Sehr geehrter Herr Wiedenroth …

Karikaturist Götz Wiedenroth erfreut nicht nur PI-Leser immer wieder mit seinen treffenden Zeichnungen. Auch Yahoo stellt der Künstler seine Werke seit nunmehr 6 Jahren regelmäßig zu Verfügung. Obwohl man mit den Karikaturen dort eigentlich sehr zufrieden ist, gäbe es doch einen kleinen Änderungswunsch. Einige Nutzer haben sich in letzter Zeit beschwert. Raten Sie mal!

Götz Wiedenroth stellt uns den folgenden Briefwechsel mit einer Mitarbeiterin von Yahoo freundlicherweise zu Verfügung:

„Sehr geehrter Herr Wiedenroth,

wir sind sehr froh, dass wir im Bereich Karikaturen mit Ihnen so gut zusammenarbeiten. In letzter Zeit beschweren sich jedoch Nutzer immer mehr über Karikaturen zum Thema Islam. Mir ist auch aufgefallen, dass im März sehr viele Karikaturen zu diesem Thema von Ihnen erschienen sind. Ich bin grundsätzlich nich für Zensur. Doch das ist wirklich ein heikles Thema. Ich möchte bei uns darüber keine diskriminierenden Diskussionen anheizen. Deshalb wäre es mir lieb, wenn Sie zukünftig darauf verzichten würden.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

.“

Meine Antwort 1, von vorgestern:

Sehr geehrte Frau XXX,

es freut mich zu hören, daß Sie grundsätzlich nicht für Zensur sind und ich habe auch Verständnis dafür, daß Sie interne Konflikte vermeiden möchten.

Aber ich kann mich der Anmerkung nicht enthalten, daß sich dieser Schriftwechsel um nichts anderes dreht als um islamische Zensur. Die islamische Seite drängt die Meinungsfreiheit in den Bereich des Heiklen, und das halte ich im allgemeinen wie auch hier im speziellen für eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Daß ich im März zu diesem Thema viel veröffentlicht habe, hat genau mit diesem Umstand zu tun.

Selbstverständlich werde ich auch weiterhin – und jetzt gerade – Karikaturen zur Meinungsfeindlichkeit des Islam veröffentlichen, diese aber wunschgemäß nicht mehr auf die Yahoo!-Seite einspielen.

Wie werden wir verfahren, wenn sich immer mehr Politiker bei Ihnen über Karikaturen beschweren sollten? Oder humorlose Menschen?

Die Freiheit der Karikatur ist ein Lackmuspapier für die Freiheit der Gesellschaft. Es beginnt sich betrüblich zu verfärben.

Mit freundlichen Grüßen

Götz Wiedenroth“

Meine Antwort 2 von gestern, bisher ohne Rückäußerung:

„Sehr geehrte Frau XXX,

unseren gestrigen Schriftwechsel habe ich noch einmal überdacht. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß es mir erheblich widerstrebt, ominöse Beschwerdeführer als Mitbestimmer bei unserer Zusammenarbeit zu akzeptieren.

Wer Karikaturen veröffentlicht — und ich meine hier nicht die wachsweichen, zahmen, harmlosen, opportunistisch-korrekten Schmuckelemente, die in der deutschen Tagespresse etikettenschwindlerisch als „Karikaturen“ deklariert werden — wer Karikaturen veröffentlicht, muß damit rechnen und es hinnehmen, daß satireallergische Personen sich beschweren, ob nun das Thema Islam behandelt wird oder nicht.

Heute paßt diesen totalitär denkenden Leuten das Thema Islam nicht, morgen ist es nicht recht, daß die tiefschwarzen Schattenseiten der Immigration überhaupt thematisiert werden, übermorgen dürfen es keine Kreuze mehr im Bild sein oder keine Darstellungen von Nacktheit mehr. Ihren bilderstürmerischen Forderungen nachzugeben heißt, sie in ihren frechen Zensurforderungen umso mehr anzustacheln. Der Kritikunterdrücker will selbst die Karikatur zur Kritikunterdrückung unterdrücken. Mehr noch. Er verlangt, daß die Kritkunterdrückung nicht einmal so genannt werden dürfe, sondern Frieden genann werden solle. Diese Infamie, dieser Doppelstandard, der vom deutschen Presserat aktiv mitbetrieben wird, ist an sich ein Dauerthema für Karikaturen und wird mich noch oft, sehr oft beschäftigen.

Ich möchte auf keinen Fall bewirken, daß Sie und Ihre Mannschaft wegen meiner Bilder unwillkommene Beschwerden entgegennehmen müssen. Und ich möchte mic andererseits nicht jeden Tag fragen müssen: ist diese neue Karikatur zu beschwerdeträchtig für Yahoo! oder ist sie es nicht?

Möglicherweise ist es das beste, wenn wir unsere Zusammenarbeit beenden, was ich sehr bedauern würde. Ich kann sie aber nur zu den bisherigen Bedingungen fortsetzen: völlige Wahlfreiheit bei den Themen, also auch Karikaturen zum Thema Islam.

Ich werde mich der von mir zutiefst verachteten politischen Korrektheit, dieser hinterhältigen, unaufrichtigen Meinungsgleichschaltung, niemals unterwerfen, so daß Ihnen mit einem anderen, einem angepaßten Zeichner womöglich besser gedient sein wird.

Was meinen Sie?“

Gruß

Götz Wiedenroth

(Gastbeitrag: Götz Wiedenroth)