Bei Paris feiern an diesem Wochenende Widerstandsgruppen von Exiliranern ein gemeinsames Fest. Es werden zehntausend Teilnehmer, darunter auch etwa 1.000 Politiker aus Europa, USA und arabischen Ländern erwartet. So erfreulich eine starke Widerstandsbewegung gegen das grausame Mullahregime grundsätzlich auch ist: Der Westen sollte sich diesesmal sehr genau ansehen, welche Absichten die beherbergten und auf Unterstützung hoffenden Gruppen tatsächlich haben.

Schließlich bereitete auch Khomeini seine Revolution in Paris vor, wurde als Freiheitskämpfer von Linken hofiert und brachte am Ende statt der Befreiung von einem zweifelhaften Shahregime eine der grausamsten und gefährlichsten Diktaturen der Welt über Persien

Der Spiegel berichtet:

Vor den Toren von Paris versammeln sich an diesem Wochenende zehntausende Exil-Iraner zu einer Großkundgebung – im Beisein von fast tausend Politikern aus Nordamerika, Europa, Australien und der arabischen Welt.

Die Demonstration der Solidarität, eine Mischung aus Volksfest, Familientreffen und politischem Hochamt, wird organisiert vom sogenannten „Nationalen Widerstandsrat“ (NCRI), der hier einen Durchbruch feiert: Das Oppositionsbündnis, das verschiedene Gruppen und Organisationen von Regimegegnern umfasst, hat einen entscheidenden juristischen Sieg errungen: Nach zehnjährigem Marsch durch die Instanzen der britischen Justiz wurden die „Iranischen Volksmudschaheddin“ (PMOI) – die die stärkste Fraktion im Widerstandsrat ausmachen, vor drei Wochen vom Vorwurf des Terrorismus freigesprochen. Das britische Parlament entschied daraufhin, die einst übel verleumdeten Untergrundkämpfer von der „schwarzen Liste“ illegaler Organisationen zu streichen.

Jetzt, zum Auftakt der französischen EU-Präsidentschaft, drängt der Widerstandsrat auf Anerkennung durch die EU und die USA. Die machtvolle Kundgebung in Villepinte soll klarmachen, dass hier die legitime Opposition Irans vertreten ist. Mariam Radschawi grüßt im Namen ihres Mannes, der noch immer als eigentlicher Führer des Widerstandes gilt – tatsächlich ist er seit der US-Invasion im Irak nicht mehr öffentlich aufgetreten.

„Es war ein Erwachen des Gewissens“, sagt Radschawi zu der Entscheidung der britischen Justiz, die Volksmudschaheddin von der Terrorliste zu nehmen. „Es war für Teheran wie ein Erdbeben.“

Tatsächlich geschah die Einordnung des iranischen Widerstands als Terrorgruppe auf Druck des Iran, und dadurch wurde sie zur Richtschnur, an der sich auch die EU orientierte. „Deswegen wurde vor 15 Jahren unser Hauptsitz hier in Auvers-sur-Oise bei einer Großrazzia der französischen Polizei gestürmt“, so Radschawi beim Interview, „seither wurden wir als Terroristen verfolgt.“ Bereits damals hatten die Volksmudschaheddin, die den Widerstand gegen die religiöse Diktatur einst als mörderische Guerilla-Bewegung begannen, dem bewaffneten Kampf abgeschworen.

Argwohn gegen die Ex-Freischärler

Dennoch wird der Widerstand der ehemaligen Freischärler auch unter im Ausland lebenden Landsleuten bisweilen mit Argwohn betrachtet: Die Organisation, deren Ex-Kämpfer unter Bewachung amerikanischer Streitkräfte im Süden des Irak interniert sind, gilt als äußerst abgeschottete Gruppe. Manchen Exil-Iranern ist auch der beinahe religiöse Personenkult suspekt, den NRCI-Genossen bisweilen ihrer Führerin Mariam Radschawi entgegenbringen – 1998, nach der Erstürmung des NRCI-Sitzes in Auvers, protestierten zwei Anhänger gegen die Inhaftierung von Radschawi, indem sie sich mit Benzin übergossen und anzündeten. „Wir sind keine Sekte“, verteidigt sich Präsidentin Radschawi und beteuert, sie habe sich sofort gegen diesen Fanatismus ausgesprochen, sobald sie im Gefängnis davon erfahren habe.

Seither bemüht sich der NRCI, den Geruch von Heimlichkeit und Sektierertum loszuwerden. Der Widerstandsrat präsentiert sich als rationale, demokratische Alternative zur blutigen religiösen Diktatur der Mullahs und als Speerspitze gegen die atomare Aufrüstung Teherans. Mittlerweile wird die Organisation von einer Reihe prominenter Politiker unterstützt. In Villepinte sind nicht nur französische Abgeordnete, britische Parlamentarier und Lordschaften angereist, sondern auch Delegationen aus Jordanien, dem Libanon und den Golfstaaten.

„Ich befürworte die iranische Opposition“, sagt Volker Schneider, Abgeordneter der Linkspartei aus dem Saarland, der „im eigenen Namen“ nach Paris gereist ist und hofft, dass sich das Europäische Parlament erneut für den Widerstandsrat engagiert. Auch wenn innerhalb der Linkspartei der Kurs „nicht einheitlich ist“, der 53-Jährige ist sich seiner Sache sicher: „Die Terroristen sitzen nicht in Paris, sondern in der Regierung in Teheran.“

Dass die Oppositionellen ausgerechnet aus der Partei der Mauerschützen Zuspruch erfahren, wirft in Deutschland kein gutes Licht auf die Bewegung. Zu oft ist der Westen mit seiner Unterstützung auf die Falschen hereingefallen, von Khomeini angefangen über Arafat bis zu Bin Laden. Wo Abgeordnete der Linkspartei willkommen sind und sich zuhause fühlen, kann man zumindest davon ausgehen, dass dort nicht die Werte einer freien Demokratie hoch im Ansehen stehen. Das sollte der Westen dieses Mal vielleicht bedenken, bevor er erneut die Falschen unterstützt.

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15 KOMMENTARE

  1. Die Ambivalenz der Linken in Sachen Mullahregime ist herzerweichend. Während im Iran Homosexuelle auf den Baukran gehievt werden, verbietet Rot-Rot in Berlin Deutschlandfahnen an Polizeiautos und läßt dafür durch den Polizeipräsidenten die Regenbogenflagge hissen. „Islam“ ist halt Frieden und in Berlin bzw. Deutschland besonders „friedlich“ und so tolerant.

    Wahrscheinlich haben die Linken auch mit folgender Nachricht weniger Toleranz- als Ignoranzprobleme:

    http://www.n-tv.de/HomoHatz_in_Malaysia_Anwar_in_Botschaft_gefluechtet/290620084412/986476.html

    Sonntag, 29. Juni 2008
    Homo-Hatz in Malaysia
    Anwar in Botschaft geflüchtet

    Der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist nach einer Anzeige wegen Homosexualität in die türkische Botschaft in Kuala Lumpur geflüchtet. Der 60-Jährige habe Morddrohungen erhalten, sagte seine Frau Wan Azizah Ismail, Vorsitzende der Volksgerechtigkeitspartei.

    Malaysia…. da wohnen doch ganz viele islamgläubige mit akademischen Titeln…

  2. Ist das in der Mitte unser Claudi? Habe schon lange nix mehr von ihr gehört und mache mir gerade grosse Sorgen. ^^

  3. Die NCRI hat keinen guten Ruf unter den
    Exilpersern.Herr Radschani wurde in Russland
    ideologisch geschult.Glaube Mitte der 70-ger.
    Alles alte Schule .Das Sie auf der schwarzen Liste standen, sagt eigentlich schon alles.
    Kommunistische Hard- Core.Und jetzt vom Saulus
    zum Paulus ? – Nee.
    die stehen im Punkto Fanatismus den Revolutionswächtern keinen Punkt nach.
    Kadermentalität in reinster Form.

    Die werden von Politiker hofiert ?
    Geht´s noch.

    Adam

  4. #2 Reconquista Germanica (29. Jun 2008 17:35)

    Ist das in der Mitte unser Claudi?

    Nein, von der Statur her eher P.Roth , die ihren Wohnsitz von Frankfurt in den Iran verlegt hat.

  5. Eine Organisation, die von den Briten und der EU die Absolution erhält ist schon deshalb höchst verdächtig.
    Übrigens, was war am Shah-Regime verdächtig, wessen wir unsere Qualitätspolitiker heute nicht auch verdächtigen könnten.
    Der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann ist, daß er daß linke Geschmeiß nicht in den Strassen Teherans aufknüpfen ließ.

    http://www.youtube.com/watch?v=aCO0KjpbEnA&feature=related

  6. Kazem Moussavi von der Iranischen Partei Die Grünen redet der immer noch antiamerikanisch und antizionistisch orientierten iranischen Linken ins Gewissen:
    „…6.) Bei iranischen Oppositionellen, Intellektuellen und Linken muss endlich ein politisches Umdenken in ideologischen Fragen stattfinden. Vor allem müssen sie erkennen, dass der Hauptfeind unserer Zeit für nachhaltige Entwicklung und Demokratie weder Imperialismus noch Zionismus, sondern Fundamentalismus und das religiös-faschistische System im Iran sind.
    7.) Um die Ausbreitung des Fundamentalismus durch das Teheraner Regime in der Region effektiv zu stoppen, muss die Existenz und die Legitimität von Israel durch die iranischen Oppositionellen offiziell, und zwar schriftlich, anerkannt werden. Die iranischen Oppositionellen und die Linke dürfen die Bedrohung von Israel durch das antisemitische islamische Regime und den religiös-fanatischen Psychopathen Ahmadinejad nicht mehr stillschweigend hinnehmen.
    Fakt ist, dass weder die iranischen Oppositionellen auf eigene Faust noch die Weltgemeinschaft und der Westen ganz allein im Stande sind, das Regime im Iran abzuschaffen. Eine Zusammenarbeit ist deshalb wichtig und unabdingbar.“ ( zitiert aus Grigat/Hartmann – Der Iran, 2008 )
    Mag sein, dass ein Streichen der Volksmujaheddin von der Terrorliste des Westens hilft, bei der iranischen Opposition Denkprozesse auszulösen, die dringend nötig sind. Eine militärische Auseinandersetzung steht im Zeitraum von nur Monaten bevor; denn Israel kann nicht ewig hoffen.

  7. …wir hier sind mal wieder in der beneidenswerten Lage, egal welche Seite auch immer, – zu beienen. Und zwar mit pädagogisch wertvollem Spielzeug , mit dem man System- aber auch Gegensystem-begleitend, mündige Bürger da unten ranzieht. Da wird kein CO2 wegen schelchtem Spielzeug in die Luft gepäffkert, sondern lange und nachhaltig können die Blagen auf den Achsen des Bösen mit diesen Dingern spielen, und sich schon mal ihre Portion Demokratieverständnis , so wie unsee Linken sie hier verstehen, eintrichtern. Und wenn dann mal die Systemkritiker zum Kaffeekränzchen laden, – ja dann sind wir aufgeräumt und wohlgelaunt mit dabei, – genauso die auf Feten der Anti-Systemkritiker …Spass ist, wenn man dafür auch noch Tagesgeld bekäme.

  8. Volksmudschahedin in Iran – Politische Sekte mit stalinistischer Führerschaft
    Vom Regen in die Traufe-armer Iran !

  9. Zu dem oberen Foto gibt es auch das Video im Internet. Man kann dort sehen wie der Frau der Strick (absichtlich?)falsch umgebunden wird.
    Das hat zur folge das die Frau sich über eine Minute lang zu Tode quält. 🙁

  10. Mit solchen Gruppen ist kein Staat zu machen. Kein Bevölkerung dieser Welt wird Führer akzeptieren die zur bombadierung des eigenen Landes aufrufen. Ausserdem – In Iraq hatten wir schon genügend Erfahrung mit solchen „Exilanten“. Mittlerweile sind fast alle Exil-Iraqis entweder in Haft oder auf der flucht weil sie milliarden an aufbauhilfe in die eigenen Taschen umgeleitet haben. Nochwas – Volks- „MUDSCHAHEDDIN“!!!!! Da mußten doch sämtliche Alarmglocken klingeln. Die Bande hatten wir schon damals in Afghanistan gegen die Russen unterstützt. Ergebniss – ????? 9:11

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