Micheline Calmy-Rey verschleiert im Iran

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Die schweizerische Außenministerin, Bundesrätin Micheline Calmy-Rey (SP), trug bei ihrem Gas-Deal mit dem iranischen Präsidenten die Friedensfahne gleich auf dem Kopf in Form eines weißen Kopftuchs. Sowohl der Handel selbst als auch das weiße Tuch stinkt indessen vielen Schweizern aus Menschenrechts- und aus Frauenrechtsgründen, denn Calmy-Rey hat das Tuch des Anstoßes freiwillig getragen.

Calmy-Rey verteidigt den Gashandel heute im Interview mit der NZZ am Sonntag, geht auf die Kopftuchfrage allerdings nicht ein. Hier ein Auszug:

Auf Pressebildern sieht man Sie mit Ahmadinejad lachen – worüber?

Als ich den Präsidenten begrüßte, drehte ich den Fotografen den Rücken zu, worauf diese protestierten. Ich habe mich umgedreht und musste über die Situation lachen. Das Gespräch selber verlief in einem von Ernst und gegenseitigem Zuhören geprägten Klima. Denn die von beiden Seiten dargelegten Positionen verlangten nach vertieften Erklärungen.

Aus dem Ausland und von Nationalräten fast aller Parteien wird kritisiert, Sie seien in eine Propaganda-Falle der Iraner getappt. Was sagen Sie dazu?

Das ist falsch! Um in einen Dialog zu treten, musste ich nach Teheran reisen. Ich habe unsere Vorstellung der Menschenrechte im direkten Gespräche mit dem Präsidenten, mit dem Außenminister und vor der Presse verteidigt. Ich betonte, dass Prügelstrafen, Amputationen und Steinigungen inakzeptabel seien. Ich sagte, dass Israel zur Staatengemeinschaft gehöre. Es scheint mir mutiger und schwieriger, seine Sache im direkten Gespräch zu verteidigen, als vom Sofa aus Kritik zu üben.

Ich bin auch nach Iran gegangen, um der Unterzeichnung eines Gas-Liefervertrages beizuwohnen. Damit habe ich ein Schweizer Unternehmen unterstützt, denn die großen Schweizer Konzerne müssen sich entwickeln können und Zugang zu den Energieressourcen haben. Ich habe es gemacht und ich würde es wieder tun! Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat mit seiner Arbeit und seinen Kontakten dazu beigetragen, dass dieser Vertrag unterzeichnet werden konnte. Meine Anwesenheit war darum notwendig. Es handelt sich dabei um strategische Interessen unseres Landes. Die Schweiz ist unabhängig und souverän. Möglicherweise decken sich unsere Interessen nicht mit denjenigen anderer Länder, aber es ist meine Pflicht, sie zu verteidigen.

Der Kopftuchskandal wird dafür im Sonntagsblick aufgegriffen. Die FDP-Ständerätin Christine Egerszegi, die im letzten Jahr mit Calmy-Rey auf der Rütli-Wiese aufgetreten war, meint dazu:

„Ich bin erstaunt, dass Frau Calmy-Rey im Iran ein Kopftuch trug. Ich verstehe Calmy-Reys Beweggründe nicht. Es ist unnötig, ein Kopftuch zu tragen!“

Egerszegi selbst hat es schon vorgemacht. Sie traf sich im November 2007 in Riad offiziell mit dem saudischen König Abdallah bin Abdelaziz Al-Saud – ohne Kopftuch. Das Kopftuch ist für sie „ein Symbol der Unterdrückung“.

CVP-Chef Christophe Darbellay findet:

„Wir verlangen, dass sich die Bundesrätin vor der Außenpolitischen Kommission erklärt. Calmy-Rey muss uns sagen, warum sie diesen peinlichen Kniefall vor Ahmadinedschad gemacht hat.“

Auch der Orientalist und Publizist Hans-Peter Raddatz nimmt zu dem Fall Stellung:

Über dieses „Stück Stoff“ ist in den letzten Jahren so viel Unsinn geschrieben worden, dass es sich lohnt, seine eigentliche Bedeutung noch einmal in Erinnerung zu rufen. Aus Sicht der Muslime ist die Sache einfach: Obwohl es der Koran nicht ausdrücklich vorschreibt, steht das Kopftuch als traditionelles Signal weiblicher Unterwerfung für die männliche Dominanz.

In der Islamlobby des Westens hat sich die respektlose Sprachregelung durchgesetzt, die Musliminnen trügen es „freiwillig“. Damit verfälschen deren Vertreter allerdings – wohl eher „unfreiwillig“ – nichts Geringeres als Allahs Wort selbst. Er und sein Gesandter Muhammad haben eindeutig bestimmt, dass die Männer über den Frauen stehen, dass sie das alleinige Verfügungsrecht über die Frau ausüben – vor allem sexuell – und für deren Verhüllung sorgen sollen.

Europaweit nimmt die Zahl der Kopftuch-Trägerinnen zu – ein sicherer Indikator dafür, dass auch die strengeren Interpretationen des islamischen Glaubens auf dem Vormarsch sind. Wenn westliche Repräsentantinnen auf Staatsbesuch im Nahen Osten mit dem Tuch auftreten, signalisieren sie damit vorauseilende Demut, die auf herrschende Muslim-Männer eher erheiternd wirkt. Denn in ihren Augen hat dieses „Stück Stoff“ auf dem Kopf ihrer nicht-islamischen Besucherin nur eine Bedeutung, wenn diese Musliminnen wären oder ihren baldigen Übertritt planten.

Ist da in Hinblick auf Übertritt schon etwas geplant, Madame Calmy-Rey?

» Kontakt zur Schweizer Außenministerin.

(Mit bestem Dank an alle Spürnasen)