Multikulti und Terrorismus

Osama Bin LadenWider den Zeitgeist heißt, für den Geist und gegen die Zeit zu sein. Für Zeitgeist bedeutet für die Zeit und gegen den Geist zu sein. Einfach verläuft diese Monokausalität in den rechten und linken Diktaturen. Wer jedoch glaubt, dass in der Demokratie – und damit bin ich in Jetzt und Heute angelangt – diese Formel der „Zeit-contra-Geist“ nicht relevant ist, der kennt die Medienmanipulationen der veröffentlichen Zwangsmeinungen genau so wenig wie das eigene Gewissen.

Gastbeitrag von Prof. Peter Stiegnitz (Migrationssoziologe)

Beginnen wir mit einigen hohlen, doch deshalb keineswegs ungefährlichen Schlagwörtern, die sich alsbald zu Schlachtrufen gegen den kritischen Geist formen. Diese heißen: „Multikultur“, „Ausländerfeindlichkeit“, „Rassismus“ und „Islamophobie“, die – so zumindest unsere Meinungstyrannen – unsere heimische Gegenwart beherrschen.

Setzen wir uns kurz mit ihnen auseinander:

Eine nachweislich nützliche und beglückende Multikultur sollte sich auf Kunst und Kulinaria beschränken, wo sie durchaus richtig am Platz ist. Nicht jedoch in der Gesellschaft, keineswegs in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Integration“.

In der Soziologie kennen und unterscheiden wir drei Formen der Integration:

• Multikulturalität ist ein zufälliges Nebeneinander gänzlich unterschiedlicher Ingredienzien. So kann man nach einer ungarischen Gulyás-Suppe ein Wiener Schnitzel und anschließend eine türkische Honig-Baklava konsumieren; das selbe gilt für den Kunstgenuss
• Interkulturalität ist ein bloßes und lockeres Nebeneinander unterschiedlicher Notwendigkeiten für ein gemeinsames, oft nur utopisches Ziel. Einst der Völkerbund, heute die Vereinten Nationen und die Europäische Union – letztere außerhalb der wirtschaftlichen Beschlüsse – entsprechen dieser Formation.
• Die Intrakulturalität beruht auf dem Prinzip der Mehrfach-Loyalität: Anpassung nach Außen, Beibehaltung des Eigenen nach innen.

Für eine erfolgreiche gesellschaftliche Entwicklung (Beispiel: „Schmelztiegel“ Wien) gilt nur die dritte von mir erwähnte Möglichkeit.

Leider ist die landauf-landab geführte große „Integrations“-Diskussion nicht so viel Wert wie die Luft, die sie bewegt und erreicht keineswegs den Wert des Papiers, auf dem sie gedruckt wird.

Warum? Weil man nicht einmal bereit ist, das Wort „Integration“ ins Deutsche zu übersetzen; es bedeutet nämlich nichts anders als „Einbindung in ein Ganzes“. Ein Großteil der Angehörigen des Euro-Islam will davon kaum etwas wissen. Wenn diese Forderung an sie gestellt wird, dann sprechen ihre Anführer und Sprecher von einer „erzwungenen Assimilation“. Dümmlicher und gemeingefährlicher geht es wirklich nicht mehr.

Menschen sind Teile der Natur; und dazu gehören auch die Flüsse. Daher, zum Begriff Intrakulturalität mein „Donau-Beispiel“: Was wäre die Donau ohne ihrer Neben- und Zuflüsse: ein kleines, unbedeutendes Rinnsal. Aber was wäre die Donau, wenn die Zuflüsse statt Wasser nur Öl in die Donau mitbrächten? Eine giftige Kloake. Genauso verläuft es in der Entwicklung eines bestimmten Kulturkreises: Kulturnahe Elemente müssen und werden eingeschmelzt, kulturfremde abgestoßen, bzw. nur unter dem Wohlstandsmantel der Demokratie zwangs-akzeptiert.

Ich darf jetzt, meine Einleitung längst hinter mir lassend, noch von zwei anderen Begriffen, von den linkslinken „Heuchlern im Humanismusgewand“ und von ihrer Tätigkeit als „Sozial-Pyromaniker“ sprechen.

Die „Heuchler im Humanismusgewand“, auf das Thema „Ausländer-Integration“ angesprochen, führen sich wie Xenophilotiker auf, die jedem Ausländer, vor allem den Integrationsunwilligen, einen grünen Heiligenschein aufsetzen möchten. Sie würden gerne jedem Gastarbeiter bereits an der Grenze die österreichische Staatsbürgerschaft überreichen. Sie quittieren auch die ausgesprochene Inländerfeindlichkeit integrationsunwilliger Migranten und Wirtschaftsflüchtlingen mit einem verständnisvollen Achselzucken.

Erklären darf ich noch den Begriff der „Sozial-Pyromaniker“. Sie schreien so oft und so laut von „Rassismus“, „Ausländerfeindlichkeit“ und „Antisemitismus“, bis es wirklich soweit ist. Und dann sind sie glücklich und können aufatmend von „Wir haben es schon immer gesagt …“ sprechen.

Bevor ich noch zum zweiten Teil meiner Zeichnung – zum Thema „Multikulti und Islamismus“ komme, darf ich noch einige besänftigende Töne von mir geben:

Natürlich gibt es auch im heutigen Österreich Rechtsextremismus und Rassismus. Natürlich kann man die Verfolgung und Ermordung von Juden, Zigeunern, Andersdenkenden zwischen 1938 und 1945 nicht vergessen. Das auch dann nicht, wenn ich – als einstiges Opfer des Holocaust – durchaus Verständnis dafür habe, dass die Menschen nach 1945 andere Sorgen als Volksgerichte und Wiedergutmachung hatten.

„Rassismus“ muss – und das nicht nur im Kreise der Freimaurer – auf das schärfste verurteilt werden. Wer Menschen nach ihrer Herkunft, nach ihrer Geburt wertet, der darf keine meinungsbildende Machtfunktion besitzen.

Die Menschenrechte – das erste Mal bin ich im absoluten Einklang mit den Linkslinken – sind unteilbar; sie betreffen jeden Erdenbürger; und das unabhängig von Rasse, Religion, Volk, Nationalität und was auch immer. Jedem Menschen, der zu uns kommen kann, müssen wir die gleichen Chancen bieten. Dann allerdings hängt die ihm entgegengebrachte Akzeptanz nur von ihm selber ab. Das heißt: Die Intensität der Anpassungsbereitschaft bestimmt die Höhe der Akzeptanz. So lautet die einfache Formel der Integration.

Etwas pointiert formuliert: Inländer haben Rechte und Pflichten, Ausländer haben Pflichten und Rechte. Entscheidend dabei ist die jeweilige Reihenfolge.

Jetzt im zweiten Teil meiner Zeichnung darf ich den gefährlichen Weg der Multikulti-Verfechter zum islamistischen Terrorismus entwerfen.

Einleitend darf ich den Chefredakteur der Wiener Zeitung Andreas Unterberger (6.10.2007) zitieren, der seinerseits einige Sätze aus den Lehrbehelfen islamischer Religionslehrer wiedergibt:

„Der Islam verbietet, dass Männer und Frauen zusammensitzen und -arbeiten.“ „Die Selbstmordattentäter im Irak und Palästina opfern sich für Gott auf. Es ist ein Krieg für die Religion“

Und:

„Es ist eine Sünde, Militärdienst in Ländern zu leisten, die nicht vom Islam regiert werden.“

So weit, so schlecht.

Diese Sätze, so Unterberger, sind dem Bildungsministerium bekannt. Die zuständige Abteilung reagierte nicht. Sie reagiert auch auf die Hasspredigten jenes Imams, der von der Republik dafür bezahlt wird, die islamischen Religionslehrer auszubilden mit keinem Wort. Wie hatte es einst Lenin sinngemäß formuliert: „Sollten wir eines Tages alle Kapitalisten dieser Welt aufhängen wollen, so werden sie uns vorher die Stricke liefern.“

So wie die Krankheiten nicht beim Krebs beginnen, steht auch der islamistische Terror nicht am Anfang unserer gesellschaftlichen Verantwortung.

Zugegebenermaßen ist der politische Terror keine Erfindung unserer Zeit. Aus der jahrhunderte und jahrtausende alten Geschichte der Königs- und Fürstenmorde entstand der moderne politische Terror. Die Paten des islamistischen Terrors waren die Anarchisten des 19. Jahrhunderts, die mit ihrer blutigen „Propaganda der Tat“ Zaren und Könige ins Jenseits verfrachteten.

In einem Wochenbericht der schweizerischen Bank Julius Bär (7.3.2002) heißt es unter anderem:

Als eine Strategie der Provokation zielt der Terrorismus einerseits auf Schrecken und Angst bei der Gruppe der Angegriffenen, während er gleichzeitig Sympathie und Unterstützung bei jener Gruppe von Menschen zu erzeugen versucht, die als „interessierter Dritter“ der politischen Legitimation der Gewaltanwendung dient. Der Terrorismus unterscheidet sich damit von der bloß kriminellen Gewalt, indem es sich nicht nur um eine Verhältnis zwischen Täter und Opfer handelt, sondern eine dritte Partei ins Spiel kommt, für welche die Täter stellvertretend Gewalt einsetzen.

Genau um diese „dritte Partei“ geht es in meinem heutigen Thema. Dazu gehören sowohl die mit dem Terror sympathisierenden Muslime als auch ihre, wenn auch ungewollten Bodenaufbereiter der linkslinken Politszene. Professionell vorbereitete, so genannte „Spontanaktionen“ linker Gruppierungen und linkischer Medien, diese „Heuchler im Humanismusgewand“, leisten dem Terror wertvolle Schützenhilfe, indem sie beispielsweise die Schutzfunktion der Polizei unter dem durchsichtigen Vorwand des „Datenschutzes“ erschweren.

Die größte Hilfe des modernen, islamistischen Terrors sind unsere freien Medien. Dieser Terrorismus ist allerdings auf die Verbreitung und Verstärkung durch die Massenmedien angewiesen. Auch die Attentäter des 11. September 2001 und vor allem ihre Hintermänner und Hinterfrauen kalkulierten bewusst mit dem medialen Echo ihrer Mordtat. So benützt der politische Terror geschickt die Instrumente der freien Gesellschaft, die nach den „nützlichen Idiotion“ linksliberaler Prägung nicht „offen“ genug sein kann.

Dieser geistige Ausverkauf, diese masochistische Sucht nach Selbstzerstörung öffnet dem islamistischen Terror Tür und Tor. Dazu ein Satz aus der schweizerischen Analyse: Untersuchungen über terroristische Aktivitäten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben gezeigt, dass autoritäre Regime viel weniger von Terrorakten betroffen sind als Demokratien. Weil die liberale Presse- und Meinungsfreiheit einen idealen Resonanzraum für terroristische Anschläge ermöglichen, bieten Demokratien einen äußerst günstigen Nährboden für den Terrorismus.

Unsere Antwort auf diese spezielle und ungute Konstellation darf trotzdem nicht zur Auflassung der Presse-, Medien- und Meinungsfreiheit führen, sondern zu einer vermehrten Selbstkontrolle und Verantwortung der Berichterstattung. Sie sollte – beispielsweise – nicht über jeden kleinen Anschlag tamilischer Rebellen auf Sri Lanka weltweit groß berichten. Leider wird die Befriedigung der Sensationslust der Leser und Seher durch hohe Auflagen- und Einschaltquoten honoriert.

Meine heutige Aufgabe ist es nicht, so reizvoll es für mich auch sein würde, das Wesen des Terrorismus, auch nicht die – auch – historische enge Verknüpfung zwischen Religion und Terror zu analysieren, sondern mich auf die Aufbereiter des Terrorhumus zu konzentrieren.

Die von mir bereits mehrmals erwähnten „Heuchler im Humanismusgewand“ geben vollmundig und leerherzig vor, „jedwede Unterdrückung und Diskriminierung“ zu bekämpfen. Als Nebenprodukt dieser edlen und trotzdem nicht selbstlosen Haltung wird immer mehr Minderheiten ein lukrativer „Opferstatus“ postwendend verliehen. Dass dabei die Ansprüche der linkischen Heuchler und die Aggressionsbereitschaft der erlogenen „Opfer“ wachsen, das können wir in unserem Alltag ständig und laufend beobachten. Türkische Taxifahrer nehmen höchst-widerwillig den Fahrpreis von ihren weiblichen Fahrgästen entgegen, muslimische Väter lassen ihre Frauen nur von Ärztinnen untersuchen, ältere Söhne setzen ihre jüngeren Brüder als Vollstrecker von „Ehrenmorden“ ein, usw. usf. Auch wenn Letzteres eine Ausnahme bleibt.

Am Ende meiner Zeichnung lautet mein Schlussresüme: „… durch die Tat …“ sollten wir gegen echte Unterdrückung, gegen den wahren Missbrauch von Menschen durch Menschen auftreten und die von uns allen so viel gepriesene „Zivilcourage“ auch dort zeigen, wo es eine „Diktatur der Minderheiten“, durch nützliche Idioten ermöglicht, am eigenen Ast, wo sie noch bequem sitzen, zu sägen. – Leider sitzen wir alle – symbolisch gemeint – auf diesem Ast.

Peter StiegnitzDer Autor: Peter Stiegnitz, 1936 in Budapest geboren, flüchtete mit seinen Eltern 1956 nach Österreich, wo er an der Wiener Universität Soziologie, Philosophie, Psychologie und Ethnologie studierte; 1963 Promotion zum Dr. phil. Bis zu seiner Pensionierung als Ministerialrat Beamter im Bundespressedienst (Bundeskanzleramt). Für wissenschaftliche Arbeiten erhielt er den Berufstitel „Professor“ und zweimal den Theodor-Körner-Preis. Gegenwärtig lehrt er als Gastprofessor an der Universität Budapest. Er hat bisher 22 Bücher und rund 6.500 Fachbeiträge publiziert. Er ist Wissenschaftlicher Kurator der Österreich-Sektion der Forschungsgesellschaft für das Weltflüchtlingsproblem.