Contergan BabyWer kennt nicht 4711, Betty-Barclay, Irish Moos, Carlo-Colucci, S.Oliver-Silver. Alle diese Kosmetika haben eines gemeinsam. Hergestellt werden Sie von der Firma Mäurer + Wirtz in Stolberg bei Aachen, dessen Eigentümer die Familie Wirtz ist. Die gleiche Familie, die vor fünfzig Jahren das Schlafmittel Contergan durch ihr Unternehmen Grünenthal, dessen Sitz auch in Stolberg ist, produzieren lies. Obwohl die Manager bei Grünenthal mit Hinweisen über die Gefährlichkeit von Contergan überhäuft wurden, stoppten sie den Verkauf nicht. Die Katastrophe nahm ihren Lauf.

4000 Babys starben kurz nach der Geburt. Mehr als 5000 Menschen und ihre Familien erlitten und erleiden unermessliche körperliche und seelische Qualen. Und wie hat sich die Familie Wirtz, als Verursacher des größten Arzneimittelskandals der deutschen Geschichte geäußert? Sie wies jede Verantwortung von sich. Es war einem engagierten Staatsanwalt zu verdanken, dass die skrupellosen Manager der Firma Grünenthal angeklagt wurden.

Und so kam wie es kommen musste. Die deutsche Justiz kapitulierte vor der geballten Macht, die sich vor die Manager von Grünenthal und der Familie Wirtz aufgebaut hatte. Nun konnte man die Sache nicht ganz unter den Teppich kehren. Das Ergebnis war, dass die Familie Wirtz mit Hilfe korrupter Politiker den Eltern der Contergankinder einen Kompromiss aufzwangen.

Wenn es noch ein fairer Kompromiss gewesen wäre! Nein, die deutschen Contergangeschädigten sind die Einzigen, die mit Almosen abgespeist worden. Während ihre schwedischen, britischen und japanischen Leidensgenossen mit Ihren Renten menschenwürdig leben können, ist die Rente der Deutschen im Durchschnitt unter Hartz IV.

Das ist kurz der geschichtliche Hintergrund weshalb die heutigen Contergangeschädigten für mehr finanzielle Unterstützung durch den Staat und die Familie Wirtz kämpfen. Wahrscheinlich wäre der Kampf der Contergangeschädigten verloren gewesen, hätte nicht der Erfolg des Films „Contergan Eine einzige Tablette“ die Bevölkerung für ihre Anliegen sensibilisiert und damit den öffentlichen Druck auf die Familie Wirtz und den Staat erhöht, endlich zu einer befriedigenden Lösung für die Betroffenen zu kommen.

Hier eine Zusammenfassung des 1. Teils des Films:

Meine Bitte an die Leser von PI. Unterstützen Sie die Aktionen der Contergangeschädigten, damit sie ein menschenwürdiges Leben führen können. Weitere Informationen erhalten Sie hier: www.contergan-info.de.

(Gastbeitrag von PI-Leser Johannes Igel, der selbst ein Betroffener ist)

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17 KOMMENTARE

  1. Auszug aus der Anmoderation:

    Die Einstellung des Strafprozesses gegen die Verantwortlichen wegen „geringer Schuld“ (…) sind historische Realität.

    Es wurde halt immer schon unter den Machthabern Verschiedenes ausgemauschelt. In allen Bereichen des Lebens.

  2. Was ich jetzt schreibe kann sehr schnell mißverstanden werden. Dem will ich zunächst vorbeugen und sagen, daß mir die Geschädigten unwahrscheinlich leid tun. Ich hatte selbst einen Klassenkameraden an der Grundschule der keine Arme hatte und ein weiteres Kind in der Nebenklasse.

    Aber ich will auch sagen, daß ich Mütter, die bei jedem Weh-Wechen alle möglichen Pharmaka in sich hineinstopfen für verantwortungslos halte. Diese unkritische Einnahme von Medikamenten während der Schwanderschaft gibt es bis heute. Von Rauchen und Drogen und Alkohol mal abgesehen.

    Eine mindestens hälftige Mitverantwortung der Mütter wurde nie öffentlich erörtert. Das hat mich immer gewundert.

  3. Die Täter können in Deutschland immer auf milde Strafen hoffen, wohingegen die Opfer ein ganzes Leben lang leiden müssen. Die Firma sollte sich schämen, ihre Opfer so zu behandeln.

  4. Zu meinem Bedauern hat sich bislang kein Blog meinem offenen Brief an Aldi (vom 8.11.07):
    Contergan von Grünenthal und das Tandil von Wirtz bei Aldi (Link)
    angeschlossen.
    Eine Antwort liegt noch nicht vor, allerdings viele positive Reaktionen von Betroffenen.

    Ungern „mülle“ ich den Kommentarbereich von PI mit Links auf mein eigenes Blog zu, aber in diesem Fall erlaube ich mir dies.

    Übrigens: Auch PI weist nicht auf die Rolle von Brandt und Scheel in Sachen Contergan hin.

  5. Das fatale an dem Medikament ist seine Wirkung auf die Bildung neuer Blutgefäße …

    Es ist teufelszeug und Wundermittel in einem!

    Es verursacht selbst bei geringster Dosis massivste Schäden an Föten …. und wirkt zugleich hervorragend gegen bestimmte Krebsarten, Lepra. HIV-bedingte Geschwüre, kronische Schmerzen etc etc.

    http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docid=106821

    http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/bstuecke/63015/index.html

    http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/artikel/0611/27-contergan/index.xml

    http://www.aegis.com/factshts/network/simple/thalid.html

    http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/d552a4cc-4f25-4e37-bfe1-91caf30acc98.aspx

    http://www.springerlink.com/content/bhutwa7cmhfk2l4y/

  6. Immer wenn man beim Lesen von Nachrichten denkt: „Größere Menschliche Niedertracht geht unmöglich“, dann kommt aus der Tiefe des (Zeit)raumes ein Satz angeflogen wie

    die deutschen Contergangeschädigten sind die Einzigen, die mit Almosen abgespeist worden. Während ihre schwedischen, britischen und japanischen Leidensgenossen mit Ihren Renten menschenwürdig leben können, ist die Rente der Deutschen im Durchschnitt unter Hartz IV.

    Kinnlade *klapp*

    Was für eine Leitkultur soll das sein, die mit unschuldigen Menschen so umgeht? Ich hoffe wirklich, dass das Kapitel Contergan noch nicht abgeschlossen ist. Ich wünsche Euch viel Publicity, auf dass der öffentliche Druck die Verantwortlichen zum Handeln treibe!!!

  7. Die Familie Wirtz ist nicht die einzige deutsche Industriellenfamilie, die sich nicht um die durch sie verursachten Schäden bei Opfern kümmert.

    Im Gegensatz zu der Familie Wirtz, die, wie man lesen kann, bereit ist, sich mit den Opfern zu treffen, hat die Familie Quandt (BMW) abgelehnt, KZ-Opfer, die in ihren Unternehmen während des 3. Reiches unter grauenvollen Bedingungen arbeiten mussten und schwer krank wurden, zu entschädigen.

    Es scheint „deutscher Brauch“ zu sein, sich der Verantwortung zu entziehen.
    Beschämend.

  8. Ich frage mich, was dieses Thema aus der Vergangenheit hier soll.Wird PI jetzt auch zum Forum für alle Mißstände, die es je auf dieser Erde gegeben hat?
    Hätte da noch eingiges anzubieten.
    -Strahlungsopfer Hiroshima und Nagasaki
    -Verkehrstote wegen unsicherer Autos
    -Arbeitsunfälle wegen mangelnden Sicherheitsvorkehrungen
    -Tote wegen schlecht ausgebildeter Mediziner
    usw.

  9. Ich finde es durchaus nicht schlecht auch mal ein Thema aufzugreifen was nicht gerade on Topic ist und im gleichen Atemzug damit auch aufklärend wirkt.

  10. @ #9 Steppenwolf

    Du gehörst wohl eher zu den Lesern, die nur etwas von „Überfremdung“ und „den Musels“ lesen wollen. Ich empfinde es als skandalös, daß die Personen, die durch Contergan geschädigt wurden, bis heute keine angemeßene Hilfe erhalten.

    Das hat nichts mit „political correctness“ oder „political incorrectness“ zu tun, sondern mit Gerechtigkeit, Trottel.

  11. #14 Ocelldefoc
    Wenn der letzte Punkt nach dem Wort „Gerechtigkeit“ gesetzt gewesen, wäre es auch ok.

  12. Es mag eine Ironie oder auch ein Reden der Geschichte sein – der Tod setzte sich fort:

    Der damals zuständige Forschungsleiter Dr. Heinrich Mückter bei Grünenthal war KZ-Arzt in Krakau!!!

    Es sieht mir fast so aus, als hätte die Fa. Grünenthal dieses Erbe nie richtig bearbeitet.

    Mit menschenverachtenden Methoden hatte Dr. Mückter im KZ den Weigl-Impfstoff gegen Fleckfieber hergestellt. Bei den „medizinischen Experimenten“ wurden KZ-Häftlinge als Versuchspersonen missbraucht, nicht wenige starben dabei. Polnische Zwangsarbeiter kamen als Wirte für die Erregerläuse zu Tode.

    1946 stellte die Krakauer Staatsanwaltschaft deshalb Haftbefehl gegen Heinrich Mückter, dem er sich jedoch durch seine Flucht in die westlichen Besatzungszonen entziehen konnte.

    Mückter war verantwortlich, als das Medikament Contergan Ende der 50er Jahre entwickelt wurde und millionenfach vertrieben. Mückter leitete damit die größte Medikamenten-Katastrophe in Deutschland ein. Von den ca. 6.000 Geschädigten leben heute nur noch ca. 2.500.

    Weitere Infos:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_M%C3%BCckter

    http://www.az-web.de/az/forum/liste_beitraege.php?num_id2=9269&n_start=all&num_id=9230

  13. @ #13 gerndrin und #14 Ocelldefoc
    Es ist schade, dass man hier nicht seine eigene Meinung sagen darf. Die Beleidigungen gegen Steppenwolf sind erschreckend. Das ist genau der Stil der Gutmenschen, der hier eigentlich bekämpft werden soll.

    Ich finde auch, dass der Contergan-Fall ein trauriges Kapitel war, aber hier beim besten Willen nichts zu suchen hat.

  14. V#17 KDL
    Von PC-Gutmenschen beschimpft zu werden macht mir nichts aus, zeigt es mir doch nur, daß ich richtig liege.

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