500 Jahre und noch immer zu sexy

venus.jpgEine 500-jährige Frau (Bild) wurde aus den Londoner Verkehrsbetrieben verbannt, weil sie zu sexy ist. Es handelt sich um die nackte Venus von 1532 (Öl auf Buchenholz) des deutschen Malers Lucas Cranach des Älteren. Von ihr dürfen jetzt keine Ausstellungsposter der Royal-Academy mehr in der U-Bahn aufgehängt werden, weil sie Muslime Reisende verstören könnte.

Die Badische Zeitung schreibt:

Die Firma CBS Outdoor, der es obliegt, die Werbung unter den Straßen Londons auf Anstand und gesellschaftliche Akzeptanz hin zu überprüfen, hält das Cranach-Bildnis schlicht für zu provokativ, als dass es Millionen Reisenden tagein tagaus zugemutet werden könnte. Als schon das U-Bahn-Plakat mit der spärlich bekleideten Schönen in Druck gegeben war, stoppte das Kontrollgremium in letzter Minute den Angriff auf die öffentliche Moral der Themse-Metropole. Die Royal Academy, die mit dem Poster auf eine im März beginnende große Cranach-Ausstellung in ihren hehren Hallen hinweisen wollte, könne ja gern aufs Titelbild ihres Katalogs setzen, was ihr gefalle, meinten die Sittenwächter. In der öffentlichen Sphäre der Underground aber müsse man Rücksicht nehmen auf die volle Bandbreite der Reisenden, und danach trachten, mit der dargebotenen Werbung keinen Anstoß zu erregen. Immerhin geben die Richtlinien der U-Bahn vor, dass U-Bahn-Werbung „Männer, Frauen oder Kinder nicht in betont sexueller Art und Weise abbilden, und auch nicht nackte oder halbnackte Gestalten in unzweideutig sexuellem Kontext darstellen“ dürfe. Nun ist schwer zu bestreiten, dass es sich bei der Cranach-Venus um eine reichlich nackte Gestalt handelt, die ihren sexuellen Reiz ganz schön zur Schau stellt.

Über die Aufstände gegen die 500-jährige Schöne aus Deutschland spöttelte eine Sprecherin der Royal-Academy zu den Reaktionen der U-Bahn-Betreiber:

„Wir haben leider keine Version B, in der sie die Kleider noch an hat“

– die Academy ging nicht auf Ideen ein, eine etwas weniger nackte Venus zu präsentieren. Am Valentinstag blieb so den Londonern der schockierende Anblick in der „Tube“ erspart.

Welche kulturbereichernde Gruppe war das wohl, die sich an einem 500-jährigen Gemälde einer nackten Schönen dermaßen aufgehalten hat? Wohl die Glaubensgemeinschaft, deren Anhänger in Großbritannien allgemein, als die „Asiaten“ bekannt sind, aber nichts mit China oder Japan zu tun haben. Man könnte sie auch offen Muslime nennen und hoffen, damit nicht schon jemanden beleidigt zu haben.

Der ungewollte Nebeneffekt des Aufstands – eine bessere Werbung hätte sich die Royal-Academy für ihre Ausstellung gar nicht wünschen können.

(Spürnasen: Moderater Taliban und Julia *****)

Update: Der Streit um das Plakat für die große Cranach-Ausstellung in London ist beigelegt. Die nackte Venus darf nun doch in der U-Bahn hängen.

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