Laschet verwechselt Ursache und Wirkung

Integration in der SchuleNRW-Integrationsminister Armin Laschet hat gestern den ersten Integrationsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen vorgestellt (PI berichtete). Spiegel und Konsorten sehen alle ihre schönsten Träume bestätigt: „Eingebürgerte erfolgreicher als Deutsche!“ jubeln sie und: „Eingebürgerte gebildeter als Deutsche!

Gewiss, die Zahlen sind zum Teil sehr schön, denn die Quoten der Abiturienten und Selbstständigen liegen bei unseren Mitbürgern mit Immigrationshintergrund, die eine erfolgreiche Einbürgerung abgeschlossen haben, in ungefähr gleicher Höhe wie bei den Deutschen ohne Immigrationshintergrund (30% und 27% bzw. 10,7% und 10,1%).

Das klingt erfreulich, obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte, denn zum Abstieg entschließt sich das Land, dessen schulisches und berufliches Niveau durch Einwanderung sinkt.

Doch die guten Quoten der Eingebürgerten täuschen über die wahre Lage in NRW hinweg. Wer den Bericht genauer studiert als unsere honorigen Qualitätsjournalisten, der stößt auf weiteres, sehr aufschlussreiches Zahlenmaterial. Probleme gehen nach wie vor von jenen Menschen aus, die nicht einbürgerungswillig oder –fähig sind. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen leben 638.000 ehemalige Ausländer, die durch Einbürgerung Deutsche geworden sind. Im Jahr 2007 wurden 32.581 Ausländer eingebürgert. Unter ihnen stellen die Türken mit 10.259 die weitaus größte Gruppe (etwas mehr als ein Drittel), gefolgt von 3.636 aus Serbien/Serbien-Montenegro und 1.850 aus Marokko. Den Eingebürgerten gegenüber stehen die Nicht-Eingebürgerten, unter diesen allein 630.000 Türken. Das heißt: die Zahl der nicht einbürgerungswilligen oder –fähigen Türken in NRW ist so hoch wie die Zahl der Eingebürgerten insgesamt.

Erwerbslos sind nur 7,7% der „deutschen Deutschen“ (ohne Einbürgerungshintergrund), im Gegensatz zu 16,7% der Eingebürgerten (ehemalige Ausländer) und 26,1% der Türken. Die eingebürgerten Türken bringen es immerhin auf eine Erwerbslosenquote von 19,4%. Da die ehemaligen Türken die weitaus größte Gruppe der Eingebürgerten stellen, muss die Erwerbslosenquote bei den eingebürgerten nicht-türkischer Herkunft entsprechend niedrig sein, um zusammen auf 19,4% zu kommen.

Noch viel schlimmer sieht es bei den Schulabschlüssen aus. Nur 2,1% der autochthon deutschen Frauen haben keinen Schulabschluss, im Vergleich zu 43,6% der Türkinnen. Also ca. 22 mal so viele. Eingebürgerte ehemalige Türkinnen bringen es auf 22,8% ohne Schulabschluss (Eingebürgerte ehemalige Ausländerinnen insgesamt: 13,2%).

Ohne Berufsausbildung: 28,9% der deutschen Deutschen, 52,0% der Eingebürgerten, 63,1% der ehemaligen Türken und 77,0% der türkischen Türken.

Auch die Quoten der Abiturienten/Fachabiturienten im Jahr 2007 sehen etwas anders aus, als die von der Jubelpresse übernommenen Zahlen. Listet man diese nicht nach „eingebürgert“ – „autochthon“ auf, sondern nach ausgewählten Bevölkerungsgruppen, dann ergibt sich dieses Bild: 21,4% der Aussiedler erlangten die Hochschul- oder Fachhochschulreife, doch nur 12,8% der Türken, 18,1% der Italiener, 20,1% der Griechen, 15,1% der Marokkaner, 9,8% der Albaner, 8,4% der Serben, aber 22,0% der Polen und 31,5% der Russen (Das sind die Zahlen für die Jungen; bei den Mädchen sieht es ähnlich aus).

Im Fazit: die Tendenz bei den Eingebürgerten ist moderat erfreulich, bei den Ausländern jedoch erschreckend, vor allem bei deren größter Gruppe, den Türken. Hier geht der Unwille zur Integration Hand in Hand mit dem Unwillen zur Einbürgerung bzw. der Unfähigkeit hierzu sowie mit mangelhaften schulischen und beruflichen Qualifikationen.

Dennoch meint Laschet, man müsse die Einbürgerung fördern, um die Qualifikation der Ausländer zu verbessern. Doch dieser Schluss ist ganz falsch, denn er verwechselt Ursache und Wirkung. Der Grund für die bessere schulische und berufliche Situation der Eingebürgerten ist nicht der Akt der Einbürgerung, sondern die ihm zeitlich vorangegangene Integration.

Intelligente Menschen tragen häufig eine Brille. Das ist so. Aber werde ich deswegen intelligent, wenn ich eine Brille aufsetze? Laschet meint: Ja!

(Gastbeitrag von Yaab)