Schwulen-Ehrenmord in der Türkei

AhmetAuch Männer leben in der Türkei gefährlich, jedenfalls dann, wenn sie ihr Recht auf selbstbestimmte Sexualität wahrnehmen und mit einem anderen Mann leben wollen. Dies musste Ahmet Yildiz (Foto) auf tragische Weise erfahren, dessen Leiche in seinem Auto gefunden wurde. Seinem deutschen Partner wurde vom deutschen Konsulat nahegelegt, so schnell wie möglich die Türkei zu verlassen.

Er selbst sei nur knapp der Ermordung durch die Familie seines toten Partners entgangen. „Ahmet wurde seitdem wir uns kannten mit dem Tod bedroht. Er sagte mir, dass dies seit seinem Coming Out vor einem Jahr so gewesen sei. Als er seine Eltern über seine Homosexualität aufklärte, die dies allerdings schon länger vermutet hatten, wurde ein großer Druck auf ihn ausgeübt. Ahmet fragte mich, ob ich ihn auf ein Eis begleiten will, ich lehnte ab, weil ich erst in seiner Wohnung angekommen war. Einige Minuten später hörte ich Pistolenschüsse und wusste sofort, dass Ahmet das Opfer war. Ich rannte aus der Wohnung zum Tatort und sah ihn, wie er in seinem Auto fliehen wollten. Ich kämpfte mich durch einige Schaulustige nur um ihm noch einmal in die Augen sehen zu können ehe er starb“.

Die türkische Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, allerdings ist Ahmets Partner eher pessimistisch. Er beschreibt Homophobie in der Türkei als „unglaublich schlimm“, und dies hätte sich in den letzten vier Jahren noch verschlimmert. Er macht sich keine großen Hoffnungen über eine Verurteilung des Täters. „Ich kenne das türkische System. Ich habe keinerlei Rechte. Menschenrechte sind lediglich im Westen bekannt und akzeptiert – in der Türkei sind diese nicht verfügbar. Ich habe keinerlei Rechte auf das Erbe, kann ihn nicht beerdigen und kann noch nicht einmal meine persönlichen Sachen aus seiner Wohnung holen. Außer meinen Erklärungen gegenüber der Presse habe ich als Einzelner keinerlei Chance, seine Eltern für die Ermordung ihres Sohnes und meines Partners vor Gericht zu bringen.“ Ahmet Yildiz‘ Partner musste noch in der Mordnacht die Türkei verlassen und ist seitdem untergetaucht.