Koran light – eine Provokation

Anlässlich des Hinweises auf die Sendung „Allahs kluge Lehrerin“ ist uns Lamya Kaddor vor ein paar Tagen schon begegnet. Sie ist sehr erfolgreich im Unterrichten gemäßigter Islamkunde. Ihre Schüler würden Geert Wilders deshalb nur moderat den Kopf abschneiden. Damit auch Jugendliche, die den Unterricht Kaddors nicht besuchen können, so gemäßigt daherkommen, hat sie mit der „Religionspädagogin“ Rabeya Müller einen Koran für Kinder geschrieben.

Islamkritiker und Rechtgläubige sind gleichermaßen empört.

Das Prinzip, das dem Buch zugrunde liegt, ist einfach: Die Suren werden neu sortiert, alle bösen Suren werden einfach weggelassen, und böse oder den Koran in ein ungünstiges Licht rückende Wörter großzügig anders übersetzt. So werden aus Jungfrauen Partnerinnen und aus Prügel wird Trennung. Gestern hat die Welt sich mit dem Buch befasst.

Gerade wegen dieser liberalen Note erregte das Buch aber auch sofort Unmut – und zwar bei Islamkritikern ebenso wie bei traditionellen Muslimen. Letztere reiben sich vor allem daran, dass die Verfasser das von Gott persönlich herabgesandte Wort wie einen Steinbruch benutzen. Denn die einzelnen Koranverse werden in dem Lesebuch neu gruppiert und nach Themen wie „Schöpfung“, „Mitmenschen“ oder „Vorbildliche Frauen“ sortiert. Und viele der 6000 Koranverse fallen der Auswahl sogar ganz zum Opfer.

Die Rechtgläubigen sind angesichts derartiger Respektlosigkeit gegenüber Gottes unveränderbarem Wort erschüttert. Zu allem Übel illustrieren Allahs Dienerinnen auch noch den großen Pädophilen!

Aber noch von anderer Seite könnte das Buchprojekt unter Feuer geraten: bei professionellen Islamkritikern. Denn überdeutlich akzentuieren die muslimischen Expertinnen in ihrer Zusammenstellung die sanfte Seite des Korans. Zahlreich sind die Verse, die Gottes Barmherzigkeit verkünden, seine Menschenliebe, seine Sympathie für die Gleichberechtigung der Frau und seinen Willen, dass Muslime auch Anders- und Ungläubige respektvoll behandeln sollten.

Kaum zu entdecken ist in dem Lesebuch dagegen die herbe Seite der muslimischen Offenbarungsschrift. So fehlen fast alle gewaltbejahenden Verse, etwa der viel zitierte „Prügelvers“ (Sure 4, Vers 34), dem zufolge ein Mann seine Frau schlagen dürfe. Wird da brisantes Material unterschlagen? Gar eine Religion verniedlicht? Islamkritiker wie der Orientalist Hans-Peter Raddatz haben dies der liberalen Muslima Rabeya Müller schon öfters vorgeworfen.

Wenn „schlagen“ eigentlich „trennen“ bedeutet, warum verprügeln dann so viele moslemische Männer ihre Frauen? Haben die am Ende auch eine falsche Übersetzung gelesen, im Iran, in Saudi-Arabien, in Pakistan oder Afghanistan und überall sonst, wo der Koran real umgesetzt wird? Oder hat Mohammed am Ende selbst Allahs Wort falsch verstanden?

»PI: „Der Koran – Einzig mögliche Haltung ist demütige Unterwerfung