Rechtsextremist an der Spitze deutscher Muslime

laterne.jpgBeim Koordinierungsrat der Muslime, der offiziell von Minister Schäuble anerkannten Interessenvertretung deutscher Rechtgläubiger, wechselt der Vorsitz nach dem Rotationsprinzip. Das ist praktisch, denn so kommen auch die Radikalen in Führungspositionen, ohne dass jemand die Frage stellen könnte, wer sie gewählt hat und wieviele der großen Mehrheit friedlicher und integrationswilliger Moslems sie eigentlich vertreten.

Vermutlich eine peinlich große Menge, denn die Milli Görüs, auf deren Ticket Ali Kizilkaya in den Rat kam, den er jetzt als Vorsitzender vertritt, ist die größte türkische Organisation im Lande. Wegen „islamistischer“ – also den Lehren des Koran entsprechender – Bestrebungen, extremen türkischen Nationalismus und der Befürwortung von Gewalt zur Durchsetzung religiös-politischer Ziele wird die gleichzeitig größte rechtsextremistische Vereinigung Deutschlands vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Welt berichtet:

Er könnte ein Musterbeispiel für gelungene Integration abgeben: Ali Kizilkaya, der vom 29. März an für ein halbes Jahr Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime ist, spricht ein gepflegtes Deutsch und nennt Deutschland seine Heimat, auch wenn er nicht immer den Eindruck habe, „dass meine Heimat mich liebt“. Zudem kennt er sich als Politikwissenschaftler mit den deutschen Gesetzen bestens aus. Den „Säkularismus“ will er „nicht infrage stellen“.

Dass dem 1963 im türkischen Kayseri geborenen und seit 1972 in Bremen aufgewachsenen Kizilkaya dennoch großes Misstrauen entgegenschlägt, hat mit seiner Verortung und Funktion in der heterogenen muslimischen Community zu tun. Kizilkaya ist seit 2002 Vorsitzender des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland. In der schätzungsweise zwischen 60.000 und 70.000 Mitglieder starken Organisation gilt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes die türkische Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) als dominierende Kraft, und der eloquente Kizilkaya war einst deren Generalsekretär.

Er steht, wie er WELT ONLINE sagte, zu seiner Mitgliedschaft. Als Vorsitzender des Islamrats vertrete er aber nicht einseitig die Interessen einer Mitgliedsorganisation: „Ich vergleiche das mit dem DGB, wo die IG Metall eine starke Teilgewerkschaft ist. Der DGB aber muss DGB-Politik vertreten.“

Der IGMG werden islamistische Tendenzen, ein spezifischer türkischer Nationalismus und ein ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer politisch-ideologischen Ziele vorgeworfen. Ali Kizilkaya hingegen nimmt Milli Görüs in Schutz. Da sei intern einiges in Bewegung. Die junge Führungsriege habe mit den „Hardlinern der ersten Generation“ nichts mehr zu schaffen. Bei extremistischen oder antisemitischen Bekundungen handele es sich um „Einzelfälle“. Milli Görüs sei weder verfassungsfeindlich, noch befürwortete die Organisation Gewalt. Die Beobachtung der Organisation durch den Verfassungsschutz schade somit der Integration.

Überhaupt spielt das Schlagwort Integration in den öffentlichen Stellungnahmen Kizilkayas eine entscheidende Rolle. Jede Moschee, die in Deutschland gebaut wird, ist für ihn ein Zeichen der Integration, „weil sie den Abschied vom Provisorium“ bedeute. Wer Kizilkaya in seinem kargen Büro im Kölner Kleine-Leute-Viertel Nippes besucht, bekommt als Standardsatz zu hören: „Es ist hierzulande leichter, ein Atomkraftwerk zu bauen als eine Moschee.“

Die Aufregung um die Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan im Februar in Köln kann der Islamratsvorsitzende „nicht verstehen“. Assimilation abzulehnen stehe doch nicht im Gegensatz zu Integration, im Gegenteil. In der Kopftuchfrage hat Kizilkaya eine feste Position: Das Tragen dieses Kleidungsstücks entspreche einem „religiösen Gebot“. Dies könne nicht nach Land und Ort relativiert werden. Den Koran hält er mit der deutschen Verfassung für vereinbar. Das Grundgesetz muss nach seinem Verständnis für die Muslime in Deutschland der „alleinige Maßstab“ sein, der Formel von einer „deutschen Leitkultur“, wie sie unter anderem in der Islamkonferenz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble diskutiert wurde, vermag er nichts abzugewinnen.

Überhaupt nimmt er, wie er im Gespräch mit WELT ONLINE bestätigt, eine „differenzierte Haltung“ gegenüber der Islamkonferenz ein. Man verlange von den Muslimen ein Bekenntnis zu Werten, sei aber bisher nicht in der Lage gewesen, sie zu definieren.

Aus dem Umfeld der rechtsextremen Milli Görüs stammte nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ebenfalls der Türke Cüneyt Ciftci aus Ansbach, der am 3. März einen terroristischen Selbstmordanschlag in Afghanistan ausführte.

(Spürnasen: hm und Oli)