Schramma erhält „Versöhnungspreis“

SchrammaZum 15. Jahrestag des Brandanschlags in Solingen wird erstmals der Genc-Preis für Versöhnung der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung verliehen. Einer der Preisträger ist diesmal Kölns OB Fritz Schramma (Foto: 2.v.r. mit Modell der Kölner Großmoschee).

Nanu? „Versöhnungspreis“ für Schramma? Wegen seines Einsatzes für Europas größte Moschee?

Die Rheinische Post schreibt:

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble soll die Festrede bei der Veranstaltung der Gesundheitsstiftung halten, die in Kooperation mit dem NRW-Integrationsministerium und der Stadt Solingen über die Bühne geht. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma ist einer von zwei Preisträgern. Schramma erhält diese Auszeichnung, weil er sich überzeugend für die Integration einsetze. Er sei herausragendes Vorbild für Verständigung und habe sich als Vermittler in der Debatte über den Bau der Großmoschee in Köln eingesetzt, heißt es in der Begründung. Mit-Preisträger ist die türkische Familie Kaplan, die bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen in diesem Jahr neun Angehörige verlor. Auch diese Familie habe sich immer nachdrücklich für ein friedliches Zusammenleben stark gemacht, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.

Ich weiß ehrlich nicht, was die Auszeichnung Schrammas mit „Versöhnung“ zu tun hat. Immerhin hat die DITIB doch fortwährend behauptet, hier ginge es nicht um Religion, sondern „nur“ um ein Bauwerk. Ein Bauwerk, das angeblich zur Integration beitragen soll, das aber – „natürlich“ und „nur rein zufällig“ – den benachbarten Kirchturm um fünf Meter überragen soll.

Ein „Versöhnungspreis“ für einen OB, der sich bislang kein einziges Mal auf dem Israeltag in Köln hat blicken lassen, dabei aber keine Karnevalsveranstaltung – teilweise von der Größe einer Schrebergarten-Grillparty – auslässt.

Und dann Ludwigshafen. Ein Thema für sich. Ein schwieriges Thema, weil dort Menschen auf schlimmste Weise umgekommen sind und unser aller Mitgefühl und ihre Angehörigen Unterstützung verdienen. Ein Thema aber auch, dass von der Türkei schamlos für eine politische Hetze gegen Deutschland ausgeschlachtet wurde. Da wurden in der türkischen Berichterstattung Hakenkreuze gezeigt, türkische Ermittler durften in Deutschland ermitteln, als wenn die deutsche Polizei ein Haufen Amateure oder nicht glaubhaft wäre. Was kam dabei raus: Kein Nazi, sondern Stromklau war die Ursache für diesen Brand.

Ein Versöhnungspreis sollte anderen Menschen als dem Kölner Oberbürgermeister gelten. Menschen, die sich wirklich und aktiv für eine gelebte Integration einsetzen.

Es kommt mir sehr verdächtig danach vor, dass Schramma hier seine Belohnung erhält. Dafür, dass er den Bau der Kölner Großmoschee gegen alle berechtigten Einwände und gegen die CDU-Basis durchdrücken will.

Und noch ein Wort: Wofür brauchen wir in Deutschland eigentlich einen Versöhnungspreis? Man sprach früher immer von der Versöhnung der ehemaligen Alliierten mit den Nachkriegsdeutschen. Oder von der Versöhnung der Juden mit den Deutschen. Ich finde, das hatte seine Berechtigung. Der Begriff „Versöhnung“ im heutigen gesellschaftlichen Umfeld hat einen ganz furchtbar schalen Beigeschmack: Als wenn die heutigen Deutschen wieder für irgendetwas schuldig wären, und die „armen“ Ausländer seien die natürlichen Opfer.

Abschließend: Warum dreht sich wieder alles ausschließlich um Türken? Es gibt so viele schöne, weil gelungene Integrationsbeispiele in Bezug auf Spanier, Portugiesen, Vietnamesen, Chinesen, usw.

Herzlichen Glückwunsch Herr Schramma! Ich bin sicher, dass Sie jetzt das machen, was Sie uns Kölnern jahrelang besonders gut vorgelebt haben: Feiern.

(Gastbeitrag von Thorsten U.)