Verschleiern: Die neue Aufgabe der Medien

MedienschleierFrüher war alles besser, sagte mein Opa oft, was bei mir immer ein Schmunzeln auslöste. Doch manchmal möchte ich diesen Satz selbst aussprechen. Man nehme doch mal die Medien. Früher war es die Aufgabe der freien Medien, die schonungslose Wahrheit ans Licht zu bringen und die Menschen über Fakten aufzuklären.

Bei Wikipedia findet man folgende Erklärung:

„Die Informationsfunktion ist die wichtigste Funktion der Massenmedien: Die Medien vermitteln Wissen und Erfahrungen, die wir nicht persönlich machen können, z. B. weil wir nicht vor Ort sein können.

Viele Journalisten mussten in vergangenen Zeiten ihre Wahrheitsliebe mit dem Leben bezahlen. In Zeiten von Diktaturen, wie in der NS-Zeit oder in kommunistischen Regimes, wurden sie verfolgt und in Konzentrationslager gesteckt. Man müsste annehmen, dass sich heutige Journalisten dessen bewusst sind und sich diesem Streben nach Wahrheit verpflichtet fühlen. Doch weit gefehlt. Die neue selbstgesetzte Aufgabe der Medien heißt: Verschleiern. Der Medienkonsument soll nicht mehr die schonungslose Wahrheit erfahren, sondern eine relativierte, verweichlichte und verschleierte Sicht auf die Wahrheit. Nehmen wir doch den Artikel der Saarbrücker Zeitung vom 6. Februar 2008, über den PI vor drei Tagen schon einmal berichtete:

Saarbrücken. Zu einer blutigen Schlägerei kam es am Sonntagmorgen vor der Saarbrücker Congresshalle. Nach Angaben der Polizei wurden gegen 4.25 Uhr eine 29 Jahre alte Frau und ein 30 Jahre alter Mann von zwei unbekannten Männern angegriffen. Die Frau erlitt eine Prellung am Kopf, der Mann einen Platzwunde über dem linken Auge. Schlimmer noch erging es einem 59-jährigen Mann aus Ottweiler, der schlichtend eingreifen wollte: Er wurde brutal zusammengeschlagen. Auch als das Opfer bereits am Boden lag, traten die zwei Täter auf ihn ein. Kurz schien es, als ob sie von ihm ablassen und Richtung Burbach flüchten würden. Aber schon nach ein paar Schritten kamen sie zurück und traten dem hilflosen Mann mehrfach an den Kopf und ins Gesicht. Erst als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hinzukamen, flüchteten die Männer Richtung Eurobahnhof. Der 59-Jährige erlitt schwerste Kopf- und Gesichtsverletzungen. Lebensgefahr besteht nicht; bleibende Schäden sind nicht auszuschließen. Bei den Tätern handelt es sich um zwei junge Männer, beide etwa 25 Jahre alt und 1,70 m groß. Einer der Schläger trug ein weißes Hemd.

Wieso eigentlich Schlägerei? Damit wird dem Leser suggeriert, dass sich wohl einige Saufköppe miteinander in die Wolle gekriegt haben. Wenn aber ein Mann, der SCHLICHTEND einem Pärchen zu Hilfe eilt, brutal zusammengetreten wird, selbst dann noch, wenn er wehrlos auf dem Boden liegt, dann ist das keine Schlägerei, sondern ein brutaler Überfall oder ein versuchter Totschlag.

Des Weiteren wird berichtet, dass ein „Mann mit weißem Hemd“ gesucht wird. Hierzu muss man wissen, dass es sich bei dem Mann um einen Jugendlichen mit arabischer oder orientalischer Herkunft handelt, was man ihm auch ansieht. Doch dies wird natürlich nicht gesagt. Warum? Weil der heutige Journalist nicht an der Wahrheit sondern an der politischen Korrektheit seiner Aussagen interessiert ist. Und dabei billigend in Kauf nimmt, dass er damit die Wahrheit verschleiert. Hierzu fällt mir eine Anekdote aus meinem Leben ein.

Zusammen mit meinem Onkel schaute ich eines Tages Boxkämpfe an. Ich war kurz weg und als ich wiederkam war ein neuer Kampf am laufen. Geboxt haben zwei US-Amerikaner, ein Weißer und ein Schwarzer. Beide hatten schwarze oder zumindest sehr dunkle Shorts an, nur hatten die Shorts des einen noch weiße Bändchen dran. Der Kommentator sagte, dass Smith, offensichtlich einer der Boxer, in den Kampf zurückfindet. Ich fragte: Welcher ist denn Smith? Mein Onkel: Der mit den weißen Bändchen. Wir schauten uns an und lachten los. Die absurde Idee meines Onkels, die Boxer am Bändchen zu unterscheiden, obwohl die Hautfarbe ein besseres Unterscheidungsmerkmal war, war ein Witz, über den wir nachher noch sehr oft gelacht haben.

Heute lache ich nicht mehr drüber. Denn was damals ironisch gemeint war, ist in der heutigen Medienlandschaft zur Regel geworden. Journalisten, die sich noch trauen, die Wahrheit auszusprechen, sind rar geworden. Heute lautet die Frage eines Journalisten an sich selbst, bevor er mit einem Artikel beginnt, nicht: „Wie kann ich die Wahrheit dem Leser vermitteln?“, sondern „Was löse ich damit aus?“ Und oft lautet die Antwort, wenn es um Themen geht, in denen Migranten oder Moslems negativ dargestellt werden könnten: nichts als Ärger. Der Journalist sieht vor dem geistigen Auge die Proteste von Migrantenverbänden, die auf ihn zukommen, die Demos, die Beleidigungen, er wäre ein Nazi, womöglich sieht er die schon üblichen Morddrohungen und knickt ein. Er fängt also an zu verschleiern, um sich bloß mit keinem anzulegen. Und selbst wenn das bedeutet, sich selbst zu verleugnen und seine eigene Arbeiten zu zensieren, wie aktuell in dem Fall des ARD-Tatorts, der abgesetzt wurde, weil die Täter dort einen türkischen Hintergrund haben.

In der Vergangenheit waren Journalisten der Wahrheit, heute sind sie nur der eigenen Karriere verpflichtet. Und dies geht nur, wenn man nicht aneckt. Und die Wahrheit? Die wird unter einem Schleier aus Halbwahrheiten und Floskeln versteckt. Willkommen im Europa des 21. Jahrhunderts. Es lebe die Selbstzensur!

(Gastbeitrag von Bluewing)