Political correctness in Südtirol

BrixenDie in der deutschen Rockszene sehr bekannte südtiroler Band Frei.Wild hat vor wenigen Monaten die Schlagkraft der Nazikeule zu spüren bekommen. Was war geschehen, dass sowohl die Labels Bandworm-Records und KB-Records als auch EMP, bekanntes Magazin und Merchandiseshop, plötzlich jegliche Zusammenarbeit aufkündigten?

Die Band hatte es gewagt, einen Auftritt bei der „Freiheitlichen Rocknacht“ am 27. September anzukündigen. Organisator des Konzerts war die südtiroler Partei „Die Freiheitlichen“. Zudem kam die Mitgliedschaft des Sängers Philipp Burger bei selbiger Partei heraus, in der er zeitweise auch Vorstandsmitglied für den Bezirk Brixen war. Außerdem hatte Burger zu früheren Konzerten Aufkleber mit der Aufschrift „Südtirol ist nicht Italien“ mitgebracht.

Dieses Engagement war insofern verwunderlich, da sich die Band stets zwar patriotisch, aber explizit unpolitisch gab. Dies fußt vor allem auf dem Umstand, dass die Band und die gesamte Szene vor allem durch die Band „Böhse Onkelz“ geprägt wurden. Diese hatte in ihrer Gründungszeit Berührungspunkte mit der rechtsextremen Szene, distanzierte sich jedoch sehr schnell und blieb anschließend unpolitisch. Aber die Kritik machte sich natürlich nicht an der bloßen Aktivität an sich fest, sondern Die Freiheitlichen wurden sofort als rechtsextrem diffamiert. Niemand kann verleugnen, dass sich auf Deutschrockkonzerten einige zwielichtige Gestalten herumtreiben. Daher ist eine Distanzierung der Szene zum Rechtsrock und eine gewisse Skepsis konsequent und richtig. Also sollte zunächst einmal die betreffende Partei selbst betrachtet werden:

Selbst im Wiki taucht kein einziges eines der sonst üblichen Adjektive „rechts(populistisch/radikal/extrem)“ auf. In der Selbstbeschreibung nennen sie sich „liberal-demokratisch“. Vorgeworfen wurden ihr in der Diskussion um Frei.Wild vor allem ihr 10-Punkte Programm, veröffentlicht auf der Seite der Freiheitlichen Jugend. Anstoß fanden vor allem folgende Punkte:

1. Südtirol zuerst! Einwanderung stoppen, Heimat schützen! Sofortige Ausweisung von ausländischen Straftätern und illegalen Zuwanderern! Vernünftige und ordentliche Einwanderungsregelung!

2. Europaregion Tirol! Aufrechterhaltung des ethnischen Proporzes! Stärkung der Tiroler Identität!

5. NEIN zum EU-Beitritt der Türkei! Schutz vor einer Islamisierung Südtirols und Europas! NEIN zu Moscheen! Erhalt der abendländischen Identität, welche das Fundament unserer Gesellschaft darstellt!

6. Angemessene Allgemeinbildung! Entpolitisierung der Schulen! NEIN zu interethnischen und multikulturellen Bildungsprojekten!

7. Förderung der traditionallen Familie und Verbesserung ihrer Lebensbedingungen! Geburtenförderung statt Zuwanderung!

Die „10 Punkte“ sind eine Kurzfassung des gesamten Grundsatzprogrammes. Ich kann hieraus keinerlei rechtsextreme Tendenzen erkennen. Sicherlich ist es unklug von der Band, sich stets unpolitisch präsentierend, plötzlich bei einer Parteiveranstaltung aufzutreten, politische Betätigung in welche Richtung auch immer musste Teile der Fans zwangsläufig verschrecken. Aber mit der Reaktion ihres Labels und gar ihres eigenen Managers, der die Band ebenfalls (zeitweise) verließ, konnte sie nicht rechnen. Unter diesem Druck gab die Band schnell nach, auf Druck des Managements wurde das Konzert abgesagt und Philipp Burger gab sein Amt und seine Mitgliedschaft bei den Freiheitlichen auf.

Dazu Burger:

„Was die Mitgliedschaft bei den Freiheitlichen betrifft: Ich bin aus der Partei wieder ausgetreten und habe auch das Amt niedergelegt, aber nicht etwa deswegen, weil ich Schuldgefühle habe oder mit dem Parteiprogramm nicht einverstanden wäre, soviel ist sicher, sondern weil ich, vor allem nach der Aussprache mit der Crew, eingesehen habe, dass es etwas zwiespältig ist, Parteimitglied zu sein und gleichzeitig Distanz vor der gesamten Politik zu nehmen, da gebe ich euch recht und habe meine Konsequenzen gezogen.“

Das reichte, um sich mit dem Management zu vertragen, auf der Suche nach einem neuem Label ist die Band immer noch.

Mir ist ein vergleichbarer Vorgang wegen eines Konzertes unter linkem Banner unbekannt. Wiedereinmal wird mit zweierlei Maß gemessen, zudem eine freiheitliche rechtskonservative Partei per se zu Nazis gemacht.

Mein einziger Vorwurf an die Band ist: Steht zu euren Ansichten! Bleibt als Band meinetwegen unpolitisch, das ist aufgrund des wirtschaftlichen Druckes kaum anders möglich. Aber engagiert euch als Privatpersonen! Leider wird das Thema seitens der Band mittlerweile totgeschwiegen, im Bandforum ist jede politische Diskussion unerwünscht. Das Management ist anscheinend der Meinung, durch das Ignorieren politischer Themen größere Zielgruppen erreichen zu können. Zu lesen ist im Forum lediglich noch dieses Statement:

Zu den Diskussionen im Vorfeld haben wir bereits das wesentliche gesagt und wollen Abschließendes für die Zukunft hinzufügen: Die Band Frei.Wild wird nach wie vor unpolitisch bleiben und jede Form von Extremismus von sich weisen und bekämpfen! Ein politisches Engagement wird es von keinem Bandmitglied, ganz gleich welchem politisches Colour, geben!

Stattdessen sollten die Bandmitglieder offen mit dem Thema umgehen und ihre gesellschaftspolitischen Ansichten ehrlich klarstellen. Dies würde ihren Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, denn ihre Fans haben noch nie etwas auf politische Korrektheit oder die Mainstreammedien gegeben.

Anbei interessante Zitate und Links – Philip Burger zu seinen Beweggründen:

“Es sei gesagt, dass ich (Burger Philipp) im Sommer in die Bezirksgruppe Eisacktal (Brixen) der Freiheilichen Südtirol gewählt worden bin. Ihr werdet euch denken, verdammt, was hat Philipp da verloren, wo er sich doch immer von Politik distanziert hat und immer eine klare Line in dieser Sache gefahren ist. Stimmt, was die Band betrifft, war das auch immer so und was meine Freizeit bis dahin anging, war es auch so. Warum ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe, war einzig und allein die Tatsache, dass in Brixen in Sachen Nachtleben grundlegende Veränderungen angesagt waren und man, nur weil man Musiker ist, nicht jedes Mal und überall tatenlos zusehen muss. Es kann nicht sein, dass fast jedes Wochenende gewalttätige Übergriffe ausländischer Gangs auf einheimische Jugendliche begangen werden, wie das in Brixen der Fall ist. Dieses Problem gab es vor fünf Jahren in Brixen noch nicht und somit bestand kein Handlungsbedarf. Als jedoch dieses Jahr der hochschwangeren Freundin meines Kumpels von diesen oben genannten Personen grundlos und vor mehreren Zeugen mehrmals gegen den Bauch getreten wurde, zwei meiner Kumpels, die eingreifen wollten, noch Brutaleres widerfahren ist, wandte ich mich im Auftrag dieser Kollegen an den Obmann dieser Partei, um ihm von dieser Sache zu berichten. Nach mehreren Treffen mit ihm wegen dieser Problematik schloss ich mich dieser Sache an, war er doch auch der Einzige, der diese Vorfälle auch an die Öffentlichkeit brachte.”

Leider sind die entsprechenden Forenthreads & News auf der Frei.Wild Homepage nicht mehr verfügbar. Songtextauszüge:

„Das ist das Land der Vollidioten, die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat, wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten, wir sind einfach gleich wie Ihr, von hier.“ – Das Land der Vollidioten

„Doch heute ist alles anders, vieles Scheiße: Verkehr, Umweltverschmutzung, Bauten fremder Welten, Brixen, wir sind deine Kinder und passen auf Dich auf, stürzt die Kraft vom Thron der Gemeinde, die dich so krank macht.“ – Brixen

„Südtirol, wir tragen deine Fahne, denn du bist das schönste Land der Welt, Südtirol, sind stolze Söhne von dir, unser Heimatland, wir geben dich niemals her. Südtirol, deinen Brüdern entrissen, schreit es hinaus, daß es alle wissen, Südtirol, du bist noch nicht verlorn, in der Hölle sollen deine Feinde schmorn.“ – Südtirol

» Die Geschichte Südtirols auf der Band-hp
» Die Geschichte Südtirols bei Kewil. Must Read!

(Gastbeitrag von Andreas G.)