Der Autor des folgenden Textes, Orhan Kemal Cengiz, ist einer der Anwälte der Hinterbliebenen der Malatya-Opfer. Der Artikel wurde am 22.11.2007 in der Turkish Daily News unter dem Titel „What is going on in the Malatya massacre case“ veröffentlicht. Das englische Original ist ebenfalls als BQ veröffentlicht. Wenn der Staatsanwalt missionarische Tätigkeiten als kriminell ansieht, ist es nicht schwer zu verstehen, wie einige Personen ausrasten und solche Menschen töten.

Vor sieben Monaten wurden drei christliche Missionare erbarmungslos ermordet von einer Bande türkischer Nationalisten in der ostanatolischen Stadt Malatya. Die Mörder brachen bei Zirve Yayincilik, einem Bibelverlag, ein; sie folterten ihre Opfer zuerst und ermordeten sie danach, indem sie ihnen die Kehle durchschnitten.

Sieben Monate nach den blutigen Morden eröffnete der Staatsanwalt sein Verfahren gegen die Verbrecher.

Sieben lange Monate konnten wir keinerlei Dokumente der Akte einsehen, da sie als vertraulich eingestuft worden waren. Auf was haben wir sieben Monate gewartet? Nachdem ich die Akte gelesen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir umsonst gewartet haben. Wir wissen nicht mehr als das, was wir schon vor sieben Monaten wussten. Was hat somit der Staatsanwalt während dieser langen Zeit gemacht?

Die Mentalität des Staatsanwalts
Es gibt 31 Aktenordner in diesem Fall, aber nur 15 dieser Aktenordner beinhalten Informationen über den Mord. Um was geht es in den anderen 16 Ordnern? Sie werden es nicht glauben, aber diese Akten handeln von den Aktivitäten der Opfer, deren Kehlen durchgeschnitten worden waren.

Der Staatsanwalt lud sich alle Dokumente von den Computern der Opfer herunter und legte sie in den Akten des Falles als „Beweis“ ab. Wenn ich den Hintergrund nicht kennen würde, würde ich denken, dass hier zwei Banden einander bekämpften und dass Mitglieder der einen Bande die Mitglieder der anderen töteten, und dass der Staatsanwalt Beweise sammelte über diese beiden Banden! In Wirklichkeit sprechen wir aber über ein unglaubliches Abschlachten dreier unschuldiger Personen, deren einzige Übeltat es war, missionarische Tätigkeiten am falschen Ort ausgeübt zu haben! Aber der Staatsanwalt sammelte alle Informationen über ihre missionarischen Tätigkeiten. Wenn ein Staatsanwalt missionarische Tätigkeiten als kriminell ansieht, ist es nicht schwer zu verstehen, wie einige Menschen ausrasten konnten und diese Missionare töteten!

Außerdem können diese Akten, die nun veröffentlicht sind, zu neuen Morden führen, da sie viele Details enthalten über andere Protestanten, die in unterschiedlichen Teilen der Türkei wohnen. Die Adressen, eMail-Adressen und Telefonnummern vieler türkischer Protestanten sind in diesen Akten, welche auch schon in den Händen der Mörder gewesen waren. Der Staatsanwalt versäumte es, eine gründliche Untersuchung durchzuführen, und brachte zudem viele weitere Menschenleben in Gefahr. Warum all diese Informationen in den Akten sind, dürfte m.E. niemand erklären können.

Ein Blick in diese Akten genügt, um zu verstehen, wie ineffizient diese abgefasst wurden. Die Aussagen wurden nicht korrekt festgehalten, die richtigen Fragen nicht gestellt, wichtigen Details nicht nachgegangen. Ich würde Ihnen gerne einige genauere Informationen geben, allerdings würde dann, wenn ich auf alle seltsamen Details eingehen wollte, aus diesem Artikel ein kleines Buch werden. Deshalb möchte ich vorläufig einige Beispiele geben, um ihnen ein allgemeines Bild zu geben über den Stand der Prozessvorbereitungen im Fall des Malatya-Massakers.

Ungenügende Ermittlung:
Emre Gunaydin, der Hauptverdächtige in diesem Fall, gibt an, dass er von mehreren Personen auf die Protestanten gelenkt wurde, und gab einige Namen an. Ihm wurden aber keine Fragen gestellt, wie er genau gelenkt wurde oder was ihm gesagt worden war. Emre gibt an, dass er Mitglied war von Ülkü Ocaklari (des Jugendflügels der ultranationalistischen „Partei der Nationalistischen Bewegung“, MHP (Anmerkung PI: Mutterpartei der Grauen Wölfe)), aber ihm wurde keine einzige Frage über seine Mitgliedschaft in Ülkü Ocaklari gestellt, deren Mitglieder zuvor gegen missionarische Tätigkeiten des Bibelverlages demonstriert hatten.

Die Stellungnahme von Ruhi Polat, der laut Emre diesen über missionarische Aktivitäten informierte und der Mitglied der MHP ist, ist gerade eine halbe Seite lang. Weder die Polizei noch der Staatsanwalt führte irgendeine Untersuchung über die Verbindungen zu dieser Person durch. Diese Person gibt an, dass er einmal mit Emre telefonierte; sieht man sich aber den Telefonverkehr in der Akte an, kann man erkennen, dass vor den Morden viele Telefonaten zwischen Emre und dieser Person stattfanden. Aber niemand störte sie, indem er nach diesem Widerspruch gefragt hätte. Selbst ein ungeübtes Auge kann erkennen, dass viele Bandenmitglieder, die wahrscheinlich in verschiedenen Stufen des Planes eingebunden waren, nur deshalb freigelassen wurden, weil nicht ausreichend in die Untersuchung ihrer Beziehungen und Handlungen investiert wurde. Alle Aussagen dieser Akte sind oberflächlich, es fehlen unerlässliche Details. Aus den Aussagen geht klar hervor, dass dieser Mord seit mindestens mehreren Monaten geplant und vorbereitet wurde. Es ist wirklich sehr schwer zu glauben, dass die Polizei oder die Gendarmerie keinerlei Informationen über die Pläne dieser Mörder hatten.

Durch die Protokolle über Kommunikation, wie Telefon etc., die in die Akte aufgenommen wurde, verstehen wir, dass Necati Ayd?n, eines der Opfer, unter ständiger Überwachung gewesen war, und in seinem Polizeibereicht wurde er als früherer Krimineller gemeldet mit dem „Verbrechen“ der „missionarischen Tätigkeit“ (obgleich er seinerzeit freigesprochen wurde!, Red. BQ).

Der Staatsanwalt, der alle Arten der Dokumente über die Aktivitäten der Opfer der Akte zufügte, untersuchte auf keine Weise die provozierenden Publikationen der örtlichen Zeitungen. Kurz gesagt wurde dieser Fall so bearbeitet, dass es den Anschein erweckt, als ob eine Handvoll junger Leute ärgerlich über die Missionare geworden sei und beschlossen habe, sie zu eliminieren. So einfach ist das. Massaker für das Heimatland.

Wenn Sie sich die letzten Seiten der Akte anschauen, können Sie aber ein ganz anderes Bild gewinnen. Da gibt es Briefe, die diese Mörder an ihre Familien und Freundinnen schickten. In diesen Briefen sagen sie, dass sie sich für das, was sie getan haben, nicht schämen, weil sie es für ihr Land taten, und dass sie sich für ihr Heimatland geopfert haben. Sie möchten dafür gerühmt und sich geschätzt wissen. Und es muss einige Menschen geben, die ihnen diese positiven Empfindungen geben.

Wenn offizielle Vertreter des Staates jeden Tag davon reden, dass die Türkei in nahe bevorstehender Gefahr sei, dass es Feinde mitten im Land gäbe, dass Missionare die Agenten fremder Staaten seien, die versuchten, die Türkei zu zerbrechen, und so weiter und so fort, dann sind solche fürchterlichen Verbrechen unvermeidlich. Wenn „Feinde im Inneren“ so wie Missionare auf unzähligen Webseiten als legitime Ziele gezeigt werden und kein gesetzliches Vorgehen gegen diesen Wahn erfolgt, werden wir fortgesetzt neue Morde, Angriffe und Abschlachten sehen.

Beide Fälle, der von Hrant Dink und der von Malatya, sind für die Zukunft des Landes extrem wichtig. Die vom Staatsanwalt erarbeitete Akte rief sehr große Enttäuschung bei mir hervor. Aber die Anwälte von Dink und einige Anwälte des ?emdinli-Falles (ein Bombenanschlag auf einen Buchladen in der südöstlichen Stadt ?emdinli im Jahr 2005) wohnen dem Fall von Malatya bei. Auf diese Weise werden wir ein kollektives Gedächtnis entwickeln, und ich hoffe, dass dieses Gedächtnis uns helfen wird, Licht in dieses Netz dunkler Verbindungen zu bringen.

Die erste Anhörung ist diesen Freitag [23.11.2007] in Malatya. Wir wollen versuchen, ein Licht zu entzünden.
© 2005 Dogan Daily News Inc. www.turkishdailynews.com.tr

Wiedergabe der Texte (auch einzeln) mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
Nachdruck honorarfrei, Belegexemplar wird erbeten.

(Spürnase: Bonner Querschnitte)

image_pdfimage_print
Anzeige: Wandere aus, solange es noch geht - Finca Bayano, Panama.

26 KOMMENTARE

  1. Tja , seltsam weil bei so einer Einstellung sollte die Türkei doch jedes Verständniss haben wenn wir hier ihre Ideologie und Irrglauben der sich durch das Flächenbrandartige zubauen der Landschaften durch gigantomanische Schwanzer…ähhh „Moscheen“ und anderen Terrorzentren ablehnen.

  2. Was die europaeischen Integrierer uebersehen …… Religion ist ein Bestandteil der Integration.

  3. Schade, dass meine Vorfahren am 12. September 1683 ein paar der Angreifer überleben haben lassen …

  4. Was die Moerder noch nicht sehen ….. der Fluch der alle treffen wird wird sie zu Hassenden ihrer derzeitigen Seelen machen.

    Fuer sowas gibts eine Wiederkehr-Garantie.

    Denn waehrend der Moerdergott der Moslems das Hassen an sich schaetzt hasst der Vater Christi einzig zum Guten.

  5. Wenn weltweit in die Wahrhaftigkeit glauben Wollende doch endlich begriffen wie einfach der Versuchung des gefallenen Apostels Matthaeus standzuhalten ist ………….. wuerde eine Ernsthaftigkeit in diesen Herzen einziehen gegen die alles Moerderanhuldigende verlieren muss….

  6. 12. September 1683
    Was war denn am 12. September 1683? Das war ein paar Jhre vor meiner Zeit. Vielleicht ist das eine Frage für „Wer wird Millionär“.

  7. Während der zweiten Türkenbelagerung Wiens besiegte in der Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski die Osmanen. Sie bedeutete das Ende der türkischen Hegemonialpolitik. …

  8. @10,11

    Man sollte vielleicht auch erwähnen, dass das türkische Heer 200.000 Mann stark war (mit Troß zusammen 300.000)

    Während die aliierten Christen unter Sobieski 80.000 zählten, dazu noch ca. 5000 überlebende Verteidiger Wiens.

    So viel zu den Kriegskünste der Moslems

  9. Wenn offizielle Vertreter des Staates jeden Tag davon reden, dass die Türkei in nahe bevorstehender Gefahr sei, dass es Feinde mitten im Land gäbe, dass Missionare die Agenten fremder Staaten seien, die versuchten, die Türkei zu zerbrechen.

    Sehr aufschlussreich wie Islamisten christliche Missionare sehen.

    Ob Islamisten dann ihre Imame auch als Feinde im Inneren der BRD und als Agenten betrachten, die versuchen den Westen zu zerbrechen?

  10. Hier noch einmal die islamischen Morde im Detail:

    http://www.christiantoday.com/article/turkey.christian.missionaries.horrifically.tortured.before.killings/10523-2.htm

    Turkey Christian Missionaries Horrifically Tortured Before Killings
    The three Christians who were martyred in Turkey last week were horribly tortured for three hours prior to being killed, Christian Today has learned, as details continue to emerge.
    by Daniel Blake
    Posted: Thursday, April 26, 2007, 12:05 (BST)
    Font Scale:A A A

    “They arrived, and reportedly, after Necati read a chapter from the Bible the assault began. The young men tied Ugur, Necati, and Tilman’s hands and feet to chairs as they videoed their work on their cellphones. What followed in the next three hours is beyond belief,” an ICC release has said.

    ICC then continued to describe the nature of the torture, which included disembowelment, emasculation, and the slicing open of various orifices.

    “Tilman was stabbed 156 times, Necati 99 times and Ugur’s stabs were too numerous to count. Finally, their throats were sliced from ear to ear, heads practically decapitated,” ICC reports.

    The ICC description goes on: “Meanwhile, another believer arrived at the office around 12.30pm. The door was locked from the inside, and his key would not work. He phoned and though it had connection on his end he did not hear the phone ringing inside.

    “He called cell phones of his brothers and finally Ugur answered his phone. ‘We are not at the office. Go to the hotel meeting. We are there. We will come there,’ he said cryptically. As Ugur spoke he heard in the telephone’s background weeping and a strange snarling sound.

    “He phoned the police, and the nearest officer arrived in about five minutes. He pounded on the door, ‘Police, open up!’ Initially the officer thought it was a domestic disturbance. At that point they heard another snarl and a gurgling moan.”

    ICC continued: “The police understood that sound as human suffering, prepared the clip in his gun and tried over and over again to burst through the door. One of the frightened assailants unlocked the door for the policeman, who entered to find a grisly scene.“

    The throats of Tilman, Necati and Ugur had been slit and although Ugur was still alive, he died soon after from his horrific injuries.

    After Tillman’s wife learned of the brutal death of her husband she publicly forgave the killers repeating the words of Jesus Christ, “They know not what they do.”

    Jeff King, ICC President, stated, “The contrast between the acts of the killers and the forgiveness of Tillman’s wife is glaring and in the end seems to be at the centre of this story for us.”

  11. Ein Mörderisches Schweigen herrscht in Politik, Presse und TV. In den Nachrichten gerademal eine Kurznachricht.
    Kompensatorisch eine 3 Wochen alte Neonazi-Hakenkreuz-Geschichte, deren Wahrheitsgehalt noch zu prüfen ist.

    Wo sind die brennenden Fahnen?
    Wo die aufgebrachten Menschenmassen.
    Wo ist das Mitleid?
    Ich höre nichts von den Christen.
    Ich hören keinen einzigen Politiker.

    Das Schweigen ist so eisig wie der Tod.

  12. Das Perverse daran ist doch, dass der Islam ja anderen Religionen verbietet, auf seinem Territorium zu missionieren (andersrum ist’s aber schon möglich, und natürlich vom Islam erwünscht), somit sind die Opfer Verbrecher. Ist doch pervers.

  13. Na endlich, Erdogan spricht von einem Menschenrechtsverstoß
    Allerdings nicht in der Türkei sondern im deutschen Zuwanderungsgesetz, weiter beanstandet er die gewalttätigen Übergriffe auf Türken in Deutschland.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,519166,00.html
    Also, ich finde der Mann hat da gar nicht so Unrecht. Er sollte seine lieben Türken sofort mit einer Rettungsaktion zurück in die sichere Türkei bringen, da die Deutschen sich nie ändern werden.

  14. Un zur welcher Zeit in im welchem Universum sind Mehrheiten durch Minderheiten beeinflusst worden und necht umgekehrt.

    Wieso haben wir heute nicht Demokratie in der türkei und nicht saria in EU.

    die these von islamisierung EU ist lächerlich.
    es wird sich viel eher die Demokratie und Freiheit in der isalmsiscen Welt durchsetzen.

    Das die demographische Enwiklung so ist wie sie ist liegt doch daran dass hier Kinder nicht modern sind.

  15. #21 musliman

    Das die demographische Enwiklung so ist wie sie ist liegt doch daran dass hier Kinder nicht modern sind.

    Die demographische Entwicklung in Deutschland ist so wie sie ist, weil der gesellschaftliche Bodensatz islamischer Länder bei uns fürs Herumgammeln und Kinderbekommen bezahlt wird. Oder was glaubst du, wie viele Kinder könnte ein Analphabet aus Südostanatolien ernähren, wenn er das von seiner eigenen Arbeit und nicht von Sozialleistungen machen müßte?!?

  16. Die muslimische Frauen haben auch Kinder schon immer gern gehabt unabhängig von dem Einkommen, weil sie sich erst als Mutter so richtig Frau fühlen.

  17. #23 musliman

    Die muslimische Frauen haben auch Kinder schon immer gern gehabt unabhängig von dem Einkommen, weil sie sich erst als Mutter so richtig Frau fühlen.

    Versuch nicht, abzulenken. Meine Frage war „wie viele Kinder könnte ein Analphabet aus Südostanatolien ernähren, wenn er das von seiner eigenen Arbeit und nicht von Sozialleistungen machen müßte?“.

  18. Sehr viele mein lieber „James“ Plond da Anatolien nicht ein Bürokrtathiemonster ist sonder von Esel und Schaafzüchtung und der gleichen lebt.

    Baumwohle, Tee, PKK unsw…

  19. #25 musliman

    Sehr viele mein lieber “James” Plond da Anatolien nicht ein Bürokrtathiemonster ist sonder von Esel und Schaafzüchtung und der gleichen lebt.

    Baumwohle, Tee, PKK unsw…

    In Deutschland, nicht in Südostanatolien!!! Zu Hause können sich diese Hinterwäldler von mir aus vermehren, wie sie lustig sind.

Comments are closed.