Pakistan BürgerkriegDie politischen Kräfte, die damals entschieden, Pakistan als islamische Republik zu gründen, haben sich mit ziemlicher Sicherheit nicht vorstellen können, dass sie damit das Tor für religiösen Extremismus (Foto: Demonstration in Karatschi) öffneten, der allmählich den Zusammenhalt des Staates gefährden würde.

(Gastbeitrag von Sarfraz Jalal, Chemnitz)

2007 war Pakistan nur ein „halb lebendiges Land“, schreibt die Nichtregierungsorganisation „Human Rights Commission of Pakistan“ in ihrem Bericht, der am 29. März veröffentlicht wurde. Obwohl Pakistans Probleme schon nach dem 9.11.2001 begonnen haben, als Präsident General Pervez Musharraf entschieden hatte, Amerika im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen, war 2007 das schlimmste Jahr in der 60-jährigen Geschichte des Landes.

Die Krise hat letztes Jahr mit der ungerechtfertigten Amtsenthebung von Pakistans oberstem Chefrichter begonnen. Der gewaltsame Konflikt um die Rote Moschee im Juli in Islamabad, die Wiedereinsetzung des obersten Richters in sein Amt, der Ausnahmezustand im November/ Dezember und die Ermordung von Benazir Bhutto, die auch jetzt noch anhaltende große Zahl von Selbstmordanschlägen, all das waren Zeichen dieser politischen Instabilität.

In einem Bericht des HRCP heißt es, dass bei 71 Selbstmordanschlägen 927 Menschen umgebracht worden sind (die Zahl ist größer als im Irak). Einige Extremisten aus der Nordwest-Grenzprovinz brachten mehrere Städte unter ihre Kontrolle und versuchten mit Gewalt, ihre eigene Version einer Sharia einzuführen.

„Eine wachsende Anzahl von Muslimen maßt sich an, dass die einzig wahre Fassung des Islam die ist, die sie selbst praktizieren, und dass es ihre religiöse Pflicht ist, diese mit Nachdruck jedermann aufzuzwingen. Dabei werden alle möglichen Mittel eingesetzt, auch Gewalt denen gegenüber, die nicht in dieses Bild passen. Religiöse Minderheiten werden bedroht, damit sie zum Islam konvertieren, oder sie müssen die Stadt verlassen. Diese religiösen Fanatiker behaupten, dass der Staat es versäumt hätte, dem Islam zu dienen, wozu er ihrer Meinung nach verpflichtet war, und deswegen sei es ihre religiöse Pflicht, ihre Fassung des wahren Glaubens um jeden Preis zu verbreiten.“

Der Zorn der religiösen Kämpfer ist nicht mehr beschränkt auf die religiösen Minderheiten (obwohl die weiterhin die am besten geeignete und einfachste Zielscheibe darstellen, die man verfolgen und züchtigen kann, ohne bestraft zu werden), er ist jetzt auch gegen die Funktionäre des Staates gerichtet, besonders gegen die Polizei und die Streitkräfte. Die HRCP schreibt in ihrem Bericht:

„Die Situation nähert sich schnell der Schwelle eines Bürgerkrieges, und sie kann nur durch eine entschlossene Anstrengung des Staates, den Extremismus und dessen Kampfgeist um jeden Preis zu entwurzeln, korrigiert werden kann.“

Durch die „Talibanisierung“ werden die Christen und andere Minderheiten noch mehr unterdrückt, als das vorher ohnehin schon der Fall war. Das sogenannte Blasphemiegesetz wird benutzt als ein Mittel, um gegen Minderheiten vorzugehen. In diesem Jahr wurde es bei mindestens zehn Christen angewandt.
Diskriminierung durch den Staat, ordnungsgemäß in der Verfassung und den Gesetzen des Landes verankert, fördert zusätzlich auch die soziale Diskriminierung. Im Grunde setzt man damit die religiösen Minderheiten zu Bürgern zweiter Klasse herab, deren Rechte einfach ignoriert und verletzt werden, sowohl durch die Mehrheit der Gemeinschaft als auch durch den Staat. Religiöse Diskriminierung kann man selbst im Gefängnis erleben. Die muslimischen Gefangenen haben immer Vergünstigungen, zum Beispiel wird ihnen das Beten im der Moschee erlaubt, die Kirche jedoch bleibt verschlossen.

Die Ermordung von Benazir Bhutto und einer Ministerin von Punjab, Zile Huma bedeutet, dass es besonders auch für die pakistanischen Frauen ein tödliches Jahr war. Der HRCP berichtet, dass 636 Frauen im Namen der „Ehre“ getötet und mindestens 731 vergewaltigt wurden. Viele waren minderjährig. Schülerinnen, Studentinnen und Lehrerinnen wurden bedroht und gezwungen, sich zu verschleiern. Pakistanische religiöse Extremisten möchten gern alles Weibliche von der Bildung und aus dem öffentlichen Leben verdrängen.

2007 war für auch für pakistanische Journalisten ein schreckliches Jahr. Sieben von ihnen wurden getötet und 73, die gegen Pressezensur und für Medienfreiheit demonstriert hatten, wurden von der Polizei verletzt. Es gab 258 Fälle von Kindesmissbrauch, dabei wurden 138 von ihnen getötet. Nach dem Bericht der Kommission sitzen 2.038 Minderjährige in Untersuchungshaft. Die Zahl von jungen drogensüchtigen Bettlern steigt immer weiter. 83 Prozent sind im Alter von 8-19 Jahren.

Die Einhaltung der Menschenrechte aller Gruppen der Gesellschaft – unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Religion – ist eine verbindliche Pflicht eines jeden Staates, der die Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen unterschrieben hat. Nachdem diesem Vertrag zugestimmt wurde, ist auch Pakistan verpflichtend daran gebunden, alle nicht verfassungsmäßigen Bedingungen aus seinen Gesetzbüchern zu entfernen, die irgendeinen der Artikel verletzt, zu dem es sich vertraglich verpflichtet hat. Dieser Prozess wird so lange andauern, bis die offizielle und soziale Diskriminierung beendet ist und größere Toleranz und Akzeptanz herrschen, bis alle Teile der Gesellschaft gleichgestellt sind.

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18 KOMMENTARE

  1. Tja, da hätten die Pakistaner mal besser Professor Hans Kung anhören sollen:

    http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/faith/article4148115.ece

    June 16, 2008

    Islam is stuck in the Middle Ages, says leading interfaith expert

    Islam’s problems with the modern world are because it has never undergone „a serious religious reformation“ claims German theologian

    Islam is stuck in its own version of the “Middle Ages” which is contributing to a global crisis, one of the leading experts on Islam, Judaism and Christianity argues today.

    Professor Hans Kung, a leading Roman Catholic and theologian from Germany, warns in a lecture of a “deadly threat” to all humankind unless new efforts are made to build bridges with Islam.

  2. Pakistan, das gefährlichste Land der Welt. Laßt die Islamisten an die Atomwaffen kommen – gute Nacht, Freunde. Und immer schön beim pakistanischen Markthändler einkaufen, der macht ja für seine hochwertige China-Ware „gute Preiss“

  3. In Pakistan ist die Lunte gelegt. Ein Funken
    am unrechten Ort, zur unrechten Zeit genügt, um eine Explosion auszulösen am indischen Subkonti-
    nent.

    Die Feinde der Freiheit wären dann sofort im Besitz eines beträchtlichen Arsenals an Atomwaffen.

    Die (noch) freie Gemeinschaft der Staaten muß unverzüglich Überlegungen anstellen, wie dieser tödlichen Bedrohung zu begegnen ist.

    In erster Linie und sofort müssen die Kräfte der Freiheit, die im Besitz atomarer Waffentechnologie sind, eine Agenda für sofortiges Handeln bei einer Machtübernahme durch Extremisten und Terroristen in Pakistan entwickeln.

    Es ist „fünf vor zwölf“.

  4. Um es mit Betsy Udink („Allah und Eva“) zu sagen:

    „Pakistan steht nicht mal am Anfang der Zivilisation“

  5. Tja nur gut, dass Pakistan keine Atommacht ist und… -äh Moment mal…oh, ich erinnere mich da an was…oje!

    Dann halt Taliban mit Atomraketen: Egal!

    Warum? Der Iran baut ja auch an Atomwaffen und wird von Leuten geführt, die mit der Mahdi-Islam-Variante einem jüngsten Gericht entgegenfiebern. Es ist unsereren europäischen Regierungen egal. Wird wohl nicht so wichtig sein. Seit 7 Jahren quasseln die nur dumm herum. Wahrscheinlich ist das ohnehin alles aufgebauscht, denn eigentlich wollen die alle nur eines: Frieden!

    (Dass unsere Politiker zu dumm sind den Unterschied zwischen „Frieden“ und „Grabesruhe“ zu verstehen – dafür sind letztlich wir Wähler letztlich ein gutes Stück mitverantworlich)

    Deshalb an dieser Stelle: Kurt Beck: In der freien Wirtschaft wäre der Knilch Pförtner. Von dieser aufgeblasenen Knalltüte würde ich nicht mal einen Scheibenwischer für mein Auto kaufen, so wenig koscher ist der.

  6. Die politischen Kräfte, die damals entschieden, Pakistan als islamische Republik zu gründen, haben sich mit ziemlicher Sicherheit nicht vorstellen können, dass sie damit das Tor für religiösen Extremismus öffneten, der allmählich den Zusammenhalt des Staates gefährden würde.

    Ich denke dabei immer an den Monumentalfilm „Gandhi“ mit Ben Kingsley in der Titelrolle. Mahatma Gandhi würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was aus seiner Toleranz gegenüber Muslimen wurde, ein terroristisch-korruptes Geschwür, ein Aussatz namens Pakistan.

  7. Ich glaube, um die pakistanischen Atomwaffen muss man sich keine übertriebenen Sorgen machen. Sollte es in Pakistan tatsächlich zu einem politischen Umsturz durch die Islamisten kommen, werden die USA zu handeln wissen, denn sie sind sich dieses Problems durchaus bewusst. Bereits vor 6-7 Jahren, als die amerikanische Invasion in Afghanistan begann, war in den Medien davon zu lesen, dass auf pakistanischem Territorium amerikanische Einheiten operieren, die im Falle eines Falles die Atomwaffen unschädlich machen können. Ich glaube, die USA und auch Israel haben die Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten fest im Blick und werden alles daran setzen, dass Atomwaffen in den Händne islamischer Fanatiker landen!

  8. 😆

    @#12 Renton (17. Jun 2008 15:26)

    “nicht in den Hännden” muss es natürlich heißen!

    Fast richtig, aber wenn, dann lieber so:
    „nicht in den Händen“…

  9. @#7 Toranaga

    Sich mit Pakistan zu verbünden wird die USA noch schwer bereuen.
    Pakistan ist ein Schurkenstaat Nr.1

    Man siehts ja an ihren ehemaligen Freunden, den Taliban!
    Die bedanken sich heute ganz lieb. Und Pakistan ist die Gehirnamputationsstätte, das ideologische Zentrum dieser grössten Primitivkultur der Menschheitsgeschichte.

  10. Was interssiert mich, ob sich die Mohammedaner in Pakistan gegenseitig die Köppe einhauen? Warum berichtet PI nicht über den anstehenden Bürgerkrieg in Deutschland? Nach dem Sieg ihrer Fussballmannschaft bei der EM besetzten die mohammedanischen Kolonisten zum ersten Mal in Deutschland flächendeckend den öffentlichen Raum – und zwar mit Billigung der Polizei.

    Da ich gestern in Berlin zu tun hatte, konnte ich die ganze Machtdemonstration am Anreiseabend in „unserer“ Hauptstadt miterleben. Das Zentrum der Stadt war in ihrer Hand vom Kuhdamm bis zum Alexanderplatz. Deutsche und andere Fahnen rissen sie im Vorbeigehen von den parkenden Autos. Am Tauentzien hielten sie ihre Fahnen so, dass deutsche Passanten in gebückter Haltung unter ihnen hergehen mussten, wenn sie vorbei wollten, ohne Gewalt zu riskieren. Man weilte nicht länger in Deutschland, man fühlte sich wie in einer x-beliebigen anatolischen Metropole. Die Kolonie nahm sehr konkrete Gestalt an.

    War das der Startschuss?????

  11. In Pakistan gibt ca. 20000 Islam“schulen“ mit ca. 3 Millionen Schülern, da wird fast nur der Islam gelehrt. Was willst du mit sovielen Islamgelehrten, die sonst nix können. Ich glaub das sagt alles über das Land.

  12. #15 Charlene

    Was interssiert mich, ob sich die Mohammedaner in Pakistan gegenseitig die Köppe einhauen? Warum berichtet PI nicht über den anstehenden Bürgerkrieg in Deutschland?“

    Weil Pakistan die Atombombe besitzt, und diese in die Hände der Islamisten fallen könnte, und weil Pakistan dieses Wissen auch schon verbreitet hat (Stichort: Abdul Quadeer Khan, Iran). Und weil die 20000 Madrasas (Islamschulen) für ein andauernden Strom fanatischer Dschihadisten sorgt, die sich weltweit ausbreiten, siehe z.B. Afghanistan (stichwort Talibanpest).

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