Mehdi Mostafavi„Man guckt sich an, wer einem was sagt,“ ist einer der Lehrsätze meines ersten Berufsjahres, bissig formuliert von meinem Chef, aber treffend; eine Reduzierung der lasswellschen Formel der Kommunikation auf „Wer?“. Bemerkenswert daran ist, dass damit die Komponente hervorgehoben wird, die immer dann zurücktritt in der Nachrichtengebung, wenn das Publikum durch den Inhalt der Nachricht („Was?“) von einer anderen oder allen übrigen Komponenten abgelenkt werden soll.

(Gastbeitrag von Gudrun Eussner)

Am Beispiel des von PI vorgestellten Artikels des Italien- und Vatikan-Korrespondenten der FAZ Heinz-Joachim Fischer, am PI-Beitrag sowie an dessen mehr als 130 Kommentaren über die Gespräche zwischen Katholiken und Schiiten wird es deutlich: einmal eingeschworen, verlässt niemand die vom Medium vorgegebene Richtung.

Wer seitens der Schiiten die Gesprächsteilnehmer des Treffens sind, bleibt im Artikel der FAZ ungewiss, obgleich der Autor aus Rom berichtet, und das bereits seit Jahrzehnten. Die Informationen über die iranischen Teilnehmer sind so gehalten, dass man Genaueres über sie im Internet nur mühselig finden kann. Man starte einen Versuch mit der Bezeichnung der Herkunftsinstitution des Mehdi Mostafavi (Foto oben):

· führende iranische Theologen
· führende islamische Theologen
· das „Zentrum für Interreligiösen Dialog der Organisation Islamischer Kultur und Beziehungen“ aus (sic!) Teheran
· der Leiter des Teheraner Zentrums, Mostafavi. Es gilt als sicher, dass Mostafavi für die Gespräche die Rückendeckung der iranischen Staatsführung und Glaubensbehörden hatte.

Das angebliche Zentrum für interreligiösen Dialog heißt in englisch Islamic Culture and Communication Organization (ICCO), Organisation für islamische Kultur und Kommunikation – von „interreligösem Dialog“ keine Spur. Bei dieser typisch westlichen Bezeichnung handelt sich um eine Erfindung der FAZ.

Anders verfährt der FOCUS, in dessen aufbereitetem dpa-Artikel Spuren gelegt werden, die man mit Google im Internet verfolgen kann. Mostafawi bzw. Mostafavi hat einen Vornamen, die iranische Behörde wird englisch bezeichnet, und auch die anderen Informationen, mit Ausnahme der fehlenden gemeinsamen Erklärung im Wortlaut, gehen über die der FAZ hinaus. Andererseits übernimmt der FOCUS die Erfindungen der FAZ über den „interreligiösen Dialog“ ungeprüft:

· führende schiitische Theologen
· das Zentrum für den interreligiösen Dialog der „Islamic Culture and Relations Organization“
· eine Delegation der iranischen Muslime unter der Leitung von Mehdi Mostafawi, der auch Irans Präsidenten in religiösen Fragen berät
· die iranische Nachrichtenagentur Fars.

Heinz-Joachim Fischer verschweigt, „wer einem was sagt“, und das wird verständlich, wenn man sich die Websites des Delegationsleiters der eingeladenen Schiiten anschaut.

Die Islamic Culture and Relations Organization oder auch Islamic Culture and Communication Organization (ICCO) ist eine Unterorganisation politischer Entscheidungsbefugnis des in der Stadt Qom, dem wichtigsten Platz des schiitischen Islam, ansässigen konservativ dominierten Secretariat of Supreme Council of Cultural Revolution (SCCR), des Sekretariats des obersten Rates der Kulturrevolution. In Qom studierte seinerzeit Ayatollah Ruhollah Khomeini.

Ein Foto der Ayatollahs Ruhollah Khomeini und Ali Khamenei sowie Ansichten aus dem Jahr 1985 der beiden Religionsführer zur Islamisierung der iranischen Schüler- und Studentenschaft, zur Vertiefung der Kulturrevolution durch den Islam, geben die Richtung vor: gegen die Kulturinvasion durch den Westen in unserem Land und in den islamischen Gesellschaften, Säuberung des Geistes der islamischen Gesellschaft von diesen injizierten, schädlichen und zerstörerischen Elementen …, wir sollten diese Kultur angreifen, auf allen Schlachtfeldern ist Angriff die beste Verteidigung.

Mitte der 80er Jahre beschränken sich die beiden Religionsführer auf die erste Aufgabe, die Islamisierung der iranischen Gesellschaft. Die öffentliche Nichtregierungsorganisation, die revolutionäre Institution des University Jihad (UJ), des Universitätsglaubenskrieges, eine Brücke zwischen der Universität und den Industrie- und Dienstleistungszentren dient dieser Aufgabe. Für die Zukunft kündigt Ali Khamenei die zweite Aufgabe an, die Verbreitung der Kultur der islamischen Revolution durch kulturelle Beziehungen zu anderen Ländern, vor allem zu islamischen. Bei dieser Aufgabe ist das SCCR in Gestalt der Delegation des Mehdi Mostafavi in Rom.

Im Abriss über die Geschichte des SCCR kann nachgelesen werden, welche Funktion die zwölf kulturellen Unterorganisationen des SCCR haben, die Organisation Islamischer Kultur und Beziehungen bzw. Organisation für islamische Kultur und Kommunikation beispielsweise; sie dient der Islamisierung und der Abwehr westlicher Einflüsse. Weitere Unterorganisationen sind u.a. das Ministerium für islamische Führung und Kultur, die staatliche Nachrichtenagentur IRNA, die staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten und der Rat zur Koordinierung islamischer Propaganda.

In der Zeremonie zur Ernennung von Mehdi Mostafavi zum neuen Leiter der Organisation, im Oktober 2007, hält der Außenminister des Iran, Manouchehr Mottaki, eine Ansprache über die Entwicklung des Nuklearprogramms des Iran:

Des Feindes erbitterter Widerstand gegen den Erfolg des Iran bei seinem Nuklearprogramm war nur eine Ablenkung von seinem eigenen Misserfolg. Mottaki fügte hinzu, dass die Zusammenarbeit des Iran mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Irans Feinde geärgert habe. Anstatt einen logischen Ansatz dem Iran gegenüber zu bewahren, verfolgen die Feinde der islamischen Republik ihre seit langem besiegte Politik …

Das zur Einschätzung, um wen es sich bei Mehdi Mostafavi handelt: er ist, oder er war bis Juli 2007, der Erste Stellvertretende Außenminister des Iran. Bei einem solchen „Wer“ könnte welches „Was“ auch immer geschehen, Gutes, Verständigung, gar „interreligiösen Dialog“ sollte man nicht erwarten, erst recht keinen Durchbruch für die Ethik und Moral des Christentums, sondern eher einen Einbruch. Der Papst habe den Herren die christliche Vorstellung aufs Auge gedrückt, meint Blogger Freespeech in einer Email an mich. Wo ist Dein messerscharfer Verstand hin, wie er sich auf Deiner Site Nebeldeutsch zeigt? Wer hat ihn Dir vernebelt, oder besser: hat „Wer?“ ihn Dir geraubt?

Der Papst tut dem Katholizismus und den Christen im Iran und den anderen islamischen Ländern keinen Gefallen, wenn er sich mit hochrangigen Islamfunktionären gemein macht. Das ist bereits anlässlich der Einladung des Mustapha Chérif deutlich geworden.

Abwegig sind spitzfindige Überlegungen, der Papst hätte die iranische Delegation gewissermaßen benutzt, um die katholische Vorstellung zu manifestieren, gar die Schiiten festzunageln auf Zugeständnisse, hinter die sie nicht zurückkönnten. Im Islam kann man jederzeit hinter alles zurück, wenns der Verbreitung der Religion dient.

Der Vorgänger von Mehdi Mostafavi in der ICCO ist übrigens Mahmoud Mohammadi Araqi, dem der selbsternannte Oberrabbiner von Wien, Moishe Arye Friedman, auf einer von der ICCO organisierten Internationalen Konferenz in Isphahan über Constructive Interaction of Divine Religions, konstruktive Wechselwirkung von Göttlichen Religionen, huldigt. Auf solches Niveau begibt sich der Vatikan in den Gesprächen vom 26. bis 28. April 2008.

&raquo Alan Posener: Der Papst wertet das iranische Regime auf

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25 KOMMENTARE

  1. O glückliche Schuld!
    In der Osternachtfeier, dem Hauptgottesdienst des katholischen Kirchenjahres, preist ein Hymnus die Sünde des Menschen: Erst sie habe die Erlösung möglich gemacht. Als solch glückliche Schuld hat Kardinal Jean-Lous Tauran unlängst auch den Regensburger Ausrutscher von Benedikt XVI. bezeichnet. Tauran ist Minister des Papstes für den Dialog mit den Weltreligionen. Und was seit jenem Septembertag 2006 an notwendigen Konsolidierungsbemühungen zwischen Katholizismus und Islam angelaufen sei, das sei beachtlich.
    Dies war Auszug aus einem Artikel von Paul Kreiner, Rom, in der heutigen Stuttgarter Zeitung. Leider nur kostenpflichtig abrufbar.
    Sorry, ich hab nicht die geringste Lust mich selbst zu geißeln.
    Der Papstspruch war vollkommen OK, und dieses Kamingespräch anno 1391 an 26 Abenden beim Schariarichter mit Kauser Manuel II, ist sogar in einen wissenschaftlichen Artikel fundiert begründet worden. Hier dazu der absolut lesenswerte hochinteressante historische Artikel:
    http://www.kathpress.co.at/content/site/infodata/database/7637.html

  2. Guter Artikel, der wieder einmal zeigt, wie heruntergekommen die FAZ inzwischen ist.

    Es ist mir völlig unverständlich, wie der Vatikan sich mit solchen Leuten, wie diesen Vertreter des Verbrecherstaates Iran, an einen Tisch setzen kann.

  3. . . . dann auch noch die andere Wange hinhalten . . .

    Das nimmt langsam masochistische Züge an.

  4. Es ist mir völlig unverständlich, wie der Vatikan sich mit solchen Leuten, wie diesen Vertreter des Verbrecherstaates Iran, an einen Tisch setzen kann.

    Lese die Offenbarung – dann wirst du verstehen!!

  5. da wird von der „Öffentlichkeit“ Druck auf den Vatikan ausgeübt. so dass er gar gar nicht anders kann.

  6. Danke Gudrun.

    Es ist immer wieder erschreckend zu erkennen, wie oberflächlich (und in Folge davon irreführend) man von den MSM informiert wird. Sie gehen an das brisante Thema „interreligiöser Dialog“ und Iran heran wie lustlose, desinteressierte Idioten. Hauptsache schönes hohles Geschwätz. Recherche? Forget it. Investigativ? Um Himmels willen, man ist doch nicht misstrauisch sondern dialügisch-kuchengut. Eine halbe Stunde Zeit aufwenden, um einen Namen zu finden? Auch zu viel.

    Ich fand das zwar sofort widerlich – mir reicht der Text des Vatikans um zu kotzen.

    Aber SO wird es noch interessanter. Und im Vatikan sitzen keine Dummerchen, die nicht wissen, was sie tun und wirktlich glauben, der Herr Mostafavi wär sowas wie ein fremdartig angezogener netter Dorfpfarrer.

    Sie tun das absichtlich und vorsätzlich, sie sind besessen von der EINEN Weltreligion (bei der echtes Christentum und Judentum mit ihrer bibeltreuen Bockigkeit nur stören) und suchen, sich einen guten Platz dabei zu sichern. Der Islam ist groß und böse … und einem bösen Hund wirft man den größten Brocken hin.

    Wo Israel bei dieser großartigen neuen tollen Aufgabe bleibt, ist denen scheißegal.

  7. Will man bei PI jetzt schon den Papst über den Katholizismus belehren?
    Ist es schon soweit?

  8. Das „Zentrum für interreligiösen Dialog“ ist keine „Erfindung der FAZ“, obwohl Herrn Fischer das durchaus zuzutrauen wäre, sondern von „zenit.org“, der katholischen Informationsagentur in Rom, die im Wesentlichen Vatikan-Texte verbreitet. Am 30. April meldete sie:

    „Heute ging in Rom das christlich-islamische Seminar des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und des Zentrums für den interreligiösen Dialog der ,Islamic Culture and Relations Organization’ mit Sitz in Teheran (Iran) zu Ende. Den Vorsitz … führten Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des genannten Dikasteriums, und Dr. Mahdi Mostafavi, Präsident der genannten Organisation.“

    Und diese Herrschaften nahmen teil:

    http://www.cibedo.de/vatikan_schiiten_iran.html

    Aber, gemach, Leute: Ratzinger ist ein schlauer Fuchs mit hohem Gespür für Symbolik. Allein die Tatsache, dass Moslemführer im Vatikan antanzen (und im November wieder) dürfte bei vielen ihrer Glaubensbrüder die Galle anschwellen lassen. Und, wie Kewil richtig schreibt: „Die Initiative ging von Moslemgelehrten aus, die nach Regensburg um ein Treffen nachsuchten. Hätte der Vatikan sagen sollen, nein, euch Teufel treffen wir nicht?“

  9. 1) Für den Ductus der Gespräche ist maßgeblich
    VITA CONSECRATA v. 25.03.1996.
    Und: 2 Kor 5,15 ff „Die Liebe Christi drängt
    uns.“

    2) Der Vatikan spricht mit den Schiiten, das
    sind lediglich 15 % der gegnerischen Gesamt-
    masse. Divide et impera.

    3) Der Heilige Stuhl ist wohlinformiert über
    die Globalstrategie des Freundes USA und
    billigt sie aus gemeinsamen Interesse.
    Absolut richtig !

    Szenario : Freiheit und Glaube nehmen die
    Herausforderung an, man nimmt
    das Schwert in die Hand. Der Präsident der
    Freiheit und der Papst des Friedens rüsten. Und-zur Beruhigung manchen Kommentators- im
    Einvernehmen mit Israel.

  10. Eines jedenfalls war Joseph Ratzinger nie: ein Feigling.

    Er weiß um den demographischen Suizit Europas, kennt den Islam und seine Gefahren und er ist ein Anhänger Israels.

    Es ist zu hoffen, dass es sich um eine der klügsten Strategien handelt, die das vergreisende Europa sich ausgedacht hat, um sich von der pathologischen ausbreitenden Ideologie des Islam zu befreien.

    Würden unsere Eliten in Politik, Wirtschaft, Justiz, und der Journalie aber auch in den Kirchen seinen Verstand und seinen Mut besitzen, würden unsere verbleibenden Kinder andere Zukunftspersektiven als die der Sharia haben.

  11. # 7 Eisvogel
    “ ..sie sind besessen von der EINEN Weltreligion (bei der echtes Christentum und Judentum mit ihrer bibeltreuen Bockigkeit nur stören)..“
    Aber Sie wissen, was „echtes“ Christen- und Judentum ist ? Schön, dann heraus damit.

  12. Na sowas, der Vatikan führt einen „Dialüg“ mit hochrangigen Abgesandten des Iranischen Propagandaministeriums „ICCO“ zum Thema „Interreligiöser Verständnis und Toleranz“.

    Da kann er sich mir nichts, dir nichts anschauliches Mateerial beim Mullah-Regime und seinem Erfüllungsgehilfen, dem Revolutionswächter und Holocaustlügner „Adolf“ Allahmachhinnedschad besorgen, das uns Christen moralisch und ethisch „auf die Sprünge helfen kann“, so z.B. Steinigen von „Ehebrecherinnen“, die vorher vergewaltigt wurden, paarweises Aufhängen von angeblichen Homosexuellen, vorzugweise an Baukränen und Töten von Apostaten (Abfall vom Glauben), was der „tolerante“ Islam ja vorschreibt. Auch die Glaubensmaxime: „Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet“, sollte uns ethisch und moralisch weiterhelfen.

    Vielleicht kann der Vatikan auch folgende Äußerungen des „Säulenheiligen“ Ajatollah Kheimeini ehtisch aufarbeiten:
    „Juden und Christen sind dem Schweißgestank von Kamelen und Dreckfressern gleichzusetzen und gehören zum Unreinsten der Welt…Alle nichtmuslimischen Regierungen sind Schöpfungen des Satans, die vernichtet werden müssen!“

    Vatikan, willkommen in Absurdistan!

  13. Aber Sie wissen, was “echtes” Christen- und Judentum ist ?

    Nein, dazu weiß ich viel zu wenig. Aber ich erkenne zumindest, dass es DAS, was der Vatikan gegenüber dem Islam macht, nicht ist – um das zu erkennen, reicht schon eine sehr geringe Kenntnis der Bibel.

    So viele sind der Ansicht, es gäbe nur die Alternative zwischen Schönschwätzen incl. inhaltlichem Entgegenkommen und aggressivem Beleidigen. Das stimmt doch gar nicht.

    Ich halte den interreligiösen Dialog grundsätzlich für falsch – er ist lediglich zwischen Juden und Christen und innerhalb der verschiedenen Konfessionen sinnvoll. Selbstverständlich kann man mit Vertretern anderer Religionen freundlich und sogar sehr friedlich sprechen. Aber nicht über religiöse „Gemeinsamkeiten“.

    Der Vatikan macht das doch auch nicht mit dem Hinduismus. Dabei ist der Hinduismus lediglich eine nicht-christliche Religion, und keine, die als Anti-Ideologie gegen Christen und Juden gegründet wurde.

  14. Sehr interesante Analyse der Figuren „dahinter“. Danke! Fischer ist ja bekanntermaßen seit Jahrzehnten ein sachkunger Experte zum Vatikan. Umso erstaunlicher ist das Verschweigen des Hintergrunds der iranischen Seite.

  15. @15
    Der Vatikan macht das doch auch nicht mit dem Hinduismus
    Es geht ja auch nicht darum, daß wir am Ende den selben Glauben teilen, sondern daß wir in einer Welt leben können. Und weil jeder Glaube absolut ist kann man das nicht vom Glauben heraus machen. Es sind Religionen denkbar, mit denen ein Zusammenleben in der selben Welt nicht möglich ist.
    Und nun haben Herr Mostavafi und Herr Tauran beide unterschrieben, daß sich Glaube und Vernunft nicht widersprechen, auch wenn es manchmal so aussehen kann (so interpretiere ich „Glaube kann in einigen Fällen über der Vernunft sein“). Daß „weder Vernunft noch Glaube für Gewalt gebraucht werden sollten“ und daß es Religionswissenschaft braucht, um den jeweiligen Glauben zu verstehen.

    Und das soll jetzt keinen Wert haben, wegen dem was Herr Mostavafi bislang gemacht und vertreten hat. Aufgezählt wird:
    gegen die Kulturinvasion durch den Westen , … Säuberung des Geistes der islamischen Gesellschaft von … zerstörerischen Elementen …, wir sollten diese Kultur angreifen.

    Denn: Bei einem solchen “Wer” könnte welches “Was” auch immer geschehen, Gutes, Verständigung, gar “interreligiösen Dialog” sollte man nicht erwarten,. Kann sein. Das ist einfach eine Meinung.

    Bezüglich der Regensburger Rede haben sich islamische Diskussionsbeiträge eben dagegen verwahrt, daß der Islam grundsätzlich im Zweifel gegen die Vernunft wäre. Nun gibt es ein Positionspapier unterschrieben von führenden Katholiken und führenden Schiiten, daß dem nicht so ist.

    Vernunft und Glaube widersprechen sich nicht. Dazu stehen für einen einfachen neuzeitigen Geist im Widerspruch: Die leibliche Auferstehung. Die Trinität. Bei den Katholiken noch an weiteren Wundern: Die eucharistische Wandlung, die Jungfrauengeburt. All das widerspricht offensichtlich der Vernunft.

    Die katholischen Theologen die so etwas ausgearbeitet haben und heute noch vertreten, sind bestausgebildete Philosophen und tiefe Denker. So einfach ist das mit der Vernunft und dem Glauben nicht.

    Aber die Argumente in dem Artikel sind ja ad Personam. Bei dem, was Herr Mostafavi sagt, kann man eben weil er es ist, der es sagt, davon ausgehen, daß er unterzeichnet hat, weil er der Meinung ist, daß es dem Kampf für die islamische Weltherrschaft dient. Wie gesagt, kann sein. Und selbst wenn es so wäre, könnte es sein, daß dieses Positionspapier dennoch anders wirkt, als von ihm beabsichtigt war.

    Und nein, der Papst hätte die iranische Delegation gewissermaßen benutzt, um die katholische Vorstellung zu manifestieren, – das stimmt so nicht. Es geht um Vernunft. Als Grundlage der Weltbeurteilung. Als mögliche Grundlage eines Dialogs. Denn auf Grundlage verschiedener, einander widersprechender Glaubenssysteme kann es keinen Dialog geben.

    Andere theoretisch mögliche Grundlagen eines Gespräches wären Vertrauen. Oder Liebe. Ich finde, da war die Regensburger Rede mit dem provokativen Hinweis, über Vernunft wäre zu reden, die beste Wahl.

  16. Abwegig sind spitzfindige Überlegungen, der Papst hätte die iranische Delegation gewissermaßen benutzt, um die katholische Vorstellung zu manifestieren, gar die Schiiten festzunageln auf Zugeständnisse, hinter die sie nicht zurückkönnten.

    Festnageln kann man die nicht, dass er sie benutzt, denke ich schon, auch wenn das abwegig sein soll. Der Papst hat doch das 20%-System längst durchschaut.
    http://nebeldeutsch.blogspot.com/2008/04/beute.html

  17. # 15 Eisvogel
    “ Ich halte den interreligiösen Dialog grundsätzlich für falsch – er ist lediglich zwischen Juden und Christen und innerhalb der verschiedenen Konfessionen sinnvoll. Selbstverständlich kann man mit Vertretern anderer Religionen freundlich und sogar sehr friedlich sprechen. Aber nicht über religiöse “Gemeinsamkeiten”. “
    Ich teile im Grundsatz Ihre Ansicht – ganz privat gesehen. Nur – erlauben Sie den Hinweis – der Vatikan macht a u c h Politik – und das seit Jahrtausenden. Natürlich beschäftigt mich die Frage, ob die Politk des Vatikan gut oder schlecht, vernünftig oder dumm ist. Und ich habe dazu – bezüglich der jetzt hier aufgetretenen Frage – keine abschließende Meinung. Die wird man sicher auch erst mit einem gehörigen zeitlichen Abstand treffen können. Jedoch halte ich Ihre Auffassung „grundsätzlicher Art“ in Hinblick auf Politik – nicht betreff Ihrer privaten Meinung – für falsch. Der Vatikan hat politisch immer schon „global“ gedacht ( Erbe der Imperium Romanum ). Sie, PI, ich denken eurozentristisch – aus der Sicht der Bedrohung Europas durch den Islam, wofür es ja gute Gründe gibt. Aber ist ein Gespräch mit dem Gegner politisch gesehen grundsätzlich falsch? Die USA reden doch auch z.B. mit Nordkorea, Nixon hatte auch mit MaoTseTung geredet. Israel hat mit arabischen Staaten geredet und erklärt jederzeit seine Bereitschaft mit der PLO zu reden. Karl der Gr. hatte Korrespondez mit Harun al Raschid und der Stauffer Friedrich II. sprach mit Saladin. Was sollte also grundsätzlich falsch sein am Reden?

  18. Das Gespräch mit dem Gegner – ja sogar mit dem Feind – halte ich auch nicht grundsätzlich für falsch, benedikt. Es ging mir nicht darum, DASS der Vatikan mit denen spricht, sondern WAS er zu ihnen gesagt hat.

    Ich fand es auch nicht richtig, WAS Israel mit der PLO besprochen hat. Nach Oslo fing der Terror doch erst richtig an. Manchen Leuten darf man nicht den kleinen Finger des Entgegenkommens geben.

  19. # 21 Eisvogel
    Danke für die „Aufklärung“. Das „WAS“ ist bestimmt wichtig. Ich war nur irritiert, weil Sie in # 15 sagten: „Ich halte den interreligiösen Dialog grundsätzlich für falsch.“ Und diese „grundsätzliche“ Position haben Sie ja nun relativiert.
    Wer letzten Endes wem den kleinen Finger gegeben hat, muß man „historisch“ gesehen auch so behandeln.

  20. Da Grudrun an meinem Verstand zweifelt 😉 , hier mal meine Argumentation:

    Der Papst will die Leute [d.h. die Delegation aus demIran] nicht überzeugen, der will das bloss nennen, auf die Agenda setzen, der will bloss (!), dass er in der Diskssion im Driving Seat hockt und dass er bestimmt, was Wörter heissen. Und dann beginnt die Eigendynamik der Diskussion.

    So eine Erklärung macht er mE aus zwei Gründen:

    1. stellt er das für alle in den Raum, die die Diskussion verfolgen, also insbesondere seine Gläubigen – und die lernen nun, dass ihr Glaube und die Vernunft nicht im Widerspruch stehen können (was die meisten so nicht wissen werden, auch wenn das eine der wichtigsten Grundlegungen des Glaubens ist. Gott ist Vernunft -> die Welt ist vernünftig -> die Welt kann mit unserer Vernunft erforscht werden -> ihr dürft selber denken)

    Er regt also bei den Christen die Diskussion um die Grundlagen des Glaubens , das Bewusstsein um die westliche Kultur an.

    2. hat er eine Formulierung, welche die Mullahs unterschrieben haben /auch wenn es für sie völlig irrelevant ist, und ich bezweifle, dass die wissen, was sie da unterzeichnet haben).
    Sie haben allerdings etwas unterschrieben, wofür sie eigentlich geköpft gehörten, nach islamischen Regeln. Allah ist willkürlich, ausserhalb der Vernunft. Darum kann man nicht selber die Welt erklären. Darum gibts Regeln statt Denken, Diskurs und Forschung.

    So ganz werden sie das nie mehr aus dem System kriegen – und auch ihre Gläubigen hören das, wenn sie die Diskussion verfolgen. Es ist gesagt. Man bekammt es nicht mehr zurück hinter das Gehege der Zähne, wie das der gute alte Homer zu sagen pflegte. Das wirkt nun.

    [..]

    Das ist das Kuckucksei, das er ihnen untergeschoben hat.

  21. Nicht mal den Namen von Gudrun habe ich richtig hingekriegt. Ich beginne an meinem Verstand zu zweifeln.

    Irgendwann sendet Gott eine Editierfunktion herab.

  22. Wer jenseits der aktuellen Polemiken mehr darüber wissen will, „wie Joseph Ratzinger den Islam sieht“, sollte diesen Artikel des ägyptischen Jesuiten Samir Khalid Samir lesen:

    http://chiesa.espresso.repubblica.it/articolo/53826?eng=y

    Samir zitiert u.a. aus dem Interview-Buch „Salz der Erde“ von 1996, das Ratzinger-Zitat geht aber noch weiter, er sagte: „Der Islam hat eine ganz andere Totalität der Lebensordnung, er umgreift einfach alles, und seine Lebensordnung ist anders als die unsere. Es gibt eine ganz deutliche Unterordnung der Frau unter den Mann, es gibt eine sehr festgefügte und unseren modernen Gesellschaftsvorstellungen entgegensetzte Ordnung des Strafrechts, der ganzen Lebensbezüge. Darüber muss man sich klar sein, dass er nicht einfach eine Konfession ist, die man in den freiheitlichen Raum der pluralistischen Gemeinschaft einbezieht.“ Bei dem erwähnten „Seminar“ 2005 in der päpstlichen Sommerresidenz in Castelgandolfo, Thema: Islam, war Samir einer der beiden Referenten.

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