Serap Cileli: Deutschland gibt seine Werte auf

CileliDie türkischstämmige Buchautorin und Menschenrechtlerin Serap Cileli war kürzlich Diskussionsgast in der Sendung „Hart aber fair“ (wir berichteten). Dass es dort aber keineswegs fair zuging, konnte jeder am Bildschirmen sehen. Zu Wort kam sie kaum, statt dessen profilierten sich vor allem Claudia Roth und Michel Friedmann. Serap Cileli hat für PI ihre Eindrücke des Abends wiedergegeben.

Sie schreibt:

Zuerst einmal möchte ich die Gastfreundschaft der Redaktion/MitarbeiterInnen von „hart aber fair“ deutlich unterstreichen. Als ich die Einladung zu „hart aber fair“ erhielt, war ich sehr dankbar, dass die Redaktion das Thema „Einbürgerungstest und Integration“ aufgegriffen hat. Doch meine Erwartungen wurden aufs Bitterste enttäuscht. Dabei möchte ich jedoch besonders betonen, dass meine persönliche Kritik sich ausschließlich auf den Verlauf der Sendung richtet.

Diese Sendung hat den Beweis dargelegt, dass seitens der politischen TV-Gesprächsrunden wenig Interesse besteht, die bestehende Probleme und Integrationsdefizite aufzuarbeiten. In vielen Fernseh-Talkshows werden die Integrationsdefizite und ihre Folgen (u. a. Bildung, Arbeitsmarkt, schleichende Islamisierung Deutschlands) bewusst ignoriert. Wenn das auch bei „hart aber fair“ geplant war, weil alles andere ja den Islam beleidigen könnte, dann kann ich nur eins sagen: Glückwunsch an den Moderator und seine Studiogäste.

Insgesamt war der Sendebeitrag oberflächlich und bot insbesondere Claudia Roth (für die anstehenden Wahlen in Bayern) eine Plattform zur Selbstdarstellung. Doch mit politischer Korrektheit und diplomatischer Langeweile kommen wir nicht weit, wenn wir nach Integration und Ganzheit rufen.

Grafik 1: Wer hat wie lange gesprochen?
Grafik Hart aber unfair(Quelle: israel-network.de)

Leider hat Herr Plasberg eine große Chance vertan, auf diejenige Gruppe angemessen und nachhaltig aufmerksam zu machen, die uns bei der Integration weit voranbringen könnte. Nämlich – muslimische Frauen und Mädchen, die zwar in der Parallelgesellschaft Deutschlands, in ihren aufgezwungenen kulturellen und religiösen Grenzen leben, aber einen entschlossenen Willen haben zur Veränderung ihrer Situation. Sie sind bereit, sich von den Fesseln traditioneller und religiöser Zwänge zu befreien. Nicht selten verlieren manche ihr Leben bei dem Versuch, in der westlichen Welt anzukommen. Schandemorde!

Deutschlands Politiker und Politik-Talk-Moderatoren verkennen eine wichtige Wahrheit: Ohne die Emanzipation und sexuelle Befreiung der muslimischen Frauen wird die Integration (wie seit fast 50 Jahren) auf der Strecke bleiben. Geben wir diesen muslimischen Frauen und Mädchen, ihren Träumen und Zielen eine Chance, werden sie die Integration von Muslimen zum Erfolg führen. Sie würden ihre Kinder auf ein Leben in Freiheit vorbereiten und das ist – nach meiner Meinung – eine unverantwortliche Vergeudung von Potenzial – die direkt vor unserer Nase liegt.

Dass ich in der Sendung kaum zu Wort kam, hat mit meiner Person nichts zu tun. Denn, nicht meine Stimme wurde in der Sendung verstummt, sondern die Stimme von tausenden Musliminnen in Deutschland (auch als Zuschauerinnen), die zu Hause physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt sind.

Grafik 2: Wer wurde wie oft von Frank Plasberg um seine Meinung gefragt?
Grafik Hart aber unfair(Quelle: israel-network.de)

Sie sind Musliminnen, die vielen Hürden und Barrieren gegenüber stehen, um den von ihnen selbst gewählten Weg zu gestalten. Sie gehen Gefahren ein, um sich in die westliche Gesellschaft zu integrieren. Sie kämpfen gegen die, die sie nicht akzeptieren, weil sie mit islamischen Traditionen brechen, weil sie Tabus brechen und Denkverbote nicht beachten. Sie kämpfen, um kein Kopftuch tragen zu müssen.

Zum Thema Kopftuch, möchte ich hier kurz erläutern: Denjenigen Gut-Menschen die behaupten, die Verschleierung einer Muslimin ist im Straßenbild angeblich eine kulturelle Bereicherung, würde ich dringend raten in einem islamischen Land, z. B. Pakistan, Türkei, Iran, Saudi Arabien etc. zu leben, bevor sie es wagen, über die „angebliche“ Freiheit der Musliminnen zu reden. Und genau diese „Gutmenschenfraktion“ möchte weder die Wahrheit wissen noch die Werte der westlichen Zivilisation verteidigen. Im Gegenteil, sie treten die Gefühle europäischer Christen mit Füßen, sie feiern, jubeln und klatschen bei jeder Moschee-Eröffnung mit.

Unter den Muslimen in Deutschland gibt es vereinzelt weibliche kritische Stimmen, die eine Vorbildwirkung für andere Frauen, für die Emanzipation und Integration der Musliminnen haben. Sie (wir) werden aber eher als gefährliche Menschen eingestuft, die das friedliche Zusammenleben aller Religionen gefährden und bekommen deshalb einen Maulkorb – zugunsten islamischer Vereine und Verbände. Durch ihren Toleranzwahn akzeptieren die Gutmenschen sogar inzwischen die „Scharia“ im Namen der Religionsfreiheit – Strafnachlass für „Ehrenmörder“ oder Richterin rechtfertigt Ehe-Gewalt mit Koran.

Deutschland führt weder einen Kampf noch einen Dialog der Kulturen, sondern: Deutschland gibt seine Werte auf. Nach ein paar Jahren werden unsere Kinder und Enkelkinder uns unbequeme Fragen stellen, dann aber befürchte ich, wird es zu spät sein, diese fortschreitende Entwicklung hier zu Lande aufzuhalten.

» hart-aber-fair@wdr.de