Walid Nakschbandi: Gespaltene Zunge?

Gestern legte Walid Nakschbandi öffentlichkeitswirksam sein Mandat zur Teilnahme an der Islamkonferenz nieder. Hat Nakschbandi denn seine Meinung so sehr geändert, oder spricht der Mann nach Muslimart mit den Ungläubigen nicht so ganz ehrlich? Sind nicht vielleicht eher Eifersüchteleien mit der starken Fraktion der Türkenvertreter Grund für die Entscheidung als Sorge vor dem Siegeszug der Konservativen?

Seine Liebe zu den Deutschen drückte Nakschbandi am 19.09.2000 in der Süddeutschen Zeitung so aus:

Ihr könnt uns herabsetzen, beleidigen, demütigen oder verletzen, aber Ihr werdet uns nicht los. Ein Leben ohne uns wird es für Euch nicht mehr geben.
Die Ibrahims, Stefanos, Marios, Loylas und Sorayas sind deutsche Realität. Ihr werdet es nicht verhindern können, dass bald ein türkisch sprechender Richter über euch das Urteil fällt, ein pakistanischer Arzt Eure Krankheiten heilt, ein Tamile im Parlament Eure Gesetze mit verabschiedet und ein Bulgare der Bill Gates Eurer New Economy wird. Nicht Ihr werdet die Gesellschaft internationalisie-ren, sondern wir werden es tun – für Euch. Ihr seid bei diesem leidvollen Prozess lediglich Zaungäste, lästige Gaffer. Wir werden die deutsche Gesellschaft in Ost und in West verändern. Wir Ausländer.

Die zweite, noch wüstere Attacke, zwei Monate später, am 1.11.2000, im Tagesspiegel:

Deutschland hat nicht den Mut und die Charakterstärke, laut zu rufen, daß Fremdenfeindlichkeit, Ablehnung und Ausländerhaß Bestandteile dieser Gesellschaft sind. … Wir wissen das. .. Aber warum begreift Ihr das nicht? Warum wißt Ihr nicht, wer Ihr seid und weshalb Ihr so seid? … Und jetzt wollen wir Euch einpauken, daß Ihr anders werden müßt. Und Ihr hab wenig Chancen zu entkommen oder Euch zu entziehen. Der Prozeß ist im Gang, die Beschleunigung erfolgt. … Und wir wissen, daß wir dabei Menschen verlieren werden. Begreift aber endlich, warum. Gebt diesen Opfern einen Sinn. Aber verzeihen werden wir Euch nichts. Gar nichts!

(Spürnasen: RM-Peter und Gisela Z.)