Streitgespräch zwischen Giordano und Schäuble

Giordano SchäubleIn der morgigen FAZ-Printausgabe wird ein Streitgespräch zwischen dem Publizisten Ralph Giordano (l.) und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (r.) zu lesen sein. Einige online abrufbare Auszüge zeigen einen klugen Mann mit glasklarem Verstand und einen Innenminister, von dem man sich wünscht, er hätte eine andere Berufung für sich gewählt, als die Zukunft unseres Landes gestalten zu wollen.

Der verzweifelte Wunsch nach einem gezähmten, demokratischen Islam wird von Schäuble inzwischen als existierende Realität wahrgenommen. Seine Äußerungen sind so verschroben, dass man sich fremdschämen möchte, zum Beispiel diese:

Man müsse klar unterscheiden zwischen den Integrationsproblemen und den Bedrohungen durch den islamistischen Terrorismus.

Erstens ist der hausgemachte Terrorismus die direkte Folge von Integrationsproblmen. Zweitens sind es vor allem die Integrationsprobleme, unter denen der dem „normale“ Bürger leiden muss und drittens entstehen diese Integrationsprobleme aus der grundsätzlichen Unvereinbarkeit von Islam und Moderne. All das begreift Schäuble nicht, freut sich stattdessen über seine DiaLÜG-Konferenzen.

Ralph Giordano warf dem Minister vor, durch die Konferenz „üble Vertreter des politischen Islams“ zu hofieren. Das gelte für die islamistische Organisation Milli Görüs.

Schäuble hofiert nicht nur den politischen Islam. Er führt seine Gespräche mit den Integrationsverweigern.

Die Deutsche Islamkonferenz habe dazu geführt, die Vielfalt islamischen Lebens in Deutschland zu sehen – „da habe ich selbst viel dazugelernt“, sagte Schäuble.

Vielleicht am Ende zu viel, so dass sogar Erdogan hofiert und als leuchtendes Beispiel für die Demokratiefähigkeit des Islam hingestellt wird?

Zugleich nahm er den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen harsche Kritik des Publizisten Giordano in Schutz. Erdogan halte sich „in der Türkei an den Grundsatz von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, anders als manche befürchtet haben

Gut zu wissen. Die Kurden, Aleviten und Christen in der Türkei könnten hierzu allerdings eine gänzlich andere Meinung haben.

Giordano sagte hingegen: „Erdogan ist ein Wolf im Schafspelz.“ Die Botschaft des „entlarvenden Auftritts“ Erdogans in Köln sei: „Lernt Deutsch, aber bleibt Türken! Und: Bildet einen Staat im Staate, aber nennt es nicht so!“, sagte Giordano. Die Rede Erdogans sei „eine Kriegserklärung an unsere Gesellschaft“,

Schade, dass Leute mit Verstand wie Giordano in der Politik kaum zu finden sind, bzw. dass sie vorhandenen mit der Macht sofort verlieren.

(Spürnasen: MozartKugel, Humphrey, Italienischer Beobachter, Dominik L.)