an Herzversagen gestorben wäre.

    Die Gutmütigkeit unserer ‚Hirten‘ ist einfach nur pathologisch/soziopathisch.

  14. „… und die Regierung hüllt sich in Schweigen.“

    Bei solch brisanten Fällen weiß jede Regierung :

    „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“

    Also lieber die Wahrheit unter den Teppich kehren in der Hoffnung, daß niemand so genau nachfragt.

    Gut, daß das diesmal nicht geklappt hat 🙂 – und DER unmittelbar Betroffene SEINE Version der Abläufe an die Öffentlichkeit gebracht hat !

    Damit ist „DIE Politik“ desavouiert – und DAS ist gut so.

    Die Wahrheit muß ans Tageslicht, auch und insbesondere !! dann, wenn sie unbequem ist oder der verlogenen „politischen Korrektheit“ nicht genügt !

    Mein Dank an den SPIEGEL und an PI !

    Echnaton
    http://islamprinzip.wordpress.com/about/

  15. Ich kann mich noch sinngemäß an die Meldung zum Tod der ersten Geisel erinnern:

    „Die Leiche wies mehrere Einschüsse auf. Es wird jetzt geprüft, ob der Deutsche eines gewaltsamen Todes gestorben ist.“

    Was sollte das heißen?
    Die Entführer des zivilen Aufbauhelfers sind doch garnicht so böse?
    Haben sie etwa an der Leiche des Mannes nur das Schießen geübt?

    Freiwillig ist der arme Deutsche in islamischer Geiselhaft bestimmt nicht gestorben.

  16. kosmos, wenn die Vorgehensweise in A-stan und im Irak eben nicht PC wäre (so wie jetzt), dann wär‘ das Problem schon längst gelöst. Aber das kann man ja heute nicht mehr machen. Anstatt einfach eine F-16 auf eine, von islamistischen Kanonenfutter besetzte, Moschee zu lassen, stürmat man sie mit Infantrie. Anstatt die Berge in A-stan zu durchkämmen und Höhle für Höhle auszuräuchern (Napalm rein, dann Phosphorgranate und Ruhe ist im Loch, wirkt garantiert), sitzt man in Kabul und diskutiert.

    Der Krieg gegen den Terror wird mit Samthandschuhen geführt. Patton dreht sich im Grab.

  17. @ all, PI

    – 1 –
    Also jetzt platz mir also der Kragen: Gerade
    die FAZ muss es ja bestens wissen:
    Das Internet ist eine Gefahrenquelle und bedroht … den Qualitätsjournalismus – behauptet „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher.
    Eine Replik auf SPON:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,514107,00.html

    – 2 –
    Wird die Bundesrepublik zum Nebenschauplatz des Kurden-Konflikts?
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,514190,00.html
    Besonderer Knaller: Nach Gutmenschen Logik hätte man die PKK gar nicht verbieten dürfen, denn

    Die nordrhein-westfälischen Verfassungsschützer (lt denen es keine radikalislamische Bedrohung in NRW gib-ed.)sekundierten im selben Jahr, das Verbot (der PKK -ed.)habe die „aggressive Grundstimmung von PKK-Anhängern gegenüber dem deutschen Staat“ verschärft.

    Diese kranke Logik zu Ende gedacht, bedeutet das, dass man die NSDAP am besten auch nicht verbieten sollte, falls sie sich neugründet… sie könnten sich ja radikalisieren…äh EMOTIONALISIEREN *tilt*

  18. @ #20
    „jetzt platz mir also der Kragen: Gerade
    die FAZ …
    Das Internet ist eine Gefahrenquelle und bedroht … den Qualitätsjournalismus …“

    Ruhig Blut, ruhig Blut !

    Ist es vielleicht „Qualitätsjournalismus“, wenn von den „Journalisten“ renommierter Tageszeitungen etwas unter den Teppich gekehrt wird ???

    Hoffentlich NICHT !!

    „Qualitätsjournalismus“ sollte doch wohl davon leben, daß er AUCH die GANZ GANZ unbequemen, unfreundlichen Sachen berichtet, also die, die „Politically Incorrect“ sind !
    Also SO handeln, wie es PI seit Jahren dankenswerterweise MACHT.

    Schönreden und Schönschreiben sind NICHT angesagt !
    Lügen mögen wir NICHT.

    Echnaton
    http://islamprinzip.wordpress.com/about

  19. Wenn man sich so die Besucherzahlen von heute (21.300) anschaut, kann man nur sagen „Danke, Herr Niggemeier, vielen Dank für die Werbung!

    Herzlichen Glückwunsch PI – Weiter so!!!

  20. @ #20 Zvi_Greengold

    Der Schirrmacher ist doch schon als Opa auf die Welt gekommen. Was soll man da schon erwarten.

  21. €U-Qualitätsjournalismus ? la Benito Ferrari-Mussolini:

    »
    ‚Die Redefreiheit ist zentral für Europas Werte und Traditionen.
    Jedoch,
    ihre Aufrechterhaltung hängt von dem verantwortlichen Benehmen von Einzelpersonen ab. Weiterhin glauben wir nicht, dass die Medien von außen gelenkt werden sollen sondern vielmehr, dass Sie selbst Wege finden, um sich selbst zu zensieren. Was die Selbstzensur anbelangt, möchte ich Sie auch bitten das Bedürfnis der Überwachung innerhalb Ihrer eigenen professionellen Reihen zu bedenken.‘

    (Benita Ferrero Waldner, EU-Kommissarin für Außenrelationen und die Europäische Nachbarschaftspolitik an ausgewählte Medienvertreter aus allen euromediterranischen Staaten am 22.05.2006)

    http://balder.org/avisartikler/Barcelona-Deklaration-Euro-Mediterranien-Deutsch.php

    Das ist doch eine UNGEHEUERLICHE Meldung!
    Die perfide €U-Faschistin Benito kündigt unverblümt die Einführung von Zensur an, und der Qualitätsjourmalismus hält schön das Maul, und beklagt den „Klimawandel“, den es seit 4.5 Mrd. Jahren gibt.
    Warum schweigt der „Qualitätsjournalismus“?
    Weil der „Qualitätsjournalist“ selbst „ausgewählter Medienvertreter“ ist?
    Oder der Verleger?

    €U fordert Selbstzensur und Überwachung in den eigenen „professionellen Reihen“ …

    Dem selbsternannten Qualitätsjournalismus keine Meldung wert??

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