Zur Pause – oder zum Aufgeben – von Jörg Lau

Jörg LauUm Jörg Lau (Foto) den achtungsvollen Gruß des Gegners zu entbieten, würde ich schon was schreiben, war er doch der Journalist, der sich bei aller Ablehnung der „Idioten bei PI“ immer bemüht hat, die Position des aufgeklärten Westlers und des guten Islamisten zusammenzubringen, und dabei nie wirklich zu Zensur gegriffen hat. Weil er aber mit einem Grußwort von einem Kommentator bei PI den Beifall von der falschen Seite bekäme, will ich ihm zu seiner Pause nicht allzu heftig Gutes wünschen.

(Gastbeitrag von Freespeech)

Sonst sieht er sich plötzlich von allen angegriffen, die darin einen fernen Gruß aus dem vermeintlichen dumpfen Untergrund der „braunen Soße“ sehen und damit, entsprechend der eisglatt ausgerutschten Logik der Gutmenschfraktion und der Korantreuen, selber zum Abtrünnigen würde.

Abtrünniger ist er sicher nicht. Er lehnt PI strikt ab, sieht dort die Grobiane und Holzschnitzer unter den Kommentatoren als die Vertreter des Blogs, und den Blog PI als ein Projekt von Irregeleiteten, die weder Anstand noch Verstand haben.

Es ist die Haltung des Großbürgers gegenüber dem vermeintlichen Kleinbürger, die wohl zu den Bedingungen gehört, welche die Zugehörigkeit zu den – nach eigenem Verständnis – richtigen Berichterstattern, Journalisten und Kommentatoren regulieren und den Jessen und Niggemeiern helfen, die Distanz zum „Mob“ zu halten.

Aufgehört – oder pausiert – hat er, weil sich jede Diskussion immer wieder im Kreis dreht: Die einen stellen den Islam dar, wie er täglich wirkt und fortschreitet, die anderen lassen nichts auf den Islam kommen, oder auf die Türken, oder beides, und dann gibt es noch die Fraktion, die zwar ablehnend oder kritisch dasteht, aber gerne die Menschen lieben würde.

Zur letzteren Gruppe würde Jörg Lau nach meinem Verständnis gerne gehören. Immer wieder sucht und findet er Stimmen aus den islamischen Ländern, die vernünftig tönen, im ersten Moment und selten im zweiten, und das lässt ihn an der Hoffnung festhalten, dass vielleicht irgendwann der Islam reformiert werden könnte.

Damit unterscheidet sich seine Haltung grundsätzlich von derjenigen bei PI. Hier glaubt man an die Vernunft des Menschen, an die Integrationsfähigkeit von Individuen, aber nicht an die Reformfähigkeit der Ideologie.

Seine Idee von der Reform unterscheidet sich damit auch von der Vorstellung derer, die den Islam vertreten, von Alboga über al-Qaradawi bis Bin Laden: Reform des Islams ja, unbedingt, lieber heute als morgen, und zwar zurück zu den Wurzeln der Beutezüge, ob Karawanen oder Sozialsysteme.

Es sind solche Sätze wie der letzte, die Jörg Lau nicht gefallen, und das verstehe ich. Man sollte doch nett miteinander sein. Die Hoffnung nicht aufgeben, das Gute und die Möglichkeit der Besserung suchen, so wie das jede Ehefrau bei ihrem schlagenden Mann macht, bis in den Tod.

Auch Jörg Lau hofft immer noch. Aber er ist es leid geworden. Er weiß, was an der Ideologie schlecht ist, und an den Taten der Vertreter der Ideologie, aber er scheut sich, den letzten Schritt zu machen, den Schritt von der Erkenntnis zum Urteil. Es kann einfach nicht sein, dass eine Lehre schlecht ist, wo es doch so viele Menschen guten Willens gibt. Es kann einfach nicht sein, dass eine Lehre grundsätzlich abgelehnt werden kann, weil man – so fühlt man zuinnerst – damit so vielen Menschen Unrecht tun würde, nämlich den Menschen, die ihre gesunden Gefühle in den Islam projiziert haben und immer noch projizieren, und die so gerne einen Islam hätten, der in die Zeit der wirklichen Menschenrechte und der echten Demokratie passen würde.

Und doch sprechen die Tatsachen für sich. Wieder stürmt einer wie Nasrallah Beirut, wieder wird eine Schule in die Luft gejagt, wieder wird ein Vernünftiger erstochen. Aber einen Schnitt im Kopf zu machen, sich ein klares Urteil zu formulieren, das ist schmerzhaft. Da gibt man viel auf, das man liebgewonnen hat, zuvorderst die Vorstellung, dass der Islam dank der Menschen guten Willens reformierbar sei. Und schon wieder dreht sich die Diskussion im Kreis.

Dass Jörg Lau dies leid ist, dass er nun eine Pause braucht, das kann ich verstehen. Und so ist doch ein Gruß an Jörg Lau herausgekommen. Hoffentlich zerreißen ihn die Gutmenschen und die Korantreuen nicht.