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“Was stört mich mein Geschwätz von gestern?”

Posted By PI On 7. Oktober 2008 @ 19:41 In Deutschland, Linke | Comments Disabled

[1] Andrea Ypsilanti, für die nur deshalb die Möglichkeit zum Regieren in Reichweite rückte, weil sie ihren Wählern versprochen hatte, nicht mit den Linken zu paktieren, wird sich nun genau mit deren Hilfe ins Amt wählen lassen. Die FAZ stellt fassungslos fest [2]: “Mit ihr kehrt eine Form der Lüge in die Politik ein, die in ihrer schlichten Dialektik den Rahmen jedweder Verständigung sprengt.”

Zwei Drittel der Wähler sind gegen eine Zusammenarbeit mit der Stasipartei. Auch das ist Ypsilanti egal.

In der Welt dieser Politikerin führt die Lüge direkt zur Wahrheit; zu den ominösen politischen „Inhalten“ nämlich, deretwegen sie das Recht, ja die Verpflichtung zu haben glaubt, nach der Macht zu streben. Sie muss die Menschen – vorerst nur in Hessen – einfach mit ihrem Regime beglücken. (…) Das war schon geisterhaft, was Andrea Ypsilanti am Montagabend in der Talkshow von Reinhold Beckmann im Ersten vertrat und wie sie es vertrat. Sie vermag von sich in der dritten Person zu reden, als ginge es um eine Fremde. Sie vermag einen „Fehler“ zuzugeben, wenn auch nur einen einzigen, nämlich den, dass ihr Wortbruchschwenk (sie nennt es jetzt: „anders überlegen“) für viele „zu schnell“ gewesen sei. Gleichwohl kann sie sich eine richtige Koalition mit der Linken in Hessen jetzt auch schon vorstellen – bei dem Tempo muss man erst einmal mithalten.

Andrea Ypsilanti vermag sich aber nicht an ihre eigene Diplomarbeit zu erinnern, aus der Beckmann einen Satz zur „Sucht nach der Macht“ zitierte (die sich nämlich hinter dem Gerede, es gehe allein um „die Sache“ verberge), und ihre eigenen Worte von damals für Männergeschwätz von heute zu halten (das muss von einem Mann sein). Sie vermag auch dann noch, wenn sie derart nackt dasteht, ein Lächeln anzuwerfen, an das wir uns wohl werden gewöhnen müssen. Und sie vermag zwei Sätze später ungerührt von „Glaubwürdigkeit“ zu sprechen, die jemand verloren habe und deswegen verklagt werden müsse, ohne mit der Wimper zu zucken. (…) Für ein klares Wort zur rechten Zeit nach all den wunderbaren Ausflüchten hatte Beckmann den nächsten Gast eingeladen – den ehemaligen „Stern“-Chefredakteur Michael Jürgs, der dafür bekannt ist, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. „Lüge“ und „Verarschung“ der Wähler, das fiel Jürgs zum Verhalten von Andrea Ypsilanti ein, die endlich einmal nicht so nett guckte und treu lächelte, wie sie es sonst bei der Verabreichung ihrer politischen Medizin tut.

Das war kein Wunder, benannte Jürgs doch klipp und klar die Folgen des Giftes, das sie den Menschen verabreicht: Was immer man von dem Linkspakt in Hessen halten mag, eines vernichtet er in jedem Fall – das Vertrauen der Wähler in die Politik, in die Politiker, in die Parteien. Denn was und wem soll man noch glauben, wenn einem noch die größte Lüge als allein selig machende Wahrheit verkauft wird? Niemandem, und also wächst die Partei der Nichtwähler. Auch das ist ein politischer „Erfolg“.

Bei Beckmann wurde Ypsilanti mit einer Umfrage konfrontiert [3], in der sich 61 Prozent der Befragten gegen eine rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen mit der Tolerierung durch die Linkspartei aussprachen. Ypsilantis Reaktion: „Das sind alles FDP- und CDU-Wähler.“

Glaubt noch jemand an die Herrschaft des Volkes, glaubt noch jemand, in einer Demokratie zu leben?


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[2] stellt fassungslos fest: http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E7462E9AFDE724DC4BA7D138B149CCFAD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

[3] mit einer Umfrage konfrontiert: http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/10/07/ypsilanti/koalition-mit-linken.html